Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 23 (7.6.1912)
- Date
- 1912-06-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022005--21199-3046280- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 376 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 23 resbericht als Jubiläums-Ausgabe herausgegeben werde und auch unter der studierenden Jugend zur Verbreitung gelange. Herr Baum weist auf die für zahlreiche Kultusgemeinden in den verschiedenen Grönländern nicht sehr schmeichelhafte Statistik der Beteiligung an der Allianz hin und spricht die Verwunderung darüber aus, daß „Zuschriften an die geehrten Kultusvorstände erfolglos geblieben sind". Die Rabbiner müßten es doch überall als ihre heilige Ausgabe betrachten, für die Allianz zu wirken. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang spricht ebenfalls dem Präsidium und dem Sekretär für die umsichtige und ersprießliche Leitung der zahlreichen Hilsswerke den Dank aus. Wenn der Verein nicht noch viel mehr leiste, als es jetzt geschieht, so liege die Schuld jedenfalls nicht an der Leitung. Es sei die Pflicht aller Juden, dem Verein beizutreten und ihm durch größere Zuwendungen die Mittel für «eine weitausschauende Hilfstätigkeit zu gewähren. Ls sei bezeichnend, daß die von Wien aus seinerzeit gegründete Lämel-Schule in Jerusalem jetzt vom Hilfsverein in Berlin verwaltet werden muß und die Allianz sich nur durch einen Beitrag beteiligt. Herr Präsident Dr. Stern bemerkt, daß die Angelegenheit der Verwaltung der Lämel-Schule den Wiener Kultusvorstand noch beschäftigt, in dessen Wirkungskreis sie gehört. „ Herr Kaminka bemerkt mit Bezug auf die auswärtigen Kultusgemeinden, daß die Vereinsleitung sich wiederholt nicht bloß an die Vorstände, sondern auch an die Herren Rabbiner mit sehr eindringlichen Zuschriften gewendet habe und die Jahresberichte, welche doch an sich schon ein genügendes Propagandamittel sind, versandte. Wenn trotzdem, wie im Berichte erwähnt ist, in wohlhabenden jüdischen Gemeinden wie Teplitz, Karlsbad, Olmütz u. a. O. nur sehr wenige Mitglieder sind und selbst eine Großgemeinde wie Prag hinter Czernowitz, Lemberg und Triest zurücksteht, so ist es nur ein bedauerliches Zeichen dafür, wie schwer es namentlich in den Provinzgemeinden ist, unsere Glaubensgenossen über die vielfach entwickelte lokale Wohltätigkeit hinaus für großzügige Werke im Interesse der gesamten Judenheit zu gewinnen. Der Jahresbericht und die Rechnungsabschlüsse werden hieraus einstimmig genehmigt. Ueber Antrag des Herrn Straßberg werden die turnusmäßig ausscheidenden Herren Vorstandsmitglieder, die Herren Josef Breuer, Richard Bettel he im, Moritz B. Eißler, Generalrat Adolf Klein, Rabbiner Dr. Schmied! wiedergewählt; ferner wird die erfolgte Kooptation der Herren Professor Dr. Wilhelm Jerusalem und Bankdirektor Salomon Ai sch er genehmigt. Die in Aussicht genommene Aenderung der Statuten zum Zwecke der Ermöglichung einer Erweiterung des Beirates wird, da die für eine Statutenrevision erforderliche Anzahl von Mitgliedern nicht anwesend ist, von der Tagesordnung abgesetzt. Grrrigrarrtenfiirsorge. Im Jahresbericht der Wiener „Israelitischen Allianz" liest mani Sowohl für die russischen wie für die rumänischen Juden hat sich seit einer langen Reihe von Jahren eine rationelle Organisation der Auswanderung als das ersprießlichste Rettungswerk erwiesen. Wie in unseren Berichten wiederholt geschildert wurde, ist deshalb seit mehreren Jahren durch ein planmäßiges Zusammenwirken der großen jüdischen Organisationen, und zwar hauptsächlich der „Jewish Eolonization Association" in Paris, des ^Hilfsvereins der deutschen Juden" in Berlin und der „Israelitischen Allianz zu Wien" ein weitverzweigtes System von Jnformationsbureaus und Fürsorgekomitees geschaffen worden, durchs welches die Emigranten schon in ihrer entlegensten Heimat in den kleinsten Städtchen Rußlands und Rumäniens Rat und Auskunft erhalten, nach einem brieflichen oder telegraphischen Aviso von unseren Orenzkomitees übernommen, soweit die Auswanderung jii&er Oesterreich geht, in Wien erwartet, instradiert und durch Legitimationskarten unseres Vereines, unter gleichzeitiger Verständigung der korrespondierenden Hilfskomitees, auf dem ganzen Wege bis nach Amerika geschützt werden. Sowohl mit dem Zentralkomitee der I. C. A. in Petersburg, namentlich mit denjenigen von Odessa, Kiew, Warschau, Kamenetz-Podolsk, Shitomir, Minsk, Verditschew und anderer Städte des sogenannten Ansiedlungsrayons, als mit den rumänischen Komitees, andererseits .mit den Hilfskomitees in Basel, Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen, Bremen, Hamburg und selbstverständlich Triest, befinden wir uns in ständigem Kontakt, mit manchen der Komitees in beinahe täglicher Korrespondenz. Jeder Emigrant aus Rußland wird uns unter gleichzeitiger brieflicher Verständigung mit einer Karte des dortigen „Jca"-Komitees empfohlen. Schon in Rußland und in Rumänien verfügen die zahlreichen Komitees unter unserer Kontrolle über numerierte Legitimalionskarten unseres Vereines, deren Tert im Einvernehmen mit dem k. k. Eisenbahnministerium in Wien festgestellt und den Eisenbahndirektionen amtlich bekanntgegeben wurde. Auf Grund dieser ^Legitimalionskarten der Allianz erhalten die Emigranten Bahnkarten zum halben Preise für die Durchreise von der russischen oder rumänischen bis zur reichsdeutschen oder Schweizer Grenze, so daß hiedurch allein Tausende von armen Emigranten eine nicht unwesentliche Verbilligung ihrer Reise erzielen. Eine weitere Erleichterung finden sie dadurch, daß bei unserer Vermittlung die Schiffsgesellschaften von den niedrigsten jeweiligen Preisen der Aeberfahrt noch denjenigen Betrag in Abzug bringen, den sie sonst den Agenturen als Provision gewähren. Für die Sichtung der Emigranten mit Bezug auf ihre Gesundheit und Emigrationsfähigkeit, sowie die sichere Zulassung zur Landung in Amerika sind hie Heimatskomitees verantwortlich, welche durch die Publikation eines zweimal monatlich in jüdisch--deutscher Sprache mit hebräischen Lettern vom Zentralkomitee in St. Petersburg herausgegebenen Blattes „Der jüdische Emigrant" fortlaufend über alle Angelegenheiten der Auswanderung, über die Bahnpreise und die schwankenden Schiffahrtstarife, über die Arbeits- und Einwanderungsverhältnisse in verschiedenen Gegenden und etwaige besondere Vorschriften Belehrung verbreiten. Damit die Auswanderer unterwegs nicht als Bettler erscheinen, auch nicht bei ihrer Anerfahrenheit durch Verlust des mitnommenen Zehrgeldes in eine prekäre Lage kommen, ist die Einrichtung getroffen Morden, daß durch die Fürsorg ekomitees in der .Heimat, welche, fei es durch, die volle Einzahlung der Kosten durch die Emigranten selbst, oder durch eine für sie erlangte Unterstützung die ungestörte Reise bis nach Nord-Amerika (bezw. Argentinien) zu sichern haben, in der Regel auch einige Kronen pro Kopf durch Vermittlung der Israelitischen Allianz als auszuzahlendes Zehrgeld übersandt werden, welches den Durchreisenden in Wien ausgefolgt wird. Darnach sollten eigentlich finanzielle Beiträge zur Unterstützung der Emigration durch Zuschüsse an Bargeld an einzelne Personen oder Familien auf der Durchreise in Oesterreich überhaupt nicht geleistet werden. Aber bei den traurigen Verhältnissen, in denen die Juden besonders