Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 400 Dr. WoWs WoHBWrfft Nr. 24 dentums begrüben mit Freude die Gründung der Agudah Iisroel. Die Anwesenden ermächtigen das provisorische Komitee, sich zu ergänzen und die Wiener Ortsgruppe, unter Erfüllung aller staatsgesetzlichen Vorschriften, zu gründen, welcher die Anwesenden beizutreten erklären." Mit Akklamation angenommen. Nun meldete sich der unvermeidliche Zionist zum Worte, das ihm erteilt wurde. Es zeugt von dem ästhetischen Gefühl der Versammlungsteilnehmer, daß anscheinend auch nicht ein einziger derselben das Organ der Wiener Zionisten-Leitung liest. Man hätte sonst kaum in einer Gesellschaft anständiger Menschen einen Mann reden lassen, der in der jüngsten Nummer dieses Blattes als Verantwortlicher einen Kübel Unrat zeichnet: „Es ist einfach unerhört, datz unter dem Vorwände, „die heilige Thora zu schützen", ein paar herrschsüchtige und , profitgierige Finsterlinge ihr unsauberes Denunziantentum betreiben und Gutgläubige mißbrauchen dürfen." —Nach dieser St—bombe hat ein Cynist noch die Unverfrorenheit, in einer Versammlung zu sprechen, deren sämtliche Teilnehmer die in so rüder Weise angerenrpelten Männer als ideale Juden verehren. Die unqualifizierbaren Ausfälle dieses jungen Herrn gegen abwesende, hochachtbare Personen wurden vom Vorsitzenden strenge gerügt. In merito ließen die Herren Rabbiner Goldstein und Bernhard Hofbauer dem Herrn die entsprechende Abfuhr zuteil werden. Derartige Zwischenfälle werden künftighin vermieden werden müssen, wenn nicht den idealsten Dingen ein ekliger Geschmack beigemischt werden soll. Nach dem Schlußwort des Referenten schloß Vorsitzender die Tagung, die wir hochbefriedigt verließen, in dem Bewußtsein, einer großen Sache zu dienen. Wolf P a p p en h e.i m. Ablehnung des neuen Emwandemngsgesetzes in Amerika. Wie aus Newyork gemeldet wird, wurde das gegen die Zulassung von Analphabeten gerichtete Einwanderungsgesetz, welches im Senat angenommen wurde, in der Kommission des Kongresses zurückgewiesen. In der Kommission haben besonders die zwei jüdischen Kommissionsmitglieder, Kongreßman Goldfogle und Sabbath, welche in scharfen Reden das Projekt kritisierten, dagegen Stellung genommen. Die Kommission verwarf die Dringlichkeit des Gesetzentwurfes mit sieben gegen fünf Stimmen, wodurch derselbe auf unbestimmte Zeit von der Tagesordnung abgesetzt wurde. Rosa Zifferer-Feier im Kaiser Franz Josephs- Arbeiterinnen-Erholungsheim in Seebenstein- Santern. Donnerstag den 6. Juni, am dritten Jahrestag der feierlichen Eröffnung dieser schönen Stiftung feierte der Frauenhort daselbst das Andenken seiner unvergeßlichen, am 6. Februar 1911 ihm entrissenen ersten Präsidentin. Herrlichstes Wetter begünstigte die Feier und über hundert Teilnehmer hatten die zweistündige Reise nach Seebenstein nicht gescheut, um den Manen der Verewigten ihre Huldigung darzubringen. Frau Regine Kopstein, die gegenwärtige Präfidentin, empfing die Besucher am Gartentore des Hauses und geleitete sie in den Konversationssaal vor das verhüllte Bild. Von häufigem Schluchzen unterbrochen, würdigte sie die Verdienste Rosa Z i f f e r e r s um den Frauenhort und das Heim. Als. die Hülle fiel, fand das von der Tochter der Verewigten, Frau Baurat von G o t t h i l f, gestiftete Meisterwerk Kresti n's, das die Verstorbene in schlichter Witwen- und Arbeitstracht darstellt, allgemeine Bewunderung. Frau Charlotte Frischauer entwickelte nun in meisterhafter Weise die Bedeutung der Verstorbenen um das Armenwesen unserer Gemeinde. Herr I. Vizepräsident Doktor Gustav Kohn feierte neben den Verdiensten der Verstorbenen die gegenwärtige Präsidentin, welche während ihrer kurzen Amtsführung den Frauenhort so viel neue Gönner zugeführt und in allerschwierigster Zeit mit der größten Selbstaufopferung den Verein erhalten hat. Herr Julius K o p st e i n Pries die Kollegialität und den Fleiß des ganzen Vorstandes, welche seiner Frau ihre Tätigkeit ermöglichen, Herr Ignaz Brukner feierte das Heim in Versen. Hierauf erfolgte der Rundgang durch das Haus, dessen Wirtschastsräume, Verwalterzimmer und Krankenzimmer Parterre, Empfangssalon, Speiseterrasse und vier elegante Schlafräume zu vier Betten im ersten Stock liegen, während der zweite Stock den Rothschildsaal und zwei neugebaute Schlafzimmer umfaßt, so daß je dreißig Arbeiterinnen..je vier Wochen durch fünf Monate einen vollständig freien Aufenthalt mit trefflicher Kost genießen. Das gute Aussehen der dreißig gegenwärtig anwesenden Schützlinge fand ebensolche Anerkennung, wie die romantische, aussichtsreiche Lage des Heims, sein schöner, sich in einen Fichtenbergwald verliernder Garten, zu dem noch ein großer Gemüsegarten gehört, der alles Gemüse für das Heim liefert. Wie notwendig wäre es aber, das Heim zu erweitern, damit nicht 150, sondern die doppelte und dreifache Zahl von erschöpften braven Lebenskäwpferinnen, die nicht nur sich, sondern greise Eltern, jüngere Geschwister zu erhalten haben, moralisch und physisch gekräftigt würden! Unter den Stiftern des Heims, zu dem der Gedanke bekanntlich von der in Paris lebenden Frau Rosa Feigenbaum ausgegangen ist, die leider nur aus der Ferne die segensreiche Entwicklung ihrer Idee verfolgen kann, finden wir die Herren Nathaniel Freiherrn von Rothschild, David von Gutmann, Rudolf Auspitz, Max B u n z l, Salo Cohn, Albert Freiherrn von Rotschild, Donat Z i s f e r e r, Herrenhausmitglied von L a n c y, die Damen Rosa Z i f f e r e r, Fany Kann, Julie T r e b i t s ch und das Ehepaar Max und Jda H i l l e r. Betten haben gestiftet (ä 500 Kr,) Herr Max B u n z l, Frau Dr. Landau, Ehepaar Gottlieb Bettelheim, kais. Rat Arnold Fröhlich. Herr Julius K o P st e i n, Frau Johanna Fröhlich, Frau K o p st e i n, Eh paar B o s s e r, Frau Hedwig Ehrenzweig, Herr Dr. Alfred G l o g a u, Frau Helene G l o g a u und in einem Zimmer, das gegenwärtig durch eine schöne Marmortafel als Rosa Ziffererzimmer bezeichnet wird, das Ehepaar Z i f f e r e r, dessen Kinder, Ehepaar kais. Rat Carl Hirsch und Dr. Berthold London, zum Gedächtnis an die Verstorbene. Die Namen der gesamten Familie Freiherr von Rothschild sind in dem Rothschildsaal mit seinen acht Betten verewigt, in dem gleichfalls eine Marmortafel an die edlen Spender erinnert. Die Teilnehmer der Feier vereinigten sich zu einer Jause im Garten des Heims, unter den Anwesenden bemerkten wir außer Frau Baurat von G o t t h i l f, Herrn Erwin und Dr. Hans Z i f f e r e r, die Herren I. Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und Sekretär Dr. Adler (Kultusgemeinde) Gottlieb Bettelheim, Präsidentdes Tempelvereins im. 9. Bezirk, bekanntlich der Gründer des Frauen Hortes, ferner die Deputationen Frau Dr. H e r z l (Providentia), Krenberger, Biermann (Hietzinger Verein), Frau Dr. Weiß und Marie Kohn (Brigittenau), Frau Dr. Frischauer (Kinderho t), Frau Dr. H a l p e r n (Greisinnenfürsorge), Frau Direktor Ullmann (Soziale Hilfe), Regierungsrat Wien (Philanthropischer Verein), Elise von Goldberger (Mutterschutz), Alice Brukner, Ehepaar Al x. S ch o r r (Elisabeth Lehrmädchenhort), Herrn Amtsleiter Wilhelm F r e i st a d t, Amtsleiter Rudolf Krauß, Bezirksrlchter Dr. Bettelheim, kaiserlichen Rat Schefftel, Dr. G r ü n e r aus Neunkirchen, die Industriellen Bunzl, Bi ach, Bernhard Hirsch und Josef Quittner, die Aerzte kais. Rat Krüger, Professor Benedikt, Doktor Hermann A l g y o g y i, Doktor Frischauer, die Vorstandsdamen Olga von Doctor, Bettelheim, Benedikt, Anna und Julia Hirsch, Baurätin S t i a ß n Y, Emilie Quittner, Frau Dr. Gustav Kohn, Mina Brukner, Sofie Deutsch, Fröschels, Geisenheimer, Frau Dr. Landau, M. S t i a ß n y, Jeanette Schefftel,