Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 23 (7.6.1912)
- Date
- 1912-06-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Dr. Blochs Wochenschrift Seile 387 bei den Karlsbadern, als auch bei den israelitischen Kurgästen geachteten Mannes. Außer dem gesamten Vorstand der Karlsbader Kullusgemeinde mit ibrem Vorsteher Ludwig Moser waren nod> der Kultusvorstcher Herr Eduard Löwy aus Eger, Die Vorstand-Vertreter der Kultusgemeinden Falkenau, Kaaden, Komotau, Brllx u. a. m. erschienen. Ain Grabe hob Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Ziegler das verdienstvolle und pflichtgetreue Wirken des Verblichenen im Dienste der Karlsbader Kultusgemeinde hervor. Lundenburg. (Ehrung.) Anläßlich der Uebersiedlung des verdienstvollen Herrn Heinrich Biltuer aus Lundenburg nach Wien veranstaltete der Vorstand der ffrael. Knltusgemeinde Montag den 27. Mai l. I. im festlich geschmückten Sitzungssaale eine Festsitzung, an welcher die Mitglieder des engeren und verstärkten Kultusausschusses, Herr Bürgermeister Moriz Holländer sowie der Ausschuß der polit. Jsraelitengemeinde, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr.H Schwengee und andere Honorationen teiluahmen. Herr Kultu-Vorsteher Josef Holländer schilderte mit warmen Worten die großen Verdienste, welche sich Herr Heinrich Bittner in uneigennütziger Weise als Vorstandsmitglied der isr. Kultusgemeinde durch volle 3l Jahre, als Vorsteher der Chewra-Kadischa als Gründer des Gomle Chesedvereines und als Oberkurator des mähnsch-jüdischen Landesmassafondes um die hiesige Kultusgemeinde erwarb in so herzigen Worten, daß kein Auge tränenlos blieb. Herr Heinrich Bittner dankte tiefgerührt für die ihm dargebrachte Ehrung und versprach auch fernerhin die Interessen der Kultusgemeinde zu wahren und seine Vaterstadt in bleibendem Andenken zu bewahren. Hierauf ergriff Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. H. Schwenger das Wort, schilderte den Gefeierten als einen wahren »Isch jehudi« und hob mit beredten Worten den Verlust hervor, welchen die hitsige isr. Kultusgemeinde infolge der Uebersiedlung des Herrn Heinrich Bittner erleide. Tobitschau. Am 19. Mai fand in der festlich dekorierten Synagoge der hiesigen Kultusgemeinde ein feierlicher Trauergottesdienst für den verewigten Herrn David Ritter v. Gutmann statt. Anwesend waren außer der Beamtenschaft des Gutmanu',chen Besitzes und der Zuckerfabrik alle Mitglieder der Tobitschauer israelitischen Kultusgemeinde. Die israelitische Kultusgemeinde Kojetein war durch den gesamten Vorstand vertreten. Nachdem Herr Kantor und Religionrlehrer L. Schaff das Minchagebet verrichtet hatte, bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Salomon Friedenthal-Kojetein die Kanzel und schilderte in warmen empsindungsvollen Worten den großen Verlust, den das Judentum und die gesamte Menschheit durch das Ableben dieses begeisterten Juden, dieses edlen Menschenfreundes erlitten hat. Die Rede übte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck aus. Nachdem Herr Neligionslehker Schaff in kurzen Worten das Verhältnis des Verewigten zur Tobitschauer Gemeinde geschildert hatte, schloß mit Absingung des Ei mole die würdige Feier. Hamburg. Die im Jahre 1910 begründete Jüdische Bibliothek und Lesehalle Hamburg (im Hause Bieberstraße 4) verlieh bisher insgesamt 20.878 Bände. Im Lesezimmer liegen ständig 32 Zeitungen und Zeitschriften — darunter »Dr. Bloch's Österreichische Wochenschrift" — auf. Monatliche Frequenz durchschnittlich 330—350 Personen. LeutUeton. Das jüdische Waisenhaus in Philadelphia. In der großen Geschichte jüdischer Leiden, Enttäuschungen und durch Energie und Ausdauer endlich bezwungener Schwierigkeiten bildet die Geschichte dieses Hauses, in ganz Philadelphia als H. O. H. bekannt, (Hebrew Orphan Home), einen kleinen, aber charakteristischen Ausschnitt. Wir haben schon einmal erwähnt, daß die „neue Einwanderung" ursprünglich in Philadelphia von der „alten" nicht gerade gern gesehen wurde. Diese alte Einwanderung hatte höchstens 4 -5 Waisenkinder zu versorgen, die sie demnach entweder in den großartigen christlichen Waisenhäusern oder privat unterbrachle. Als daher in den neunziger Jahren die Einwanderer — Ungarn, Polen und Rumänen — sich in so großer Zahl nach Philadelphia ergossen, daß heute über 150,000 Juden dort leben, also nur um einige Zehntausend weniger wie in Wien - und sie gebieterisch ein Waisenhaus forderten, fanden jie bei allen altjüdischen Vereinigungen geschlossene Türen und Geldbeutel. Drei schlichte jüdische Männer, von denen einer, Herr Isaac Gartenlaub. kürzlich, wie Moses, am Ziel gestorben ist. denn er hat die Umsiedlungsarbeit ins neue Heim geleitet, ohne die Eröffnung zu erleben, der eine. Herr Iac. M a r g u l i e s, Vertreter der Karmelweingeselischaft. noch heute im Vorstand wirkt, scheuten nicht die Mühe, buchstäblich von Haus zu Haus der Neueingewand erten, die ja damals (1896 und 97) noch keineswegs in glänzenden Verhältnissen waren, zu gehen. Sie ließen es sich mit jüdischer und amerikanischer Ausdauer nicht verdrießen, vorerst zwei Binder in einer Privatwohnung unterzubringen, denn sie fanden, daß, bis ein Schah beisammen wäre, wenigstens zwei Binder gerettet werden sollten. So konnte der Verein, 1898 angemeldet, erst im Mai 1901 ein eigenes Haus in sehr zentraler Lage für einige 20 Binder beziehen, 1905 dieses Haus erweitern und 1907 den Grund des heutigen Hauses, das in der Nähe großartiger Wohltätigkeitsanstalten, so einer der großen Carnegiebibliotheken, liegt, erwerben. Aber erst 1910 war es durch Verkauf des alten Hauses im Mittelpunkt der Stadt möglich, das neue Haus zu beziehen und 120 bis 130 Bindern (99 Knaben, 35 Mädchen) Unterkunft zu gewähren. Das einstöckige Haus ist ungefähr im Stil des neuen Bankgebäudes in der Schottenga,se gehalten, doch haben die Architekten Magaziner ziner und Potter dem einstöckigen Nutzbau mit seinen vergitterten Fenstern eine -nächtige griechische Säulenvorhalle, wie an unserem Parlament, vorgelegt, welche Stilwidrigkeit durch das amerikanische Bedürfnis erklärt wird, auch in Wohltätigkeitsanstalten monumental zu wirken. Die Speise- und Wohnsäle sind sehr einfach und praktisch, ebenso die Schwimmschule. Ein Turnsaal bleibt der nächste Wunsch, der zu erfüllen ist. Alle 130 Binder besuchen die öffentliche, nahegelegene beste Schule der besten amerikanischen Schulstadt und sind dort die Lieblingsschüler des christlichen Lehrkörpers, zwei der Waisenkinder sind die ersten ihrer Klasse, keines ist durchgefallen. Das tägliche Schwimmen und die stundenlangen Spiele im großen Hof im Freien sorgen eben für ihr körperliches, die Nachhilfsklassen und der Unterricht der Kleinen durch, die Großen die größre pädagogische Erziehung beider für ihr geistiges Wohl. Am Samstag, der vielleicht in Anlehnung an die Sonntagsruhe der Quäker gar zu streng gefeiert wird, werden viele Stunden religiöser Ererzitirn gemacht und hebräischer Unterricht erteilt, wie denn die ganze Anstalt nach weit orthodoxeren Prinzipien geführt wird, wie die Newyorker, ist sie doch fast ausschließlich von verwaisten und verlassenen Einwandererkindern besucht, und zwar vom 6. -12. Jahr, da für die kleineren andere Institutionen existieren. Das Heim konnte bis jetzt das Klubwesen, die Handfertigkeils- und Wirtschaftsschule nicht in dem Maße pflegen, wie die Newporker Anstalten, was der Vorstand sehr bedauert, doch hat jedes ältere Kind nach dem Muster der vornehmen englischen Colleges ein jüngeres zu betreuen, und der Ehrgeiz der jugendlichen Pädagogen, daß jeder fein Kind zum artigsten macht, wofür auch Preise ausgesetzt sind, bewirkt vielleicht mehr, als ein erwachsener Erzieher könnte. Ebenso hat sich ebenfalls aus einer Vereinigung von nur drei wohlhabenden Adolescenten mit der Zeit eine schon 50 Mitglieder umfassende „Charisveremigung" gebildet, d. h. 50 junge Damen und Herren, die unermüdlich Landpartien, Jours, Kränzchen für das Heim veranstalten. Noch wirksamer ist aber die Tätigkeit der Damenhilfsgesellschaft unter Führung der Mrs. William Glazer, die nicht nur den jährlichen Ball unter der Präsidentschaft des Herrn Dr. Steiner, die Haupthilfsquelle des Heims, veranstaltet (der ungefähr die Nolle unseres Industrieballes spielt), sondern 42 Jours gibt, an denen den Nachmittag über mehr als hundert Damen die Wäsche und Kleider für das Heim nähen, wobei natürlich auch das Material gespendet wird, eine jedenfalls