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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 448 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 27 in jedem Unternehmen, in welchem es sich um das Wohl und Heil, um das Glück und Unglück des Judentums handelt, durch Tat und Wort einzugreifen. Und so können wir hier das Gelöbnis ablegen, daß, wenn der Ruf an uns ergehen wird, wir hilfsbereit durch Tat und Wort all denen zur Seite stehen werden, die dem Judentums zu helfen bereit sind, wie sie immer heißen mögen, welchem Lande sie angehören und welche Parteischattierung sie immer tragen. Unsere Devise heißt: Helfen! (Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Dr. Jakob Engel: Gestatten Sie mir, .namens des vorbereitenden Komitees dem Gefühle des Dankes Ausdruck zu geben, daß die Versammlung so zahlreich besucht ist und uns eine so große Anzahl illustrer Persönlichkeiten mit ihrem Besuche beehrt hat. Sie sind aber gewiß eines Sinnes, wenn ich, bevor ich die Versammlung schließe, noch speziell eines Mannes gedenke, den wir alle in unser Herz geschlossen, dieses Stolzes des Judentums, dieser Zierde unseres Volkes, des Mannes mit dem Feuermute in dem goldenen Herzen, unseres Zangwill. Wo Juden beisammen sind, da ist auch ein Gebet gestattet, und so richten wir denn unser Flehen zu dem Allmächtigen, daß, er diesen ausgezeichneten Mann im Vereine mit seiner Gattin bis an die äußerste Grenze menschlichen Lebens walten und Waffen lasse, zum Ruhme unserer heiligen Sache und zum Wohle des Judentums! Hiemit schließe ich die heutige Versammlung. Schluß der Sitzung halb 12 Uhr. Nachmittagssitzung. Nachmittags begannen die .eigentlichen geschäftlichen Beratungen, welche von der Konferenz für vertraulich erklärt wurden. Die Ausschließung. der Presse von diesen Sitzungen hat eine lebhafte, stellenweise sehr stürmisch verlaufende Debatte hervorgerufen, da besonders aus Rußland, England und Amerika Korrespondenten jüdischer und nichtjüdischer Blätter eigens zu dieser Konferenz nach Wien gekommen waren. Israel Zangwill hielt sein mit Spannung erwartetes Referat über Angola. Zangwill erzählte zunächst die Entstehungsgeschichte dieses Projektes, auf welches er gerade vor einem Jahre durch eine Zuschrift aus Bulawayo aufmerksam gemacht wurde. Er gab die bereits bekannten Vorgänge in Lissabon, sowie die Einbringung und Annahme der Gesetzesvorlage über die jüdische Siedlung in Angola im portugiesischen Parlament ausführlich bekannt, berichtete ferner, daß er sich auch die Sympathien der englischen Regierung gesichert habe, und setzte dann fort: „Nun darf W es der Jto anraten, die Sache aufzunehmen? Meine Ansichten über diesen Punkt sind rein persönlich: da ich aber Gelegenheit hätte, dieselben tagtäglich in Lissabon mit dem Richter Teitel und Dr. Jochelmann zu erörtern, so darf ich mir einbilden, daß ihre Meinungen sich von den mehligen kaum wesentlich unterscheiden. Gestatten .Sie mir, es von vornherein zu sagen, daß, die Gesetzesvorlage in ihrer gegenwärtigen Gestalt mW persönlich nWt allzu sehr berührt, und zwar schon aus dem Grunde, weil die portugiesische Institution der Reglamentos die Regierung in den Stand setzt, das Prinzip einer Gesetzesvorlage ihrer praktischen Anwendung .anzupassen. Ich überschätze auch nicht den komplizierten Koder, die Fiskusabsurditäten und die mittelalterlWen Militärbegriffe, die noch gegenwärtig die Kolonialpolitik Portugals beherrschen. Diese Methoden, weWe bereits der große Nationaldichter Campens im 16. Jahrhundert verspottete, als er ihre Wirttmg in Goa sah, wird man schließlW beseitigen, sobald die Republik Fortschritte macht. Selbst der chauvinistische Geist der gegenwärtigen Vorlage mit ihrem Wunsche, daß Portugiesisch die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen sein sollte, ist eher ein frommer, als praktischer Wunsch. Schulen entstehen nicht in einem Tage und Sprachen, die nicht in der Umgebung begründet sind, können nicht Mnstlich auferlegt werden. Das einzig Wichtige ist, ob Angola die Möglichkeit eines jüdischen Heimatlandes darbietet. Ich bin zu glauben geneigt, daß, so paradox es auch klingt, infolge einer seltsamen Verkettung anormaler Umstände die Antwort bejahend ausfallen sollte. Die erste günstige Bedingung ist die Abwesenheit von Juden in Portugal. Ein soWes Projekt hätte nie in einem Lande entstehen können, die eine wirkliche jüdische Bevölkerung besitzt. Entweder wären da die Christen zu antisemitisch., um ein solches zu fassen, oder die Juden selbst zu antisemitisch, um es zu gestatten. Die Vertreibung der Juden aus Portugal im Jahre 1492 könnte sich auf diese Weise als ein verstellter Segen erweisen. Selbst unter den gegenwärtigen Umständen darf man auf den Beistand der 80 Jüdischen Familien in Portugal mit der Schüchternheit? wie sie in einer Gemeinde nicht überraschen darf, welche erst vor einem Monate legalisiert worden ist, nur insoferne rechnen, als daß der Plan von Portugal und nicht von der Judenheit ausging. Der zweite Faktor, der fast ebenso günstig wie die Abwesenheit der Juden, ist das Vorhandensein jüdischen Blutes in der portugiesischen Rasse. Ganz Portugal ist mit halb bewußtem Rassemitgefühl, durchsättigt, und eine Verbindung von Juden und Portugiesen bei der Erschaffung eines neuen Zentrums der Zivilisation in Angola ist eine natürlichere Mischung als jede andere. .Drittens ist das kein Gefühlsprojekt, sondern M Geschäftsplan. Portugal ist sich bewußt, baß es Angola nicht wirksam besetzt halten kann und daß Deutschlands afrikanische Grenze mit der seinigen entlang schreitet. Eine jüdische Kolonie in Angola unter' portugiesischer Fahne erweist sich als das einzige Mittel dazu, daß diese Fahne in weiten Gebieten dieser großen LäNderstrWe weiterflattert. In der Tatsache, daß Portugal die Juden für seine eigenen Zwecke ausbeuten will, liegt die wahre Bürgschaft seines Ernstes, die wirkliche Solidität dieses Projektes. Bekenntnisse christlicher Liebe, Kundgebungen von Gewissensbissen über die Sünde von 1492 würden bloß unseren Skeptizismus wachgerufen haben. Und doch existieren diese Gewissensbisse allerdings nicht über ein Verbrechen, sondern über etwas Schlimmeres! Ueber einen Fehler, über ein schlechtes Geschäft. Jedermann in Portugal, vom Präsidenten der Parlamentskammern an, gestand mir, daß die Ausweisung der Juden Portugals größter historischer Fehler gewesen ist. Ramada Curto, der Ausleger der jüdischen Gesetzesvorlage, rief in der Kammer aus: „Die Vertreibung dieses Volkes ist die Ursache unserer Entartung geworden." In seinen Weiteren Ausführungen Wies Zangwill darauf hin/ daß die portugiesische Regierung und das Parlament mit dem angenommenen Gesetze zunächst nur eine individuelle jüdische Siedlung yorsehe. -Neben dem Angolaprojekt besprach Z an g w ^ll auch ein zweites Landprojekt, welches sW auf ein Gebiet in Zentralamerika bezieht, und empfahl schließlW folgende Resolution zur Annahme: „Die unter dem Vorsitze Israel Zangwills in Wien versammelte, und aus Juden aller Länder zusammengesetzte Konferenz ergreift die Gelegenheit, um der portugiesischen Deputiertenkammer ihren Dank für die Annahme einer Gesetzesvorlage auszusprechen, welche jüdischen Kolonisten in Angola Landkonzessionen anbietet. Dieses Anerbieten mildert

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