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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 436 , “ Dr. Vwchs Wochmschüft Nr. 2ß Mächten in dieser Richtung unlernommenen Schritten nachdrücklich st anschließe. Dieser Antrag wurde von der Kammer angenommen. enOörtW Täuflinge. i Aus Budapest wird uns geschrieben: Vor einigen Jahren war Graf Paul SZäpary Gouverneur von Fiume. Und da die dortige Judengemeinde eine neue Synagoge hauen wollte, bat der Rabbiner den Grafen Szapary, er möchte ihm einige Empfehlungen an reiche Glaubensgenossen in Budapest geben» die er um einen Beitrag zum Tempelbau angehen wollte. Graf SzapSrh gab ihm Empfehlungen an Baron Albert Wödianer, an Baron Harkany und noch einige gewesene Glaubensgenossen des Rabbiners. Graf Szapary wollte damit augenscheinlich dartun. daß Juden. Such wenn sie bereits 50 Jahre getauft sind, in den christlichen Kreisen nüch immer als Juden gelten. Jetzt ist eine förmliche Em!- pörung unter einer groben Anzahl angesehener getaufter Juden m Budapest ausgebrochen. Die Veranlassung hiezu Lot der folgende Vorfall: J.n einer kleinen, oberungarischen Gemeinde soll ein Tempel gebaut werden. Und einige Delegierte wurden nach Budapest entsendet, um hier bei reichen Glaubensgenossen um Beiträge vürzusprechen. Da erinnerte sich einer der Delegierten Ln eiMn Ehemaligen Schukkollegen, mit dem er gut befreundet war und der jetzt an einer Budapester Kirche das Amt eines Geistlichen versieht. Den Lat er um Empfehlungen. Der Geistliche gab ihm Empfehlungen an etwa 30 Budapester Einwohner, an denen er selbst in der letzten Zeit die Taufe vollzogen hat. Diese wurden nun von den Delegierten der Reihe nach angegangen, aber überall begegneten sie sehr unangenehm überraschten Menen. Wenn ein Jude sich einmal hat taufen lassen, läßt er sich ungerne an die Religion erinnern, die er verlassen hat, und nun kommt der Geistliche selbst, der sie getauft hat, und erinnert sie an ihr Judentum. .Sie waren' auch tatsächlich alle furchtbar empört, und einige beschlossen sogar, ihre Empörung in einer geharnischten Schrift an den Pfarrer zum Ausdruck zu bringen. Brief aus Lemberg. Die Lemberger Zudenschaft steht unter dem Eindrücke einer ylanzend gelungenen gesellschastlich-philanhtrop'.schen Veranstaltuna. deren Bedeutung weit über den materiellen Erfolg hinausgeht. — Der am lL Juni zugunsten der jüdischen Volksküche und des Schülerbespeisunasvereines stattgefundene „Kirschentag" hat diesen Institutionen einen Reingewinn von nahezu 10.000 Kronen zugeführt und die Existenz dieser wichtigen Vereine für längere Zeit gesichert. Erfreulicher jedoch ist die Tatsache, daß sich nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung, ohne Unterschied der religiösen und politischen Schattierung, in einem geradezu fanatischen Eifer zusammenfand, um auf jede mögliche Weise zum Gelingen des Tages beizutragen. Geradezu rührend war eL, mit welcher Bereitwilligkeit unsere ärmsten Brüder und Schwestern in den engen Gaffen des Ghettos ihre Gaben darbrachten, manchmal über ihre finanziellen Verhältmff;, wobei viele die Sammler mit Segensworten begleiteten. Ebenso muß gerühmt werden, daß sich die christliche Bevölkerung bis zum kleinsten Arbeiter sehr rege an den Sammlungen beteiligte, ein kleiner Lichtblick in unseren traurigen Tagen. Alle, die an diesem Tage längere Zeit in den Straßen der Stadt verweilten, waren bald von einer Festlsstimmung ergriffen und wer etwa mit bösen Vorsätzen gekommen war, mußte bald vor dem Liebreiz der unerschrockenen Sammlerinnen kapitulieren, die kein Mitte! unversucht ließen, um ihre Büchsen möglichst vcll zu machen. Es war ein erhebendes Bild, die unzähligen schönen, meist weißgekleideten Mädchen, den Früchtenkorb in der Hand, von Akademikern begleitet, an der Arbeit zu sehen, mitunter griff-n auch verheiratete Frauen ein. Die Damen ließen sich in ihrem Eifer, durch das mehrmals eingetretene Unwetter, nicht wankend machen und wenn es momentan gar zu arg wurde, dann fiüchteten sie in die Kaff.-ehauser oder in die elektrische Straßenbahn und setzten hier ibre Arbeit fort. Um die Mittagsstunde war der ganze Vorrat an Fi ächten erschöpft und das Komitee mußte eilends nach neuer Munition Umschau halten, denn es Halt, das Schlachtfeld bis in den svaten Abend zu b°haupten. Es würde zu weit führen, wollte ich beute oll die Damen und Herren nennen, deren eifriger Mitarbeit der Erfolg des Tages zu verdanken ist. Es sei deshalb nur hervoraehoben. daß die Initiative zu dieser Veranstaltung von unserer auf philanthropischem Gebiete unermüdlich tätigen Frau FaMY Stroh aitsgtng.die trotz ihres leidenden ZastandeS wochenlang! in aufopferungsvoller ,W^sse die KömitcearbeiteN leitete, wobei ihr Frau Wanda Mäschler und Fräulem Ella Allerhand mit seltener Energie rllr Seite standen. Diesen Damen, die von einem rührigen Herrenkomitee unterstützt wurdenist die Lberoüs schwierige Organisteriing des Unternehmens zu danken, das zur bleibenden Einnahmequelle unserer wohltätigen Anstalten werden dürfte. Sämtliche jüdisch-akademischen Vereine, in erster Reihe die jüdisch-nationalen, darunter der seit kurzem bestehende Verein jüdischer Hochschülerinnen haben eifria mitgetan. Es war ein schöner Tag, an den wir mit Freude zuruckdenkcn wollen und wir hoffen, daß diese erste Probe jüdischer Gesamtarbeit im Dienste der Rächstettltebe auch in anderen großen Gemeinden Nachahmung finden werden Z a k. B o d e k. Eine VMainmÄM Nr VerMehenem Aus Schitomir m Rußland wird hörichtöt: D2r neüe Gouverneur voü Schitomir hat gegen sämtliche Jstden, welche m den Dörfern dieses Go^verneMnts wvhneiir einen kurzfristigen., Ausweisungsbefehl erlassen. Die von dieser. MätzrWl Betroffenen Veranstalteten nun in Ka- Meni-Bröd eine Versammlung, in welcher sämtliche Redner der Ueberzeugung Ausdruck gaben, daß der alte Weg des Petitionierens und Vettelns bei den hohen Behörden nicht Mehr gängbär fei, dä die Volksverbänöltt die VöUStn.^ mit dMen die Juden bis jii die. letzte Zeit in volleni Friedefi lebtön, s3 sehr verhetzt haben, dass stN Wölterverbleiben der Juden in den Dörfern schon kaum möglich sei. Die Versammlung beschloß daher, die Vertreibungsmaßregel ohne jeden weiteren Versuch, sie rückgängig zu machen, zur Kenntnis zu nehmen, und alle Dorfjuden des Gouvernements Wohlm, welche durch diese Ausweisung betroffen wurden, einzuläden, gemeinsam nach Palästina aUszuwändern Änd dort eine eigene Kölönie der Wohliner Vertriebenen zU gründen. Die Versammlung wählte äuch zwei Delegierte, und zwar Michael Zernigowski und Samuel Rägil, welche die Vollmacht erhielten, in Palästina den, geeignetsten Platz zur Gründung der Kolonie ausfindig ^U. .Mächew. . ...... PurrMewiM als Bikdungsminister. Der plötzliche Aufstieg des reaktionärsten Antisemiten Rußlands, des berüchtig stell Pogrömheiden, Purischkewitsch erweckt in den progressiven Kreisen Rußlands immer mehr Unruhe. Erst jüngst meldeten wir die Er- Ernennung Purischkewitsch zum wirklichen Staatsrat, und nun bringt die offiziöse „Rußkaja Snamja" die selbst in Rußland sensationell wirkende Nachricht, daß Purischkewitsch demnächst zum Gehilfen des Bildungs- Ministers ernannt werden wird. Das offiziöse Blatt unterstützt seine Behauptung damit, daß der Bildungsminister Kasso seine Zustimmung zu dieser Ernennung bereits gegeben habe. ' Die Schächtfmgis fit Nr Duma Anläßlich der Verhandlung eines Titzrschutzgesetzes in der russischen Duma kam es zwischen den Reaktionären und der Opposition zu heftigen Ausemändersetzungem Die Redner der Linken machten der Rechten Vorwürfe darüber, daß. sie sich der Tiere annehtnen. während in Rußland heute der Mensch noch schutzlos sei. Die Rechte könne überhaupt mit Tieren besser umgehen, als mit Menschen, es sei eine Schmach, daß die Duma gezwungen werde, sich mit dem Schutze der Tiere zu beschäftigen, während ihr keine Gelegenheit geboten wird, das Gesetz zum Schutze der Person zu beraten und durchzuführen. Der Führer der ertvemen Rechten, Kowalenko, stellte hierauf den Antrag, das Tierschutzgesetz auch auf das Schächten auszudehnen, indem es bei hoher Arreststrafe verboten wird. Der jüdische Deputierte Nifselowitfch weist in längerer Rede die Angriffe Kowalenkos auf das energischeste zurück, worauf der Antrag Kowalenko, nachdem sich auch der Berichterstatter, gegen denselben ausgesprochen hatte, abgelehpt wird.

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