Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 24 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 24 ♦ fl + Bloch’s Jahrgang rrir Zentraloraan für die gesamten Ilnteressen des Judentums- -n."~n- Wien, 14. Juni 1912 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahugasse 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. OO" ■- ■■■-==DO p Drxugsprris für Vsktrrrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 3»algespal» 2 tene Petitzeile 4« Heller. DO —Oo? A. ft. Pofllparftalsenarnt <7 Sleartng-Verßebr Nr. 810.976. Redattion und Administration: Wien TS.li, Hahngaffe Nr. 15. l) 'Telefon Nr. 14.847. <1 oO --Oo Inhalt: Leitartikel: Jüdische Arbeiter in den schlesischen Kohlenbergwerken. — Ein Besuch beim New-Yorker Judentum. — Rabbiner Dr. Samuel Baeck s. A. (1833—1912). — Die Hilfsbälle der „Pannonia" in Philadelphia. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 7. Juni. Agudaß Jisroel. Ablehnung des neuen Einwanderungsgesetzes in Amerika. Rosa 3; ff ererbter im Kaiser Franz Josephs-Arbeiterinnen-Erbolungsheim in Seebenstein-Sautern. Das antisemitische Kino. Die Sabbathfrage in einer Bezalelausstellung. Essek. Berlin. Ein Gespräch mit spanischen Touristen in Jerusalem. Eine Verbrüderung zwischen Juden und Griechen in Salonique. Ein bulgarischer Protest gegen die Ritualmordlüge. Auszeichnungen des Zaren. Der Judentag in Petersburg. Inden auf der Insel Kuba. — Vermischtes. - Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Jüdische Arbeiter in de« schlesische« KohtevdergWerke«. Wir erhalten folgende Mitteilung: Jüdischen Arbeitern in den Kohlenrevieren Ober- Schlesiens Arbeit verschafft zu haben, ist das Verdienst eines Hilfskomitees, das sich hier unter dem Vorsitz des H. Siegfried Wiener gebildet hat. Derselbe hochherzige Mann, Kommerzienrat Feist in Frankfurt a. M., der für die Vorarbeiten zur Gründung der Agudas-Iisroel 10,000 M. gegeben hat, hat für diese in ihrer Art einzigartige Hilfsaktion 20,000 M. gespendet. Denn die notwendigen Auslagen sind groß. Die Arbeiter sollen aus.Rußland zusammengebracht werden, und schon jeder Gouverneurpaß in Rußland kostet 20 Rubel. Das Komitee hat es durchgesetzt, daß die schlesischen Grubenbesitzer den einzustellenden jüdischen Arbeitern die Möglichkeit geben, koscher zu essen und am Sabbath nicht zu arbeiten. Die Arbeiter werden zu 50 Mann in Baracken wohnen,' dort wird ihnen die Kost zubereitet. Der Lohn, der durch die Sabbathruhe den Arbeitern entgeht, kann durch eine Nachtschicht in der Woche oder durch eine Ueberstunde täglich wieder eingeholt werden. Er beträgt am Anfang 3—4 M. täglich und steigt bis zu 6 Mark täglich. Auch die Regierung hat zur Hereinziehung russisch-jüdischer Arbeiter ihre Einwilligung gegeben; nur müssen sie in jedem Jahre auf 4 Wochen das Land verlassen, damit sie in Preußen nicht den Unterstützungswohnsitz erlangen. Schon haben sich aus Balutz bei Lodz 200 jüdische Arbeiter gemeldet. Dort ist der Mittelpunkt der Webeindustrie. Die Lage der jüdischen Arbeiter ist dort trostlos. Die Maschine verdrängt den Arbeiter immer mehr. Außerdem gibt es jüdische Fabriken, die Poznanski vor allen, die kerne Beschäftigung für jüdische Arbeiter haben. Wo die Arbeiter Beschäftigung finden, müssen sie um Hundslöhne arbeiten. Daher werden aus jener Gegend immer mehr jüdische Arbeiter nach den Bergwerken Oberschlesiens drängen. Man hofft, dort 1000—2000 unterzubringen und nach und nach die Zahl bis auf 6000 zu erhöhen. Folgendes Schreiben richteten die Grubenbesitzer in. dieser Angelegenheit an Herrn S. Wiener: Kattowih, den 10. April 1912. Herrn Siegfried Wiener Katkowitz. Aus Ihren Wunsch bestätigen wir Ihnen folgendes ergebenst: Nachdem wir aus unserer Florentinegrube mit den seit einiger Zeit im Grubenbetriebe beschäftigten jüdischen Arbeitern durchaus zufrieden waren, wollen wir uns entschließen, auch auf unseren anderen Gruben einige Hundert jüdische Arbeiter, die die Bergarbeit verstehen und hierzu tauglich sind, einzustellen. Zunächst möchten wir aber erst aus unserer Myslowitz- und Carlssegengrube mit einer kleinen Anzahl einen Versuch machen; wir denken uns 50 Mann pro Grube. Wie wir Ihnen milgeteilt haben, soll die Beschäftigung der jüdischen Arbeiter unter denselben Bedingungen und zu denselben Lohnsätzen, wie wir die ruthenischen Arbeiter beschäftigen, erfolgen. Ruthenische Arbeiter verdienen pro Tag Mark 3.— bis Mark 4.—, je nach der Art der Beschäftigung und Leistung. Wir haben weiter gesagt, daß. wenn die Leute in der Woche sonst fleißig arbeiten, wir durchaus nichts Störendes darin finden, wenn sie am Sabbat die Arbeit aussetzen. Wir werden den jüdischen Arbeitern eine mit Kücheneinrichtung versehene besondere Baracke zur Verfügung stellen und dafür Sorge tragen, daß dieselben in ihren religiösen, bzw>. rituellen Verrichtungen nicht gestört werden. Wenn es Ihnen gelingen sollte, uns unter diesen Voraussetzungen kräftige, tüchtige, jüdische Arbeiter zuzuwenden, würde uns dies recht freuen, und sagen wir Ihnen im voraus für Ihre Bemühungen verbindlichsten Dank. Mit vorzüglicher Hochachtung! Kattowitzer Akt.-Ges. für Bergbau und Eisenhüttenbetrieb gez. ppa. Gebhardt gez. ppa. Kluger." Nachschrift der Redaktion: Den guten Willen und die Munifizenz der großherzigen Männer Siegfried Wiener und Kommerzialrat Feist, die für alle jüd. Zwecke gerne große Opferbringen, wollen wir uneingeschränkt anerkennen, wenn wir auch mancherlei Bedenken gegen hie Folgen dieser Hilfsaktion nicht unterdrücken können. Die preußische Regierung gestattet die Heranziehung jüdischer Grubenarbeiter zum schlesischen Bergwerksbau nur unter der Voraussetzung, daß diese jüdischen Arbeiter immerwährend unter dem Fremden-Recht bleiben! Man überdenke genau die Folgen dieser Tatsache für den Fall, wenn ein Bergarbeiter streik aus bricht. Vor wenigen Monaten hat ein solcher Streik stattgefunden und mit einer Niederlage der Arbeiter geendet. Es ist