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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-07 · 23 (7.6.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
23 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 384 Dr. Blochs WochenschM Nr. 38 der Eesamtleitung der Bewegung nach Berlin beschlossen hat. So kam es denn zu einer ausgedehnten prinzipiellen Aussprache unter den Delegierten, die den einstimmigen Willen der deutschen Zionisten bewies, an dem im Jahre 1897 formulierten Programm der „Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk" festzuhalten. Als wichtigste Aufgabe der nächsten Zeit wurde die Schaffung eines Agrarkredites bezeichnet, der durch Gewährung langfristiger Darlehen bei niedrigem Zinsfuß die palästinensische Bauernschaft in -ihrem schweren EXlstenzkampfe unterstützen soll. Die Vorarbeiten für diese Gründung sind bereits im Gange. Gemeinsam mit der Siedlungsgesellschaft „Erez Israel", die. auf genossenschaftlicher Grundlage nach einem Vorschläge des bekannten Nationalökonomen Dr. Franz Oppenheimer errichtet, jüdischen Bauern zur Selbständigkeit verhelfen soll, und der „Pa lest ine Land Development Company" wird sie der Kolonisation einen starken Stützpunkt geben. — Die Frage der jüdischen Jugenderziehung beschäftigte des weiteren den Delegiertentag, der die Bedeutung der Turn- und Sportvereine in der jüdischen Jugendbewegung hervorhob. — Die Arbeit der „Jüdischen Turnerschaft", die heute bereits 4000 Mitglieder umfaßt, wurde besonders anerkannt und die eifrige Pflege der hebräischen Sprache sämtlichen Zionisten empfohlen. Der bisherigen Leitung wurde der Dank und das Vertrauen der Versammlung ausgesprochen. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Rechtsanwalt Dr. Hantke-Verlin wiedergewählt. Die Vernnigling der jüdischen Gemeinden in Grischrn- And. Wie die jüdisch-griechische Zeitschrift „Jsraelitiki Cpithrorissis" in Athen berichtet, wird an der Durchführung der Vereinigung sämtlicher jüdischen Gemeinden Griechenlands, sowie an dem Zustandebringen eines Gemeindetages in Athen eifrig gearbeitet. Der Präsident der jüdischen Gemeinde von Athen wird in den nächsten Tagen an sämtliche Gemeinden des Landes ein Zirkular ergehen lassen, in welchem Vorschläge betreffend den Zeitpunkt des Kongresses wie auch die für denselben bestimmte Tagesordnung gemacht werden. Der Kongreß dürfte zu Beginn des Herbstes in Athen stattfinden. Juden rm Petersburger Konservatorium. Die diesjährige Schlußprüfung am Petersburger Konservatorium hat, wie russische Blätter melden, im ganzen Lande das größte Interesse erweckt, und das Ergebnis dieser Prüfungen wird sicherlich sehr Bielen zu denken geben. So viele Künstler und Künstlerinnen hat das Petersburger Konservatorium schon lange nicht mit dem Reifezeugnis entlasten, als in diesem Jahre. Das besonders Beachtenswerte an dem Ergebnisse dieser Schlußprüfung ist jedoch, daß der weitaus überwie» gende Teil der mit Medaillen und anderen Auszeichnungen bedachten Absolventen Juden sind und daß selbst die „Nowoje Wremja" zugeben mußte, daß die Juden tatsächlich Hervorragendes geleistet haben und die Auszeichnungen redlich verdient hätten. Von den acht mit der kleinen goldenen Medaille ausgezeichneten Schülern und Schülerinnen sind sechs Juden, und zwar drei Herren und drei Damen. Unter ihnen befindet sich auch der hoffaunasvolle Künstler Pinkas Sirotta, ein Sohn des berühmten Warschauer Oberkantors. Von den sechzehn silbernen großen Medaillen, welche den Absolventen zugedacht wurden, haben fünfzehn Juden erhalten. Auch die übrigen kleineren Auszeichnungen wurden zum großen Teile an jüdische Künstler ausgegeben« Das wichtigste Ereianis in dieser Beziehung ist jedoch, daß der große Preis von 1200 Rubel, der sogenannte Michaelover Palastpreis, dem Juden Moses Fischberg zugeteilt wurde. Auch der staatliche Studienpreis behufs weiterer Ausbildung im Auslande ist dem Juden Steinmann zugefallen. An der öffentlichen Prüfung, welche mit einem großen Konzerte verbunden war, haben die Vertreter sämtlicher Behörden teilgenommen, die sich alle über die hervorragenden Leistungen der Prämiierten lobend aussprachen. Eine Dumared r des Deputierten Friedmam Mer den KiMer Mordprozetz. Anläßlich der jüngst in der russischen Reichsduma abgeführten Debatte über das Ressort des Justizministers ergriff der jüdische Dumadeputierte Friedmann das Wort zu einer viel beachteten Rede, in welcher er unter anderem ausführte: „Die Juden leiden in diesem Lande mehr als alle anderen unter den Folgen der Ungesetzlichkeit. Der Jude leidet von allen Seiten, auf jedem Schritt und Tritt, und kommt daher öfter in die Zwangslage, beim Senat Schutz zu suchen. Es gab Zeiten, da der Senat den Juden tatsächlich Wenigstens einigermaßen beschützte und es nicht zugab, daß jeder beliebige Polizist den Rahmen der Rechts begrenzungen der Juden nach eigenem Belieben und Gutdünken erweitere. Aber die Zeilen haben sich geändert, die Sturmwellen des Nationalismus haben auch dieses hohe Gebäude erreicht, das eigentlich fernbleiben müsse jeder Politik und keinen Unterschied machen sollte zwischen Juden und Christen. Der Senat ist zur Waffe und zum Instrument in der Hand der Regierung geworden, die zum Senat Zuflucht nimmt, wenn es ihr unbequem erscheint, irgend etwas durch die gesetzgebenden Körperschaften durchzuführen." Nachdem Friedmann durch Aufzählung einer ganzen Reihe von Jllustrationsfakten aus der Praxis des Senats seine Behauptung begründet hatte, fuhr er unter allgemeiner Spannung des Hauses fort: „Ich würde es sicherlich nicht gewagt haben, hier eine Affäre zur Sprache zu bringen, die sich noch im Stadium der Untersuchung befindet, wenn der Prozeß, um den es sich handelt, in normalen Formen geführt würde. Die Führung dieses Prozesses befindet sich aber von Anfang bis zu Ende unter dem Drucke der Zentralgewalt. Selbst die Ueberlieferung des Beiliß dem Gerichte und seine Verhaftung wurden nicht vom Untersuchungsrichter angeordnet. Der ganze Prozeß wurde nur durch die Volksverbändler zu dem Zwecke ersonnen, um das ganze jüdische Volk zu verletzen und zu quälen, indem ihm eine Schuld zur Last gelegt wird, die in die finstersten Zeiten des Mittelalters hineinp affen würde. Ich will hier nicht über die eigentliche grundfalsche Beschuldigung mich des näheren einlassen. Aber habt ihr schon den Mut, den jüdischen Glauben und das jüdische Volk eines solch tyrannischen Mordes zu beschuldigen, so habt doch wenigstens auch den Mut, diese Beschuldigung offen und klar auszusprechen. Was tut ihr aber anstatt dessen? Ihr beschuldigt Beiliß des Ritualmordes. Warum gebt ihr aber nicht zu beiden Prozeßteilen dem Beschuldiger und dem Beschuldigten die Gelegenheit, die Richtigkeit ihrer Angaben vor der Oeffentlichkeit so zu beweisen, daß auch kein einziges Winkelchen dieses Prozeßausbaues ungeklärt und im Dunkeln bleibe. Wie habt ihr diesen Prozeß konstruiert? Ein Mensch wird beschuldigt, der aus dem Verbrechen nicht den geringsten Nutzen ziehen konnte und weder zu dem Ermordeten noch zu dessen Familie in irgend einer Beziehung gestanden hat. In der Anklageschrift wird wohl kein einzigesmal das Wort „Ritualmord" gebraucht. Aber jedes Wort, jeder Satz enthalt einen hinterlistigen Hinweis auf den Ritualmord. Der ganze Beschuldigungsakt ist so aufgebaut, daß er nichts anderes ist, als ein allzu deutlicher Wink für die Richter, daß es sich! hier um einen Ritualmord handle. Wendet sich nun die Verteidigung an das Gericht mit dem Ersuchen, unparteiische Experten über 'die Hauptfrage, ob nämlich die Juden tatsächlich Blut zu religiösen Zwecken gebrauchen, unter Eid einzuvernehmen, so erhält sie die lakonische Antwort, daß Beiliß gar nicht des Ritualmordes, sondern des gemeinen Mordes beschuldigt werde und die Einholung einer Expertise daher überflüssig sei. Zur selben Zeit strengt der Staatsanwalt gegen einen der Verteidiger des Beiliß einen Prozeß an, weil dieser eine Broschüre über die Lügenhaftigkeit des Ritualmord Märchens ver-

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