Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 433 De. Ps-chs WochsnschM Nr. 26 mit glücklichem Erfolge bewährt hat, daß er oftmals Huf Staatenkongressen für die Erweiterung und Befestigung der völkerrechtlichen Beziehungen durch Abschluß von Staatsverträgen gewirkt hat,- daß er mit höchstem Eher fort und fort bemüht ist, durch rechtseh ende Konvention eMemein anerkannte Normen des internationalen Privat- und Handelsrechts herzustellen, daß er endlich sich als unermüdlicher und besonnener Förderer der aus Vereinheitlichung der landesrechtlichen Wechselordnungen gerichteten Bestrebungen betätigt. BeylfuM des mgLMm Generalanwattes Sir Rufus Jsaacs ’m das Kabinett. Der König von England hat dieser Tage einen der hervorragendsten englischen Rechtsgelehrten, den Generalanwalt Sir Rufus Jsaacs, zum Mitglied des Kabinetts ernannt. Die Londoner Zeitungen begrüßen diese außerordentliche Ehrung mit großer Genugtuung. Die Kronjuristen, die zwar der Regierung angehören, sind ja gewöhnlich nicht Mitglieder jenes engeren Kreises, der „das Kabinett" im technischen Sinn genannt wird. Gerade in der lichten Zeit ist Sir Rufus Jsaacs durch seine energische und umsichtige Vertretung des Staates bei hier „Titanic"- Untersuchung zu einer der vielbesprochensten und populärsten Figuren des.öffentlichen Lebens geworden. Sir Rufus, der erst im 52. Lebensjahre steht, ist ein geborener Londoner. Nach Vollendung seiner Rechtsstlldien lebte er längere Zeit im Ausland, vorwiegend in Belgien und in Hannover. Dann war Sir Rufus an d« Londoner Börse tätig, wurde aber im Jahre 1887 in das Barreau berufen und galt bald als erster juristischer Fachmann in kommerziellen Angelegenheiten. Im Jahre 1904 wurde er in das Unterhaus als Abgeordneter für Readmg gewählt und hat seither ununterbrochen diesen Sitz behalten, i ' Kühn, witzig, schlagfertig und taktvoll in der Debatte, gehörte Sir Rufus Jsaacs bald zu den beliebtesten Mitgliedern der liberalen Partei, und man wunderte sich nicht über die geradezu glanzende Karriere, die dieser Mann machte, und die, wie Londoner Zeitungen hervorheben, kaum ihresgleichen in den letzten Jahrzehnten hat. Im Oktober 1910 wurde Sir Rufus zum Sollicttor General ernannt und halb darauf zum Eeneral- «rnwM, zum Attorney Generals Nunmehr erst, als höchster Rechtsvertreter der Krone, konnte Sir Rufus sein ganzes Talent, seine glanzende Beredsamkeit, sein reiches Mfsen und seine profunden Kenntnisse der englischen Rechtsverhältnisse entfalten. Und nun hat der König ihn zu seinem Kabinettsmitglied gemacht. Diese Ernennung steht ohne Präzedenzfall da und soll, wie offiziös angedeutet wird, auch keinen Präzedenzfall bilden, da diese Ernennung ausschließlich den persönlichen Eigenschaften Sir Rufus Jsaacs gilt. Sir Rufus hat als Vertrauensmann der Regierung in den letzten Jahren bei den groben industriellen Lohnkämpfen Außerordentliches geleistet und sich auch bei den hitzigen Debatten über das Sozialversicherungsgesetz und über die Homerulebill hervorgetan. Sir Rufus war öffentlicher, Ankläger in dem sensationellen Seddon- Prozetz und in der Verhandlung gegen die Suffragettesführer. Weiter« AuszeLchmMgen iy England. Aus London wird uns berichtet: Nutzer der Ernennung des Generalprokurators Sir Rufus Jsaacs zum Kabinettminister sind auch zwei weitere Auszeichnungen an Juden zu erwähnen. Der Professor an der Cambridge-Universität, Dr. Wald stein, wurde zum Ritter mit dem Titel „Sir" ernannt, und das Parlamentsmitglied Stuart Samuel in den Baronetstand erhoben. Während Professor Waldstein diese Uüszeichnnng hauptsächlich als Gelehrter erhielt, so wurde Stuart Samuel - in -erster -Reihe vr. seiner '.Mgenschaft als Vertreter _der Juden :ausgezeichnet. Baronet Samuel vertritt nämlich den jüdischen Wahlbezirk Whitechapel, und hat sich in seiner parlamentarischen Tätigkeit /stets zunächst als jüdischer Volksvertreter betätigt, besonders beliebt hat sich Stuart Samuel durch sein taktvolles Benehmen im Parlamente gemacht, indem er sich wohl für seine Glaubensbrüder mit aller Wärme und Energie einfetzte, aber so oft eine Angelegenheit, die ausschließlich eine andere Konfession betraf, auf der Tagesordnung stand, es stets vorzog, sich an der Debatte überhaupt nicht zu beteiligen. Aus diesem Grunde hat seine Auszeichnung in allen politischen Lagern den besten Eindruck gemacht. Der Parlamentssitz des verstorbenen Sir Edward Sassoon. Der jüngst verstorbene englisch-jüdische Finanzier, und Philanthrop Sir Edward Sassoon hat im englischen Unterhause den Wahlbezirk Hythe vertreten. Bei der vorige Woche stattgefundenen Ersatzwahl wurde nun der 24jährige Sohn des Verstorbenen, Philipp Sassoon, Baronet, mit erdrückender Majorität gewählt. Sir Philipp hat sich trotz seiner jungen Jahre bereits sehr stark im öffentlichen Leben betätigt und galt immer als die rechte Hand seines Vaters, den er oft in verschiedenen Körperschaften, deren Vorstandsmitglied sein Vater war, mit Erfolg vertreten hatte. Die Perzentnorm in der Türkei. Peinliches Aufsehen erregt es allenthalben, wie die Konstantinopeler „Aurore" berichtet, daß die Behörden von Bagdad eine Verfügung erließen, welche sowohl ihrer Form 'altz 'ihrem'- Wesen - nach- -nichts anderes M, als die in Rußland beliebte Perzentnorm für jüdische Schüler. .Die Behörden von Bagdad beschlossen nämlich, in die dortigen Mrlitärschulen Juden nur in der Verhältniszahl der jüdischen Bevölkerung. zur Gesamtbevölkerung des Reiches aufzunehmen. Da die Juden 4 % der Gesamtbevölkerung im türkischen Reiche ausmachen, so werden nach diesem Beschlüsse in die Bagdader Militärschulen .nicht mehr als 4 °/o Juden ausgenommen werden. Selbst die Bemühungen der jüdischen Vorsteher, bei der Feststellung der Perzentnorm die Verhältnisziffern der Stadlbevölkerung zur Grundlage zu nehmen, blieben ohne Erfolg. Der Grotzrabbiner der Türkei hat gegen diesen Beschlütz beim Kriegsminister Mahmud Schevket Pascha Vorstellungen erhoben, und man ist nun begierig, zu erfahren, welche Haltung die Kriegsverwaltung diesem Versuche der Bagdader Behörden gegenüber entnehmen wird. AUFRUF! Unter persönlicher Teilnahme von nahezu 300 Männern aus' allen Ländern Europas, darunter führenden Rabbinen und, hochangesehenen Persönlichkeiten des praktischen Lebens, getragen von den schriftlichen Sympathieerklärungen vieler Hunderte von Gesinnungsgenossen und Körperschaften diesseits und jenseits des Ozeans, ist am 12. Siwan (28.: Mai) in Kattowitz die AGUDAS JISROEL gegründet worden. . . .• . lieber 'den Verlauf der Rattowitzer Versammlung hat die ■ gesamte . jüdische Presse, ausführlich berichtet und, von vereinzelten gegnerischen .Stimmen abgesehen;;uiisör /Werk mit Eüthusiäsiüüs? äis ' die - eigentliche : -Notwendigkeit der Stunde für bbo begrüßt.