Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-14 · 24 (14.6.1912) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022006--21219-3046301
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

lßr. 24 t>r. Bkochs WochMchrift ^eite 595 York in den letzten Jahrzehnten mitgemacht. Heute grenzt das einst so idyllisch gelegene Heim an eine der größten Verkehrsstraßen, steht mitten im geschäftigen Wogen der Riesenstadt. Das hat natürlich mancherlei Uebelstände zur Folge, vor allenk den, daß die Patienten, wenn sie im Garten der Anstalt die Luft genießen, von den Vorübergehenden beobachtet werden und vielfach Aeußerungen des Bedauerns >und der Teilnahme vernehmen müssen. Mögen dieselben auch noch so gut gemeint sein, nicht jeder will sich bedauert sehen, und es zeigte sich, daß die Stimmung mancher Patienten durch solche Erlebnisse höchst ungünstig beeinflußt wurde. Deswegen ist eine Verlegung dieser Anstalt beschlossen worden, und Jakob Schiff hat auch bereits ein Präliminare von 2 Millionen Dollars für den Neubau des Montefioreheims weit außerhalb der Stadt aufgestellt. Ganz hervorragend ist aber dieses Heim auf dem Gebiete wissenschaftlicher Neuforschung und eine ausgezeichnete Schule für junge Aerzte. Jede medizinische Entdeckung wird gleich, oft unter großen Eeldopfern, dort praktisch erprobt, diesbezüglich ist es geradezu eines der maßgebendsten und bahnbrechendsten Institute. Es hat schon seit langem sein Zander-Institut, seine Röntgenabteilung und war eines der ersten Spitäler, das sich mit Erfolg des Ehrlichschen Hataserums bediente. Jedem jüdischen Besucher Newyorks würde ich empfehlen, sich das palastähnliche Heim der jüdischen Iungmannnengesellschaft anzusehen, welches der jüdischen Jugend Newyorks gewidmet und ein Kulturverbreiter ersten Ranges geworden ist. Der florentinische Prachtbau, ein generöses Geschenk Felix Marburgs, des derzeitigen Klubpräsidenten, befindet sich in einem der elegantesten Teile Newyorks, in der 5. und Maddison-Avenue. Stili^ sierte Eleganz, die Fülle vornehmster Kultur stellen diesen Klub den ersten Europas gleich, machen ihn zu einer der bedeutendsten Vereinigungen der Stadt. Die verschwenderische Großartigkeit seiner Anlage ist für unsere Vorstellung sogar geradezu verblüffend. Außer den Empfangsräumen, den Musik- und Rauchsalons enthält der Palast entzückend ausgestattete Schlafzimmer für Gäste, bequeme Restaurationssäle mit Spiel- und Billardzimmern, eine fabelhaft eingerichtete Schwimmschule, Turnsäle mit den allermodernsten Requisiten, Konzertsäle, Vortragssäle, zwei reich ausgestattete Bibliotheken, davon eine für die Jugend, Lesesäle, Kegelbahnen und last not least eine Bethalle von imponierendem Eindruck. Der Fortbildung dienen Handelsabendkurse, außerdem Literatur-, Sprachen-, Zeichen- und Beamtenkurse, letztere zur Vorbereitung für die Staatsdienstprüfungen. Rhetorik erlernt der schweigsame Pankee im Debattierllub, der seine Diskussionsübungen auf alle Gebiete des öffentlichen Lebens, der Kunst und Wissenschaft ausdehnt. Selbstverständlich wurde der Sport nicht vergessen, und ich habe die prachtvollen Räumlichkeiten der Schwimm- und Turnhallen bereits erwähnt. Aber auch Athletik, Golf, Fußball, Lawn-Tennis, überhaupt alle körperlichen Uebungen werden fnit großem Eifer betrieben. Für Schwimmen und Turnen sind die besten Lehrkräfte engagiert, und die jungen Leute aus den Bureaus und den Fabriken kommen abends in dieses Heim, entweder um sich im Musikzimmer oder im Konversationssaal zu unterhalten, oder um an einem der Unterrichtskurse teilzunehmen, oder sie halten Klubberatungen, oder üben sich in. der Turnarbeit oder Schwimmschule. Einen Abend in diesem Heim zu verbringen, ist auch i:":r I;:: Fremden ein förmlicher Genuß. Daneben besteht überdies ein praktisches Stellenvermittlungsbureau in diesem Heim, wo im Lause des Jahres 1911 für 2596 freie Stellen bloß 2166 Bewerber da waren. Die Klubs geben gemeinschaftliche monatliche Berichte heraus und das Wochenprogramm aus einer Februarwoche meldet beispielsweise folgende Veranstaltungen: F eitag. feierlicher Gottesdienst, Diskussion über religiöse Fragen in ter Leitung des Reverenden. Samstag, Elternabend. Sonntag. Soiree mu Damen und Tan; (zahlreiche Lerlobungsauzeigen der Mitglieder, wobei, wenn sich das Brautpaar im Kmb kuurea lernte, dies in den Mitteilungen erwähnt wird). Moiteg, Borlrag eines berühmten Nationalökonomen über das StLaeip.odlem. DieiiStaa, Wagner Vereinigung. Stücke ans Rheingold. Mittwoch, Große Feier zu Georg Wahshingtons Geburtstag mit Festreden. Donnerstag, Aufführung eines Shakespeareschen Lust'piels durch d'e Mitglieder. (Derartige Vorstellungen finden einmal monatlich statt). Freitag wieder feierlicher Gottesdienst. Das Programm wechselt zeitweise insoferne, daß die literarischen Veranstaltungen von Preisturnen und Preisringen abgelöst und daß Bankette und Bälle am Chanuka und Purim eingeschoben werden. An einem wunderhübschen kleinen Gebirgssee am Hudson hat dieser Klub in der Art der großen Klubs Englands. Frankreichs und Italiens ein Villegiaturschloß, genannt das Sigmund Neustadt-Haus, das der Klub zum Fischen, Jagen, Rudern und Sommeraufenthalt bezieht. Eine derartige Vollkommenheit der Kluborganisation habe ich wirllich nur in Amerika gesehen. Um vollberechtigtes Mitglied dieser Jungmannengesellschaft zu werden und an allen Benefizien teilzunehmen, zahlt man zwei Dollar monatlich! (Fortsetzung folgt.) Rabbiner Kr. Samuel Kaeck f. A. (1833—1912) Ein Gedenkblatt von Dr. Simon Mandl. Der Träger dieses Namens, der am 16. v. M. in Lissa (Posen), seinem langjährigen Wirkungskreise, in die Ewigkeit eingezogen, er gehörte wohl zu jenen edlen Männern, von denen das Wort unserer Weisen gilt: „Man errichte keine Denkmäler den Großen, sondern die Werke der Edlen sind ihr Andenken" (Mischnah Schekalim). Auch würden überschwängliche Lobreden seinem bescheidenen Wesen widersprechen. Gleichwohl möge sein Wirken in einem Journal, das den österreichisch-jüdischen Interessen dient, gewürdigt werden, seinen heimatlichen Freunden und Verehrern zum Andenken dienend und gleichzeitig ein Stück literarischer Zeitgeschichte festhallend. Gehörte doch Rabbiner Doktor Samuel Baeck zu jenen geistigen Zelebritäten im Auslände, die ihre österreichische Heimat dort zu Ehren brachten. Ausgehend! von seinen mährischen und böhmischen Wirkungskreisen: Schafsa und Böhmisch-Leipa (bis 1864), sollte er dazu berufen sein, im Dienste fürs Judentum sich den Vorbildern seiner Familie würdig anzureihen, deni berühmten R. Nahum und R. Abraham Baeck in Holitsch einer- und dem unvergeßlichen mährischen Landesrabbiner R. Abraham Placzek in Boskowitz andererseits. Von der Person Dr. Samuel B a e ck' s ging ein unwiderstehlicher Zauber aus, den namentlich der große Samson Raphael Hirsch seinen Jüngern zu vererben verstand, zu deren vornehmsten und edelsten Vertretern der Verklärte gehörte. Bescheidenheit, Schlichtheit. Pünktlichkeit im Berufe zeichneten ihn aus. wie sein ganzes Wesen nur von deni Gedanken der Pflichterfüllung bis zu seinem Lebensende erfüllt war. Die geistige Bedeutung Dr. Samuel Baeck's lag in seiner anerkannten Autorität aus jüdisch-historischem Gebiete, in seiner zum geistigen Besitz der Jugend gewordenen „Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Literatur" (in 3. neubearbeiteter Auslage erschienen bei I. ilauffmann, Frankfurt a. M„ 1905). Ueber die Notwendigkeit dieses Buches, das neben den Werken eines Ztayferling, Eassel. Braun seinen Platz behaupten wird, äußert er sich» in folgender, gerade für unsere Zeit aktuellen Weise: „Ein Buch, durch welches jeder Gebildete sich ohne großen Aufwand an Zeit und Mühe über die Geschichte des jüdischen Volkes belehren könnte ... ist noch immer nicht geschrieben. Das dringende Bedürfnis nach einem solchen Buche -wird von allen tief empfunden, die einen warmen Sinn für Juden und Judentum sich gewahrt und es längst erkannt haben, daß der Jndifferentismus nicht in so bedenklicher Weise in jüdischen Kreisen um sich greisen würde,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.