Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 24 De. Blochs Wochenschrift Sette 399 gerinnen und Hauspersonale in dieses Haus eine große Anzahl Räumlichkeiten im Spitale für unmittelbare Spitalszwecke frei wird. Des weiteren wurde der Kultusgemeinde aus dem für wohltätige Zwecke bestimmten Nachlasse des verewigten Herrn Albert Freiherr.n v. Rothschild ein Betrag von 200,000 Kr. für Spitalszwecke zugewendet, so daß die finanziellen Schwierigkeiten bezüglich der notwendigen Adaptierungen, Umgestaltungen. Einrichtung von Laboratorien, Schaffung therapeutischer Behelfe rc. zum großen Teile beseitigt erscheinen. Das Vorstandsmitglied, Herr Architekt Gärtner, hat auf Grund vielfacher .Besprechungen mit den Funktionären des Spitales Adaptierungspläne und approrimative Kostenvoranschläge ausgearbeitet. Im Sinne eines eingehenden Referates wird die Durchführung der notwendigen Adaptierungs- und Renovierungsarbeiten im Spitale auf Grund der oben erwähnten Pläne prinzipiell genehmigt und für alle diese Arbeiten unter Zugrundelegung der vorgelegten Kostenvoranschläge ein Marimalkredit von 220,000 K eingegeräumt, in welchem Betrage die Zuwendung aus dem Nachlasse des verewigten Herrn Albert Freiherrn von Rothschild per 200,000 Kr. samt Zinsen vom Erlagstage ab inbegriffen ist. Mit der Durchführung der Arbeiten wird ein Spezialkomitee betraut. Nach Erledigung diverser Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um 3 Uhr nachmittags geschlossen. Spenden Herr I. Feitler: Waisenverein.Kr. 400 Re, te Kinderbewahranstalt. 200 „ Blinden-Jnstitut. „ 200 „ zur Erhöhung der „Jacques u. Fanny Feitler- Stiftung". 2000 „ zur Errichtung einer „Feitler-Stiftung"f. d. Armenanstalt . 400 „ Herr Adolf Fein f. d. Spital der isr. Kultusgemeinde Kr. 20 „ S. Bartfeld für den Waisenverein..Kr. 15_ Zusammen Kr. 8235 Tempelfpenden II., Tempelgasse 3: Siegmund Subak Kronen 25, Emil Glaser 30, Jacob Löbl 10, Isidor Löwenbein 9, Bartalan Ungar 20, B. Hohenberg 10, Julius Figdor 20, David Dohan 20, Philipp Oberländer 10, Jacob Kohn 20, Jonas Stransky 10, Dr. Ad. Schmiedl 10, Samuel Pisk 20, Jg. Beckmann 100, Prof. Dr. S. Kraus 10, Albert Kohn 10, Dr. Adolf Herzfeld 10, Dr. Gustav Kohn 80, Anton Beck 20, Dr. D. Feuchtwang 10, Alois Gruber 20, Jacques Piowati 100, Dr. Arnold Ascher 20. Zusammen Kronen 594. Sammelbüchse im Tempel Fünfhaus Kronen 177.90. Agudatz Iisroel. Die Schiffschul hatte für den 6. Juni die orthodoxen Bethäuser zu einer Besprechung über die Ergebnisse der Kattowitzer Konferenz eingeladen. Es erschienen: Machsike Ieschuwoh (Moritz Weinst e i n), Chebrah Wereeth (B. W. P h i l i p), Beth Israel (I.Braun), Adaß Ieschurun (Dr. S. H alb e r st amm, Mar Pappen heim), Ohel Abraham (S. Kohn, L. Fried mann), Machsike Hadaß (B. Hofbauer) VI. Stumpergasse (M. Felsen bürg, M. Ungar), Montefiore (E. Weiß, L. Beneth), Talmud Thora (Rabb. H. Schenk), Hammer-Purgstallgasse (Rabb. Gold st ein), Marpe Lanefesch (Isak Rosner, P. Grün Hut), Thora-Ez. Chajim (I. Frommer, Sal. Schreiber). Nach einem kurzen Referate des Herrn Wolf Pappenheim wurde beschlossen, unverzüglich eine große Versammlung zu veranstalten, um sofort die Gründung einer Wiener Ortsgruppe vorzunehmen. Die Versammlung wurde für den 9. Juni bestimmt. Trotz der Kürze der Zeit zu den vorbereitenden Arbeiten fanden sich über 400 Personen zu dieser Versammlung im Turnsaale der Talmud Thora ein. Herr Dr. Reiniger. Obmann-Stellvertreter der Adaß Iisroel, zeichnete in kurzen markanten Worten die hohe Bedeutung der Agudah für die ganze religiöse Iudenschaft. Herr Rabbiner Fürst schilderte in begeisternder Rede den Eindruck der Kattowitzer Tagung, deren Beschlüsse segensreich fortwirken werden. Hierauf ergriff der als Gast anwesende Herr Dr. Jonas B o n d i, Rabbiner zu Mainz, das Wort zu einem Referat über die Agudah. an deren Gründung derselbe von allem Anfänge an mitberaten hat. Redner erwähnt den überwältigenden Eindruck der Kattowitzer Kundgebung, die die Einmütigkeit der ganzen Orthodorie zur tätigen Förderung der religiösen Interessen, ohne jede Nebenabsicht, dokumentierte. „Am meisten ersehnt man die Zusammenfassung aller traditionellgesetzestreuen Juden aller Länder zu einem Verbände in Rußland. Vor drei Jahren war bei den vorbereitenden Besprechungen in Bad Homburg eine Reihe hervorragender russischer Gelehrter und Notabeln zugegen. Wenn die jetzt ins Leben gerufene Agudah dazu beitragen soll, die Vorurteile der orthodoxen Juden der einzelnen Länder gegeneinander zu bannen, so haben die Hamburger Beratungen den dortigen deutschen Vertretern gezeigt, daß in Rußland nicht nur Thorakenntnis in hohem Maße zu finden ist, sondern auch Weltkenntnis und ein bemerkenswerter klarer Blick für die Erfordernisse der Zeit den dortigen Gaonen eine überragende Stellung anweist. Wir wissen gemeiniglich von unseren russischen Glaubensgenossen nur. daß sie sich in einer beklagenswerten. materiellen Notlage befinden, daß aber die geistige Rock noch dringender und zwingender Abhilfe fordert, daran denken die Orthodoren anderer Länder nur wenig. Das Verkennen des Guten, das aus alter Zeit stammt, das Erschüttern jeglicher Autorität, selbst der Autorität der Eltern und Lehrer schon bei Kindern. das Ueberschätzen wiederum der westlichen modernen Kultur, das so viele Kreise Rußlands beherrscht, hat einen beträchtlichen Teil der oberen und mittleren Schichte der jüdischen Bevölkerung, besonders der Jugend, der altjüdischen Religion entfremdet, und man hont durch die Agudaß Iisroel und die daraus folgende bessere Bekanntschaft mit thoratreuen Juden glücklicherer Länder diese eminente Gefahr für das Judentum bannen zu können. Von großer idealer Bedeutung wird es auch sein, wenn nach finanzieller Erstarkung der Agudah die Hilfeheischenden durch die Hand von Gesinnungsgenossen aus ihrer Rot emporgehoben werden. Das Beispiel Rußlands allein zeigt uns schon, in welchem Maße die Agudah Segen bringen kann. Auch Länder, die im Augenblick für sich, wenig von Glaubensgenossen der Fremde erhoffen, werden, um nicht gleichgiltig bei der Gefahr des Nächsten dazustehen, die Agudah stärken müssen. Auch in Deutschland herrscht bei uns eine geistige Not. Aus der geschichtlichen Entwicklung der deutschen orthodoren Gemeinden heraus erklärt es sich leicht, warum bei allen sonstigen aufrichtigen Gesetzestreuen die Thoragelehrsamkeit vielfach mangelt, und daraus wieder, warum die Gelehrten auf diesem Gebiete nicht genügend geehrt und geschäht werden. Die durch die Agudah vermittelte Bekanntschaft mit der Blüte des Thorastudiums in anderen Ländern und seinen segensreichen Folgen, wird aneifern und den Gesehestreuen Deutschlands das Große geben, was ihnen heute mangelt. Wenn Vereinigung überall stark macht, so zeigt es sich besonders in unserer Geschichte, daß Glieder des Judentums, die vom großen Körper des Eesamtvolkes lange getrennt blieben, in ihrer Lebenskraft äußerst gefährdet waren. Vor hundert Jahren noch waren die Juden in Deutschland. Holland. Ungarn, Polen. Rußland. Frankreich und England, in all den Ländern, die man mit dem Namen Aschkenas in weiterem Sinne bezeichnet, durch die überall herrschende Liebe zur Thora innerlich und durch die gemeinsame d. h. jüdisch-deutsche Sprache äußerlich in innige Verbindung miteinander. was sich schon dadurch zeigt, daß die geistigen Führer der Gemeinden dieser Gebiete von überall her berufen wurden, und unterschiedslos überallhin zu neuer und weiterer_ Amtstätigkeit zogen. Das Zurücktreten des religiösen Interesses seit der Emanzipation und das Aufhören des Jüdischdeutsch, als gemeinsamen Schirm hat die einzelnen Teile von Aschkenas auseinandergerissen, die Juden der einzelnen Staaten wissen heute trotz des gesteigerten Verkehrs nur allzuwenig von ihrem gegenseitigen Innenleben und gleichen in mancher Beziehung den losgelösten Gliedern eines Körpers. Was durch die Zeitumstände getrennt, durch Geist und Gesinnung zusammengehört. das soll die Agudah wieder zueinanderbringen. Kein Land soll dabei dem anderen seine Meinungen und Ansichten amzwingen. um das^ Große, was sie gemeinsam haben: die Liebe und Treue zur Thora, das sollen, und wollen wir gemeinsam in Einigkeit kraftvoll fördern." Die hier im Auszuge wiedergegebenen Ausführungen des Herrn Rabbiners Bondi fanden rauschenden Beifall. Herr Pinkas beantragte eine Resolution, lautend: „Die heute versammelten Bekenner des orthodoren Iu-