Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 22 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022004--21188-3046268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Dr., Bloche WoHenschrlft Nr. SL . beleidigend,- die erste verletzt meine Person, die Seite 366 Mit großer Aufmerksamkeit begleitete ich seinerzeit den Tisza-Eszlarer Prozeß: weder vorher, noch damals oder nachher war mir jemals auch nur der Gedanke gekommen, dem Schreckensmärchen von der rituellen Blutanklage Glauben zu schenken. Auch heute lese ich mit seelischem Genuß das prachtvolle, in dieser Affäre einschlagende Werk meines geliebten alten Freundes, des unübertrefflich großen Meisters des aufrichtigen ungarischen Wortes und ungarischen Gedankenganges: Karl Gotoös. Die Tisza-Eszlarer Sache steht vollständig klar für jeden unbefangenen Menschen, der diese Angelegenheit objektiv durchstudiert hat. Diese Blutanklüge stammte ebenfalls nur von dort her, von wo die übrigen : aus dem fchandvollen Morast des konfessionellen und Rassenhasses. Wenn einmal die belebende Sonne der Aufklärung diesen Sumpf austrocknet, dann wir d es keine Blutanklage mehr geben. Hiemit habe ich auf die erste Frage des Herrn Redakteurs die Antwort erteilt. Was die zweite Frage betrifft, benötigte meines Wissens das alte Judentum, zu seinem Rituale Blut, und zwar bei den Opfern, durch welche unsere alten jüdischen Brüder, sich von der Sünde und deren Bestrafung freizumachen wünschten. Wer ein Opfer därbrachte, der legte seine Hand auf das Haupt des Viehes und deutete dadurch an, daß er mit seinen Sünden gleichsam das Tier belaste, und dann wurde das Tier geschlachtet. Der Priester bespritzte den Altar mit dem Blute des Viehes: das Fleisch aber, oder ein Teil desselben, wurde auf dem Altar verbrannt. Außerdem legte man noch Brod, Wein. Oel und Salz auf den Altar, gleichsam als ein Geschenk an Gott. Zwischen den Erscheinungen von Anklagen der Lustmorde Und Ritualmorde sehe ich keinen Zusammenhang. Die Opfer der Lustmorde kommen meistens zum Vorschein und jedes Detail der Tat und deren Beweggrund kann konstatiert werden. Die Blutanklage ist ein Hirngespinst unwissender, ungebildeter Leute oder ein blindwütiger Angriff boshafter Menschen: in letzterem Falle stammt sie aus Gewinnsucht oder zumindest aus V rodneid. Und so lange die Menschen an Wunder, Zauberei, übernatürliche Dinge glauben und so la,ngees solche geben wird, die aus dieser menschlichen Schwäche ein Geschäft, und zwar reichlich lohnendes Geschäft machen, so lange wird auch das gemeinsame Produkt der menschlichen Dummheit und der geschäft lichen Konkurrenz: die R itualmord ünk lag e, eristieren. Jeder gebildete Mensch weiß, daß die Ritualmordanklage auf Ammenmärchen beruht. Die Kulturvölker wissen es ebenfalls. Es gibt daher nur e i n Remedium: die Verbreitung der Kultur, mit deren Fortschritt der Aberglaube, die Schreckbilder. Wunder und sämtliche konfessionellen Vorurteile, ja sogar selbst die Konfessionen aufhören. Es zeichnet als treuer Anhänger des sehr geehrten Herrn Redakteurs Johann Venedek, Reichstagsabg., Beirat des reformierten Konvents." Der landesberühmte Poet, Michael Szabolcska, ew. ref. Bischof in Temesvar, antwortete in folgendem: : ' | „Sehr geehrter Herr Redakteur! Verzeihen Sie, daß ich auf Ähre mich ehrenden Zeilen — aus Gründen, die nicht von mir abhangten — erst jetzt antworte. Mit aufrichtiger ungarischer Offenherzigkeit gesagt, finde ich von Ihren Rundfragen bloß die Zumutung der zwei ersten verletzend und die zweite das Judentum. Denn es ist bestimmter als alles, daß die Blutanklage eine Eselei sei. Schurkischer H aß ist ihr Vater und Blödheit die Mutter. Das Rituale der Juden steht ihr so ferne wie ich. - ' - Die dritte Frage ist auf richtiger Spur. Auch ich meine das: „Da liegt der Hund begraben". Das wiederholte Auftauchen der Blutanklage ist in den meisW Fällen solchen geistig und körperlich Verworfenen zuzuschreiben. Auf die vierte Frage antworte ich mit Goethe: „Mehr Licht!"- und mit- Jesus: „Vater -unser, es komme dein Reich!" . . •. Machen wir aus den Kasernen Schulen, dann gibt's keine Blutbeschuldigung mehr! : Mit brüderlichem Gruße Temesvar, den 16. Mai 1912. Michael Szgbolcs.ka.„ Der antisemitische Täufling. Aus Budapest wird uns berichtet: In einem hiesigen Vergnügungslokal fand vor einiger Zeit ein merkwürdiger ' Zusammenstoß zwischen einem getauften Studenten und den übrigen Gästen des Lokales statt. Der zur katholischen Kirche übergetretene Student Adolf Brill glaubte, seine Zugehörigkeit zum Christentum durch die Inszenierung einer .Judenhetze dokumentieren zu müssen. Er erging sich in den gemeinsten Besch Impfungen der Juden und des jüdischen Glaubens in solchem Maße, daß der anwesende Privatbeamte Emil Schipos den antisemitischen Täufling zunächst energisch zur Ruhe mahnte und ihm, als dieser seine verletzenden Bemerkungen fortsetzte, eine schallende Ohrfeige versetzte. Dieses Renkontre artete schließlich/in, eine allgemeine blutige. Schlägerei aus, welchM^Nst ^eM.Mrk^es^i-Machraufgebot ein Ende bereitete. Mehrere nicht unerheblich Verletzte wurden von der Rettungsgesellschast entgegengenommen. Die gerichtliche Austragung dieser Affäre wird um . so eher mit Spannung erwartet, als die Ausschreitungen jüdischer Täuflinge in Budapest sich in letzter Zeit in unerquicklicher Weise Mehren.. Stratzenbemmumg nach einem Juden in Algier. Im Jahre 1900 starb in Konstantine (Algier) der jüdische Philanthrop Henri Mania, der in seinem Testamente 300,000 Francs für ein allgemeines Spital und überdies mehrere hunderttausend Francs für verschiedene jüdische, mohammedanische und christliche Wohltätigkeitsanstalten aussetzte. Der Munizipalrat der Stadt Konstantine hat nun zur Ehrung des Andenkens dieses Wohltäters eine der schönsten Straßen der Stadt mit seinem Namen benannt. Der türkische Minister des Innern über die Juden in Deinen. Der Grand Rabbin der Türkei, Chäim -Nahum, suchte, wie aus Konstantinopel gemeldet, wird, dieser Tage den Minister des Innern auf, um mit ihm die Situation in Mmen zu besprechen. Der Grand Rabbin schilderte die traurige Lage der Juden in Deinen, welche ohne jeden Rechtsschutz den Arabern ausgeliefert sind und von diesen bedrückt und verfolgt werden. In der letzten Zeit ist, wie der Grand Rabbin ausführte, die Situation für die yemenitifchen Juden geradezu unerträglich geworden. Er bat die. Regierung, so rasch als möglich das nötige zu veranlassen, ehe es zu größeren blutigen Erzessen kommt. Der Minister des Innern teilte hierauf dem Grand Rabbin mit, daß ihm die Sachlage im Demen durchaus nicht unbekannt, ist und er nach einer Rücksprache mit dem Großvezier bereits dem Militärkommandanten des Pemen, Jzzet Pascha, den strikten Auftrag