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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-21 · 25 (21.6.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 418 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 25 Obmann David Lieben. Er lehnt in der ihm eigenen Bescheidenheit das ihm gezollte Lob ab. „Unter dem Eindruck der Tatsache, daß wir heute das Mahl wieder in unserem Heim abhatten, drängt sich das Gefühl des Dankes gegen den Allgütigen auf, der uns diesen Tag hat erleben lassen. So ist das Wort des Psalmisten an uns in Erfüllung gegangen. Es ist uns gelungen, diesen Friedhof, die Ruhestätte unserer Vorfahren, in voller Integrität zu erhallen. Ein weiterer Wunsch ist uns erfüllt worden, unser Heim diesem heiligen Boden anzugliedern, den wir behüten und beschützen wollen. Wie aber jede menschliche Freude ihre Kehrseite und Bitterkeit hat, geht es leider auch uns. In den Kelch der Freude mischen sich Tropfen der Wehmut, die Erinnerung an jenen Guten und Frommen, den wir verloren haben durch den Heimgang des Oberrabbiners Dr. N. Ehrenfeld, der noch die letzte Suda mit seiner Anwesenheit beehrt hat. Mit ihm sind die köstlichen Attribute der Stadt geschwunden,- er war ein Friedensfürst, sein Lebensziel war Frieden. — An der Chewre aber mögen die Prophetenworte sich erfüllen: Trage weit deine Zelte, deine Teppiche mögen sich ausbreiten, die in der Erde festgerammten Stetten, die Grundsätze, denen wollen wir treu bleiben, der Hauptzweck ist die Thora! Ihren Lehrern gilt mein Glas!" Nach Absingung des Iigdal wurde das Mariwgebet verrichtet und die Feier war beendet. Wilhelm Klein. Wien. Am 6. Juni d. I. fand die 33. Generalversammlung des „Vereines zur Unterstützung armer kranker Israeliten" statt. Obmann Herr Markus Bon di begrüßt die Versammlung und teilt mit, daß der löbl. Kultusvorstand das Nichterscheinen eines Vertreters infolge besonderer Umstände mit Bedauern zur Kenntnis bringt. Herr Bondi legt die prekäre Lage des Vereines dar, dessen Gebarungsdefizit auf rund 7800 Kr. an gewachsen ist. Obgleich die Leistungen des Vereines allgemeine Anerkennung finden, läßt die materielle Unterstützung vieles zu wünschen übrig und müssen oft dringende Verlangen der Herren Professoren und Abteilungsvorstände unberücksichtigt bleiben, weil die Mittel des Vereines unzulänglich sind. Die großherzige Subvention des löbl. Kuttusvorstandes kann dieser Lage auch nicht abhelfen. — Die zunehmende Zahl der armen Kranken, die hohen Preise aller Lebensmittel haben unsere Lage leider zu einer sehr schwierigen gestattet, und müssen wir an alle Wohltäter appellieren, unser Werk zu fördern. — Besonders wäre unsere Jugend berufen, ihre Tatkraft in den Dienst unserer guten Sache zu stellen. — Besonders erwähnt wurde die besonders eifrige Tätigkeit unseres Vorstandsmitgliedes Herrn Isidor Frommer. Herr Bernhard Hofbauer möchte berichtigen, daß der Beitrag der löbl. Kultusgemeinde nur zum Teile eine Subvention für den Verein darstellt, da zirka 5000 bis 6000 Kr. das Aequivalent für die vom Vereine besorgte Verköstigung sämtlicher jüdischer Kranken in allen Heilanstalten während der Pessachtage und hohen Feiertage bietet, welche Verköstigung die Kultusgemeinde seit jeher gewährte. Herr Sigmund Viktor beantragt, daß die sämtlichen Bethausvereine wegen einer Forderung unseres Vereines heranzuziehen sind. Herr Dr. I. Reininger empfiehlt einen dringenden Aufruf an die ungarischen und galizischen Gemeinden, die eine große Anzahl Kranker senden. Herr Gabriel Fischer empfiehlt, dem Vorstände durch persönliche Agitation Geldmittel zu beschaffen. Herr Adolf Fischer empfiehlt die Einrichtung einer eigenen Küche als bestes Mittel zur Sanierung der Finanzen des Vereines. Dem Vorstände wird das Absolutorium erteilt und demselben, besonders dem hochverdienten Obmanne, Dank und Anerkennung votiert. — . Die austretenden Vorstandsmitglieder .werden mit Akklamation wieder und Herr Ädolf Fischer neu gewählt. Zu Revisoren werden bestellt: Herr Sigmund Victor, Herr Gabriel Fischer und Herr Arnold Rosenfeld. e. Es wurde noch ein Begrüßungsielegramm an unser wohlwollendes Vorstandsmitglied, Herrn Ignaz Bäck, der in Marienbad wellt, abgefendet. Nach Verlesung der Zuschriften des löbl. Kultusvorstandes, des Herrn Rabbiners Dr. Grunwald, des Herrn Kultusvorstehers S. Brod und Herrn .Simon Buchwald schließt der Vorsitzende die Versammlung. Aus den GehrmmMn des Klosters der Felizianerinnen. Vor einiger Zeit wurde es bekannt, daß ein kaum dem Kindesalter entwachsenes jüdisches Mädchen gegen den Witten seiner Eltern in dem Kloster der Felizianerinnen in Krakau, das schon so viel Leid über jüdische Eltern gebracht hat, getauft wurde. Den Bemühungen des Advokaten Dr. Rafael Landau in Krakau gelang es, einen Gerichtsbescheid zu erwirken, auf Grund dessen die Klosterleitung verpflichtet wurde, das Kind den Ettern auszufolgen. Vorigen Samstag kamen nun die Eltern ins Kloster, um ihr Kind in Enipfang zu nehmen, erfuhren jedoch daselbst, daß das Mädchen angeblich sich nicht mehr im Kloster befinde, sondern vor einiger Zeit nach Lemberg gegangen sei. Die Eltern schenkten dieser Behauptung keinen Glauben. Vorigen Freitag wurden in demselben Kloster abermals vier jüdische Mädchen unter großem Pomp der Taufe zugeführt. Die Taufpatinnen rekrutierten sich aus den Kreisen der höchsten polnischen Aristokratie. Wie der Krakauer „Tog" zu berichten weiß, befinden sich in diesem Kloster noch neun jüdische Mädchen, welche demnächst der Taufe zugeführt werden sollen. Eines dieser Opfer entfloh vor einigen Tagen aus dem Kloster, um zu ihren Ettern nach Przemysl heimzukehren. Ein zweites Mädchen aus Lemberg, das bereits getauft wurde und sich noch im Kloster befand, floh gleichfalls und will nun freiwillig zum Iudentume zurückkehren. Es ist einfach unverständlich, weshalb diesem unwürdigen Seelenfang in Krakau nicht endlich einmal ein Ziel gesetzt wird. Wie wir erfahren, sott die von der letzten Czernowitzer Konferenz der Rabbiner zu schaffende Organisation auch zu dieser Frage Stellung nehmen und eine entsprechende Aktion einleiten. Gallische Selbsthilfe. Wie wir erfahren, hat Iustizrat Dr. Blau als Repräsentant des Hilfsvereines der deutschen Juden in der vor mehr als einem Jahre ins Leben gerufenen Organisation „Selbsthilfe in Galizien" die Mitglieder des Kuratoriums zu einer Ende dieses Monats in Frankfurt a, M. statlfindenden wichtigen Sitzung eingeladen. Es ist nicht bekannt, aus welchem Grunde diese Sitzung in Frankfurt a. M. abgehalten wird, wohin ein großer Teil der galizischen Mitglieder des Kuratoriums kaum fahren .wird. In der Sitzung sollen die vielen Pläne und Vorschläge zur Sanierung der Notlage der Juden in Galizien, welche dem Kuratorium vorliegön, zur Erörterung gelangen. Eingehend beschäftigen wird sich das Kuratorium in dieser Sitzung hauptsächlich mit einem Vorschläge, der sich auf die Wohnungsfürsorge bezieht und geeignet sein sott, dieses traurigste Problem der ärmeren Bevölkerung Galiziens zu lösen.

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