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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 4M Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 36 3 in erS, des Wohlfahrtsanstalten-Erbauers par exeolleueo durchzuführen, scheiterten an der Behörde. Die Hilfe kam von ganz unerwarteter Seite. Einer der christlichen Milliardäre von Philadelphia starb und vermachte eine Million Dollars zur Errichtung eines Tuberkuloseheims, die nach ein2m Jahre an den Staat Newyork fallen sollte, falls das pennsylvanische Sanitätsgesetzes nich't geändert würde. Das half. Da die Rivalität der einzelnen Bundesstaaten größer ist, als sie aus der Entfernung scheint, und die Tuberkulose gerade häusig genug auch in Philadelphia auftritt, wurde die Bestimmung schleunigst geändert. Und so konnte 1903 ein Gebäude im Südosten Philadelphias erworben, umgebaut und eröffnet werden. Um ja sicher zu gehen, ernannte der Staat eine Kommission von auswärtigen Bürgern und Aerzten, nicht solchen von Philadelphia, welche das Gebäude auf seine Brauchbarkeit prüften. Daß das Mount Sinaispital die kleinste Sterblichkeit von allen Spitälern von Philadelphia hat, ist heute wohl der beste Beweis, daß es in bescheidenerem Rahmen dem Beispiele des Newyorker Hauses folgt, eine Musteranstalt zu fein, nnd von zahlenden Patienten ebenso gerne aufgesucht wird, wie dieses. Das Spital beherbergt zirka 820 Patienten im Jahr (zirka 10,883 Verpflegstage), 42,488 Personen besuchten die Ambulanz in diesem Fabriksviertel; außerdem waren 5599 Unfälle ambulatorisch und im Spital behandelt. Me möglichen und unmöglichen Zufälle der enormen Fabrikstätigkeit. Trotz der großen Material- und Lebensmiltelgeschenke, trotzdem die konsultierenden Aerzte mit größter Aufopferung unentgeltlich amtieren, sind infolge der steigenden Lebensmittelpreise die Verpflegskosten von 16.04 Dollars auf 18.28 Dollars per Woche gestiegen. Den Ausgaben von 63,393.72 Dollars stehen Einnahmen von 70,300.44 Dollars gegenüber, darunter, erfreulicherweise eine Staatssubvention von 13,750 Dollars und 5000 Dollars Fondsspende des Staates. Die freiwilligen Spenden der Patienten werfen an 3000 Dollars ab, dafür trägt der jährliche Mount Sinaiball über 10,000 Dollars, und selbst der berühmte Saal der Gartenbaugesellschaft in der fafhionablen Broad Street, der größte der Stadt, könnte im vergangenen Jahre die Besucher nicht alle fassen, so daß manche Ballkönigin unverrichteter Sache nach Hause zurückkehren mußte. Daß das Amt des Präsidenten keine Sinecüre ist, bewies Herr Lit, indem er dein Spital in diesem Jahre den Bestbetrag einer bei ihm kontrahierten Schuld im Betrage von fast 14,000 Dollars schenkte. Außer dem Ball (Präsident Mr. Philipps, der versteht, dem Spital jährlich ein so enormes Erträgnis zuzuführen, obwohl das Komitee Men Gästen, ehr Gratissouper gibt, worin dieser Ball ein Unikum ist), steht auch' hier dem Spital eine Damen- Hilfsgesellschaft (Präsidentin Mrs. Morris Ritch) zur .Seite, die dem Spital die gesamte Wäsche zuschneidet und gratis liefert, ferner eine Gesellschaft „der Freunde des Spitals", d. h. eine kleine Schönheitsgalerie junger Damen, die im Verein mit ihren Freunden für die Unterhaltung der Kranken und die ihrige zum Besten des 'Spitals sorgen. Ebenso haben sich die gewesenen Sekundarärzte der Anstalt zu einem Verein konstituiert, der Wissenschaftliche Publikationen mit den jetzigen Aerzten herausgibt. Namentlich auf operativem und dem Gebiete der Augenheilkunde leistet das Spital das Allerbeste, und berühmt ist die Wärterinnenschule unter Miß May Cook, die in dreijährigem Kursus die Schülerinnen zu perfekten Spezialwärterinnen und Hygienikerinnen heranbildet Dafür ist unter den Konsultations- und Spitalsärzten kein weiblicher, aber vielfach Söhne der großen Kaufmannswelt und ' Fabrikanten, welche das Spital errichten halfen, aus, welchen Kreisen sich bedeutend mehr Aerzte in Amerika rekrutieren, wie bei uns. - Am 7. Oktober 1909 war der Festtag des Spitals und des gesamten Ghettos von Philadelphia, wie sich im Scherz die Judenschaft mit Stolz im Lande der Freiheit nenüt. Der stets schaulustigen Menge der amerikanischen Großstädte wurde an diesem Tage ein farbenprächtiges, künstlerisches, von glänzenden Reden und klassischer Musik belebtes Bild geboten. An diesem Tage veranstaltete der Verein nämlich einen Festzug sämtlicher Freimaurerlogen Pennsy'waniens, welche sich unter den Klängen des Krönungsmarsches aus dem „Propheten" zur Ecke der Fünften Avenue und Reed Street in Bewegung setzten, wo sie unter den poetischesten und feierlichsten Gebräuchen ihres Ordens unter freiem Himmel den Grundstein zum neuen Spital legten. Unter den Großmeistern waren natürlich sehr viele, die meisten, Nichtjuden, dafür aber auch manche jüdische Rabbinen. Diese Form der Einweihung wurde absichtlich gewählt, weil ja das Spital durchaus keinen konfessionellen Charakter tragen wird und will, und Vertriebene jedes Glaubens hier Aufnahme finden sollen. Die höchsten Funktionäre des Staates Pennsylvanien, seine Senatoren, sein Staatssekretär M. S. Bare, in Amerika natürlich Mitglieder der Logen, auch der Präsident des älteren jüdischen Spitales Hackenberg und andere hielten Reden, in denen das warme Herz und die Gesinnung des Judentums und des Freimaurertums mit zwei Golfströmen verglichen wurden, welche in der Kälte des Meeres der Erwerbsjagd ihre ursprüngliche Milde beibehalten. Neben den Verdiensten Lits und Hackenbergs, der der jüngeren Anstalt als Kassier Vorsieht, wurden aber von allen Rednern auch der des öfteren von uns erwähnte Herr Jakob Margulies erwähnt, der, selbst ein Einwanderer aus dem Osten, dem Verein nur seine rastlose Energie und seinen weiten Blick zur Verfügung stellen konnte, und so. der dritte im Bunde dieser beiden erbangesessenen und reichen'MaMer Mrde.' " ' : ';- Der Neubau geht langsam seiner Vollendung entgegen, da man hier wieder nach amerikanischem System höchst praktischerweise die einzelnen Pavillons nacheinander nach Maßgabe der vorhandenen Kräfte baut. Mit ungeahntem Lurus nach unseren Begriffen, ist der Pavillon der trefflichen Wärterinnen ausgestattet. Da die Spitäler mit zwei Feinden zu kämpfen haben^ die bei uns unbekannt sind, Schwarzwasserfieber und Flecktyphus, und auch akute Geisteskranke zulassen, erfordert der Bau sehr große Mittel. Obwohl der Staat Pennsylvanien sogar das Erbgesetz für Vereine etwas erschwert hat, um der allzu großen Schenklust des Pennsylvaniers zu Ungunsten seiner Verwandten etwas zu begegnen, ist dies doch nur ein erfreuliches Zeichen, wie enorm dort eben geschenkt wird, wovon uns in Philadelphia auf Schritt und Tritt die Stiftungs-, Museums- und Bibliotheksgebäude, diese wahren und großartigen Königspaläste der Neuen Welt, überzeugen. So wird auch das Mount Sinaispital immer mehr und mehr seiner dreifachen Aufgabe als Heilstätte, als Ausbildungsschule für Aerzte und Wärterinnen und als wissenschaftliches Institut dank der Stiftungen und Schenkungen gerecht werden können. Daß an einer Stelle, wo vor drei Jahrhunderten vielleicht Rothäute ihre unbrauchbaren Greise und verkrüppelten Kinder hilflos verschmachten ließen, heute arme Angehörige jedes Glaubens und jeder Farbe in Krankheit ein Unterkommen und eine Pflege finden, wie es in vorigen Dezennien selbst Fürsten versagt war, ist der schönste Fortschritt der vielfach geschmähten modernen Kultur, zu der unser altes Volk so viele Bausteine zuträgt. C. Benedikt.

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