Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 437 Nr. 26 Dr. Blocks Wochenschkist MML des MLWs» EMgrationslvngresses in RußL'and. Wie bereits berichtet, hat die jüdische Emigrationsgesellschaft in Petersburg die Abhaltung eines ruffischjüdischen Emigrationskongresses in Kiew geplant. Da nun alle Anzeichen dafür sprechen, daß die russische Regierung die Abhaltung eines solchen Kongresses in einer russischen Stadt nicht gestatten werde, wurde in der letzten Sitzung der Petersburger Emigratirmsgesellschaft beschlossen, den Kongreß in Krakau abzuhalten. Die Vorbereitungen zu demselben sind bereits in Angriff genommen worden und wird der Termin des Kongresses in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Streik der Kommission wegen Abschaffung des Mischen Ansiedlungsgebietes. Der in ihren letzten Zügen befindlichen dritten Reichsduma liegt bekanntlich ein Gesetzentwurf betref-i send die Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsgebietes in Rußland vor. Der Gesetzentwurf wurde einer Duma-' kommission zur Vorbereitung überwiesen, welcher auch der jüdische Deputierte Nisselowitsch augehört. Wie es scheint, haben die Kommissionsmitglieder beschlossen, diese wichtige Vorberatung dadurch unmöglich zu machen, daß die Kommissionssitzungen durch Absentierung einer Anzahl von Mitgliedern beschlußunfähig gemacht wird. Dies wiederholt sich jetzt schon einig emale, und so mußte auch die für vorige Woche einberufene Kommissionssitzung wegen Beschlußunfähigkeit abermals vertagt werden. EA interessanter Freispruch. Im Bezirksgerichte von Alerandrowsk wurde dieser Tage ein interessanter Prozeß verhandelt. Angeklagt war die Frau eines Wachmannes, die beschuldigt wurde, die anläßlich der großen Pogrome der Juden geraubten Wertsachen am sich,.genommen: und. behalten zuchabem Das Gericht ging mit einem Freispruch vor, und zwar Mit der .echt russischen Motivierung, daß die Untersuchung ergeben habe, daß nicht die Frau die geraubten Gegenstände sich angeeignet habe, sondern ihr Mann, der Polizist ist und auch heute noch dieses Vertrauensamt in der Stadt bekleidet. Russische Kaufleute für ihre jüdischen Berufskollegen. Aus Odessa wird berichtet: Die neue Maßregel zur .Unterdrückung des jüdischen Kaufmannsstandes in Rußland, durch welche verfügt wird, daß die jüdischen Kaufleute sich eigene Kaufmannspässe zu lösen haben, in welchen die Zeitdauer ihres Aufenthaltes außerhalb des Ansiedlungsgebietes genau verzeichnet werden muß, hat in den Odessaer russischen Kaufmannskreisen große Erbitterung hervorgerufen. Der Vorsitzende des Odessaer Börsenkomitees. Kotljarewski, hat in einer öffentlichen Sitzung den Standpunkt der russischen Kaufmannschaft in dieser Frage dahin präzisiert, daß. diese Maßregel, obgleich sie nur gegen die Juden gerichtet ist. auch die nichtjüdischen Kaufleute aufs tiefste verletzen müsse. Der Kaufmannstand ist der ruhigste und arbeitsamste im Reiche und es sei daher unverständlich, weshalb gegen Kaufleute solche Mittel in Anwendung gebracht werden. Das jüdische Ansiedlungsgebiet als solches, das heißt, die Abgrenzung des Wohngebietes der Juden, sei . ein großes Unglück für den russischen Handel und die russische Industrie, weshalb alle russischen Kaufleute im Interesse des Standes alles aufbieten müßten, um diese Wohnbegrenzung so rasch als möglich aufzuheben. Schon im vorigen Jahre, als der Plan dieser neuen erniedrigenden Maßregel bekannt wurde, haben sämtliche Börsen- ' komitees von Südrußland an den Handelsminister Timaschew ein Memorandum gerichtet, in welchem sie sich gegen die geplante Maßregel aussprachen. Timaschew erklärte damals, daß diese Rechtsbegrenzung vom Minister des Innern, Makarow. aufs nachdrücklichste gefordert werde. Leider gibt es in Rußland keine solchen Handelskammern, deren Stimme von solchem Einfluß wäre, daß sie gegen ' solche schändliche Verletzung der Rechte der Kaufmannschaft mit Erfolg protestieren könnten. DZe Arbeiten der Rab binrrkommiffion in Rußland. Aus Kischinew wird berichtet: Aus Anlaß des hundertjährigen Jubiläums des Anschlusses von Beffarabien an Rußland weilte der Gehilfminister des Innern, General Charwin, in Kischinew. Diese Gelegenheit benützte der Kischinewer Rabbiner Zirelsohn, um dem Minister einen Besuch abzustatten. Der Minister empfing den angesehenen Rabbiner sehr freundlich und dankte ihm für den schönen Empfang, der ihm in Kischinew, und hauptsächlich der Juden, bereitet wurde. Der Rabbiner Zirelsohn interpellierte den Minister, was eigentlich aus den Arbeiten, welche die Rabbmsrtonferenz im Jahre 1910 nach langen Beratungen fertiggestellt und der Regierung unterbreitet habe, geworden sei. Der Minister machte nun die Mitteilung, daß eine Spezialkommission sich gegenwärtig mit dem Studium des gesamten von der Rabbinerkommijsion seinerzeit verfaßten Aktenmaterials beschäftige und es sei zu hoffen, daß die Kommission in nicht allzu ferner Zeit in der Lage sein werde, ihren Bericht zu erstatten. AinerikanHch-JüdHche PubUkatisns-GLsekffchaft. Vor kurzem fand in Philadelphia die 24. Jahresversammlung der Jewish Publikation Society of America statt. Der Zweck dieser Gesellschaft ist, die jüdische Literatur unter den Juden Amerikas zu verbreiten. Welchen Anklang die Bestrebungen dieser Gesellschaft finden, beweist die Tatsache, daß die Zahl ihrer Mitglieder im Berichtsjahre um 4000 größer wurde, und heute schon 10,100 beträgt. Im vergangenen Jahre haben die Mitglieder der Gesellschaft 4 neue Bände gratis erhalten, und zwar das amerikanisch-jüdische Jahrbuch, einen Band Essays von Achad Haam in englischer Sprache, ferner den dritten Band von Professor Ginzbergs „Legenden der Juden" und einen Band jüdischer Erzählungen, übersetzt von Fräulein Helene Frank. Nathan Strauß über den Glaubenshaß m Jerusalem. Als Nathan Strauß, der weltberühmte Philanthrop und Bruder des auf der .Titanic" umgekommenen Finanziers Isidor Strauß von seiner Palästinareise heimkehrte, wurde er bei seiner Landung in Newyork von einer Menge Journalisten mit den verschiedensten Fragen bestürmt. „Auf meinem Herzen lastet eine so schwere Wolke der Trauer," sagte Nathan Strauß, „daß ich gewiß nicht in der Verfassung bin, zu sprechen. Aber ich ergreife diese Gelegenheit, um meinen herzlichsten Dank für alle die vielen ergreifenden Beileidskundgebungen zu danken, welche von allen Weltteilen mir zugekommen sind. Einen Trostesschimmer finde ich nur darin, daß es ein Jude und eine Jüdin waren, welche dieses weithin glänzende Zeichen der Selbstaufopferung, des Heldenmutes und der gegenseitigen Liebe geliefert haben. Ich habe immer sehr viel von christlicher Liebe gehört, habe jedoch gefunden, daß sie nur allzu oft fehlt. Ich dachte, ich würde sie in Palästina an ihrer Hauptqüelle finden. Aber ich kehre von dort angesichts des abgrundtiefen Hasses, den ich dort zwischen den verschiedenen Konfessionen vorgefunden habe, hoffnungsloser denn je zurück. Türkische Soldaten moslemitischen Glaubens bewachen das Heilige Grab, um den Friedm zwischen der