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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-21 · 25 (21.6.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite.416 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 25 der Orden an 897 verwitwete Mitglieder die Gesamtsumme von 179,281 Dollar ausgezahlt. Kleinere Summen find auch für verschiedene andere philanthropische Zwecke verausgabt worden. (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Das Festmahl der Prager Beerdigungsbrüderschaft. Am letzten Sonntag, den 1. Tamus, fand in den anläßlich der Eröffnung des Prager Chewre-kadischo-Haufes in diesem Blatte ausführlich beschriebenen vornehmen Saalräumen desselben das statutenmäßige Festmahl statt. Durch eine Reihe von fahren konnte der Vorstand mangels einer Lokalität dieser Pflicht nicht Nachkommen; die Assanierung der Iosefstadt, welcher das alte Chewregebäude zum Opfer fiel, die Ueberfiedlung in ein Interimslokal, während der Neubau erstand, erschwerten die Abhaltung des Brüderschaftsmahles. Darum gestaltete sich dieses, im neuen Hause das erstemal gefeiert, zu einem geradezu feierlich-erhebenden und doch brüderlichen Feste. Das mit den Vorbereitungen und der Durchführung der Feier eingesetzte Komitee, bestehend aus den Vorstandsmitgliedern Herren Heinrich Freund, Simon Hahn und Eduard Lasch hat im Verein mit dem Obmann Herrn David Lieben alles auf das beste besorgt und kann zu dem Erfolg .nur beglückwünscht werden. Die genannten Herren machten die Honneurs und führten die zum Mahl ausgelosten Mitglieder ein. Im großen Sitzungssaal standen, lange Tischreihen harmonisch in Längs- und Querreihen angeordnet. Die Tische trugen herrlichen Blumenschmuck, Myrthenzweige und ein Blumensträußchen schmückten die einzelnen Gedecke. Das Porzellan- und Silbergeschirr mit dem Monogramm des Vereines ist dessen Besitz, wie denn auch die gesamte für das Mahl nötige Kücheneinrichtung zum Inventar des Vereins gehört, welcher das jüdische Ritual streng befolgt. Sowie die Gäste, an 150, sich versammelt hatten, verrichtete zunächst Vorstandsmitglied H. Welt sch das Minchagebet, worauf das vom Restaurateur des Hotel Bristols Herrn Josef Diamant, beigestellte Mahl den Anfang nahm. Herr Diamant hat die ihm von der Chewre übertragene Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der Teilnehmer gelöst. Unter den Anwesenden sah man u. a.: Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. B r o d y, die Professoren Dr. Grün, Dr. Klotz und S. Knöpfelmach er, die Rabbiner Königsberg, Dr. Arje (Smichow), Abeles {ZxzXom), F. Knöp felmach er und Dr. Thieberger, weiter den Direktor Breth der Länderbank, Direktor Berka der vereinigten landwirtschaftlichen Spiritusbrennereien, Schuldirektor Wertheimer, Advokat Dr. Emanuel Eisler, Großkaufmaun Urbach, Fabrikant W. Winterberg usw. Abordnungen der Synagogen Prags und der Chewravereine der Vororte. Den Reigen der Trinksprüche erösfnete der Obmann David Lieben. Einleitend hieß er die Erschienenen im Namen des Vorstandes. im neuen Heim herzlich willkommen, die Herren Sekenim, Altmänner, welche durch die jüngste Wahl dem Vorstand wieder das Vertrauen geschenkt haben, weiter die bereits inkorporierten und endlich die noch nicht inkorporierten neuen Mitglieder. Redner wirft einen Rückblick auf die mit der Aufführung des Neubaues geleistete Arbeit, die mit Gottes Beistand und mit freundlicher Unterstützung der politischen sowie städtischen Behörden, welche den Verein in allem wohlwollend unterstützt haben, glücklich zu Ende geführt wurde, so daß die Chewra nach einer Interimszeit wieder ihr statutarisches Festmahl im eigenen Heim begehen kann. ..Wenn wir so fuhr Herr Lieben fort — der Behörden gedenken, so ist es natürlich, daß wir ihres obersten Gebieters gedenken, dessen, der der Schirmherr aller edlen Bestrebungen im Staate ist, des edlen Monarchen. Es freut uns herzlich, daß wir den Bau unter dem greisen Kaiser glücklich beendet haben. Ihm seien noch recht viele Jahre der Gesundheit und des Friedens beschießen! Sie, meine Herren, sind mit mir hierin eines Sinnes, und ich fordere Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: Se. Majestät, unser gütiger Kaiser und Herr, er lebe hoch, hoch, hoch!" Die Versammlung, welche den Toast stehend angehöri hatte, brachte dem edlen Monarchen eine Huldigung dar. Zur Festrede erhob sich sodann Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. H. Brody, der in gehaltvoller Weise im wesentlichen folgendes ausführte: „Meine Herren! Im Talmud wird erzählt: R. Nachmann und R. Iizchah saßen einst beim Mahle, da bat R. Nachmann den R. Iizchah, er möge doch ein gelehrtes und belehrendes Wort sprechen. Der lehnte ab mit dem Bemerken, R. Iahanan habe geraten, während des Speisens nicht zu sprechen. Nach dem Speisen aber sprach R. Iizchah, R. Iahanan meinte, unser Stammvater Jakob sei nicht gestorben. Haben aber nicht Leichenredner gesagt, Aerzte ihn balsamiert, Totengräber begraben? Und er antwortete: Ich wollte damit nur einen Vers deuten. Es heißt: Nun aber. fürchte nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Herr, bebe nicht, o Israel, ich helfe dir in weiter Zeitenferne, deinen Kindern im Lande ihrer Gefangenschaft! Jakobs Schicksal wird hier an das seiner Kinder geknüpft, so lange diese leben, lebt auch er. Wer die zitierte Talmudstelke mit ihren Schwierigkeiten kennt, wird diese durch die Annahme beseitigen, daß R. Nachmann den Satz „Beim Speisen spricht man nicht" nur angeführt habe, um anzudeuten, daß er das, was er vorzutragen habe, nicht während des Speisens sagen könne, nicht sagen wolle. Wir hätten demnach nur dieses eine Moment zu beleuchten, vorher aber will ich mich nach alter Gepflogenheit (beim Chewramahl) mit — Korach kurz befassen. Im gestern verlesenen Thora-Abschnitt heißt es: Es taten sich zusammen Korach, Sohn des Iizhär, der Sohn des Kehath, der Sohn des Lewi usw. Hiezu bemerken unsere Weisen: Warum wird der Stammbaum Korachs nicht weiter hinauf bis Jakob zurückgeführt? Weil.dieser — so lautet die Antwort — Gott um Erbarmen angefleht hatte, daß sein StaMm .nicht genannt werde, wenn unter seinen Nachkommen einmal Streit entstehen sollte. Nach einer anderen Version unserer Lehrer konnte Jakob hier nicht genannt werden, weil ja die Kinder nur dann nach ihren frommen und gottergebenen Vätern genannt werden würden, wenn auch sie, wie ihre Väter, fromm und gottergeben sind, wenn sie sich ihrer Väter in Gesinnung und Tat würdig erweisen. Korach«, der sich gegen die Anordnung Gottes aufgelehnt, Korach. der sich gegen den weisesten und selbstlosesten Führer und Lehrer empört, Korach, der den Frieden in der Gemeinde gestört und ernste Gefahr über Israel gebracht hat — er war nicht der würdige Nachkomme Jakobs, er kannte nicht, durfte nicht als sp?’ p bezeichnet werden. Und dennoch haben unsere Lehrer recht, wenn sie für die auffallende Erscheinung, daß hier Korachs Stammbaum bis Levi und .nicht weiter hinauf bis Jakob zurückgeführt wird, eine andere Begründung geben, denn die von uns versuchte Erklärung stellt uns vor neue Schwierigkeiten. Waren doch auch Iizhar und Kehäth und Levi fromme Männer, Gott ergeben und ihrem Volke zugetan — auch als ih r Sohü hätte also Korach nicht bezeichnet wer-

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