Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 26 (28.6.1912)
- Date
- 1912-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 26 Jahrgang nn Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. -□: _□- Wien, 28. Juni 1912 Lrscbelnt jeden Lrettag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: Rede Israel Zangwill's in der Eröffnungssitzung der Jto-Konferenz am 27. Juni 1912. — Die DienstpragmatjE und die Juden. — Brief aus London. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Wiener Stadlrat und Gemeinderat Josef Stein. Ruhmesblätter für die Juden. Auszeichnung eines hervorragenden Rechtslehrers. Berufung des englischen Generalanwaltes Sir Rufus Jsaacs in das Kabinett. Weitere Auszeichnungen in England. Der Parlamentssitz des verstorbenen Sir Edward Saffoon. Jüdische Nomaden. Die Perzentnorm in der Türkei. Aufruf. — Ein Besuch beim New-Dorker Judentum. — Korrespondenzen: Generalversammlung der Adas Jisroel. Bischöflicher als der Bischof. Die niederösterreichische Handelskammer und die jüdischen Reisenden in Rußland. Die empörten Täuflinge. Brief aus Lemberg. Eine Versammlung der Vertriebenen. Purischkewilsch als Bildungsminister. Die Schächtfrage in der Duma. Verbot des jüdischen Emigrationskongreff s in Rußland. Streik der Kommission wegen Abschaffung des jüdischen Ansiedlungsgebietes. Ein interessanter Freispruch. Russische Kaufleuke für ihre jüdischen Berufskollegen. Die Arbeiten der Rabbinerkommission in Rußland. Amerikanisch-Jüdische Publikations-Gesellschaft. Nathan Strauß über den Glaubenshaß in Jerusalem. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Hospital vom Berge Sinai in Philadelphia. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. O U- ==0 Q p Vrprgsprri» für Vrstrrrrirh: <-T Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller» Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 3nalgefpal» O lene Petitzeile m Heller. C oO > - —Qo A. ft. PofllparksffenLurk Q Slearing-Verkebr Nr. 810.976. Redaktion und 'Administration: wir» JX.li, Hahngaffe Nr. 15. J> Telefon Nr. 14.847. J nP -Oo Uede Israel Zarrgivill's in der Gröffnungsjitzung der Ito Konferenz am 27. Kam 1912. Im eigenen Namen, wie auch im Namen meiner Kollegen aus den anderen Ländern danke ich dem Vizepräsidenten des Wiener Ito-Komitees, Herrn Jakob Engel, für feinen herzlichen Willkommgruß in dieser großen Stadt. Ich kann meine Ausführungen nicht beginnen. ohne das Andenken unseres Heimgegangenen Führers in Rußland, Professor Dr. Mandelstamms, wachzurufen, der es leider nicht erlebt hat, wenigstens von den Anfängen der verheißungsvollen Pläne eines jüdischen Zukunstslandes, die im Verlaufe der vertraulichen Beratungen verhandelt werden sollen, selbst etwas zu hören. Aber es ist doch zum Teile tröstlich, zu wissen, daß demnächst wenigstens eine Mandelstamm-Kolonie entstehen wird. Eine Ito-Grnppe, die sich nach Mandel-' stamm benennt, wurde erst jüngst in Süd-Afrika ins Leben gerufen, und diese unsere Freunde können füglich nichts Schöneres tun, als die Fonds dieser Kolonie, die als eine Stufe zu unserer größeren Arbeit anzusehen ist, mit allem Eifer zu stärken. Unsere Konferenz wird vielleicht stürmisch und heiß verlausen: ein sicheres Zeichen, daß ihr pulsierendes Leben innewohnt. — Aber ich hoffe, daß der Geist unseres unvergeßlichen Mandelstamm unseren Debatten voranleuchten wird, jener Geist, der selbst in Meinungsverschiedenheiten nicht das Hervorkehren persönlicher Eitelkeiten, noch die Förderung egoistischer Ziele sucht, sondern ausschließlich das Wohl des jüdischen Volkes im Auge hat. Wie Sie wissen, waren die meisten von uns, die wir uns heute im Lager der Ito befinden, ursprünglich Jünger des unsterblichen Dr. Herzl, welcher lehrte,.' daß die endgültige Lösung der Iudenfrage in der Errichtung eines eigenen Heimlandes bestehe. Nach Dr. Herzl's Tod wurde die Bewegung durch eine Palästina-Sektion zunächst mit Beschlag belegt, und heute fast zur Karikatur verzerrt und als der Zionistische Kongreß vom Jahre 1905 es auf sich genommen hatte, das ostafrikanische Plateau, welches von der britischen Regierung angeboten wurde, zurückzuweisen. schufen wir eine eigene Organisation, - ohne zunächst notwendigerweise eine Sezession zu bilden - zum Zwecke der Erlangung dieses ausgezeichneten Territoriums für das jüdische Volk. Wir drückten unsere Ziele und Bestrebungen in der allgemeinen Formel aus: Die Erlangung eines Territoriums auf autonomer Basis für jene Juden, welche in den Ländern, in denen sie gegenwärtig weilen, nicht leben können oder wollen. Lin Programm. das sich, wie Sie also sehen, ebenso mit Palästina und den Nachbarländern, wie mit jedem anderen Territorium vereinbaren läßt und das auch von den Zionisten nicht als hoffnungslos verspottet und zurückgewiesen werden kann, ohne dadurch ihre eigene Plattform zu zerstören, vorausgesetzt, daß Zionismus ein reelles territoriales Projekt und nicht eine bloße Kulturschwärmerei sein will. Auf meiner jüngsten Reise nach Lissabon traf ich aus dem Schiffe einige britische Ingenieure, welche dank ihrer Kenntnis von dem Vorhandensein dieses gesunden und fruchtbaren Plateaus in Ostafrika daselbst größeren Landbesitz erwarben. Dieses Zusammentreffen erweckte in mir von neuem das schmerzliche Gefühl des histo, rischen Fehlers, der von dem Zionisten-Kongreß im Jahre 1905 begangen wurde. Es ist hier nicht der Ort, des Näheren auf die Gründe eiuzugehen, weshalb die Ito den Besitz dieses Plateaus nicht zu erlangen vermochte: es ist die alte böse Geschichte von der Opposition seitens der Juden selbst. Aber auch meine' weitern ungleich umfassenderen Vorschläge, daß die Juden das ganze Britisch-Ostafrika, eine Area von 200.000 Quadrakmeilen, gewissermaßen als ein britisches Iudea zur Verfügung erhalten, wurden dazumal sowohl von Mr. Jos. Chamberlain als auch von seinem politischen Gegner Winston Churchill akzeptiert. In dem von uns als Manuskript herausgegebeneu Blaubuch findet sich die Geschichte dieser Transaktion und der allmählichen Abwendung von diesem Projekt, die teilweise in der Befürchtung erfolgte, daß unsere jungjüdische Zivilisation auf Negerarbeit basiert sein könnte.