Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 447 er bei seinem Streben, sein Ziel zu erreichen, bekundet und an den Tag legt. Eine Geduld und Ausdauer, die ihren beredten Ausdruck in dem wunderbaren Bericht gefunden hat, den er heute uns lieferte. Geduld und Ausdauer ist in dem vorliegenden Falle eigentlich der wichtigste Teil. Er selbst hat in seinem Berichte hervorgehoben, und es ist nichts neues, was er uns gesagt hat, daß der Kampf, den wir führen, ein harter ist, nicht nur ein Kampf gegen Staaten und Regierungen, gegen Hasser und Feinde des Judentums, sondern ein Kampf gegen die Zerklüftung im Judentum, gegen Eifersüchtelei unter den Juden, ein Kampf gegen Jndifferentismus bei den Juden, ein Kampf, der tatsächlich große Kraft, eine ganz immense Geduld und eine ungeheure Ausdauer braucht. Ich gratuliere uns und gratuliere der Jto zu ihrem Präsidenten, ganz besonders von diesem Standpunkte aus, daß er nicht erlahmt, und gebe gerne der Hoffnung, nicht bloß des Kultusvorstandes und dieser Versammlung, sondern der allgemeinen Hoffnung Ausdruck, daß er kn diesem Kampfe nicht ermüden werde, und daß es Ihm mit Gottes Hilfe gelingen wird, jenes Ziel allmählich, wenn auch nur etappenweise, zu erreichen, welches ihm bisher in allen seinen Tätigkeitsgebieten vorgeschwebt hat. Ich bin aber auch berufen, dem verehrten Prüf sidenten Zangwill die Sympathie und den Dank namens jenes vorbereitenden Komitees auszudrücken, welches über Wunsch einer angesehenen russischen Gruppe hier in Wien zusammengetreten ist, um eine Emigrations- Konferenz vorzubereiten, die infolge äußerer Verhältnisse bisher allerdings nicht stattfinden konnte. Es mußte aus Gründen, die hier nicht entwickelt werden können, ein Stillstand eintreten. Die Sache ist aber noch nicht aufgegeben, und die Zeit muß abgewartet werden, wo die Dinge möglich werden und sich besser gestalten. Jene Konferenz hat sich auch nur jene Aufgabe gestellt, welche in dem Berichte unseres verehrten Präsidenten Ihnen hier zur Kenntnis gelängte, die Aufgabe des Zusammenschlusses aller jüdischen Organisationen, die sich mit der Not der Juden befassen und daran denken, diese Not zu lindern und allmählich zu benehmen. Dieses Komitee war bescheiden genug, sich nicht an die Spitze stellen zu wollen. Das Streben war, nur einen Zusammenschluß herbeizuführen, dann möchte die Führung wer immer übernehmen. Dieselbe Erfahrung, die unser Gast heute uns in seinem Bericht zur Kenntnis brachte, hat auch dieses Komitee gemacht. Es ist aber dadurch nicht abgeschreckt worden, und die Schuld, daß nichts geschehen ist, liegt an den äußeren Verhältnissen. Hochansehnliche Versammlung! Der Kampf, der scheinbar nur für die Juden geführt wird, ist meiner Ansicht nach ein Kampf für die Sittlichkeit, ein Kampf für die Menschlichkeit. Und gerade die Behandlung der Juden zeigt, auf welchem tiefen Grade die Sittlichkeit in alle;: sogenannten Kulturstaaten sich befindet. Wenn wir es heute erleben, daß das als liberal geltende England, daß Frankreich, La Grande Nation, welches immer zu seinem Ruhme vorgebracht hat, daß es für Menschlichkeit und Humanität kämpfe, wenn diese beiden Staaten um die Gunst jenes Rußland buhlen, in welchem der Berliß- Prozeß, der Kiewer Prozeß vor sich gehen kann, der unsere Hilsner-tSchmach noch weit übertrifft, wenn wir weiters fehen müssen, wie Rumänien, welches kraft des Berliner Vertrages seine Unabhängigkeit und Selbstständigkeit erhalten hat, sich über diesen Vertrag hinwegsetzt und nicht einer von den sogenannten Kulturstaaten sich auch nur rührt, um Rumänien an seine völkerrechtliche Pflicht zu erinnern, so ist dadurch der Tiefstand der öffentlichen Sittlichkeit, der öffentlichen Ethik genug gekennzeichnet. Und es kann mich gar nicht wundern, daß unter solchen Umständen auch in der großen Masse die Verrohung eindringt und sich weiter verstärken muß. Ich glaube also, daß, wenn wir den Kampf für unser Judentum führen, wir auch für die höhere Sittlichkeit kämpfen. Wenn wir an unseren Präsidenten und die Jto-Gesellschaft die Bitte richten, sie mögen weiter unentwegt, ohne Rücksicht auf etwaige Anfeindungen, ihres Amtes walten und kräftig dem Ziele zustreben. Und der Gott, der uns Juden ja doch noch nie verlassen hat, möge diese Bestrebungen mit seinem Segen begleiten. 'Ich begrüße nochmals den Herrn Präsidenten im Namen der Gemeinde (Lebh. Beifall.) Dr. Knöpfmacher, Delegierter der B'nai B'rith. Meine Damen und Herren! Der Vorsitzende hat in seinen einleitenden Worten erwähnt, daß die Jto eine Organisation der Arbeit für das jüdische Volk sei. Auch ich habe die Ehre, über Aufforderung und freundliche Einladung des Präsidiums hier als der Vertreter einer Organisation zu erscheinen, die sich ebenfalls die Aufgabe gesetzt hat, für das Judentum in allen Beziehungen zu schaffen und zu sorgen. Der Bund der jüdidischen Brüderschaft B'nai B'rith hat die Aufgabe, die ethische, geistige und wirtschaftliche Hebung der Juden in allen Teilen zu fördern. Er hat insbesondere die Auf-, gäbe, alle Bestrebungen zu unterstützen, welche das Schicksal der Juden in irgend einem Teile der Erde berühren und zu fördern und zu begünstigen geeignet sind. Ich glaube, in unserem Kreise herrscht kein Zweifel darüber, daß gerade die Bestrebungen der Jto geeignet sind, in dieser Richtung dem Judentum zu dienen. Deshalb danke ich dem verehrten Präsidium für die freundliche Einladung, die es unserer Vereinigung zuteil werden ließ. Ich wünsche der Konferenz der Jto den besten Erfolg und gebe Ihnen die Berlßt sicherung, daß seitens der Humanitätsvereine B'nai B'rith Ihre Bestrebungen stets die tatkräftigste Unterstützung erfahren werden. Wilhelm Pappenheim, Vorsteher der Israelitischen Allianz, spricht die Ueberzeugung aus, daß sich die Israelitische Allianz mit einem fertig gestellten diskussionsreifen Kolonisationsvorschlage der Jto eingehend und gerne beschäftigen würde. S. Rubinstem, Biel: Es ist ein ernstes Gefühl, das uns beseelt. Hoffen wir, daß wir diesen ernsten Augenblick nicht vorübergehen lassen werden, ohne etwas Ersprießliches zu leisten. Wollen wir diesen ernsten Augenblick dadurch als unseren festen Willen demonstrieren, indem wir eine Pflicht erfüllen und Dr. Herzl. einer der größten Persönlich keilen seiner Zeit, den Begründer des politischen Zionismus und des Territorialismus, dadurch ehren, daß wir in corpore auf sein Grab gehen und dem Manne den Dank abstatten, dessen Erben wir sind. (Der -Antrag wird unter lebhaftem Beifall angenommen.) Rabbiner Dr. D. Feuchtwarig. Wien: Es würde vielleicht als eine Anomalie betrachtet werden, wenn die in der Versammlung anwesenden Rabbiner, die sonst überall sprechen, hier schweigen. Allerdings könnte dieses Schweigen als Zustimmung betrachtet werden. Ich erachte es doch für notwendig, in einem einzigen Satz dem Empfinden Ausdruck zu verleihen, welches gewiß alle meine Kollegen in dieser würdigen, ernsten Versammlung und Stunde erfüllt. Dieses Gefühl heißt: Wir haben die sittliche Aufgabe und Pflicht, zu jeder Zeit, bei jeder Gelegenheit, in jeder Körperschaft und