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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 ra*- _t»i iWVMWWNfr Seite 361 Dr. I mit Recht daran erinnert, datz Bildung und Kriminalität in wachsender Beziehung. stehen, datz man nirgends so wenig Analphabeten findet, als unter den Verbrechern. „Wie grotz mutz die moralische Kraft des Analphabeten sein, der uns aufsucht," sagt Burke Cockran Honourable, „der weitz, datz nur die unausgesetzte Arbeit bei Tag und Nacht ihm sein Brot verdienen lätzt. Hätte er selbst verbrecherische Neigungen, ihm bliebe wenig Zeit und Mutze, ihnen nachzuhängen." Was wir übrigens an dieser Stelle jüngst über die jüdische Einwanderung gesagt, gilt auch von der nichtjüdischen. Alkoholismus, Tuberkulose, Verbrechen sind perzentuell bei ihr geringer, als bei der eingeborenen Bevölkerung, sind es doch die sittlich und physisch Stärksten, die auswandern,' die amerikanische Verfassung verweigert dem Analphabeten das Wahlrecht, und was ist die Folge? Datz hunderttausende von Polen, Ungarn, Ruthenen, politisch begabte Rassen, eine solche Sehnsucht haben, ihr Bürgerrecht auszuüben, datz Männer aller Altersstufen die Abend- und Nachtschulen füllen und staunenswerte Anstrengungen machen, um lesen zu lernen. Ja, wen sieht man an Sonntagnachmittagen als Lehrer ihrer Großeltern und Eltern? Die Einwandererkinder lehren sie buchstabieren und lesen, sie, die durchwegs in allen amerikanischen Schulen die ersten Preise erzielen, während Verziehung und Verweichlichung das eingeborene amerikanische Kind immer mehr geistig zu schädigen beginnt. Man möge sich also begnügen, die Naturalisierung, aber nicht die Einwanderung zu erschweren. So ftolz ish der Eingewanderte, amerikanischer Bürger zu werden, datz er alle seine Kräfte anstrengen wird, diese Bedingung zu erfüllen. Darm liegt die beste erziehliche Gewalt des Staates, ohne datz er das Abschiebungsgesetz zu ändern braucht, die letzte Ungerechtigkeit, während jetzt der Einwanderer nach drei Jahren nicht mehr abgeschoben werden kann. Wie unsinnig ist es auch, allen < »Vagabunden" den Eintritt zu verbieten, da je nach der Auslegung des Gesetzes alle Erdarbeiter, Feldarbeiter, Hausierer — die in den Farmen des Westens und Südens unentbehrlich sind, ausgeschlossen werden könnten. Gerne würden wir wörtlich die bedeutsamen Botschaften aufführen, mit denen seinerzeit die Präsidenten Arthur (1882) und Cleveland (2. März 1897) von ihrem Vetorecht Gebrauch machten und die Einschränkungsbills zurückwiesen. Sie waren darin nur die würdigen Nachfolger Thomas Ieffersons, der das Gesetz von 1798 als besonders vom anglikanischen Rassenhochmut eingegebenes zerritz. und Abraham Lincolns, dessen Ellern kaum die Reifeprüfung bestanden hätten. Wir vertrauen auf die Weisheit des künftigen Präsidenten, sei es Roosevelt oder Taft, datz auch sie ihr Veto einlegen und die Bill als schädlich und einer Demokratie Unwürdig zurückweisen werden. Am tiefsten vom rassenspychologischen und nationalökonomischen Standpunkte hat aber ein Geistlicher der protestantischen Kirche, Reverend Percy S. Grant, das Problem erfaßt und im Aprilheft der Nord amerikanischen Revue zugunsten einer unbeschränkten Einwanderung sich ausgesprochen. Er behauptet, datz nach seiner Erfahrung in der Gegenwart der Portugiese (als Ackerbauer), der französische Kanadier (als Träger des französischen Esprit de finesse in Industrie und Gewerbe), und der Jude — also drei nichtprotestantische Rassen — die wertvollsten Einwanderer sind. Er sagt auch den durch Generationen in Amerika Lebenden einige bittere Wahrheiten. Man gestatte mir, mit seiner Ansicht über die russischen Juden zu schlietzen: „Die Vorliebe der Juden, sich mit intellektuellen Problemen zu beschäftigen, ihr vorurteilsfreies Denken, ihre Hinneigung zum Studium und die Abneigung, die sie gegenwärtig noch für verschwenderische Vergnügungen, Sport und geistige Versumpfung haben, machen sie zu einer wertvolleren Erwerbung für unser Land, als tausende der Nachkommen unserer ursprünglichen Ansiedler. Dem russischen Juden erscheint Abraham Lincoln wie ein Prophet des alten Bundes. Wenn es noch das amerikanische Ideal wie einstens wäre, der intellektuellen und religiösen Geistesrichtung Ehrfurcht zu zollen, Brüderlichkeit unter der Menschheit zu pflegen, geistige Kultur zu lieben und die Freiheit zu verbreiten, dann wären diese Ideale am geborgensten bei diesen unseren Mitbürgern, welche nach all dem sich sehnen und darnach streben." C. Benedikt. Vom Zabrmarktt des Lebens. Die Juden im öffentlichen Leben Englands. In den letzten Tagen verdichtet sich immer mehr die Meldung von der bevorstehenden Ernennung des Generalprokurators Sir Rufus Isaacs zum engifchen Justizminister. Aus diesem Anlasse werden interessante Daten über den Anteil der Juden am öffentlichen Leben Englands bekannt. Im englischen Unterhause sitzen 18 Juden, von denen mehrere eine hervorragende politische Stellung einnehmen. Im London County Council sitzen 12 Juden. Jüdische Lords gab es bis vor dem jüngst erfolgten Tode des Lord Wandsworth 4. Autzerdem 3 jüdische Mitglieder der Regierung. Und zwar der Generalprokurator Sir Rufus Isaacs, der Staatssekretär für Postwesen, Herbert Samuel, und der Vizestaatssekretär für Indien, E. S. Montague, ein Bruder des Lord Swaythling. Unter den Geheimräten befinden sich 4 Juden, und jüdische Barone ts gibt es 11. Unter ihnen 2 gewesene Lordmayors von London. In der britischen Armee, welche bekanntlich aus lauter Freiwilliigen besteht, gibt es 400 Juden, und in der Marine 1000, darunter 12 Offiziere. London zählt gegenwärtig 150,879 Juden. \ Die Familie des verewigte» Herr» Präsidenten David Ritter von Gutmaun. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Doktor! Sie würden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie die Freundlichkeit haben wollten, folgenden Zeilen in Ihrem weitverbreiteten geschätzten Blatte Raum zu geben: Es wurde mir mitgeteilt, daß zwei hier erscheinende, dem Zionismus dienende Zeitungen anläßlich des Ablebens deS Herrn David Ritter v. Gutmann diesem Nachrufe widmeten, die auf derselben Höhe standen wie die in der „Reichspost" und ähnlichen Blättern enthaltenen. — Diese Mitteilung hat mein Interesse nicht so weit erregt, daß ich mich veranlaßt hätte fühlen können, jene Artikel zu lesen. Wir wissen ja, daß sogenannte zionistische oder jüdisch-nationale Blätter sich in Kampfesweise und Ton andere nationale, deutsch-radikale und ähnliche Blätter zum Muster nehmen, wie ja überhaupt die ganze sogenannte „jüdische Politik", wie fie in einzelnen Kreisen betrieben wird, nur eine plumpeNachäffungdes unseligen Nationalitätenrummels und-spieles der Völker ist, in deren Mitte die Juden leben. — Es wurde mir aber des weiteren mitgeteilt, daß in einem dieser Blätter grobe Unwahrheiten standen. Das reizte meine Neugier. Ich bemühte mich, das mir bezeichnete Blatt zu bekommen, was mir auch gelang, es heißt: „Neue National-Zeitung" und ich besah mir den dem verstorbenen David Ritter v. Gutmann gewidmeten Artikel näher. Ich traute meinen Augen nicht. Nicht etwa daß der Schreiber dieses famosen Artikels dem Verstorbenen Wohltätigkeitsfinn, Talent, Bedeutung fürs Judentum abspricht, erregt irgendwelches Interesse; radikal-nationale Blätter pflegen alle die mit Kot zu bewerfen, die nicht zu ihrer Fahne schwören. Das hat weiter nichts zu bedeuten, um das braucht man sich nicht zu kümmern und wenn man's zufällig liest, so

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