Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022004--21192-3046272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Sette 370 Dr. Biochs W-chMchrttt Ar. A Heutzutage verfügen die Psalmen, dieser „Uber eleMnti88inlU8", wie sie der Humanist Melanchthon nannte, nicht mehr über jenen Leserkreis, wie etwa bis ins 16. Jahrhundert und dienen, die östlichen Länder ausgenommen, nur noch als Lektüre an geheiligten Stätten. Dem großen Einflüsse der Psalmen in früherer Zeit entspricht ihre Verbreitung. Die Zahl der Uebersetzungen geht ins Unendliche. Es gibt wohl keine Kultursprache, in die nicht die Psalmen zu wiederh oltenmalen übertragen worden Wären. Die Tschechen, ein verhältnismäßig kleines Volk mit einer noch jungen aber aufstrebenden Literatur und Kultur, besitzen eine Reihe von Psälmenübersetzungen. Ich will diejenigen. Welche auf der lateinischen Vulgata beruhen, übergehen und mich nur denen zuwenden, die auf eine hebräische Vorlage zurückgehen. Da wäre zunächst Johann Dartovsky von Varia zu nennen, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Alte Testament und hiemit auch den Psalter aus dem Hebräischen ins Tschechische übertrug: da sich aber seine Uebersetzung nicht erhalten hat, so repräsentiert sich die Kralitzer Bibel (1579—1593) als die älteste Uebersetzung der Heiligen Schrift aus dem Original, wobei Nikolaus Albrecht v. Kamenko und Lukas Helic als Uebersetzer aus dem Hebräischen fungierten. Die Kralitzer Bibel hält sich zwar ziemlich genau an das hebräische Original, es werden darin nur selten und da nur unbedeutende Worte hinzugefügt,, von einer Freiheit in der Uebersetzung wird ganz sporadisch Gebrauch gemacht, trotzdem aber lehnt sie sich noch an andere Vorlagen an, wie z. V. an Aquila, Symmaclios, das Psalterium iuxta Hebraeos Hieronymi und stützt sich schließlich auch auf das Targum und die Peschitto. So stellt sie ein buntes Mosaik verschiedener Versionen dar, wobei zu bemerken ist, daß die Verfasser bemüht waren, nur das Beste aus den Vorlagen zu wählen. Der Zweck dieser Zeilen ist, die Aufmerksamkeit derjenigen, die sich für die Psalmenliteratur interessieren und der tschechischen Sprache mächtig sind, auf ein Werk zu lenken», welches im vorigen Jahre aus der Feder des Professors für orientalische Philologie an der Pra-' ger tschechischen Universität, Doktor Rudolf Dvorak, hervorging. Es ist eine nach den Grundsätzen der hebräischen Metrik verfaßte Psalmenübersetzung, u. zw. eine kritische Ausgabe, wie es im Jargon der Philologen zu heißen pflegt. Nach mehr als 300 Jahren, in welcher Zeit die Psalmen sehr oft nach der Vulgata ins Tschechische übertragen wurden, ist es die ershe Uebersetzung nach dem Original.*) Als einem Laien auf dem Gebiete der orientalischen Philologie (das Buch kam mir bei meinen flavijchen Studien in die Hände) steht mir ein Urteil über dieses monumentale Werk nicht zu; doch glaube ich sagen zu dürfen, daß darin ein gewissenhafter Gelehrter von ebenso ausgedehntem wie gründlichem Wissen, von ungewöhnlicher Belesenheit und Kenntnis der einschlägigen Literatur und ein hochbegabter sowie sprachgewaltiger Dichter einander begegnen. Der Gelehrte hat zunächst den hebräischen Tert hergestellt, damit er eine richtige Grundlage für seine Uebersetzung habe. In Anmerkungen, welche etwa drei Viertel des Buches füllen, werden die gegenwärtige Form des hebräischen Tertes und seine mannigfachen Varianten, die verschiedenen Uebersetzungen sowie die Resultate der kritischen Forschung angeführt. Dabei stützt sich! der Verfasser auf Männer wie Baethgen, Buhl, Cheyne, Duhm, Gunkel, Kautzsch, Wellhausen u. a. Dort, wo ihn *) Psalmen. Nach den Grundsätzen der hebräischen Mitriküber- Ictzt von Dr. Rudolf DvokLk, ordentlichem Professor der orientalischen Philologie. I. Teil, Psalm 1—72. Erschienen in den Abhandlungen der Böhm. Kaiser Franz Josefs-Akademie für Wissenschaft und Kunst, Ul. Klaffe. Nr. 35. deren Lösungsverfuche nicht befriedigen, stellt er seine eigene Meinung auf. Nach dem Gelehrten ging der Dichter an die Arbeit und schuf ein Werk, das dem Leser eine genußreiche Lektüre bietet. Der Ton der Freude und des Leides, des Jubels und der Klage, des innigen Gebetes und des Grolles ist in der Form des Originals so glänzend Wiedergegeben, daß man dieses und nicht eine Uebersetzung vor sich zu haben glaubt. Ob der Dichter den Philologen oder der Philologe den Dichter übertrifft, ist schwer zu sagen. Sicher ist, daß der gelehrte Apparat eine kostbare Ergänzung der Uebersetzung, bildet und daß beides zusammen ein Juwel ist, mit welchem Prof. Dvorak nicht nur die orientalische Philologie, sondern auch die tschechische Literatur bereichert hat. ptttwtor. Klüger H.: Friedrich. Delitzsch, der Apostel der neubabvlonischen Religion. Leipzig, 1912. Krüger ti. C. Eine brauchbare Zusammenstellung der Delitzsch-Kritiken, auch .Gutes aus Eigenem. Der Ton darf einem in seinen heiligsten (Gefühlen mutwillig gekränkten Juden nicht verübelt' {werden. - R. „Jung-Juda“. Illustrierte (Zeitschrift für unsere Jugend. XIII. Jahrgang. Nr. 10. Prag, 17. Mai 1912 (1. Siwan 5672). Inhalt: Dr. Stern Schebuoth. — Ben Jehuda^ — Professor M. Antscherl: Ein Festtagsmorgen. — Josef Hart: Die Zwillinge. (Fortsetzung). — Die Pilatusbalin-:, Mit Illustrationen. — Der Hofmeister und sein Zögling. , — Heinrich Loewe: Der junge König. — Babette Fried: Die Erfindung des Glases. — Aus der Zeichenmappe. — Uebersetzungs-jAufgabe und Rätsel. — Briefkasten. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stefansgasse 629. Dr. med. et phil. Hans Lungwitz, Spezialarzt für Zuckerkranke, Berlin. Heber die Grundlagen der Zuckerkrankheit und ihrer Behandlung. Adler-Verlag. Berlin' AV 50, Ansbacher Straße 28. Illustrierter „Ewiger Kalender“. Für Zeitrechnung. 1700, — 5200. (Mit 41 Photographien.) Enthaltend alle Daten der Drei vergangenen, des gegenwärtigen und aller nachfolgenden Jahrhunderte. Redigiert von Lazar Rapap o r t, Bartfeld, Ungarn. Eigener Verlag. Preis 50 Heller. Jos. Grünbaum: Das Land, welches jedem heilig ist. Budapest 1912, Jos. Schlesinger. Kronen 3.-^. Die Beschreibung einer jüdischen Gesellschaftsreise ins heilige Land mit weit ausgreifenden, religiös-moralischen Betrachtungen. Das Ganze durchzieht ein munterer, hie und da erheiternder Ton. F. Perles: Jüdische Skizzen. Leipzig 1912, Gustav Engel. Der Verfasser hat eine größere Anzahl von Vorträgen, Aufsätzen und Buchbesprechungen, die, bis auf wenige Ausnahmen, bereits in Zeitschriften oder selbständig erschienen sind, in diesem Bande vereinigt, der von seiner schriftstellerischen Fruchtbarkeit ein stattliches Zeugnis ablegt. Es werden iBibel und Talmud, ethische sowie ästhetische Fragen, Maimonides (und Abraham Geiger usw. behandelt., Denise de Montmidi. Von Georg Freiherr von Ompteda. Eine Frauentragödie, jn der Monte Carlo mit, seinen Folgen — Armut, Untreue usw. — den Ausschlag des Pendels bildet. Durch mancherlei Quer- und Seitengassen' ins Kloster, das wird hier mit spannender Kunst auf wenigen Bogen geplaudert. L. Le Traducteur, The Translator, II Traduttore, drei Halbmonatsschriften, zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. Der literarische Teil dieser Unterhaltungsschriften bietet in anregender BornF in. kleinen Novellen, Abhandlungen, Anekdoten, Gedichten usw.» die teils einsprachig mit Anmerkungen, teils zweisprachig erscheinen, Kenntnis des fremden Landes, seiner Literatur, seiner Sitten und Gebräuche, seiner Handels- und Verkehrseinrichtungen. Uebersetzungübungen spornen-den Leser zu eifriger Arbeit an. Stets finden sieh Adressen junger Leute, die geneigt sind, mit andern Lesern in schriftlichen Verkehr zu treten behufs gegenseitiger Förderung der Kenntnisse in der fremden Sprache und zum Austausch von Zeitungen, Ansichtskarten usw. — Probenummern für Französisch, Englisch1 oder Italienisch kostenfrei durch den Verlag des „Traducteur“ in La Chaux-de-Fonds (Schweiz).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.