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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-07 · 23 (7.6.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
23 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 383 gelegenheiten ausführlich besprochen. Es wurde ein Preßkomitee eingesetzt, dem die Herren Direktor Dr. S. Krenberger, Wolf Pappenhrim, die Schriftsteller Dr. Bloch, Dr. Löwy und Jakob Krauß, ferner die Herren Schmidt-Wien und Ingenieur Ginzburg-Zürich angehören. Die Leitung des Bureaus wurde den Herren Dr. Krenberger und Jakob Krauß anvertraut. Im .Zusammenhang mit der bevorstehenden ITO- Konferenz sei auch berichtet, daß der Leiter der russischterritorialistischen Organisation, Dr. Iochelmann, sowie die Herren emeritierter Richter Teitel in Moskau und Rubinstein, Biel, seit 14 Tagen in Lissabon weilen, um dort wegen des Angolaprojekles mit der Regierung Verhandlungen zu pflegen. Wie nun gemeldet wird, hat der Gouverneur der afrikanischen Kolonien Portugals, der sich gleichzeitig in Lissabon befindet, erklärt, daß er es für äußerst notwendig erachte, die Kolonie Angola, deren Boden äußerst fruchtbar ist und genügenden Platz für eine große Siedlung habe, so bald als möglich zu kolonisieren. Die in Betracht kommende Gegend besitzt bereits eine Eisenbahn und liegt nicht weit vom Meere. Rach dem' gegenwärtigen Projekt soll jede Familie 250 Hektar Boden erhalten, und die Regierung erklärt sich bereit, falls dies mit der Zeit sich als zu wenig erweisen sollte, jeder Familie noch weitere Bodenanteile zukommen zu lassen. Eine jüdische Kolonisation in den portugiesischen Kolonien hält der Gouverneur deshalb für wichtig, weil eine neue Emigrationsbewegung in die Kolonien für deren Existenz unerläßlich ist, di: portugiesische Regierung andererseits andere europäische Einwanderer nicht gerne sehen möchte, weil dadurch der Einfluß der europäischen Mächte auf dies: Kolonie wachsen würde und politische Weiterungen nach sich ziehen könnte. Diese Befürchtungen treffen bei einer Kolonisation des Gebietes durch Juden nicht zu, weshalb auch dieses Projekt in Portugal keinen einzigen Gegner hat.; [ : : i! '•"!;*l Die Einweihung der israelitischen Gartenbauanstalt in Budapest. t- ■ ■ ■ .. Aus Budapest wird uns geschrieben: Vorigen Sonntag wurde hier die vom israelitischen Handwerks- und Ackerbauverein zwischen Budapest und Steinbruch errichtete großartige Gartenbauanstalt in Anwesenheit eines überaus zahlreichen vornehmen Publikums eingeweiht. Zu der Eröffnungsfeier hatten sich unter anderem die Vertreter des Ministers des Innern, des Handels-, des Justiz- und des Ackerbauministers, Delegierte der Hauptstadt, Deputationen des Kandes-Industrievereines, der Handels- und Gewerbekammer, des Landesagrikulturvereines, des Landes-Gartenbauvereines, der ungarischen Kaufmannshalle eingefunden. Der Präsident des Vereines, Hofrat Dr. Adolf Kohner, begrüßte zunächst die Vertreter der Behörden und Korporationen und fuhr dann wie folgt fort: „Sowohl in den sonnigen wie in den bewölkten Tagen unseres Vaterlandes, sowohl in den Tagen, da die Hochflut der Begeisterung die Nation zu großen Taten hingerissen hat, wie auch dann, wenn schwarze Trauer das Firmament des Vaterlandes verdüsterte, sehen wir sowohl in den Reihen der Kämpfenden als auch in den Reihen der Leidenden auch die ungarische Iudenschaft. Lange Zeit verkannt und zurückgestoßen, erfüllte sie dennoch ohne Murren ihre patriotische Pflicht, wurde in Sprache und Gefühl ungarisch und nahm redlichen Anteil an dem Kampfe um die nationalen Freiheiten und Rechte, bis ihr endlich von der Nation die wohlverdiente Gleichberechtigung zuteil wurde. So geschah es, daß im Jahre 1842, da die Begeisterung der hervorragendsten Patrioten zur Förderung der ungarischen Industrie den ungarischen Landes-Industrieverein gründete, sich die Besten der Iudenschaft unter der Leistung der Pester israelitischen Religionsgemeinde vereinigten und den israelitischen Handwerks- und Ackerbauverem ins Leben riefen. Die Gründer sind nicht nur in den Dienst der Humanität getreten, indem sie die Rettung und Erziehung der dem Verkommen preisgegebenen verwaisten und verlassenen Kinder sich zur Aufgabe stellten, sie haben auch eine große patriotische Aufgabe unternommen: sie wollten wackere, arbeitende Bürger dem Vaterlande erziehen und den Weg zur gesellschaftlichen Verschmelzung ebnen. Sie hatten erkannt, daß die starken Scheidewände, die damals zwischen Juden und Nichtjuden bestanden, nur dann leicht niedergerissen werden können, wenn sie die Einseitigkeit der Erwerbstätigkeit ihrer Glaubensgenossen und die daraus sich ergebenden sozialen Gegensätze aus dem Wege räumen, wenn sie die Kräfte der Iudenschaft in eine neue Richtung, in das Gebiet der gewerblichen und landwirtschaftlichen Arbeit lenken. Allein diesen Bestrebungen stellten sich fast unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg. Während man den Juden einerseits ihre Sonderstellung zum Vorwurf machte, legte man andererseits ihrem Heraustreten aus dieser Sonderstellung Hindernisse in den Weg. Einerseits verdammte man ihre Abgesondertheit, andererseits wollte man nicht dulden, daß sie im Schweiße gewerblicher und landwirtschaftlicher Arbeit zum Aufblühen ihres Vaterlandes beitragen. Und deshalb gedenken wir bei der heutigen Feier mit dankbarer Pietät jen:r vorzüglichen Männer, die in .dem schweren Kampfe unermüdlich die bahnbrechende Arbeit verrichtet haben." Hierauf verdolmetschte Ministerialrat Dr. Julius v. Nickel dem Verein die Anerkennung des Iustizministers und gab der Hoffnnng Ausdruck, diese Institution werde dazu beitragen, daß in Ungarn der konfessionelle Unterschied aufhören und ein friedliches, arbeitsreiches und religiöses Leben aufblühen werde. Im selben Sinne sprachen auch die Vertreter der übrigen Minister, sowie der Redner der Hauptstadt Budapest. Schließlich hat Rabbiner Dr. Simon Hevesi die Einweihung der Anstalt vorgenommen. Em Rekord in Mischehen. Laut den im jüngsten Märzhefte des ungarischen landesstatistischen Amtes veröffentlichten Daten habcn die.jüdisch-christlichen Mischehen in Ungarn im Monate März die bisherige höchste Ziffer erreicht. In diesem Monate wurden nämlich in Ungarn nicht weniger als 76 Zivilehen zwischen Iuden und Christen geschlossen. In 45 Fällen hat der Bräutigam und in 31 Fällen die Braut dem Christentume angehört. Eine Vereinbarung betreffend die Religion der Kinder wurde bloß in 8 FäUen getroffen und in allen zu Gunsten der christlichen Religion. Berlin. Die jüdischen Palästinabestrebung e n standen auf dem XIII. Delegiertentag der Z i o n i st ischen Vereinigung für Deutschland zur Beratung. Es wurde konstatiert, daß das Interesse der deutschen Juden an der Kolonisation des Heiligen Landes in stetem Wachstum begriffen ist. Schon heute gibt es in Deutschland eine ganze Reihe wohlhabender Iuden, die die Uebersiedelung in das alte Stammland des jüdischen Volkes in ihr Lebensprogramm aufgenommen haben, und noch größer ist die Zahl derer, die durch Beteiligung an kommerziellen und landwirtschaftlichen Gründungen ein persönliches Interesse an dem Lande nehmen. An Opfern für gemeinnützige. Palästinazwecke geben die deutschen Iuden ihren Stammesgenossen in den anderen Ländern nichts nach. — Die P o s e n e r Tagung hatte deshalb eine besondere Bedeutung, weil sie die erste Zusammenkunft der deutschen Zionisten war seit dem X. Weltkongreß in Basel, der die Verlegung

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