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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 450 Dr. MMs MochMchrift Nr. 27 Ito im Interesse des jüdischen Volkes unternimmt, so soll auch dieses von Itoisteu zu gründende Finanzinstitut nicht aus rem philanthropische, sondern auf reelle geschäftliche Grundlage gestellt werden. Die näheren Details dieses Planes werden in kürzester Zeit in einem Prospekte der Oeffentlichkeit bekannt gegeben werden. Welchen Ankkang diese Idee gefunden hat, gehe daraus hervor, daß er in der Lage sei, schon jetzt zu melden, daß in wenigen Minuten von bloß drei hier anwesenden Persönlichkeiten 10.000 Pfund Sterling Shares gezeichnet wurden. Diese Mitteilung des Präsidenten wurde von stürmischen, langanhaltenden Beifallskundgebungen begleitet. Nachdem nunmehr die Tagesordnung erschöpft war, hielten Dr. Wunderlich-Oppeln und der Vizej- Präsident des Wiener Jtokomitees Direktor Dr. S. Krenberger Schlußreden. Dr. Wunderlich-Oppeln: Die Konferenz nähert sich ihrem Ende. Die Tagung war stellenweise stürmisch und heiß, trotzdem hoffe ich, daß wir nicht unbefriedigt diese Stätte verlassen werden. Wir haben auf dem Gebiete der Organisation immerhin einen bedeutenden Schritt nach vorwärts getan. Wir haben beschlossen, daß ein Komitee, dessen Arbeitsfreudigkeit und Eifer unser bestes Vertrauen genießt, uns innerhalb kürzester Zeit ein Statut vorlege, das sicherlich bei allen interessierten Persönlichkeiten und in allen Kreisen Anklang finden dürfte. Wir haben ferner zwei Kommissionen gewählt, deren Tätigkeit nicht nur für die territorialistische Bewegung, sondern für das ganze jüdische Volk von größter Bedeutung in Zukunft sein soll. Die zuletzt gewählte Kommission, die sich zum Teile aus den prominentesten jüdischen Persönlichkeiten zusammensetzt, wird die Prospekte aller.Art prüfen und sichten. Wir haben ferner eine Kommission gewählt, die sich mit dem wichtigsten Punkte unserer heutigen Tagesordnung, mit dem Angolaprojekte, befassen soll. Hoffen und wünschen wir, daß diese Kommission seinerzeit zu einem Ergebnis kommen wird, das dem jüdischen Volke zum Heile und zur Freude gereichen möge. Ich habe jetzt noch die angenehme Pflicht, allen jenen Personen zu danken, die sich um das Zustandekommen dieser Konferenz verdient gemacht haben. Zunächst den Schweizer Herren, die zu dieser Konferenz die Initiative ergriffen und die Vorarbeiten geleistet haben. Dank auch den Wiener Herren, die keine leichte Aufgabe hatten, diese Konferenz ordnungsmäßig vorzubereiten und ständig dafür Sorge zu tragen, daß sie in so .würdiger Weise verlaufen ist. Ich glaube, wir sprechen unseren Dank in der Weise aus, daß wir uns zu Ehren der genannten Herren von den Plätzen erheben. (Die Versammlung erhebt sich unter lebhaften Akklamationen.) Dr. Krenberger-Wien: Im Namen der Wiener hatte ich die Freude, Sie am Mittwoch in unserer Stadt in unserer Mitte begrüßen zu können. Nach den schweren Tagen der Arbeit, die hinter uns liegen, werden Sie unsere Stadt und uns wieder verlassen. Die Erinnerung an die Ito-Tage wird jedoch noch lange Zeit in uns fortleben und nachklingen. Die Wirkung dieses Ihres Besuches wird offenbar die sein, daß der territorialistische, der itoistische Gedanke in unserer Stadt festere Wurzel schlagen und weitere Kreise umfassen wird. Mit Befriedigung und Freude konnte ich konstatieren, daß fast die ganze offizielle Iudenschast Wiens an unserer Tagung Anteil genommen hat. Das ist ein Erfolg, der in ganz besonderer Weise zu verzeichnen ist. Ich kann Ihnen aber auch im Namen unserer Mitglieder, und dabei hebe ich vor allem unseren lieben, guten Freund Schmidt hervor, der die Hauptarbeit durch 7 Iahre geleistet hat (lebh. Beifall), im Namen aller unserer Kommilitonen das Versprechen abgeben, daß wir im Sinne der Gedanken und der Idee unseres hochverehrten Herrn Präsidenten arbeiten werden, einträchtig und einhellig. Dort, wo sich Konflikte ergeben haben, waren wir immer bestrebt, sie auszugleichen. Wir werden auch in Zukunft in unserem Lager keinen Zwist, wohl aber Meinungsverschiedenheiten dulden, und ich hoffe, daß, wenn wieder einmal der Ruf an uns ergehen wird, uns in gemeinsamer Arbeit zu beraten, wir wieder in den ersten Reihen zu finden sein werden. Wie einst in her zionistischen Bewegung, so steht heute auch Wien in der itoistischen Bewegung in der vordersten Reihe, und das soll auch weiterhin so bleiben. Dafür büxge ich. Und nun adieu, liebe Freunde, tragen Sie den Gedanken und die Ideen unserer Bewegung in die weite Ferne. Wir aber wollen schließen mit einem Hoch auf Zangwill und seine hochgeschätzte, liebenswürdige Gattin. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Schlußrede >Mr. Israel Zangwills. Herr Zangwill sprach seine Zufriedenheit darüber aus, daß die Konferenz, trotz der gelegentlich schroff bekundeten Meinungsverschiedenheiten, in einer äußerst friedlichen Stimmung schloß, die ein einheitliches Zusammenwirken ermöglicht. Wie er bereits am Grabe Herzls betont hatte, machen sich heftige Widersprüche nur in Augenblicken der Erregung geltend, während die Ziele sie alle vereinen. Er bezeichnete als skandalös die Behauptung des Herrn Davis Tritsch, man habe das Angolaprojekt zu Reklamezwecken inszeniert und ausposaunt. In dev Wirklichkeit aber hatte dieses Gebiet die Ito seit Iahten beschäftigt, während die Verkündung dieses Projektes nicht von der Ito, sondern von der portugiesischen Regierung ausgegangen war. Es wäre geradezu tölpelhaft, durch die Empfehlung eines unbrauchbaren Landes Reklame machen zu wollen. Iedenfalls sei die Ito zu ehrlich, um ein Land anzuraten, in welchem die Einwanderer keine Gelegenheit finden könnten, ihr Auskommen zu gewinnen. Die Ito will überhaupt niemanden dahin schicken, wohin er nicht freiwillig ziehen möchte. Die Ito stellt sich bloß zur Aufgabe, ein Land ausfindig zu machen, welches, wie die anderen Einwanderungsländer, ökonomische Existenzbedingungen und gleichzeitig.den Boden für ein jüdisches Leben zu bieten vermag. Wenn trotz der Bemühungen der Ito ein solches Land nicht zu finden wäre, so würde dieselbe es offen bekennen. Falls es sich erweisen sollte, daß Palästina diese Bedingnisse zu erfüllen geeignet ist, so würde er für Palästina, das ebenfalls ein Territorium ist, eifrig arbeiten und seinen Anhängern dasselbe empfehlen. Wenn aber alle Versuche in dieser Richtung fehlschlagen sollten, so würde man zu einer politisch! bescheideneren Kolonisationsform Zuflucht nehmen, und es gereicht ihm zur Genugtuung, daß die Kolonisations-Kommission auch in solchem Falle nützliche Arbeit leisten könne. Ohne der Entscheidung dieser Kommission vorgreifen zu wollen, mache er kein Hehl daraus, daß er in einem solchen Falle Amerika vorziehen würde, wo bereits zwei Millionen Juden vorhanden sind und einen politischen Einfluß genießen, der sich erst jüngst durch die Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland offenbarte. Die Galvefton-Emigration bewegt sich bereits in dieser Richtung und das Kiewer-Komitee, welches diese Aktion leitet, wird sich nicht nur der Realisierung einer Mandelstamm-Kolonie, sondern auch einer umfangreicheren landwirtschaftlichen Emigration ännehmen. Zum Schlüsse dankt Zangwill den Konferenzmit-

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