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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-21 · 25 (21.6.1912) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
25 (21.6.1912)
Date
1912-06-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 411 zu bezahlen in der Lage sei. heißt es mit einem Male, daß er ja fahren könne. 2. Hat nun der Emigrant alles bezahlt und es ist nun alles in bester Ordnung, bekommt er sein Abendbrot, und zwar nicht nach freier Auswahl, denn der Emigrant mutz das essen, was ihm der Wirt vorstellt. Nach dem Abendessen wird der Emigrant in einen großen dunstigen Saal geführt, in welchem alle Emigranten. und mögen sie auch 100 oder 200 sein, schlafen. Ist zufällig genügender Platz vorhanden, kann feder Emigrant in einem eigenen schmutzigen Bett schlafen. Ist es aber zufällig _ überfüllt, so müssen auch zwei, drei Personen mit einem Bett fürlieb nehmen. Hat einer ein etwas sichereres Auftreten, und er fordert ein reines Bett mit reiner Bettwäsche, so wird ihm verstohlen, damit es die Anderen nicht merken, in einem anderen Zimmer ein etwas reineres Bett oder aber es wird ihm, damit er die übrigen Gäste nicht auch korrumpiert, lieber 60_ Kopeken für das Abendbrot zurückgezahlt und er an die Luft gesetzt. Würden es alle Emigranten begreifen, welche Wohltat für sie ein solcher Hinausrours ist, so würden sie sich alle einen solchen verschaffen. Denn m diesem Falle geht er. aus sich angewiesen, direkt ins Bureau, wo er schließlich für die nächste Partie vorgemerkt wird und endlich fahren kann. Aber nur die wenigen wissen, um was es sich handelt, und glauben, wenn man ihnen ihre paar Kopeken zurückzahlt und sie delogiert, daß sie nunmehr alles _ verloren hätten und so bitten sie nun selbst, daß man sie im Hotel belassen möge. Das sind natürlich nur einige jener zahllosen Tragödien, welche der Emigrant durchzumachen hat. In der Ileberzeugung. daß die zwei angeführten Punkte hinreichen würden, um die Lage der Unglücklichen zu kennzeichnen, bitten wir im Namen der Wahrheit und Gerechtigkeit, all dies in der Presse zu veröffentlichen. damit der jüdische Leser wenigstens eine Ahnung davon habe, wie er sich aus seinen Wanderweg zu verhallen hat. Und gleichzeitig richten wir an das Zentralbureau der Red Stare Line in Antwerpen die Bitte, es möge irgend was veranlassen, damit der unglückliche Emigrant den Klauen des Tigers — des Hotelwirtes — entrissen werde. All dies bestätigen wir Auswanderer, die wir uns auf dem Schiffe „Kronland" befinden. Montag, den 20. Mai n. St., am Vorabend unserer Landung in Newyork. 47 Unterschriften. Solche Notschreie der unglücklichen Emigranten sollten in der Oeffentlichkeit nicht überhört werden. Die Lage des Wanderers ist selbst im besten Falle schlimm genug, geschweige denn, wenn er auf Schritt und Tritt mißhandelt wird, wenn er für ein Stück Vieh angesehen und auch darnach behandelt wird. In dieser Sache mutz etwas getan werden, vor allem sollten die großen Organisationen den Schiffahrtsgesellschaften mehr auf die Finger sehen. Jede Organisation, welche sich dieser Unglücklichen annimmt, macht sich um die armen Juden wohlverdient. Dr. Friedrich GrafKchondarn über ein Such des verewigten Raddiners Dr. Samnet Kack in Kissa. Graf Schönborn als 1. Präsident des Verwaltungsgerichtshofes Hat am 31. Juli 1899 aus Hohenschneeberg in einem an Dr. V. Placzek gerichteten Briefe u. a. folgendes bemerkt: „Während meines hiesigen, zur Erholung meiner gottlob rekonvaleszenten Frau begonnenen Aufenthaltes habe ich ein schon lange in meinem Besitze befindliches, bisher nicht beachtetes Buch mit vielem Interesse gelesen: Die Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Literatur von Dr. Bäck. Datz ich bei der großen Verschiedenheit der beiderseitigen Standpunkte vieles darin nicht billigen kann, ist wohl selbstverständlich. Allein im ganzen hat das Buch mich sehr gefesselt- und ich habe mit Vergnügen gesehen, datz der Autor Ihren — mir übrigens schon früher bekannten — Verdiensten Gerechtigkeit widerfahren läßt. . ." Bevor auf die ungewöhnliche Bedeutsamkeit dieser Anerkennung eingegangen wird, seien einige Ergänzungen zu dem Gedenkblatte in Nr. 24 der Wochenschrift von Dr. Simon Mandl, dem kindliche Verehrung die Feder führte, anzufügen. Dr. Bäcks rührende, edle Bescheidenheit, seine tiefe Scheu vor allem, was als Vordringlichkeit gedeutet werden konnte, mochten in einer Zeit, in der, wie jüngst Mar Nordau in einem glänzenden Feuilleton so treffsicher sagte, die Massensuggestion der Reklame das Urteil des Publikums beherrscht, nicht nach ihrer ethischen Bedeutsamkeit eingeschätzt werden, vielmehr Mißdeutungen ausgesetzt sein. Seinem ganzen konzilianten Wesen nach über den Parteien stehend, fehlte ihm zum materiellen Emporstiege der heiße Odem der Parteiförderung. Darauf mag es auch zurückzuführen sein, datz seine günstigen Chancen, nach Budapest (gegen Kayserling), Hannover, Berlin und anderswohin berufen zu werden, erfolglos geblieben. Zum Verständnisse der angeführten Zeilen des Grafen Schönborn und um dieselben ihrer Bedeutsamkeit nach würdigen zu können, sowie auch aus anderen gewichtigen Gründen dürfte eine knappe Charakteristik des hervorragenden Staatsmannes nicht überflüssig erscheinen. Da sollen vor allem einige markante Stellen aus dem in Nr. 15,627 der „Neuen Freien Presse" vom 22. Feber 1908 erschienenen Aufsatze: D r. Friedrich Graf Schönborn über den Hilsner - Prozeß reproduziert werden. Ein posthumes Wort des jüngst verewigten, durch seinen Gerechtigkeitssinn ausgezeichneten Grafen Friedrich Schönborn, von dem in einem Blatte behauptet wurde, daß auch er an das Ritualmordmärchen glaube, dürfte daher an der Zeit und hier am rechten Orte sein. Einem Briefe desselben vom 11. Juli 1902 sind folgende Sätze entnommen: „Als Beweis, datz ich mit den Ritualmordgeschichten nur ganz unberechtigterweise in Verbindung gebracht werde, . . . diene folgendes: Im zweiten Stadium des Hilsner-Prozesses habe ich dem Redakteur eines Wiener (gemäßigt-liberalen) Blattes einen Aufsatz übergeben, in welchem ich gewisse Bedenken bezüglich des Zeugenbeweises gellend gemacht habe. Der Redakteur war aber selbst „bedenklich" (in anderer Richtung!) und wollte diesen natürlich zu Gunsten Hilsners indirekt sprechenden Aufsatz nicht nehmen. Hierauf gab ich ihn einem hervorragenden Iustizbeamten zu lesen. . ." „Nach dem Inhalte jenes Briefes zu schließen, ist das eine sicher, oder mindestens wahrscheinlich: Wäre Graf Schönborn länger Iustizminister und sein Bruder, der gleich edelsinnige Kardinal Erzbischof in Prag, länger am Leben geblieben, — es hätte keinen Hilsner-Prozetz gegeben!" „Dagegen, datz der sanglante Hatz mit seinem Attentat auf das Leben eines Schuldlosen einen Justizmord an der Eristenzberechtigung des Judentums ins Werk setzen wollte, unbekümmert darum, datz er so zugleich eine Kloake in das reine Quellengebiet des hehren Christentums hineinleitete, den Schöpfbrunnen des Katholizismus vergiftete, mutzte sich das Gewissen, das Gerechtigkeitsgefühl des Grafen Schönborn auflehnen. Als Katholik strengster Observanz, aber vornehmer, edelherziger Gesinnung, als ehrlicher Christ ein Menschenschätzer, von einer tiefen Religiosität, welche aufrichtige Gläubigkeit auch in den Angehörigen anderer Konfessionen zu achten und zu schätzen wußte, war er zu einem saerificio della giustiza nicht zu haben. . ." Die Hilsner-Affäre ist der noch nicht getilgte häßliche Rostfleck am Ehrenschilde der österreichischen Justiz, und man weiß es ja: Der Rost, je länger er haftet, desto tiefer frißt er sich ein. > Zur Vervollständigung seines Charakterbildes diene noch einiges aus dem ihm in einem vornehmen, parteilosen Wiener Fachblatte am 6. Jänner 1908 gewidmeten Nachrufe: „Graf Schönborn (gest. am 21. Dez. 1907), war ein 8« 1t macke man! Klingt dies nicht gar seltsam und

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