Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 25 (21.6.1912)
- Date
- 1912-06-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. L5 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 417 den sollen, in einem Augenblick, da er mit den heiligen Traditionen seiner Väter gebrochen hat. Daß sie aber dennoch hier genannt werden, hat seinen guten Grund. In der nnrrn wird, nach der geistreichen Deutung eines Groben in Israel?, als Strafe angedroht, dab, wenn Israel! pflichtvergessen von Gott und seiner Lehre sich abwenden sollte, der Herr gedenken werde des Bundes mit Iakob, auch des Bundes mit Isak, ja bis tzu Abraham wird sein Gedenken zurückreichen: dadurch wächst die Sträflichkeit der Verschuldung; denn Nachkommen Abrahams, Isaks und Iakobs sollten standhafter sein allen Versuchungen und Verlockungen gegenüber. Aehvs. liches will auch in unserem Verse die Thora vor Augen führen, wie schwer sich Korach als Sohn eines Iizhar. des Kehath, des Levi vergangen hat und wie auch seine außerordentliche Strafe nicht als zu hart beurteilt werden darf. Sollte nun aber nach dieser Auffassung der Name Iakobs nicht erst recht genannt werden, um die Schwere der Schuld Korachs noch deutlicher zu kennzeichnen? Allerdings, meinen unsere Lehrer, aber Iakob hatte — nicht so sehr mit Rücksicht auf seine eigene Person als vielmehr im Interesse seiner Binder — Gott gebeten, dab sein Name nicht genannt werde, wenn im Kreise seiner Nachkommen, wie es nun durch die Anzettelung Korachs geschehen, ernster Streit entstehen sollte. Zu unserem Tert zurückkehrend, wollen wir nur den einen Gedanken festh alten, dab, wer nicht im Geiste Iakobs lebt, auch nicht als Sohn Iakobs gelten kann. Nichts aber ist so geeignet, uns dem Geiste Iakobs zu entfremden, als im Kleinen eine reichgedeckte Tafel und im Groben ein reicher Anteil an den Gütern und Genüssen dieser Erde. Als N. Iizchah aufgefordert wurde, bei Tisch zu sprechen, da wollte er eine Bemerkung machen, die von größter Bedeutung ist für die Erweckung des,jüdischen Pflichtbewubtseins und jüdischen Pflichtlebens und darauf verweisen, wie die Lehrer in Israel Iakob gleichsam am Leben erhalten dadurch, dab sie selbst im Sinne Iakobs leben und die Brüder zu echten und rechten Jakobs-Söhnen erziehen durch den Jakobsgeist, mit dem sie ihr Herz erfüllen. Aber er trug Bedenken, dies während des Essens zu sagen, da zuweilen auch die Edelsten und die Besten die Freude am Genüsse ablenkt vom gottgeweihten Sinnen. Sagt doch schon ein altes Wort, es sei leichter Gvb zu fasten, als bw cvb zu essen. Nach dem Speisen aber, als sich die beiden Gelehrten gesammelt hatten, als ihr ganzes Fühlen und Denken wieder dem Heiligen galt, sprach R. Iizchah na *6 irn« ap;r Heil uns, Israeliten, daß wir uns durch lautere Gesinnung, durch ernstes Streben und gottgefälliges Tun als wahre und würdige Nachkommen Iakobs bewähren und Iakob am Leben erhalten dadurch, dab wir in seinem Geiste leben!" Redner schlob sodann seinen Trinkspruch mit einem Hoch auf den Verein. Nachdem sich der Beifall gelegt hatte, erläuterte Prof. Salomon Knöpfelmacher die Begriffe Liebe und Wahrheit, Odeseä, an der Hand biblischer Beispiele und fuhr fort: „Nach mehrjähriger Unterbrechung sind wir heute in einem Les Misehne und freuen uns der alten Freundschaft sowie neugeknüpfter Freundschaftsbande. In gewissem Sinne sind wir aber auch in einem Beshewel, wo die Männer der Chewre mit Obeseck ihr heiliges Amt mit Liebe und Ausdauer erfüllen. Möge Gott ihre Kraft und Stärke erneuern! Der ganze Vorstand der Chewre lebe hoch!" Prof. Dr. M. Klotz legte in fein pointierter Weise den Streit dar, der z. B. zwischen Hillel Md Schamai um Gottes Willen geführt wurde und den Streit Korachs und dessen Rotte gegen Moses. Erstere hatten nur das Gute im Auge, dem sie zum Sieg verhelfen wollten. Anders aber, wenn selbstsüchtige Zwecke den Parteikampf bestimmen. Da ist Zwietracht unausbleiblich. Ersterem edlen Ziel streben die Männer der Chewra-Kadischah zu, darum herrscht unter ihnen Harmonie und Eintracht: selbst verschiedene Meinungen werden geklärt und Einigkeit erhielt. Jeder Streit um Gottes Willen hat bleibenden Erfolg. Sein Hoch gilt dem Vorstand, namentlich dem Obmann Herrn David Lieben, der das Altjüdifche zu erhalten sucht. Herr Rabbiner Dr. Karl Thieberger dankt dem Vorstand, der die Erschienenen zu dem Mahl' geladen, das nicht nur ein den Körper stärkendes, sondern auch Herz und Gemüt erhebendes Fest mit ernster Beratung ist. Er preist das vorbildliche humane Streben des.Vereines, der darum an der Spitze aller Korporationen steht und dem Ahronstabe gleicht. „Und das Geheimnis dessen, dah alles nach Recht und Ordnung geht — das ist der Stab Mosches, der Leitstern unserer Chewre. Noch eines dritten Stabes sei gedacht, des Stabes Davids im Kampfe gegen Goliath. Unser Herr Obmann Rabbi David Lieben führt auch seinen Stab, er führt ihn zum Guten und schwingt ihn zum Frieden. Erheben wir darum das Glas auf die Vereinsleitung und ihren Obmann!" Vorsteher Herr Simon Hahn heißt die Erschienenen im neuen Heim willkommen und rühmt die unermüdliche Arbeitskraft des langjährigen Obmannes: „Was er uns ist, kann nur der beurteilen, der das Glück hat, mit ihm zu arbeiten. Darum streben Sie, meine Herren, in den Vorstand zu kommen, um dies zu erfahren. Was den Obmann vor allem ziert, das ist sein goldenes Herz. Die Prager Chewre hat keinen Obmann seinesgleichen. Dah es Ihnen, hochverehrter Herr Obmann, gegönnt sei, noch recht lange im Dienste des Eemilus Chafodim zu wirken, rufe ich Ihnen ein herzliches Lechaim, Lebehoch! zu." Herr Prof. Dr. N. Grün vergleicht die Zwischenzeit, da es keine Suda gab. mit den Verhältnissen in Moab und schildert in der ihm eigenen humoristischen Art die „Unzufriedenheit" mancher Mitglieder, die nach dem Land der Hungersnot auswandern wollten. Nun steht das Repräsentationshaus der Chewre mit einer Repräsentationsküche, die Hungersnot ist beendet und alles wieder beim Alten, im alten Glanz und alter Treue. Er ruft dem Vorstand, der es heute nicht oft'genug hören soll, ein kräftiges Lechaim zu. Es sprachen weiter: Vorstandsmitglied Anton B r a n d e i s auf die Lehrer, Rabbiner Dr. A r j e preist die Brüderschaft, deren begeisterter Anhänger er geworden, Rabbiner Fritz Knöpfelmacher bespricht in tschechischer Sprache die beiden Richtungen im Judentum und Jeiert die Chewre, welche den Glauben mit der Tat verbindet, Herr Freund toastiert auf die Damen, Herr Fuchs (Smichow) überbringt die Wünsche der Chewra- Kadischa Smichow, Herr Welt sch begründet in humorvoller Weise die Berechtigung des Mahles u. a. m. Vorstandsmitglied Herr Eduard Lasch dankt den Erschienenen, worauf Herr Josef Straub als Verwalter des Chewra-Hauses über die Ziele des Vereins, Menschenliebe und Selbstlosigkeit spricht. Er fordert in warmen Worten die Mitglieder auf, sich im Verein zu betätigen und bringt ihnen sein Glas. Unterdes war es Abend geworden, der Saal erstrahlte im Glanze des elektrischen Lichtes. Die Feier schloß der