Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 22 (31.5.1912)
- Date
- 1912-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 356 D-. Bl0«^ MochenschM Nr.-32 das die heimliche Angst Lbertönen und über die innerliche Verlogenheit hinwegführen soll. Wrrköpfen, bereit Gehirn deutschradikal durchseucht ist, ChiiMerschwaöEHi^n der deytschradikalen Schule der. Phrase upd des.äußerlichen,MrWs^ au ihrer Wahrheitsliebe-gelitten haben, mag Hie ^OstdeutsE* Erwihemyg imponieren. Für alle logisch denkenden, wahrhettsempfiichrnhen Menschen ist mit Hiestr Erwiderung das Urteil übexf^die ' deutsctzodikale Parteileitung and die ihr angehörigen einzelnen Persöngesprochen. Mir wer'F kan Richter hrauch'n" — sagt derMiener, denn diese Art der dentschradikalen Ableugnung ist für jeden objektiven Beurteiler bereits ein Geständnis in der Angelegenheit, um die es sich dreht, daß aper ein Abkommen erst für die Gemeinderatswahlen getwffktt wurde,, habe ich in dem ganzen-Aufsatze nirgends behauptet, iusügedefsen ist die ganze Spiegelfechterei, alles Herumfuchtelu mit Schimpfwort«! gegen eine Behauptnng, die gar nicht existiert, eine erbärmliche Komödie, genau so wie der Ruf nach dem Richter. Mau braucht dieser Kennzeichnung der Deutschradikalen und ihrer Kampfesweise wohl nichts mehr hinzuzufügen. Korrupt aber sind nach wie vor die Juden! Herr Staatsanwalt! Folgender Fall wird in der letzten Nummer der „Wiener Deutschsozialen Nachrichten" veröffentlicht: „In der Josefstadt kandidierte auf das Programm der deutschbürgerlicheu Partei im vierten Wahlkörper der Handschuhmacher Sommer, der sein Geschäft in der Langegasse Nr. 41 betreibt. Als Herr Sommer bei den Wahlen in der Minorität blieb, erhielt er eine Verständigung des Hausadministrators — das Haus, in dem Sommer sein Geschäft betreibt, ist Eigentum der „Heiligenkreuzer" — der ihm mitteilte, daß er gekündigt werde. Darob zeigte sich Sommer sehr niedergeschlagen und meinte, daß dies der Vernichtung seiner Existenz gleichkomme, da er in der Josefstadt kein Geschäftslokal finden könne und nur hier habe er seine Kundschaft. Darauf antwortete der Administrator: „Jo, wenn Sie mir eine Bestätigung des Bürgermeisters Dr. Ncumayer bringen, daß ich Sie hier lassen darf, ist's gut, sonst muß ich Ihnen unbedingt kündigen." In seiner Verzweiflung begab sich nun Sommer zum Stadtrat Rain, der ihm nahelegte, seine Funktionen in dem freiheitlichen Wahlkomitee aufzugeben. Als dies geschehen war, begaben sich die Stadträte Rain und Schwer sowie Bezirksvorsteher Bergauer mit Herrn Sommer zum Bürgermeister Dr. Neumayrr. Dort mußte Herr Sommer erklären, daß er es bedauere, gegen die christlichfoziale Partei gekämpft zu haben und daß er fürderhin seine Kräfte wieder in den Dienst der christlichsozialen Partei stellen wolle. Erst als darüber ein Protokoll ausgenommen war, das in vier Abschriften hergestellt wurde, schrieb Bürgermeister Dr. Neumayer folgenden Brief an den Administrator: „Obwohl Herr Karl Sommer in der verflossenen Wahlzeit mit nicht ganz einwandfreien Mitteln gegen die christlichsoziale Partei gekämpft hat, bin ich doch dafür, daß man diesmal Gnade für Recht ergehen läßt und ihm nicht kündigt." Die Kündigung wurde sodann zurückgenommen. Bemerkt soll noch werden, daß in dem Briefe Dr. Neumayers die Worte „Gnade für Recht" unterstrichen waren." Girr Kesrrch beim Uem-Uorker Judentum. Zweiter Vortrag, gehalten in der Plenarversammlung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus am 2. Mai 19.2 von Dr. Josef S. Bloch. (Fortsetzung.) Auch aus den Reihen der Reformrabbis lernte ich manche Repräsentanten kennen, die in hohem Matze interessante Gestalten sind, Männer von ungewöhnlichem. Persönlichkeitswert. Ich nenne in erster Reihe den Prediger vom Emanuel-Tempel, Rabbi Dr. Josef Silo er mann, der auch außerhalb jüdischer Kreise ein autoritäres Ansehen genietzt und' gewitz ist diese Popularität nicht unverdient. So wurde er eingeladen, beim Sonntagsgottesdienst in derNP Li st en k i rch e vor der Gemeinde überdas . Thema zu sprechen: „Was hat das. Judentum znr FriemensheWegung zu sagen?" Nachdem der.Rabbi den-Vortrstg beendigt Haftes machte er Schritte, die? Rednertribüne Zu peüasten> aber-der Geistlicheder / Kirche schritt rasch auf Ihn Zu, verbeugte sich und bat ihn, die Gläubigen der Gemeinde, die so zahlreich versammelt sind, priesterlich zu segnen. Interessieren wird gewitz noch folgende Mitteilung: In der presbyterianischen Kirche: Amsterdam Avenue, 105. Stratze in Newyork, fand im Kaufe dieses Winters ein Zyklus von vier Vorträgen über die Juden in der Geschichte der menschlichen Kultur von einem hervorragenden christlichen Advokaten, 'Walter M. EHändler, statt. Zum Besuch dieser Vorträge hat der Pastor dieser. Kirche, A. Edwin Keigwi n, durch. ein ausführliches Zirkular, welches die Bedeutung und die Unabhängigkeit des Vortragenden besonders betonte, emgeladen. Bei jedem dieser vier Vorträge führte ein hervorragendes Mitglied des Newyorker Judentums den Vorsitz. Der erste Vortrag fand am 5. Februar 8 Uhr abends statt. Vorsitzender war der jüdische Politiker und Staatsmann Samuel König. Der Vortragende sprach über Juden als Dichter, Philosophen, Künstler und. Musiker. Der zweite Vortrag, bei welchem auch ich anwesend war, fand am 7, Februar statt. Thema dieses Abends war: „Juden als Staatsmänner, Juristen, Nationalökonomen und Finanziers." Präsidiert hat an diesem Abend Rabbi Josef Silo ermann vom Emanuel-Tempel. Die grotze Kirche war in allen Räumen voll besetzt, der Pastor, ein Mann in den mittleren Jahren, mit einem klugen Gesicht voll Intelligenz, begrüßte die Versammlung und lud Rabbi Silvermannn ein, die Verhandlung einzuleiten. Rabbi. S i l v e r m a,n n entledigte sich^ dieser Aufgabe mit vielem Takt, er erwähnte das Ansehen, welches der Vortragende als Jurist und als Schriftsteller, insbesondere als Historiker genietzt und sprach die Ueberzeugung aus, daß er selber aus dem zu erwartenden Vortrag mancherlei lernen und sein Wissen ergänzen werde. Der Vortrag Chandlers dauerte nahezu 1V2 Stunden. In der Einleitung bemerkte er, datz, da unter den Anwesenden manche zu sehen sind, die bei dem letzten Vortrag .nicht zugegen waren, er infolgedessen einige Bemerkungen wiederholen müsse. Er sei weder jüdischer Abstammung, noch stehe er in besonderen Beziehungen zu den jüdischen Mitbürgern; er sei finanziell unabhängig, habe auch keine jüdischen Klienten. Was ihn zur Abhaltung dieser Vorträge veranlatzt, sei lediglich die Tatsache, datz er über dieses Thema ein grotzes Werk verfaßt habe und er den Drang in sich verspüre, das Resultat seiner wissenschaftlichen Studien zunächst in Form von Vorträgen' einem gebildeten Publikum vorzutragen. Aer Redner zeichnete sodann den Gesetzgeber Moses . in seiner Bedeutung als Staatsmann, Gesetzgeber und Rechtslehrer, dann kamen die Lichtgestalten der jüdischen Könige David und Salomo, er behandelte Lord Boekonsfield, Em. Eastellar, LeonG ambetta, welche beiden Staatsmänner er mit einem großen Zitatenappärat für die jüdische Rasse reklamierte, ferner Ferdinand L a s s a l l e, Karl M a r r, R i c c q r d o, Heinrich Heine und einige hervorragende Juristen der Ver- . einigten Staaten. Der Vortrag war ein Preisgesang auf die intellektuelle Begabung der jüdischen Raste und hat bei den Zuhörern einen Sturm von Beifallsbezeugungen, ausgelöst. Der Vorsitzende Rabbi Silo ermann dankte dem Vortragenden zunächst als Zuhörer für den Genutz, welchen der Vortrag ihm geboten, und dann als Ange-