Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 26 Sette 433 Dr. Blochs Wochenschrift Ist es ja seit Jahren die Sehnsucht unserer weitblickendsten Führer in allen Teilen der Welt, wie der br@itöti jüdischen Volksmassen im Osten, daß endlich einmal eine umfassende, auf dem gescHichtlic&eii Boden der fi'vn ruhende Organisation erstehen möge, die, Von dem Vertrauen der Millionen treugebliebener Söhne und Töfihter des jüdischen Volkes getragen, sich der Lösung der vielgestaltige ii praktischen und religiösen Aufgaben der jüdischen Gesamtheit, wie sie jede Zeit neu hervortreibt, im Geiste der Thora widme. In einhelliger Begeisterung hat die Kattowitzer Ver1fiälttmlüilg folgende Resolution gefaßt: 5,I)i8 heute Id KfttidwitZ versammelten Vertreter Ü0r träditioridligösdtzestretidli Jüdenheit aus allen : . Lündörii def Diäsporä erklären natzkl Anhörung des forgeira^eiim Mmmte§ die „AGÜDAS JlgROKL“ für begründet und verpflichten sich, für den Aufpaü der Organisation mit allen Kräften Zu arbeiten. I)i« Agiidgs Jisroel dient der Förderung aller jüdischen InteresSßii auf, religiöser Grundlage, unter Ausschluß jeder politischen Tendenz.“ So ist der Keim in die Erde gesenkt, den rüstige Arbeit zum Lichte emporführte, der Rahmen geschaffen, den die tätige Mithilfe aller TfiX mit lebendiger Wirklichkeit erfüllen kann. JUti denn £ui* Werbe «Arbeit! Es ist die gt'dliö MddSe der ihrer historischen Aufgabe treu gebliebenen jüdischen Gesänitheifc, die wir gewinnen und organisieren müssen. Vor allem gilt es, allüberall Mitglieder in möglichst großer Zahl zu werben, als Grundform der Organisation Ortsgruppen ins Leben zu rufen, aus denen später diC Lahdesorganisationen und die auf allgemeinen Delegierten- Vahl8n beruhende erste Hauptversammlung (Knessia gedola) üßr Aligädäs, Jisrpdl hervorgehen könüteih Dieser Häüptvbrsänihiiüfig. bleibt es Vorbehalten, über Statut, Organisationsform, Arbeitsgebiete lind -Methoden, endgültig zu befinden, nachdem die vorliegenden Entwürfe der öffentlichen Kritik unterbreitet sein werden. Ihr Brüder auf dem weiten Erdenrunde, in deren Brust liöCh Liöbe und Treue zu Israels Heiligtümer wohnt, sammelt lüüöh um das Pänidr der „AOUDAS JISROEL“. Schließt’ Euch unserer Organisation ah und — vor allem — widmet ihr tatkräftige, werbende Arbeit! Wer bereit ist, in die persönliche Werbearbeit für die „AÖUDAS JlSRÖEL“ in seinem Kreise einzutreten, wolle uns seinen Namen ürtd seine Adresse mitteilen, damit wir ihm das nötige Propaganda-Material zur Verfügung stellen können. ' Frankfurt a. M., im Siwan 5672. Adresse: Provisorisches Comitö der „AGUDAS JISROEL“ Frankfurt a. M. Gr. Eschenheimerstrasse 33 Das provisorische Comite der „AGADUS JISROEL“ I. A.: Commerzienrat Louis Feist. Gi« Hkfuch kirn |lt«j-|)orkcr Judentum Dritter Äürtrag, gehalten in der Oeneralversammlung des Vereines Kaiserin ElisabethrLehrmädchen- und Arbeiterinnenheirv, am 13. Mai 1912, 7 Uhr abends vvn Dr. Joses Bloch. (Schluß.) Die Logen des ersten Distriktes des Ordens B'nai 58'ritf) veranstalteten an einem Sonntag des Monates Januar eine Delegiertenversammlung in der Stadt New- Haven, zu welcher ich eine spezielle Einladung erhielt^ Das hübsche, 'kleine New-Haven ist mit dem Schnellzug von Newyork aus in etwa zweieinhalb Stunden zu erreichen. Ich weilte mitten im Winter dort, tags zuvor war reichlicher, starker Schneefall gewesen, die Strecke war total verschneit. Infolge dieser Verwehungen kam ich in New-Haven mit zweistündiger Verspätung an und konnte in das Meeting der Delegierten der B'nai-B'rith-' Logen, zu hem ich eine spezielle Einladung erhalten hatte, nur längst nach Beginn gelangen. Die Verhandlungen waren bereits in vollem (Zange. Der Präsident begrüßte mich mit einer auszeichnenden Ansprache und die Anwesendes bezeigten mir viele Sympathien, für welche ich meinen Dank aussprach. Später gab ich über Wunsch einige Mitteilungen Über europäische Verhältnisse zum besten, von welchen ich mrnehmen durfte, daß sie gerade diese Versammlung besonders interessieren dürften. Dis Reden, die sonst in dieser Versammlung gehalten wurden, betmfctt überhaupt die Lage der Juden in den verschiedensten Ländern, insbesondere in Rumänien und Rußland, und die Ausführungen der Sprecher zeigten von hoher Intelligenz und großer politischer Schulung. Züni Schlüsse kamen die Wahlen, und der Posten eines besoldeten Sekretärs mit dem Jahresgehalt von 3500 Dollar gelangte zur Neubesetzung. Der frühere Inhaber dieses Amtes resignierte wegen Arbeitsüberbürdung; ich erkundigte mich, wer der Mann sei, der einen Posten mit solchem Jahresgehalt „wegen Arbeitsüberbürdung" äufgebe, und ich erhielt dir Auskunft: Es sei der Schamrs am Emänüet-Tempel in Newyork. Sein Amt bringe ih-.n jährlich etwa 20,000 Dollar und nehme ihn vollauf in Anspruch. Abends war Festtafel im Hotel Taft mit über 600 Teilnehmers. Am Honoratiorentisch saßen neben dem neuen Präsidenten ünd dem Erpräsidenten der Bürgermeister der Stadt, der Gouverneur und andere hervorragende politische Amtsinhaber. Vor Beginn des Speifens wurde Rabbi Dr. L e v y eingeladen, das Gebet zu sprechen;' sämtliche Festteilnchmer erhoben sich und standen während dieses nicht gar kurzen Gebetes. Nach beendigter Tafel kamen die offiziellen Toaste an die Reihe: es sprachen nacheinander die Präsidenten» der Bürgermeister, der Gouverneur und die anderen Politiker. Die eigentliche Festrede hielt Rabbi Dr. o i l v e rmantt vom Newyorker Emanuel-Tempel; er behandelte das Thema: „Die Ideen der B'nai B'rith und die Idee des Judentums". Er schilderte den Sieg der Einheitsidee m der Geistesgeschichte der Menschheit und pries diesen Sieg als einen Triumph des Judentums. Der völkerverbrüdernden Einheitsidee diene auch der Orden B'nai B'rith. Zum Schlüsse begann der Redner deutsch zu sprechen, verwies auf meine Anwesenheit und erzählte der Versammlung von dem Wirken der Logen in Europa. Ich kann nur sagen, daß jedem Teilnehmer das Fest lange in wohltuender Erinnerung bleiben wird. Die Stadt New-Hüvett ist bekannt durch die berühmte Universität Jalen, die bevorzugte Hochschule der amerikanischen Aristokratie. An dieser Universität wirken 11 jüdische Professoren, und sie zählt gegen 300 jüdische Studenten, die sich einen eigenen Lesesaal eingerichtet haben. Ueber Einladung besuchte ich. diese Lesehalle, und der Vorsitzende begrüßte mich mit einer hebräischen Ansprache. Ich gewann den Eindruck, daß die Studenten durch Fleiß und Begabung ausgezeichnete junge Leute sind, die fest und treu zu ihrem Judentume halten. Von dort machte ich einen Abstecher nach der Stadt Worcester zum Besuche eines Bruders» der dort wohnt. Auch in dieser Stadt existiert eine jüdische Bevölkerung. die mehrere Tausend zählt: das Leben hier ist ungleich ruhiger und nicht so hastig und lärmend wie in Newyork. Da auch hier die großen Tagesblätter über meine Anwesenheit ausführliche Meldungen brachten, sprach der Präsident der dortigen Universität den Wunsch aus, mich persönlich kennen zu lernen. Der Präsident, das was man hier Rektor nennt, Prof. Dr. G. Stanley Hall, hat in Europa seine wissenschaftlichen Studien betrieben und durch seine Arbeiten einen bedeutenden Namen sich erworben. Er spricht ein geläufiges Deutsch und unterhielt sich mit mir sehr lange über österreichische und deutsche Verhältnisse Md über mancherlei wissenschaftliche Fragen. Unter anderem erkundigte er sich bei mir. ob ich die Prof. Dr. Benedikt und Dr. Freud persönlich kenne, und debattierte mit mir längere. Zeit