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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-28 · 26 (28.6.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
26 (28.6.1912)
Date
1912-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 426 ✓ Nr. 26 Dr. Bvchs WochMhrift In der ersten Jto-Konferenz in London im Jahre 1906 wurde der Konseil der britischen Sektion mit der gigantischen Arbeit betraut, die Möglichkeiten für die Gewinnung eines Jto-Landes, das m diesem Zeitalter des Landhungers etwa noch, freigeblieben ist, ausfindig zu machen. Es Wurde mit dem Namen „Geographische Kommission" ein internationales Fülnfer-Komites gewählt, das hinsichtlich der besten Projekte Vorschläge zu unterbreiten hatte. An der Spitze dieser Kommission steht Lord Rothschild, der sich ursprünglich öffentlich als Gegner der Jto bekannte. Ueberdies wurden als Mitglieder dieser Kommission gewählt der gewesene amerikanische Handelsminister Oskar Straus, Dr. Paul N athan, James Simon und der nunmehr selig enö--. schlafene Professor Dr. Mandelstamm. Seit jener Zeit hat die Erfahrung alle Sektionen der Jto zur Ueberzeugung gebracht, daß die vorherige Sicherung eines Territoriums mit einer politischen Garantie, und mag sie die beste sein, nicht der einzige Weg ist, um ein 2to-Land zu schaffen, daß vielmehr bei Berücksichtigung der Vorurteile seitens der Juden sowohl, als seitens der Nichtjuden ein leichterer, zum Ziele führender Weg darin besteht, den jüdischen Lmigrationsstrom in ein unbewohntes oder wenig bevölkertes Land zu lenken; bis die Einwanderer und ihre Nachkommen die Majorität der Bevölkerung bilden würden. Wären auch nur einige Garantien dafür zu erlangen, daß die Einwanderung nicht später Mnstlichi eingeschränkt werden würde, so wäre das an zweiter Stelle genannte Mittel nicht so aneifernd für das jüdische Volk, aber es würde zu demselben Endergebnisse führen, wie die an erster Stelle genannte Methode. Bei unserer ersten Umschau auf dem Erdball liehen wir denn auch die sekundären Möglichkeiten nicht außeracht. Wir studierten die unentwickelten Landteile in Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Britisch-Ostafrika, Ka-? nada, Colombia, Mesopotamien, Nevada, Idaho, Paraguay, Rhodesien und Tripolis, wir prüften die politischen Bedingungen in diesen Ländern und wir traten in einzelnen Fällen kn Vorverhandlungen mit den Re-, gierungen und Privatbesitzern ein. Am 31. Juli 1907, der zweiten Jahreswende unserer Gründung, unterbreitete die Leitung der britischen Sektion den Mitgliedern der Geographischen Kommission ein Blaubuch, welches die Ergebnisse ihrer Arbeit enthielt und von allen seinen 31 Mitgliedern, beginnend mit dem Finanzsekretär des britischen Amtes für Indien Mr. Lionell Abrahams und schließend mit Luzien Wolf, und mir einmütig unterzeichnet wurde. Dieser Bericht empfahl die Kolonisierung der Zyrenaica oder im Eventualfälle von Mesopotamien. Das erstere Projekt sollte auf Grund einer dringlichen politischen Unterhandlung mit dem damaligen Weitausblickenden Gouverneur von Tripolis Redjeb Pascha, der die Ansprüche Italiens auf Tripolis fürchtete, versucht werden. Aus diesem Grunde wurde 1908 eine wissenschaftliche Erpedition nach dem bisher verbotenen Lande des Zyrenaica entsendet. Die Erpedition stand unter der Führung des hervorragenden Forschers und Geologen Professor Gregory, der von Redjeb Pascha jeden gewünschten Beistand erhielt. So zog die Erpedition friedlich durch jene von Arabern bevölkerten Gegenden, deren Namen heute nach Kriegsblut riechen. Gerade als er sich in der Wildnis befand, brach die türkische Revolution aus, Redjeb Pascha wurde als Kriegsminister nach Konstantinopel berufen und starb bei seiner Ankunft in Konstantinopel eines bis heute noch. unaufgeklärten Todes. Professor Dr. Gregorys Bericht, der seither eine klastische Autorität über Zyrenaica geworden ist, fand die Zyrenaica wohl sehr gesund und mit teilweise sehr gutem Boden, jedoch zu wasserarm für eine große jüdische Kolonisation. Wir überließen daher das Territorium Italien, dessen stolze Imperialisten dieses Land nach wie vor als ein vollendetes Paradies hinstellten. Ob, falls unser Bericht günstig ausgefallen wäre, die türkische Revolution oder der Tod Redjeb Paschas unser Projekt nachteilig beeinflußt hätten, ob ferner die Machte/ wenn die Juden mit der Kolonisation bereits begonnen hätten, gestattet hättendaß Italien die Zyrenaica unter dem Vorwände, sie zu zivilisieren, an sich reiße, sind heute nur mehr höchstens interessante Philosopheme. Unser Bericht über die Zyrenaica wurde ins Italienische übersetzt und von der anti-imperialistischen Presse veröffentlicht. Aber die Kriegspartei replizierte mit einem gefälschten Dokument, in welchem dem großen deutschen Forscher Rohlf ein Urteil unterschoben wird, das die Schlußfolgerung der Jto Lügen straft, Zum Unglücke für den Fälscher ist Rohlf noch vor Gründung der Jto gestorben. Aber politische Parteien halten sich nicht immer an die Wahrheit, und so schwimmt denn die Zyrenaica heute wohl im Blute, aber .noch, immer nicht im Wasser. Wir Juden Haben ja auch keinen Mangel an Parteien, und sie sind sogar bereits über Angola hergefallen, obgleich es heute bloß ein Punkt in einer Tagesordnung ist. Wohlan denn, ich denke, unser Vorgehen in Angelegenheit des Zyrenaica-Projektes gibt uns Anspruch auf das Vertrauen des gesamten Judentums. Niemand ist in der Lage, schlechteres über Angola oder — besseres über Palästina zu sagen, als er imi Verlaufe der Verhandlungen von dieser Tribüne herab zu hören bekommen wird. Aber ich kann jenes Fraktionsunwesen nicht 'bitter genug beklagen, das jede Re^ gung einer Bemühung, unferm Volk zu helfen, umdüstert, verbittert und frustriert. Parteienpolitik mag wohl sehr gut sein für Völker, die im Wohlstände leben. Aber es ist kein Platz für sie inmitten eines landlosen, verfolgten Volkes. Unter uns sollte es bloß Brüderlichkeit und gemeinsame, vereinte Beratungen geben. Meinungsverschiedenheiten sind notwendig, aber sie müssen rechtschaffen und dürfen nicht böswillig sein. Nach Verlassen des Zyrenaica-Projektes, auf welches wir so hohe Hoffnungen gesetzt hatten, wandten wir uns programmgemäß der Alternative Mesopotamien zu und ich trat öffentlich für die Vereinigung aller jüdischen Parteien und Organisationen ein, behufs Erlangung eines Landes^ dessen Besitz dem Programme sowohl der Zionisten, wie auch der Jca und der Jto entspricht. Der Plan, zu dessen Verwirklichung diesk Körperschaften eingeladen wurden, war die Erlangung der Bewässerung und Umwandlung eines Landes in ein Judenland, das heute wüst ist, einst aber sehr fruchtbar war, dessen moderne Entwicklung durch eine jüdische Bevölkerung auch ein gutes geschäftliches Unternehmen gebildet hätte, das, nach den Ergebnissen ähnlicher Unternehmungen in Indien und Aegypten zu schließen, die Wahrscheinlichkeit bot, daß es sich zumindest mit 20°/o rentieren würde. Dieses Unternehmen ist jetzt in Ausführung begriffen, aber — durch die Türken. Die jüdischen Organisationen lehnten es ab, gemeinsam vorzugehen. Die Jca entsandte wohl eine Expedition nach Mesopotamien, hat mir jedoch ein Exemplar des Berichtes vorenthalten. Es ist wohl wahr, mein Appell fand nicht überall ganz taube Ohren. Ein anderer Plan, betreffend den Vau einer Eisenbahn in Mesopotamien gegen gewisse Konzessionen für jüdische Kolonisten und Einwanderer wurde von einem weltberühmten Finanzier, der wie Lord Rothschild bisher in der Opposition stand, ausgenommen; er schrieb mir, daß er bereit sei, eine Gesellschaft mit einem Kapital von 6 Millionen Pfund Sterling (120 Millionen Kronen) zu gründen. Und um unsere Aussichten noch zu erhöhen, war mein persönlicher Freund und Mitglied unserer Geographischen Kommission, Mr. Oskar

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