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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-06-07 · 23 (7.6.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
23 (7.6.1912)
Date
1912-06-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 382 Dr. Blocks Wochenschrift Nr. 23 Vom Jahre 1675 bis auf unsere Tage enthält die Geschichte der Insel, abgesehen von einigen Regierungserlässen, kein bedeutendes Ereignis, die Juden betreffend. Im Jahre 1840 Wurde gegen 'die Juden der Insel Rhodos die Blutbeschuldigung erhoben. Der Gouverneur der Insel, Jussuf Pascha, ließ, vom griechischen Klerus und einigen fremdländischen Konsuln aufgehetzt, am Vorabend des Purimfestes das Judenviertel umzingeln und den Grand Rabbin Jakob Israel sowie die Notabeln der Gemeinde in den Kerker werfen. Dank der Intervention des Grafen Lamondo sowie Cremieur und Montefiore erließ der Sultan ein Dekret, in welchem dir Blutbeschuldigung gegen die Juden als gegen den gesunden Menschenverstand verstoßend erklärt wird. Drei Griechen und drei Juden wurden damals nach Konstantinopel gebracht und dort vor ein Tribunal gestellt. Die Gerichtsverhandlung schloß mit dem Freispruch der Juden. - Im Jahre 1851 hatte die jüdische Gemeinde in Rhodos viel unter den Folgen eines Erdbebens zu leiden. Sie entsandte damals ihren Rabbiner Rachamin Franco nach Europa, um für die Wiedererrichtung des Judenviertels Spenden zu sammeln. Die Sammlung ergab 40.000 Franken. Im Jahre 1855 wurde ein Teil der Judenstadt infolge der Erplosion des Pulverturms zerstört. Die Juden von Rhodos besitzen zwei große berühmte Synagogen. Die eine wurde im Jahre 1440 von der Artillerie zerstört und später auf Befehl des Papstes Sixtus IV. wieder aufgebaut. Die zweite große Synagoge führt den Namen Kehillath Scholom. Sie wurde im Jahre 1595 von Rafael Margola erbaut und um das neunzehnte Jahrhundert von Mosche Menasche rekonstruiert. Eine dritte kleinere Synagoge führt den Namen de Camondo, zum Andenken an den Grafen Abraham de Lamondo, der sie erbauen ließ. Ueberdies gibt es mehrere kleine Bethäuser und Lehrstubem Major a. D. Endell m Posen. Posen, 8. Mai. Einer der bekanntesten agrarischantisemitischen Schreier, der Major a. D. Endell, hatte unlängst in der „Deutschen Tageszeitung" eine Er- Üärung veröffentlicht, in der er seinen Bundesbrüdern die folgende Wichtigkeit mitteilte: „Ich kann mich. . . dem , Deutschen Wehrverein" unter keinen Umständen anschließen, so lange sich in seinem Vorstand ein Mann befindet, der öffentlich die Zulassung der Juden .in unser Offizierkorps fordert." „Herr Eeheimrat Paasche und ebenso Männer seiner Gesinnung mögen sich dem Wehrverein als Mitglieder meinetwegen anschließen, unter seine Führung kann ich mich unter keinen Umständen begeben." Nun soll in den ersten Tagen des Monats Juni in Posen eine „Flug- und Sportwoche" abgehalten werden. Für diese Veranstaltung wurde ein Ehrenausschuß gebildet, zu dem auch Herr Endell gehörte. Daraufhin haben sämtliche Posener jüdischen Mitglieder dieses Ehrenausschusses, und zwar die Herren Kommerzienrat Hamburger, Kommerzienrat Kantors w i c z, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat P l a c zek und Bankdirektor Wolff ihre Namen zurückgezogen, da sie nicht mit Herrn Endell zusammen einem Ausschuß angehören wollen, was wir sehr begreiflich finden. Vegetarismus i« Palästina. Aus Heft 7 der Vegetar-Warte. Die heutigen stattlichen, wirtschaftlichen und kulturellen, besonders auch die gesundheitlichen Verhältnisse unseres Landes bieten ein keineswegs erfreu'iches Bild. In dem Lande, wo einst Milch und Honig floß und jedermann zufrieden und sicher unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnte, sind die Gesundheits- und Ernährungsberhältniffe längst auf dem Tiefstand angelangt. Nichts mehr von der alten Herrlichkeit, dafüc aber ein. Rasiengemisch schlimmster Art, ein völlig entartetes, verarmtes, körperlich und geistig verkommenes Volk wohnt hier. Die vorhandenen gebildeten Ausländer aber, statt ein Vorbild zur Besserung zu geben, sorgen im Gegenteil dafür, daß Alkohol- und Fleischverbrauch recht üppig gedeihen und das Volk noch mehr herabzrehen. Ich bin überzeugt, daß es der europäischen Kultur mit ihren zahlreichen Irrwegen niemals gelingen kann, diesem Lande seine ehemals blühende Gestalt wiederzugeben, wenn' es nicht zuwege gebracht wird, die alte vegetarische Kultur, durch die das Land einst groß war. wieder zu Ehren zu bringen. A lgesichts des bevorstehenden Besuches der vegetarischen Reisegesellschaft der Herren Ankenbrand, Beckmann und Schwarz möchte ich daher den Versuch machen, die Namen und Adressen aller in Palästina wohnenden, zweifellos zahlreichen Vegetarier und Gesinnungsverwandten zu sammeln, und ich habe in den einheimischen Zeitungen bereits dahin zielende größere Aufrufe erlassen. Hierdurch hoffe ich, den ersten Schritt getan zu haben zur Anbahnung persönlicher Beziehungen und geistigen Verkehrs unter den hiesigen Anhängern des Vegetarismus. Ich bitte alle, denen diese Zeilen hier in Palästina und Syrien vor Augen kommen, dringend um Unterstützung meiner Bestrebungen und nicht nur um Meldungen und Adressenangaben an mich, sondern auch um Berichte über vegetarische Lebenserfahrungen und über alles, was geeignet ist, die Gesinnungsgenossen hier zu Lande zu sammeln und miteinander in Beziehungen zu bringen. Die gesammelten Adressen sollen nicht allein unseren aus Deutschland eiwarteten Gesinnungsgenossen als Wegweiser dienen, sondern werden hoffentlich auch die Grundlage bilden für einen „Palästina-Vegetarier-Verein", der es dereinst unternehmen soll, durch Belehrung, durch Verbreitung aufklärender Schriften, durch G'ündung vegetarischer und alkoholfreier Volksküchen, Volksheime und Lesehallen dem Evangelium des Vegetarismus hier Boden zu schaffen und Palästina wieder zu einem wirklich „gelobten Lande" zu machen. Prediger Phil. K i e f e r n d o r f, Jerusalem. Korrespondenzen. Die territorialistische Konferenz in Wien. Am 31. Mai b. I. fand in Wien eine Vorstandssitzung der österreichischen JTO-Gruppe statt, in welcher bekanntgegeben wurde, daß die internationale JTO-Konferenz nun endgültig für den 27., 28. und 30. Juni d. I. mit dem Beratungsort Wien, festgesetzt wurde. Die Tagesordnung für die Konferenz lautet: 1. Begrüßung: 2. Bericht des britischen Sektionsrates, Referent Israel Zangwill, London: 3. Berichte der Delegierten: 4. Unser Programm, Referenten Dr. Jochelmann, Kiew, und I. Leschtschinsky, Zürich: 5. Organisation, Referenten S. Rubinstein, Biel und Dr. M. Goldberg, Jeletz: 6. Finanzinstitut, Referenten David Goodman, Oscar Plaut und M. A. Spielmann (sämtliche in London):!! ' 7. Kongreß, Referent Dr. S. Krenberger, Wien: 8. Emigration: a) Rußland, Referent W. Großmann, Petersburg, b) Emigrationskongreß, Referent M. Schmidt, Wien: 9. Kolonisation: a) Bericht über die JTO-Projekte, Referent Israel Zangwill, London: b) Portugal und seine Kolonien, Referent W. Terlo, Lissabon: c) Angola und seine politische Beschaffenheit, Referent S. Rubinstein: d) Angola als jüdisches Siedlungsland, Refe- 3 rent Sir Harry Johnstone: 10. Territorialismus und Kolonisation, Referent I. Glanz, Newyork: 11. Varia. In der Sitzung wurden ferner sämtliche Vorbereitungen für den Empfang der Delegierten, sowie , die anderen mit der Konferenz in Verbindung stehenden An-

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