Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 439 treter sämtlicher Behörden der Stadt und des Staates teikgenommen. Die Festrede hielt Professor Carlo Salvioni, der, wie „Settimana Israelitica" berichtet, die großen Verdienste rühmte, welche Eraciadio Ascoli sich um die Sprachwissenschaft erworben hglte. Die Kriegsfahne der jüdisches Frauen. Wie das italienische offizielle Blatt „Eiornale d'Italia" aus Venghasi in Tripolis berichtet, haben die jüdischen Frauen dieser Stadt am 2. Juni, als der Jahreswende der italienischen Verfassung, zum Beweise ihres Vertrauens für die italienische Regierung dem Kommandanten von Benghasi eine eigenhändig gestickte Kriegsfahne in italienischen Farben überreicht. Die Fahne, welche ein Kunstwerk der weiblichen Handarbeit darstellt, wurde am 2. Juni auf dem Gebäude des italienischen Konsulates feierlich gehißt und vom Militär, wie auch von der angesammelten Menge enthusiastisch begrüßt. Das Denkmal für dm Dichter Ratrsbonnr. Der Dichter Louis Ratisboune, dessen Denkmal vorigen Samstag in Jardin du Luxembourg feierlich enthüllt wurde, gehörte, wie „Univers Israelite" hervorhebt, einer angesehenen jüdischen Familie in Straßburg an, zwei seiner Onkel, Söhne eines Bankiers und Präsidenten des israelitischen Konsistoriums von Straßburg, hatten durch ihre seinerzeiligen Uebertritte zum Christentume nicht geringes Aufsehen erregt. Der Dichter Ratisbonne selbst figuriert mit einem seiner Gedichte in einem französischen Gebetbuche für jüdische Mädchen. Louis Ratisboune ist bis an sein Lebensende Jude geblieben. Professor Theodor Gomperz im College de France. Der gelehrte Professor an der Wiener Universität, Hofrat Dr. Theodor Gomperz, der vor kurzem seinen achtzigsten Geburtstag feierte, wird, einer Einladung folgend, im November d. I. im College de France in Paris einen Vortragszyklus über die Lehren Platos hallen. Die jüdische Auswanderung im Monate April. Die Zahl der jüdischen Einwanderer im Newyorker Hafen während des Monates April dieses Jahres war eine verhältnismäßig geringe Sie betrug im Ganzen 2126 Köpfe. Von ihnen kamen 1490 aus Rußland und 274 aus Österreich. Unter den Einwanderern befanden sich 269 Mädchen ohne Begleitung. Die jüdische Gesellschaft zur Unterstützung der Einwanderer hat an die verwandten Gesellschaften int Auslande eine Zirkularnote ergehen lassen, durch welche die Auswanderer dringend gewarnt werden, nur dann die Reise nach Newyork und die Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt auzutreten, wenn sie die volle Gewißheit haben, daß sie den bestehenden amerikanischen Ernwanderungsgesetzen vollkommen zu entsprechen in der Lage sind, da die Hafenbehörden auf den Einwanderungsplätzeu in letzter Zeit besonders strenge Vorgehen. Eme Sammlung für die Mandelstamm-Kolome. Behufs Gründung einer Kolonie zum Andenken des verstorbenen Professor Dr. Mandelstamm in Amerika hat sich unter dem Vorsitze des Herrn L. I. Brodsky ein aus den hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten Rußlands bestehendes Komitee gebildet, welches nun einen Aufruf zur Sammlung von 100,000 Rubel als Gründungsfonds erläßt. Auszeichnungen in Egypten. Anläßlich seines Geburtstages hat der Khedive von Egypten, wie aus Alerändrien berichtet wird, an mehrere militärische und Zivilpersonen Auszeichnungen verliehen. Unter ihnen befinden sich auch die folgenden jüdischen Funktionäre: Mar Herz Pascha, der Präsident der Kommission zur Erhaltung der arabischen Kunstdenkmäler, Archivinspektor Herzer Bey, Zollinspektor Jaques Salom Bey und eine Anzahl jüdischer, in Diensten der Regierung stehender Aerzte. Feuilleton. Das Hospital vom Kerge Sinai in Philadelphia. Obwohl in Philadelphia schon seit lange ein jüdisches Spital bestand, d. h. ein Hospital, das vom „Jüdischen Spitalsverein" gegründet war, aber jedermann ohne Unterschied des Glaubens und der Farbe Unterkunft bietet, wie schon seine Ueberschrift sagt, konnte dieses Haus den wachsenden Bedürfnissen der Arbeiterbevölkerung Philadelphias schon lange nicht mehr genügen. Der wohltätige Sinn der jüdischen Kolonie hätte längst für die Einwandererkreise ein neues gegründet, aber der Errichtung desselben stellten sich unüberwindliche Hindernisse entgegen. Nicht nur, daß der ..Spitalsmißbrauch", das heißt die Benützung der Spitäler durch Wohlhabende. drüben noch größer ist wie bei uns. was ganz begreiflich ist bei dem enormen Luxus und Komfort der amerikanischen Spitäler, die Aerzteschaft eines Ortes einer neuen Spitalsgründung also keineswegs freundlich gegenüber steht, waren es die sehr komplizierten Gesetze des Staates Pennsylvanien. welche eine neue Spitalsgründung fast unmöglich machten, so daß z. B. in Pittsburg ein mit dem Aufwande von Millionen errichtetes nichtjüdisches Spital ein halbes Jahrzehnt unbenutzt stehen mußte, weil die Betriebseröffnung verweigert wurde. Verlangten doch die Staatsgesetze, daß Spitäler nur in gänzlich unbebauten Gegenden errichtet werden, und war daher die Errichtung eines Spitals für die jüdische ärmere Bevölkerung dadurch ganz ausgeschlossen, die eben in dem südöstlichen Armenviertel Philadelphias massiert ist. So hatte sich im August 1899 die Beth Israel Hospital-Gesellschaft gegründet, mit dem Zweck, eine Ambulanz, später ein Spital in der südöstlichen Unterstadt Philadelphias für dortige arme Juden zu gründen, ohne dabei aber andersgläubige Einwohner oder jüdische Bewohner der City auszuschließen. Doch waren alle Bemühungen umsonst, blieben es auch, als sich der Verein mit der Franklin- Gesellschaft vereinigte, die denselben Zweck verfolgte, jedoch nicht von jüdischen Kreisen ausging. Diese zwei vereinigten Gesellschaften konnten aber in der Prnestreet ein großes Ambulatorium in einem gemieteten Hause eröffnen und standen beiden schon genügende finanzielle Mittel zu Gebote. Im März 1900 hatte sich nun aus den südöstlichen Kreisen Philadelphias eine dritte Gesellschaft gebildet, welche unter dem vielversprechenden Titel „B e r g S i n a i - G e s e l l s ch a f t" nach dem Muster des Newyorker Spitals ein jüdisches Spital und eine Wärterinnenschule auf ihr Programm geschrieben hatte. In der großzügigen Weise, die uns in der amerikanischen Armenpflege so wohltut. die nirgends großzügiger und von Rassenhaß freier ist. als in Philadelphia, vereinigten sich die drei Vereine und aus der allgemeinen Wahl ging M. Jacob Lit, der heute noch Präsident ist. als Obmann hervor. Diese Wahl war überaus glücklich, denn Mr. Lit. „ein königlicher Kaufmann", wie frei nach Shakespeare der Vertreter der Regierung ihn bei der Grundsteinlegung des Spitals nannte, erfreute sich als geborener Philadelphiäer aus einer holländisch-jüdischen Familie, die in der Stadt zu Reichtum und Ansehen gelangt war, allgemeiner Beliebtheit. Er mußte aber seine Kollegen im Vorstand noch einige Jahre damit vertrösten, daß, wenn die bestehenden Wohlfahrtsanstalten mit Schulden und Defizit kämpften, sie langsam ein ziemliches Vermögen erwarben, aber keine Anstalt hatten, und alle Versuche, die wohldurchdachten Pläne Luis Maga-