Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 24 Seite 401 Cilli Bunzl und Flora Biach, zahlreiche Mitglieder, Spender und junge Damen, die durch Uebernahme von Spenderlisten den Verein fördern. Ihrer Sympathie mit der schönen Feier hatten kundgegeben durch Telegramme und Briefe die Herren Alphons und Louis Freiherren von Rothschild, Hofrat Rappaport, Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Rabbinen Dr. Feuchtwan g, Dr. Gelbhaus, Dr. G r u n w a l d, Regierungsrat B a ch r a ch, Bezirksausschuß H i l l e r, Dr. London, Dr. Feilbogen, Architekt Modern, die Damen Baronin Königswarte r, G u t m a n n-G e l s e, Mathilde von G u t m a n n-G ü n z b u r g. Hofrätin G o m p e r z, Frau Professor S t r i s o w e r, Frau kais. Rat Fröhlich, Baurätin N e u m a n n, die Baron Hirsch-, die Baronin Hirsch-Stiftung und viele andere Vereine und Philanthropen. Mit Wehmut um die Verstorbene, die ihrem Wirken, ihrer Familie und ihren Freunden allzufrüh entrissen wurde, verließen die Teilnehmer der Feier das Heim, doch in dem Bewußtsein, daß das Andenken Rosa Zifferers nicht entschweben wird und Generationen von Arbeiterinnen i»r. Dankbarkeit ihrer gedenken werden, wie ein jugendlicher, 15 jähriger Dichter, Bernhard Brummer in rührender Anhänglichkeit an die Verstorbene in einem dem Verein zur Feier gewidmeten Gedichte schließt: Nun aber lebst Du fort auf Erdenhöhen — Von Künstlerhand im Bilde schön verklärt Und wirst in dieser Stunde heiligen Wehen Von vielen Herzen still verehrt. Die mit aufrichtig-kindlichem Entzücken Dankbarer Liebe auf Dein Bildnis blicken. Das antefemitifche Kins. Aus Lemberg wird uns geschrieben: In Galizien zieht gegenwärtig ein Wanderkino von Stadt zu Stadt, das sich durch sein antisemitisches Repertoire besonders auszeichnet. In Mielec kam es aus diesem Grunde dieser Tage zu heftigen Szenen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Besuchern dieses Kinos, welche fast in Tätlichkeiten ausarteten. Besonders erregt war die jüdische Bevölkerung, weil im Kinotheater der Pogrom in Kischinew zur Aufführung gelangte und dabei mit Absicht die lustigsten Gassenhauer gespielt wurden. Die Juden forderten nun, daß diese Aufführung vom Repertoire abgesetzt werde oder daß zumindest die lustige Musik wegbleibe. Als am anderen Tage die Vorstellung des Kifchinewer Pogroms abermals mit der lustigen Musik gegeben wurde, klatschten einige christliche Besucher, bekannte Antisemiten, Beifall, während die jüdischen Besucher Entrüstungsrufe laut pierden ließen. Es kam zu heftigen Szenen, so daß die Vorstellung unterbrochen werden mußte. Die Sabbathfrage in einer Vezalelausstellung. Der Eröffnung der Bezalelausstellung in Krakau sind, wie uns von dort berichtet wird, recht merkwürdige Auseinandersetzungen vorangegangen. Dies geht besonders aus einer Interpellation hervor, welche der Krakauer Kultusrat, Herr Isaac Rauminger, in der letzten Kultusratssitzung an den Präsidenten Dr. Tilles gerichtet hat. Hiernach soll das Komitee der Vezalelausstellung auf Antrag der zionistischen Mitglieder desselben pnd besonders infolge eines Gutachtens des Rabbiners Dr. Thon beschlossen haben, die Bezalelausstellung auch am Sabbath offen zu halten. Da die Ausstellung ja den Zweck hat, die Besucher zum Kaufe palästinensischer Kunstprodukte zu animieren, wird die Frage gestellt, ob der Kultuspräsident, der auch Obmann des Ausstellungskomitees ist, geneigt ist, gegen ein solches Vorhaben einzuschreiten und den Gemeinderabbiner Dr. Thon zu verhalten, daß er in religiösen Fragen eine etwas rigorosere Haltung einnehme. Der Präsident Dr. Tilles erwiderte nun, daß die Frage, ob die Vezalelausstellung in Krakau am Sabbath geöffnet bleibe oder WoWMrift nicht, noch nicht entschieden sei. Im Komitee habe ein Teil der Damen wie auch er, der Kultuspräsident, und der Vizepräsident Dr. Rafael Landausich entschieden dagegen ausgesprochen, die Ausstellung am Sabbath offen zu halten. Hingegen hätten sich die zionistischen Mitglieder des Komitees dafür ausgesprochen, und Rabbiner Dr. Thon habe erklärt, daß, falls am Sabbath keine Eintrittskarten verkauft und auch sonst keine Ausstellungsgegenstände veräußert würden, gegen die Offenhaltung der Ausstellung nichts einzuwenden sei. Der Kultuspräsident erklärt schließlich, daß er bei seinem Standpunkte verharre, und für den Fall, daß die Offenhaltung der Ausstellung am Sabbath beschlossen würde, er und der Vizepräsident Dr. Landau, sowie sämtliche nichtzionistische Mitglieder des Komitees daraus die Konsequenzen ziehen und aus dem Komitee austreten würden? weil sie der Anschauung sind, daß die jüdische Bevölkerung gegen eine solche Verletzung des Sabbath mit aller Energie protestieren würde. Der Interpellant nimmt die Antwort des Präsidenten zur Kenntnis und konstatiert, daß der Kultuspräsident von Krakau einen strengeren jüdischen Standpunkt einnehme, als der zionistische Rabbiner Dr. Thon. Diese Szene im Kultusrat hatte nun eine stürmische Sitzung des Ausstellungskomitees zur Folge, in welchem schließlich die Zionisten unterlagen und der Beschluß gefaßt wurde, die für die Dauer von 12 Tagen in Aussicht genommene Vezalelausstellung am Sabbath zu schließen, und mit Rücksicht auf die bestehenden Divergenzen die Ausstellung ohne Reden einfach zu eröffnen. Essek 10. Juni. (Dekorierungsfeier.) Unter erhebenden und herzlichen äußeren Formen erfolgte gestern vormittags um 11 Uhr die Ueberreichung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone an die verdienstvolle langjährige Präsidentin des Essek- Oberstüdter israelitischen Frauen-Wohltütigkeitsvereines Frau Friederike Bauer. Einige Minuten vor 11 Uhr hatten sich die Präsidien des israelitischen Frauenvereines, der Kultusgemeinde, des israelitischen Frauenvereines zu Essel-Unterstadt, der Chewra-Kadischa und zahlreiche Mitglieder der genannten Korporationen im geschmackvoll geschmückten Beratungssaale der Kultusgemeinde versammelt. wo auch der Bürgermeister der k. Freistadt Essek, k. Rat Herr Konstantin Graff, erschienen war. Kultusvorsteher Dr. Hugo Spitzer eröffnet» die Festsitzung und ersuchte die Komiteedamen Hermine Frank und Sidonie Pfeiffer um Einholung der Frau Präsidentin. Nach kurzer Zeit erschien dieselbe im Saale, begrüßt von den brausenden „Zivio" -Rufen der Versammlung. Hierauf nahm snter allgemeiner Aufmerksamkeit Herr k. Rat Bürgermeister Graff das Wortum in kerniger Weise das verdienstvolle Wirken der durch des Königs Gnade ausgezeichneten Frau Präsidentin zu skizzieren und ihr unter herzlichen Glückwünschen im eigenen wie auch im Namen der behördlichen Kreise das goldene Verdienstlreuz mit der Krone an die Brust zu heften. Nach diesem feierlichen Akte verdolmetschte Herr Kultusvorsteher Dr. Hugo Spitzer die herzlichen Wünsche der Kultusgemeinde, indem er ihr wünschte, daß die gütige Vorsehung sie noch lange Jahre in ungestörter Gesundheit zum Wohle und Heile der Humanität wirken lassen und sie sich der ihr verliehenen Auszeichnung stets erfreuen möge. Frau Präsidentin Bauer hielt sodann folgende Dankrede, welche auf die Anwesenden tiefe Wirkung übte. Sie führte wörtlich folgendes aus: Hochverehrte Festversammlung, hochgeehrte Damen und Herren! In dieser feierlichen Stunde drängt es mich, unserem allerhöchsten Herrn Seiner kaiserlichen und apostolisch königlichen Majestät Kaiser und König Franz Joseph dem Ersten für seine Gnade, daß er mich mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet hat, meinen ehrfurchtsvollen, alleruntertänigsten Dank auszusprechen. Gott erhalte Seine kaiserlich und apostolisch königliche Majestät! (Lebhafte Zivioruse.) Herrn k. Rat Konstantin Graff, Bürgermeister der k. Freistadt Essek, sage ich für sein freundliches Erscheinen, mir persönlich diese a. h. Auszeichnung überreicht zu haben,^ herzlichsten und innigsten Dank! Herrn Kultusvorsteher Dr. Spitzer verbindlichsten und herzlichsten Dank, daß er die Leistungen des Israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines zu Essek-Oberstadt. dem ich die Ehre habe, seit 25 Jahren als Präsidentin vorzustehen, so wohlwollend beurteilte, daß er diese meine Leistungen im Vereine mit meinen treuen Mitarbeiterinnen es für richtig befunden hat. an maßgebender Stelle der Würdigung zu empfehlen. Mit Stolz werde ich diese allerhöchste Auszeichnung tragen und immer daran denken, daß ich dies nur im Vereine mit den geehrten Komiteedamen erreichen konnte, und muß sich daher jede Einzelne der Damen mit mir gemeinsam als ausgezeichnet betrachten. Wie bei allen freudigen Anlässen, so mengt sich auch diesmal in unsere Freude eine wehmütige Erinnerung, und das ist der Schmerz.