Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 22 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift Seite 365 Nr. 22 wenigen Worte dürften zur Erklärung der angeführten Stellen genügen, die jetzt im Stande sein werden, das bis heute in dieser Richtung herrschende Chaos zu entwirren?) Nach den bisherigen Feststellungen wollen wir, bevor wir zur Lösung der oben aufgeworfenen Fragen schreiten, noch einige, betreffende Talmudstellen besprechen, die uns genau die geographische Lage dieses Landstriches aufzeigen und gleichzeitig über d'e Geschichte der dortigen Juden manches Licht verbreiten. (Fortsetzung folgt.) S. S p i » B 11 ■ SB i e B. Korrespondenzen. Der Bischof von Könlggrätz und der Rabbiner von Hermanmestec. Hermanmestec. Der Königgrätzer Bischof, Seine Eminenz Dr. Josef Doubrava, Wirklicher Geheimrat Seiner Majestät, erschien . am 11. Mai, um. in Hermanmestec die Firmung vorzunehmen. Zu dessen Empfang wurde auch die jüdische Gemeinde von der Dechantei eingeladen. Der Kultusvorsteher Herr Alfred Falk und die engeren Ausschutzmitglieder mit dem Herrn Rabbiner Dr. Isak Folkmann leisteten der ehrenvollen Einladung Folge und erschienen unter den Deputationen. Der Direktor der fürstlichen Güter, Herr Stastny, und der Bürgermeister, Herr Plavec, begrüßten den Herrn Bischof in kurzen Ansprachen. Sodann wurde unser Rabbiner vom Herrn Direktor Stastny dem Bischof vorgestellt. Derselbe begrützte ihn mit einer herzlichen böhmischen Ansprache. Er wies darauf hin, datz die Juden mit den christlichen Mitbürgern in gutem Einvernehmen leben, datz sie gegenseitig an Freud und Leid teilnehmen, datz sie daher an einem Tage, der für die hiesigen Mitbürger ein Freuden- und Festtag bedeutet, nicht fern und abseits stehen wollen. Gerne folgten sie daher dieser ehrenvollen Einladung, wo es gilt, einen so vornehmen und ausgezeichneten Gast zu begrüben ,° denn Israel kam zu allen Zeiten, den edlen und erleuchteten Männern aller Rationen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses die gebührende Hochachtung zu bezeugen. Der Herr Rabbiner schloß mit dem Wunsche, datz das Erscheinen des edlen Kirchenfürsten allen zum Frieden und Segen gereichen möge. Der Herr Bischof erwiderte in ebenso herzlicher Weise. Er gab der Freude Ausdruck, datz ihn auch die jüdische Gemeinde begrützte und sagte unter anderem, datz er jede religiöse Ueberzeugung schätze und achte; ebenso gereiche es ihm zur besonderen Genugtuung, datz die jüdische Bevölkerung mit den christlichen Mitbürgern in friedlichem Einvernehmen lebe. ---. h fügend, daß dieses Lsseü äLgesed bei den Tibarenen (ptnsöbK) nur während der Vorlesung aus der Tbora. hingegen bei den Jraken (j'pfcnjnK, er meint damit Irak Adschemi, pers. Irak) nur in der^ Konversation wahrzunehmen sei. Er hebt den Unterschied hervor, weil^ die Jrakenser südlich von den Tibarenen. jedoch roch denselben Land-J strich bewohnen. Noch deutlicher ist das ersichtlich aus einer von? Luzzatto in Hil. Ked. p. 24, aus einem alten Pentateuchkodex mitgeteilten Notiz, lautend: tipas rbvhb npiao rrm bzz psa Knru ... 'mta “Tipi1? vnm . . . 'T'ik w^öö . . . jru n 122m tsekI Früher waren die Vokalzeichen nach assyrischem System oberhalb der^ Buchstaben angebracht, Wa8 R. Nathan aus Jberia dahin änderte, daß er dieselben nach dem tiberanischen System unterhalb der Buch-! staben setzte. Daraus geht klar hervor, daß Jberia und Tibareni iden-t tisch sind. Wenn Aharon b. Ascher sich (bei Dukes, Kontres HamafsorethS p. l) wijnö w ar« rr-cto U'n. mpa mpaa nennt, be-1 merken wir. daß Iran im Zend (Kl. III, 72) Khunerets hieß und^ rnjfta westlich hievon und vom Kaspischen Meer lag.! ‘) Heber die Große der verschiedenen Gewichts- und Hohlmaßes erkundigten sich selbst die Juden späterer Zeit auch noch bei denen imx Norden. Eurubin 83 a rc. V Datz der edle Kirchenfürst es mit seinen Worten ehrlich und aufrichtig meinte, bewies er am folgenden Tage, denn er erwählte zum Thema seiner Predigt das prophetische Wort, mit welchem ihn unser Herr Rabbiner begrützte, und das also lautet: Friede. Friede sei dem von ferne Kommenden, sowie dem Rahen. Er ermahnte daher die Bevölkerung, stets in Frieden und Eintracht mit allen Bürgern des Ortes zu leben. Der Herr Bischof zeichnete noch besonders unsern Herrn Rabbiner dadurch aus, datz er ihn mit seinem Gefolge vor seinem Abschiede mit einem Besuche beehrte und ihm für den ihm (dem Bischof) zuteil gewordenen Empfang von seiten der jüdischen Gemeinde seinen Dank mit dem Bemerken aussprach, datz er die ihm erwiesene Ehre zu würdigen verstehe. Der Herr Bischof verblieb etwa zwanzig Minuten beim Herrn Rabbiner und unterhielt sich mit ihm und seiner Gattin in leutseliger Weise. Er erkundigte sich über seinen Studiengang, über die Zahl der jüdischen Mitglieder. Er verabschiedete sich sodann vom Herrn Rabbiner und seiner Familie in herzlicher Weis?. Es wäre nur zu wünschen, datz der niedere Klerus dem edlen Beispiele dieses Kirchenfürsten folge. Kundgebungen gegen die Blutlüge. Anläßlich der gegen die Juden in Kiew gerichteten Blutbeschuldigung hat der Chefredakteur der „Ungarischen Wochenschrift", Julius Gabel, an mehrere vornehme christliche Persönlichkeiten Ungarns folgende Rundfrage gerichtet: „Die Finsternis und die Unwissenheit fordern seit Jahrhunderten entsetzliche Opfer von der unterdrückten Judenheit. Das Märchen der Blutanklage hat bereits Hunderttausende in den schrecklichsten Tod geführt. Diese hundertköpfige Hydra erhebt bald da, bald dort ihr Haupt, um die Menschenopfer zu vertilgen. Jetzt bereitet sich Rußland, wo die große jüdische Volksmasse ohnehin in Zittern und Todesfurcht lebt, zur finstersten Gerichtsbarkeit vor; aber in allen Weltteilen wurden Proteste gegen diese Barbarei laut. Männer vornehmen Geistes, Kapazi'ä en des Liberalismus, der Humanität und Wissenschaft rufen den verrückten Wüterichen ein mächtiges „Halt!" zu. In England, Deutschland und in den Vereinigten Staaten erheben die Zelebritäten der Gesellschaft, Staatsmänner, Universitätsprofessoren. Gelehrte, Künstler, Schriftsteller ihre Stimme gegen die Verbreitung dieser Fabel. Auch unser Blatt wendet sich an Euer Hochwohlgeboren als einen der wertvollen Männer unserer Nation mit dem Ersuchen. Sie mögen uns mit der Kundgebung Ihrer diesbezüglichen Ansicht beehren. Wir fragen: 1. Was halten Sie im allgemeinen von der Blutf anklage? 2. Bedarf das Judentum des Blutes zu seinem Rituale? 1 3. Glauben Sie nicht, datz die Blutbeschuldigungen < den in letzterer Zeit vorgekommenen Lustmorden sehr nahe stehen? 4. Wie glauben Sie ein Mittel zu finden, daß die gebildeten Rationen von diesem Schandfleck der Kultur verschont werden? Vom ungarischen Reichstagsabgeordneten Herrn Jo- ' Hann V e n e d e k erhielt das Blatt folgende Antwort: „Sehr" geehrter Herr Redakteur! 1 Infolge Ihres mich ehrenden Vertrauens, mit dem 8 Sie sich freundlichst an mich wandten, beeile ich mich, die U Antwort auf die mir unterbreiteten Fragen zu erteilen. 1 Ich menge mich hiedurch in jenen bekannten Prozeß, 8 der niemals sein Ende erreicht.