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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Sette 427 Dr. Btochs WochMHrift Straus, M jener Zeit Botschafter in Konstantinopel. Und dennoch verfolgte ich diesen Plan nicht weiter und ging nicht nach Konstantinopel. Warum? Ich will es Ihnen sagen, weil zur selben Zeit der zionistische Führer, Herr Wolfsohn, in Konstantinopel weilte, um zu versuchen, wegen Konzessionen in Palästina Unterhandlungen anzuknüpfen. Zur selben Zeit war auch Dr. Nossig dort mit dem Vorschläge, Juden in irgend einem Teil des türkischen Reiches ohne jede politische Bedingung einzuführen. Ich mochte daher die Situation nicht noch mehr komplizieren. Die Pforte konnte sich auch so schon ein hinreichend begründetes Urteil über unsere jüdische Kapazität für geschäftliche Angelegenheiten oder Politik bilden. Drei Präsidenten, die drei verschiedene Dinge verlangen, welch' Schauspiel für die Pforte. Und die türkischen Juden, sie waren mit den Dingen, wie sie eben standen, zufrieden, sie verlangten — gar nichts,- als für die türkische Flagge zu sterben. Ich stand abseits von der Komödie in Konstantinopel in der Hoffnung, daß Herr Wolfsohn von den Iung- Türken das erlangen werde, was der Sultan zu tun abgelehnt hat. Aber leider ist der rote Iudenzettel in Palästina noch immer in Kraft und selbst Edmond de Rothschild darf heute in Palästina kein Land kaufen. Die Schaffung eines jüdischen Heimlandes in Mesopotamien ist auch heute nicht unmöglich. Ein führendes englisches Blatt schrieb vor kurzem: „Die Wiederherstellung Mesopotamiens in seinen vortürkischen Wohlstand hat mit einem Vewüsserungsplan unter Führung britischer Ingenieure eingesetzt und mutz, wenn das Unternehmen gelingen soll, mit Zuflutz britischen Kapitals und wahrscheinlich indischer Arbeit in großem Matzstabe abschlietzen. Das, was heute ein Wüstenei, reich an Sümpfen, ein Tummelplatz von Nomaden und der schwachen anzweifelbaren türkischen Oberaufsicht, unterworfen ist, kann nach. Verlauf einer Generation eine ebenso fruchtbare und durch intensive.Handelsbeziehungen ebenso eng angegliederte Provinz sein, wie Aegypten es ist. Die Gefühle der Türken teilen sich zwischen dem Wunsche, diese verlassene Wüste wieder einmal aufblühen zu sehen, und zwischen ihrer Angst vor dem Prädominieren britischen Einflusses." Ich glaube nun, daß, wenn es in dieser politischen Lage und bei dem notorischen Geldmangel der Türken für eine geeinte Iudenschaft eine Möglichkeit gibt, in Mesopotamien große Konzessionen zu erlangen, alle jüdischen Parteien Zusammenarbeiten müßten. Das Vorgehen des einen gegen den anderen kann nur Null als Ergebnis zeitigen. Noch eine letzte Bemerkung, und ich will mich vom Orient abwenden. In den Basars von Kairo ging das Gerücht um und einige Blätter griffen das Gerücht auf, daß ich mit Lord Kitchener wegen 'solum, das jüngst von der Türkei zediert wurde, um eine Invasion zu verhindern, in Unterhandlungen getreten sei. An diesem Gerücht ist kein wahres Wort. Aber ich richtete an Sir . Eduard Grey ein Schreiben, um zu erfahren, ob Lord Kitchener sich nicht etwa mit einer solchen Idee trage. Sir Eduard Grey frug in Kairo an und teilte mir im März dieses' Iahres brieflich mit, daß die ganze Sache jeder Grundlage entbehre. Ich nahm nun die Gelegenheit wahr, um zu fragen, ob es nicht Ansicht der Regierung sei. daß die Gewährung eines Landstriches für eine jüdische Siedlung die britischen Interessen zu fördern geeignet wäre. Aber diese Frage,- wurde diplomatisch ignoriert. Sie sehen, die Geschichte wiederholt sich nicht. Die Bücher der Sybillen offenbaren sich nur einmal. Kanada wäre gleichfalls für ein Ito-Land geeignet, aber Sir.Welfred.Lauries erklärte mir offen, daß unser, Anerbieten um.. 10. Jahre zu . spät komme. Und gerade 10 Iahre früher hat der erste zionistische Kongreß stattgefunden. Selbst Australien, das sich in großer Bevölkerungsnot befindet, legt weder Großmut noch politische Klugheit an den Tag. Iahre hindurch stand ich zu aüstra-l tischen Staatsmännern und besonders zu denjenigen von Westaustralien mit seiner geringen Bevölkerung von 200.000 Seelen auf einem Lande von 1 Million gm in Relationen. Ein australischer Premierminister folgt dem anderen. Die Presse hört nicht auf, die Vorschläge der Ito zu dis-kutieren oder sie zu verleumden. Aber alle Vorschläge zerschellen an dem Widerstande Australiens gegen Ideen überhaupt. Vor kurzem besuchte der Präsident unserer Vereinigung in Melbourne, Mr. I. Iacobs Perth, die Hauptstadt von Westaustralien und studierte die Angelegenheit an Ort und Stelle. Die Schlüsse, zu denen er gelangt ist, decken sich mit denen unseres Zentralrates. Solange die Arbeiterpartei an der Macht ist, wird sogar jede englische Einwanderung erschwert. Das Höchste, was nicht nur hier, sondern in jedem anderen Teile Australiens zu erhoffen ist, wäre die Siedlung von 5-, höchstens 10.000 jüdischen Farmern auf dem Lande. Australien ist so blind für das Reelle, daß seine Regierungsmänner selbst i.hre tropischeu nördlichen Territorien so behandeln, als ob die weißen Einig ranken keine sehnlicheren Wünsche hätten und von nichts anderem träumten, als dieses unbrauchbare Land zu besetzen. Indem wir so Ernte hielten mit den Möglichkeiten, wandten wir uns nunmehr Nord- und Südamerika zu. Unser geschätzter Kollege Mr. Ioseph Fels ging nach Meriko und hatte mit dem damaligen Präsidenten der Republik, Diaz, eine Unterredung, der sich bereit erklärt hatte, Iuden willkommen zu heißen, jedoch mehr in ihrer Eigenschaft als Handelsleute und weil die Entwicklung, welche die Tüchtigkeit und der Fleiß der Iuden dem Lande Meriko bringen würden, es in die Lage versetzen. Kolonisten in der eigenen Provinz zu besitzen. Es lagen uns auch Pläne für den Landankauf in Meriko vor. darunter ein Anbot von 2 Mülionen Acker in Tepic - ein Landstrich, der scheinbar reich und gut bewässert ist, und obgleich zu klein, doch eine Ausdehnung nicht unmöglich macht. Aber die ungeordneten Verhältnisse mit Lande haben unseren amerikanischen Konseil von der näheren Prüfung dieses Vorschlages abgehalten. Mr. Fels hat auch in Paraguay Land gekauft und das Land selbst aufgesucht, welches jüdischen Emigranten Beschäftigung und auch eine ansehnliche Kolonisation möglich machen würde, aber dieses Land ist jetzt in einen Bürgerkrieg verwickelt. Aus Brasilien wurden wir mit Plänen förmlich über-, schüttet, da es sich hier um ein Land von bloß 20 Millionen Menschen handelt, welche auf einem Gebiete von drei Millionen Quadratmeilen leben. Am Tage vor meiner Abreise aus London prüfte ich den letzten dieser Vorschläge, der mir durch unseren eifrigen Kollegen Maker Spielmaun aus Paris zugesandt wurde. In diesem Plane wird uns vorgeschlagen, die Ausbeutung der Konzessionen der brasilianischen Eisenbahngesellschaft in die Hand zu nehmen. Eine Kolonisation bringt Eisenbahnen mit sich und die Eisenbahnen fördern die Kolonisation. Diese Konzessionen erwiesen sich jedoch zu geringfügig und ohne Einheitlichkeit. Aber Brasilien mit seinen mächtigen leeren Flächen wird noch lange die letzte Hoffnung der Ito sein müssen. Die endgiltige Auslese war jedoch nicht ganz erfolglos. Gleich Ruth fanden wir ein Lphaa voll Korn. Zwei Territorien gibt es, welche die Eignung besitzen, das Zufluchtsland zu werden, welches wir suchen. Selbst? verständlich können diese Territorien in einer öffentlichen Sitzung nicht diskutiert werden. Sie bedürfen der ein-: gehendsten Prüfung, und was ich über sie zu sagen habe»

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