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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-14 · 24 (14.6.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Gette 394 Dr. Blochs Wochenschrift Üftr. 24 ein offenes Geheimnis, daß die Arbeiterorganisationen zu einem neuen groben Streik sich rüsten. Welcher Art kann das Verhalten der jüdischen Bergarbeiter bei einem soühen Streik sein? Sondern sie sich ab von ihren christlichen Genossen, kümmern sie sich um den Streik nicht, setzen nach wie vor ihre Arbeit fort, so werden sie „Streikbrecher" und die gesamte sozialdemokratische Arbeiterpartei in Deutschland wird sie auf das schärfste verdammen. Das dürfte auch für die Gesamtheit des Judentums nicht ohne böse Folgen sein. Andererseits, wenn die jüdischen Bergarbeiter dem Kampfe ihrer christlichen Genossen sich anschließen und die Arbeit einstellen, so wird die preußische Regierung sie sofort aus dem Lande ausweisen: sie stehen unter dem Fremdenrecht und man flreiß, wie die preuhische Regierung gegen 'fremde Arbeiter, die nach Deutschland nicht Zuständig sind, vorzugehen pflegt. Aus solchen Erwägungen heraus will uns scheinen, daß eine Unterstützung dieser Arbeiter zum Zwecke der Emigration nach freien Ländern ihnen und ihren Kindern eine gröbere, segensvollere Hilfe bedeuten würde. Gm Krfrrch beim Urm-Uorker Judentum. Dritter Vortrag, gehalten in der Generalversammlung des Vereines Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnnenheim, am 13. Mai 19l2, 7 Uhr abends von Dr. Josef Bloch. Es war am 19. September des Jahres 1654, als ein Passagierschiff, auf welchem sich 27 Juden, Männer, Frauen und Kinder, befanden, im Hafen der Stadt einlief, die damals den Namen Neu-Amsterdam trug. Das Gebiet stand noch unter niederländischer Herrschaft und die jüdischen Ankömmlinge, sämtlich spanisch-portugiesi-! scher Abstammung, waren höchst unwillkommene Gäste. Der holländische Gouverneur geriet in Zorn und lieb das Auswandererschiff nicht landen, bis sich die Fremden mit einem feierlichen Eid für sich und ihre Nachkommen verpflichteten, für ihre Armen selbst zu sorgen, ihre Kranken selber zu pflegen und ihre Toten selbst zu begraben. Die jüdische Niederlassung war diesem Gouverneur eine Fatalität. Allein wenige Jahre vergingen. und dieser grobmächtige Gouverneur war ein Gefangener der Engländer, welche das Gebiet okkupierten und Neu-Amsterdam verwandelte sich in New-" york. Die Juden waren aber redlich bemüht, durch Treue und opferwillige Hingebung sich der neuen Heimat würdig zu erweisen. Während des Unabhängigkeitskrieges rüsteten die amerikanischen Juden ein eigenes Regiment aus, welches von jüdischen Offizieren befehligt wurde. Als der grobe Führer Washington finanziell in Not geriet, seine Generale nackt und barfuß waren und die Soldaten hungerten, hat ein polnischer Jude, Chaim Salomon, ein Emigrant aus der Stadt Lissa, sein gesamtes Vermögen im Betrage von 650,600 Dollars dem Revolutiontzführer zur Verfügung gestellt: und nennt man die besten Namen jenes groben Heldenzeitalters, wird auch der Name dieses polnischen Juden genannt. Die Nachkommen jener Emigranten, denen man den Eintritt in die Neue Welt verweigern wollte, haben später in allen Kriegen, welche Nordamerika zu führen hatte, als Freiwillige und Offiziere mitgekämpft und sich oft genug durch Heldentaten ausgezeichnet. Trotzdem sie längst Vollbürger geworden, sind sie noch immer ihres, beim Betreten der Newyorker Küste geleisteten Eides eingedenk geblieben. Sie sind ein Segen des Landes geworden. Ihre groben mustergültigen Wohlfahrtseinrichtungen sprechen am lautesten dafür. Wie grobzügig die Versorgung jüdischer Bürger seitens ihrer Glaubensgenossen betrieben wird, dafür geben wohl die folgenden Daten das beste Zeugnis: Newyork besitzt 9 jüdische Hospitäler, 12 Altersversorgungshäuser für alte Männer und Frauen, 15 Waisenhäuser für jüdische Mädchen und Knaben. Obwohl die Wohlfahrtsinstitutionen von Juden gegründet sind und von Juden erhalten werden, finden auch andersgläubige Unglückliche dort Schutz und Aufnahme. Niemand wird seines Religionsbekenntnisses wegen dort zurückgewiesen. Eine der größten Sehenswürdigkeiten dieser Weltstadt ist das Newyorker Sinai-Spital. Mit seinen neun Ope-, rationssälen, mit seinen 5 Pavillons, dem Kinderpavillon, dem Privatsanatorium (Guggenheimer-Stiftung), dem elegantesten, bestgeleiteten Newyorks, welches dem Spital einen jährlichen Reingewinn von 100,000 Dollar abwirft, seiner Abteilung für Unfallskranke, ist dieses Spital ein Unikum unter den jüdischen Wohlfahrtsinstituten. Im Jahre 1911 wurden in diesem Spital allein 8221 Kranke behandelt. In der Abteilung für Unfall 3811, zusammen 12,000. Im Ambulanzhaus 87,853 Kranke. Der Spitalsdirektor Dr. Goldwater ist eine hervorragende Autorität für Spitalsbau und Spitalseinrichtung. An diesem Spital wirken über 160 hervorragende Aerzte, Fachautoritäten ersten Ranges, die aber sämtlich nicht honoriert sind. Nur die Assistenten, die im Hause wohnen, erhalten neben freier Station auch Besoldung. Im Spital wird die rituelle Kost strenge durchgeführt, die milchige und fleischige Küche wird abgesondert gehalten. Das Harmoria-Hospital behandelte im letzten Jahre spitalsmätzig 2000 Kranke, wovon 672 Patienten operiert wurden. Im Ambulatorium wurden über 20,000 Patienten behandelt und 14,200 Rezepte verschrieben, und überdies sorgt die Spitalsverwaltung auch noch für den Patienten während der Zeit der Rekonvaleszenz. Das Spital „V e t h - I s r a el" behandelte im gleichen Jahre 2000 Kranke im Hospital, 42,000 ambulatorisch. Jedes Spital hat seine eigene Apotheke und die ambulatorisch behandelten.armen Kranken erhalten ihre Medizin vom Spital gratis. Die Leitung der Apotheke in diesem Spital liegt in den Händen einer akademisch gebildeten jüdischen Dame von der russischen Emigration. Nicht genug daran, begnügen sich die smarten Amerikaner nicht nur mit der Spitalsversorgung der Patienten, sondern sie halten es auch für ihre Pflicht, die Familien,- deren Ernährer spitalsbedürftig geworden, zu versorgen. Zu diesem Zwecke haben sie eine Organisation geschaffen, die als llnterstützungsverein dem Spitale Beth-Jsrael angegliedert ist und deren Organe die Ausgabe haben, sich um die Familienangehörigen der Spitalspatienten zu bekümmern und während der Dauer der Krankheit für sie zu sorgen. Das Montefioreheim in Newyork für unheilbare Kranke, gegründet 1884, ist ein Wohlfahrtsinstitut, auf welches das Newyorker Judentum mit Stolz blicken kann. Das Institut ist mit der größten Munifizenz ausgestattet. 563 Patienten haben im letzten Jahre Aufnahme gefunden, davon sind neun Zehntel Emigranten und nur ein Zehntel geborene Amerikaner. Außer vier ständigen Hausärzten haben neun Stadtärzte konstant Dienst ,im Spitale. Unter den 17 Aufsichtsräten befindet sich auch Jakob Schiff, der im Laufe des- Jahres dieses Heim etwa 15mal besucht. Interessant ist gewiß auch, daß der erste Direktor der Anstalt, Dr. Siegsried.Wachsmann, seit kurzem Professor für klinische Medizin, an einer ausgesprochen katholischen konfessionellen Universität geworden ist. Seinerzeit wurde das Montefioreheim in einem herrlichen Waldpark errichtet — heute ist es inmitten der Stadt gelegen. Eine derartige Entwicklung hat New-

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