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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-31 · 22 (31.5.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
22 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Irchrgang yyii Dr. Bloch’s Zentraloroan für die gesamten Unteressen des Zudentums. D. ft. Pofisxarftaffrnamt Slesrtng-Verkebr Vir. 810.976. Redattion und Administration: Wir» IX/1. Hahugaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. J oP ■ - On -- Wien, Bl. Mai 1912 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adrefse: Wien, ix/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. Oo .. ■ -O o? Vrrugsprrk» für ßeßrrretdi: Q Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die S »al gespal- 2 lene Petttzeile ir, Heller. C OQ ■ -Oo Inhalt: Leitartikel: Deutschnationale Geheimnisse. — Ein Besuch beim New-Zorker Judentum. — Der Kampf für die Einwanderungsfreiheit in Amerika. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Juden im öffentlichen Leben Englands. Die Familie deS verewigten Präsidenten David Ritter von Gutmann. Eine jüdische Siedlung auf den Namen des Ehepaares Strauß. Wer trägt die Verantwortlichkeit für die Jndenmassakres in Fez? Die Beteiligang der Juden am Serischen Welthandel im Altertum.— Korrespondenzen: Hermannestec. London. Kundgebungen gegen die Blutlüge. Der antisemitische Täufling. Straßenbenennvng nach einem Juden in Algier. Der türkische Minister des Innern über die Juden in N men. Der Emigrationsfonds der Warschauer jüdischen Gemeinde. Uebertritt von Juden zum Islam. Gründung einer medizinischen Gesellschaft zum Andenken an Profeffor Mandelstamm Generalversammlung der Historisch-Ethnographischen Gesellschaft in Petersburg. — Vermischtes.— Feuilleton: Die Psalmen in tschechischem Gewände. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Deulschnationatc Geheimnisse. Es ist immer gut, wenn die antisemitischen Politiker selbst über ihre Parteien sprechen. Dabei erfährt man dann immer solche erbauliche und einleuchtende Dinge, wie von Hraba, von Vergani und jetzt vom Abgeordneten Pollauf. Dieser befindet sich in einem scharfen Gegensätze zu den Deutschradikalen, welche sich um die „Ostdeutsche Rundschau" und um den prächtigen Volksführer K. H. Wolf scharen. Um der „Ostdeutschen" und deren Hintermännern was Tüchtiges am Zeug zu flicken, wurden von Pollauf die „Deutschsozialen Nachrichten", ein Wochenblatt, gegründet, und nun kann es jedermann in beiden Blättern Nachlesen, wer die Heil- und Heulparteien eigentlich sind, welche seit Jahrzehnten behaupten, die Reinheit des politischen Lebens gepachtet zu haben und die jüdische Korruption mit dem Speere Wotans und Donnars Hammer bekämpfen zu müssen. Manchmal aber kehren sie gegenseitig bei sich selber ein und da stellt es sich für die ganze Welt überzeugend heraus, wie wenig Recht die antisemitischen Kritiker der Juden für ihre freche Ueberhebung haben. Da waren z. B. die Deutschsozialen neugierig, wie denn eigentlich das verblüffende Bündnis der Deutschnationalen und Deutschradikalen mit den Christlich-Sozialen bei den letzten Gemeinderatswahlen zustande gekommen war. Denn den Deutschen mußte doch das Blut kochen bei der Erinnerung an die politische Märtyrer-Verfolgung, welche ihre Beamten und Lehrer, sowie alle Gtsinnungsgenossen unter L.leger und Geßmann auszustehen gehabt hatten. Die Führer der Rathauspartei waren nicht müde geworden, die Preußenseuchler als Hochverräter zu brandmarken und fabrizierten sogar gelegentlich einen Schwur gegen die deutschnationale Gesinnung. Nun auf einmal gehen die Römlinge Neumayer und Porzer Arm in Arm und Hand in Hand mit dem antisemitisch-deutschnationalen Dr. Groß und K. H. Wolf und verschönern gemeinsam das Fest des deutschen Schulvereines. Darüber wurde nun die „Ostdeutsche Rundschau" von den „Deutschsozialen Nachrichten" Pollaufs befragt. Der betreffende Aufsatz hatte den Titel: „Heraus mit der Wahrheit" und lautete: „Was den Dcutschradikalen von aller Welt vorgeworfen wird und was insbesondere in erster Linie den Parteifübrer K. H. Wolf belastet, ist die Anschuldigung, daß seit den ersten Wahlen nach dem allgemeinen Stimmrechte, bei denen K. H. Wolf in der Stichwahl mit Hilfe der Christlich-Sozialen gewählt wurde, ein Abkommen der Deutschradikalen mit den christlichsozialen Parteiführern besieht, welches einen vollen Verzicht der Deutschradikalen auf das freiheitliche, antiklerikale Programm bedeutet. Die Handlungsweise der Deutschradikalen hat bisher konsequent den Verdacht bestärkt, daß ein derartiges Abkommen besteht, ein Abkommen, welches die Deutschraditalen verpflichtet, in allen freiheitlichen Fragen die Christlich-Sozialen zu unter st Ützen, bezw. ihnen in Vertretung ihres reaktionären, klerikalen Standpunktes keine Ungelegenheiten zu bereiten. Wir fragen nun im Interesse der gesamten Oeffentlichkeit: Wagt es Herr Reichsratsabgeordneter K. H. Wolf, wagen es die übrigen deuschradikalen Parteiführer, wagt es die „Ostdeutsche Rundschau", die bisher scheu dieser allerwichtigsten Schlüsselfrage auswichen, das Bestehen eines derartigen, dem Verzichte der deutschradikalen Partei auf Vertretung ihres freiheitlichen, antiklerikalen Programmes gleichkommenden Abkommens zu leugnen?" Auf diese scharfe Anfrage antwortete die Ostdeutsche Korruptionskämpin lange nicht. Der Wiener Streit war ihr gleichgiltig. Als jedoch das „Alldeutsche Tagblatt", das in Böhmen eine Auflage hat, die Anfrage übernahm, ließ sich das Blatt der Deutschradikalen zu folgender Antwort herbei: „Die deutschradikale Parteileitung und die ihr angehörigen einzelnen Persönlichkeiten wagen es nicht nur nicht, das Bestehen jedes wie immer gearteten Abkommens während oder für die Gemeinderatswahlen, noch viel weniger aber ein solches, welches die deutschradikale Partei verpflichtet, in allen freiheitlichen Fragen die Christlich-Sozialen zu unterstützen, zurückzuweisen, sondern sie erklären jeden, der derartige verleumderische und ehrabschneiderische Aeußerungen wiedergibt oder behauptet, als einen gemeinen, wissentlichen Lügner und fordern denselben auf, diese Aeußerungen in einer Form wiederzugeben, damit diesen Gelegenheit geboten werde, diese Anschuldigungen vor dem Richter zu vertreten." Auf diese Antwort kam nun folgende gesunde Replik von den Deutschsozialen: „Diese Antwort ist deutschradikal bis zur Wurzel. Vorne ein Ausweichen vor dem wesentlichen, ein Umgehen des Kernpunktes der ganzen Frage, denn dieser dreht sich doch um das Abkommen bei der Wahl K. H. Wolfs im Jahre 1907 und nicht bei den heurigen Gemeinderatswahlen — dabei aber ein äußerliches Beibehalten der Worte und Satzfügungen, so daß der nicht vollständig informierte Leser die Täuschung nicht merken kann — dann aber rückwärts, - nachdem der Kernpunkt der Fraae glücklich umgangen ist — die Heldenpofe, der große Lärm, das wüste Geschimpfe,

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