Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022008--21261-3046345
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 435 Dr. Blochs Wochenschritt ihn mit Wasser, kneten und bilden das Material, gießen es in Formen, und wir erhalten schöne, künstlerische Figuren, das teuerste Porzellan. Es gehört zu allem ein Doppeltes: einguter, schöpferischer Künstler und ein brauchbarer Stofs." „Ich sah in Newyork die Flüchtlinge aus slawischen Ländern, man erkennt in ihnen nicht den mutlosen, niedergeschlagenen, verzweifelten Juden von Nordosteuropa. Sie sind Amerikaner geworden, nichts macht sie kenntlich als Eingewanderte, geschweige denn als Juden." „Zwischen dem wahren Geist des Amerikaner tums und des Judentums finden sich viele Berührungspunkte und eine innere Verwandtschaft. Die Ideen der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, welchen die nordamerikanische Republik ihre wunderbare Größe verdankt, findet man bereits bei den alten hebräischen Propheten feierlich verkündet,- die amerikanische Unabhängigkeitsdeklaration enthält kurz und bündig sozusagen den Extrakt der prophetischen Lehren." „Der jüdisch-amerikanische Staatsmann Oskar Strauß hat in einer seiner Schriften darauf hingewiesen, daß die Bundesverfassung der „Vereinigten Staaten", welche jedem einzelnen Staat vollständige Unabhängigkeit läßt und doch alle gemeinsam zu einem Volke und einer unzertrennlichen politischen Gemeinschaft verbindet, ihre .Grundidee aus der Verfassung des altjüdischen Staates mit den zwölf Stämmen genommen hat, jener Verfassung, die der Gesetzgeber Moses noch eingerichtet hat und die bis zur Gründung der hebräischen Monarchie in Geltung war." Korrespondenzen. Generalversammlung der Adas Jisroel. Am 16. b. M. fand im großen Saale des Bethamrdrasch Thora Ez Chaim die Generalversammlung der Adas Jisroel statt. Der Vorsitzende, Dr. Reiniger, begrüßte in Vertretung des verreisten Obmannes Herrn Philipp Back die Erschienenen. Er konstatierte mit Befriedigung, daß trotz der vorgerückten Jahreszeit die Versammlung so stark besucht sei. Das Ansehen des Vereines sei stets in erfreulichem Wachstum, was daraus erhelle, daß in der letzten Zeit mehr als 50, darunter sehr hervorragende Persönlichkeiten, Herren sich zum Beitritt zum Vereine meldeten. Dem verstorbenen Herrn Samuel Gold widmete der Vorsitzende einen ehrenden Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Als Vertreter der Kultusgemeinde war Herr kais. Rat Kauders erschien. Der Vorsitzende begrüßte ihn als Förderer und Freund aller religiösen Bestrebungen. Der Berichterstatter des Vereines, Herr Pappenheim, verwies auf den vorliegenden Bericht, der die das gesamte religiöse Gebiet mnfassende Tätigkeit des Vereines kurz darstellt. Die mo-n, koscher Fleisch, rrso Unterrichtsanstalten werden von fast dem ganzen jüdisch-religiösen Wien in Anspruch genommen. Die materielle Lage des Vereines ist in einer günstigen Entwickelung. Den laufenden Einnahmen von Kr. 49,854 und außerordentlichen Einnahmen von Kr. 3600 stehen an regelmäßigen Ausgaben Kr. 45,384 gegenüber, so daß das Vermögen einen Zuwachs von Kr. 8000 erfuhr. Unter den Ausgaben befinden sich Kr. 930 an Subventionen für Vereine, Kr. 3386 an Spenden für Vereine, Kr. 1125 Beteilung von Kr. 240 Kaiser Franz Josef-Iubiläumsarmenbeteilung. In wiederholten Fällen hat der Verein für Eltern, deren Kinder in der Schule wegen Einhaltung der jüdischen Sitten Unannehmlichkeiten hatten, erfolgreich interveniert. An der Debatte über den Bericht beteiligten sich die Herren Bernhard Hofbauer, M. F i g d o r. S. Kohn, Göza Braun, Jakob Fuchs. Herr S. Kohn dankt für die Ehre, dem Vereine angehören zu dürfen, und wünscht, der Verein möge bei der Kultusgemeinde gemeinde dahin wirken, daß nur religiös empfindende Religionslehrer bestellt werden. Herr kais. Rat Kanders spricht namens der Kultusgemeinde dem Verein den Dank aus. Er rühmt die Tätigkeit des Vereines, den er als unentbehrliche Notwendigkeit für die Wiener Iudenschaft bezeichnet, da er allen das religiöse Leben in Wien erhält. Schließlich beantragt Herr Hofbauer namens der Revisoren, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen. Herr Hofbauer ebenso wie Herr S p u tz rühmen die korrekte Buchführung und Gebarung des Kassiers Herrn Glückselig, die musterhaft ist. In dem Schlußwort fordert der Referent Herr P a ppenheim die Versammlung zum allgemeinen Beitritt zur „Agudas Jisroel" auf. Die Wahl der Revisoren B. Hofbauer. Emil Neurath, Artur Sputz erfolgt durch Akklamation, worauf der Vorsitzende mit Dankesworten für die Teilnahme, besonders an Herrn kais. Rat Kauders, die Versammlung schließt. Bischöflicher als der Bischof. Aus Neumarkt wird uns berichtet: Vorige Woche kam der neuernannte Krakauer Fürsterzbischof, Fürst Sapieha, in unsere Stadt. Auf dem.Bahnhofe erwarteten den Kirchenfürsten verschiedene Deputationen, darunter auch eine Abordnung der jüdischen Gemeinde. Die Arrangeure des Empfanges hielten es jedoch für gut, die jüdische Deputation dem Fürstbischof nicht vorzustellen. Auch in der Stadt selbst befand sich unter den verschiedenen Körperschaften eine Abordnung von Juden zur Begrüßung des Fürstbischofs. Aber auch hier wurde die Vorstellung der jüdischen Deputation unterlassen. Bei der jüdischen Bevölkerung hat diese Geringschätzung große Erbitterung hervorgerufen und auch der Bischof erfuhr von dem Affront, der den Juden widerfahren ist. Um nun zu zeigen, daß er mit dem Vorgehen seiner übereifrigen Gläubigen nicht einverstanden ist, sandte der Fürstbischof seinen Sekretär zum Kurtusvorsteher Dr. Schein, um diesem die Erklärung zu übermitteln, daß der Fürstbischof es sehr bedauere, daß ihm die jüdischen Deputationen nicht vorgestellt wurden, und den Wunsch ausdrücke, daß die Juden und Christen friedlich ohne Haß und ohne gegenseitige Verhetzung beisammen leben mögen. Am darauffolgenden Tag fand im hiesigen Gymnasium die erste Maturitätsprüfung statt. Ueber striktes Ersuchen des Fürsterzbischofs hielt der Direktor des Gymnasiums an die versammelten Schüler eine längere Rede über die Notwendigkeit des friedlichen Zusammenlebens der Christen mit den Juden. Daß die Antisemiten von Neumarkt von dieser unzweideutigen Lektion ihres Kirchenfürsten nicht sehr erbaut waren, braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden. Die niederösterreichische Handelskammer und die jüdischen Reisenden in Rußland. In der öffentlichen Plenarsitzung der niederöstecreichischen Handels- und Gewrrbekammer stellte der Kammerrat, Direktor der Kreditanstalt Dr. Paul Hammerschlag den Dringlichkeitsantrag, die Kammer wolle wegen der für Reisende jüdischer Konfession in Rußland bestehenden Beschränkungen vorstellig werden, damit die Regierung im Wege des Auswärtigen Amtes bei der russischen Regierung auf die Aufhebung aller derartigen Beschränkungen .einwirke, und sich allen vom anderen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.