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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-24 · 21 (24.5.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
21 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 854 Dr. Blochs Wochenschrift Rr. 81 machen. Und so merkwürdig scheint die Geschäftsatmosphäre Neu-Englands dem so tüchtigen und klugen, leider selbst vom gebildeten Westjuden verachteten Ostjuden zu behagen, daß nicht wenige derjenigen, welche mit Frau und Bindern in den Ecken des Asyls jammervoll kauerten — nur langsam konnten Betten und alles Nötige verschafft werden —, heute Inhaber von Familienhäusern sind, zugleich die mächtigsten Förderer der Armen und Nachgekommenen. Das ostjüdische Element spielt heute schon eine gewaltige, tonangebende Rolle in der Judenschaft Philadelphias, und der vor zwanzig Jahren noch unbekannte raffinierte Geschmack und die tadellose Eleganz der Philadelphiaer Dame ist nicht zum kleinsten Teil Elementen zuzuschreiben, die aus dieser Einwanderung hervorgegangen sind. Diese so viel beweglichere Bevölkerung führte dem alten Stamm eine kräftige Auf- -frischung zu; Tertil-, Metallfabrikation, Konfektionsi? brauche, Klavierfabrikation, Reis- und Kaffeehandel, Schusterhandwerk, Brauerei, Bankwesen, Diamantenhandel, auch das in Philadelphia so blühende Buchdruckgewerbe haben in führenden und untergeordneten Stellungen Tausenden und Abertausenden Juden Erwerb, Unterhalt und Wohlhabenheit gebracht. Den Festtag dieses jüdischen Philadelphia bildet nach wie vor der jährliche Ball der Gesellschaft, der das Heim erhält und ein Altersasyl für Greise und Greisinnen geschaffen hat. Unter diesen sind bis auf einen Invaliden des amerikanischen Bürgerkrieges alle russische Juden und Jüdinnen, welche die Schrecken der Pogroms mitgemacht und ihre Verwandten dabei verloren haben. Schlicht und einfach ist das kleine Heim, und einfach sind seine Insassen gebildet. Hier sehen wir nicht die Paläste von Newyork oder unseres Alterversorgungshauses in der Seegasse, aber selten wird Alten, so gänzlich Weltverlassenen das Dasein so gemütlich gemacht, die Wohltat in so schwesterlicher Weise gereicht. Nach wie vor sind es Damen, die die ganze Leitung inuehabeu; wenn auch sämtliche Rabbiner der Stadt und die Herren Wolf Klebansky und A l e r a n d er B e r m a n n, S i l k und andere ihren Gattinnen, der hochverdienten Präsidentin und den Vizepräsidentinnen zur Seite 'stehen, so bilden hier die Herren das Hilfskomitee, während sonst in Amerika dies die Damen sind. Noch manche Sorgen hat Frau Klebansky, besonders ist das Spitalwesen noch unausgebildet, die jüdischen Kranken müssen in den großartigen Spitälern Philadelphias jüdische Küche entbehren, und so feuert Frau Klebansky ihren jüngeren Stab immer wieder an, wenn schon nicht ein jüdisches Spital, so doch wenigstens ein Siechenhaus zu gründen. Dafür arrangiert sie Konzerte, Blumenfeste und ähnliches. Noch arbeiten Damen und Rabbiner in Philadelphia in enger Gemeinschaft, auf alter Grundlage, noch wird dort weniger nach dem Grunde der Armut gefragt; statt des immer notwendiger werdenden Bureaukratismus in der Armenpflege herrschen in der Stadt, die an Flächenraum London übertrifft, an Einwohnerzahl Wien fast erreicht, noch patriarchalischere Zustände. Aber wir zweifeln nicht, daß beide Arten der Wohltätigkeit, die modernere und die ältere, im Lande der Philanthropie nach wie vor die Palme des Erfolges erringen werden. C. Benedikt. ffttrato«. Arnold Beer: Das Schicksal eines Juden. Von Max Brod. Verlag- Axel Juncker, Berlin, 1912. Preis geheftet 3 M., gebunden 4 Mark. Es . ist. nicht, beabsichtigt, an dieser Stelle eine eingehende Beschreibung dieses neuesten Romanes des bekannten Prager Schriftstellers zu geben, sondern es soll nur auf diese Neuerscheinung hingewiesen werden; während die literarische Würdigung des vorliegenden Werkes dem Leser desselben überlassen bleiben mag. - Nur andeutungsweise sei erwähnt, daß dieser neue Roman Doktor B r o d ’ s eine ,Art Gegenstück zu des Dichters im vergangenen Jahre erschienenen Roman „Jüdinnen“ bildet.*) Wir zweifeln nicht, daß die zahlreichen Anhänger . Max Brod’s auch diesmal auf ihre Rechnung kommen werden, zumal der Autor in dem vorliegenden Buche sein Problem mehr psychologisch löst, indem er die Konsequenzen aus - - der jüdischen Art und Rasse seines Helden Arnold. Beer, eines vielseitig veranlagten jungen Mannes aus einer gut bürgerlichen Pamilie, zieht. M. Heimkehr. Essays jüdischer Denker. Herausgegeben vom jüd.-nat.-ak. Verein „Emunah“, Czernowitz. Berlin 1912, Louis Lamm. Unter der Pülle der literarischen Produktion , unserer jüdischen akad. Vereine wird sich dieser Sammelband seine besondere Beachtung erhalten. Die wissenschaftlichen Beiträge, wie die von Rappaport, Schipper üsw., verdienen nicht (weniger Anerkennung, als die politischen und kul'.urphilosophischen eines Rosenfeld, Trietsch, Birnbaum u. a, oder die Abhandlungen Müllers und Kellners zur Geschichte des zionistischen Gedankens. Man freut sich angesichts des Mißbrauchs, der mit diesem Gedanken ausgiebig getrieben wird, daß man sub specie solch ernster Arbeit, wie man in diesem Buche zu Worte kommt, sich die Achtung vor dem Streben als solchem retten kann. Bei Georg Müller, München ist erschienen: Karl Phil. Moritz:- Anton Reiser ein psychologischer Roman. Neu herausgegeben und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Hardt. 2 Bände. Gart. Mark 8.—, in -Halbleder Mark 12.—. Anton Reiser, der erste psychologische Roman der Weltliteratur, hat .seit jeher die Bewunderung der Besten unserer Zeit gefunden. Goethe, Schiller, Herder, Wieland, Mendelssohn, Hebbel waren in gleicher Weise von . dem Werke begeistert .undso verdient es unseren Dank, daß, der Verlag sich entschloß,. von diesem seltenen, in der; Originalausgabe kaum auf zu treibenden Werke eine neue Ausgabe zu veranstalten, die sicher in den Kreisen der Literaturfreunde dankbar begrüßt werden dürfte. Ullstein-Jugend-Bücher. (Berlin.) P, 0. Höcker: Der Sohn des Soldatenkönigs. — Rud. Herzog: Der Nibelungen Fahrt ins Hunnenland. Preis h 1 Mark. Beide Bücher reihen sich den früheren würdig an. Der Gedanke, von modernen Meistern der Erziehungskunst alte Geschichten unserer Jugend schmackhaft zubereiten zu lassen, bewährt sich prächtig. Die Ausstattung ist tadellos, der Preis minimal. R. In demselben Verlag sind soeben erschienen (Preis ä Mark 1.—): Gewitter im Mai — Der Besondere. Von Ludwig Ganghofer. Wie ein Hauch erfrischender .Gebirgsluft selbst sind diese beiden Geschichten aus dem Volksleben des oberbayerischen Berglandes. Keiner hat wie Ganghofer, der heimatfrohe Jäger und" fröhliche Sohn des Hochgebirges, den Weg zum Gefühlsleben und dem goldenen Humor seiner Landsleute zu finden verstanden. Die beiden : Hochlandsgeschichten, die in diesem Bande vereinigt sind, zeigen den Dichter auf der Höhe seiner zugleich1 ergreifenden und liebenswürdigen Kunst. „Die Hilfe“. "Wochenschrift für. Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Dr. Friedrich Naumann. Nummer 20. 16. Mai 1912. Aus dem Inhalt: Friedrich Naumann: Soziale "Wandlungen. — Paul Rohrbach: Eine neue "Wendung im türkisch-italienischen Kriege? — "Wilhelm fleile: Der nationalliberale Parteitag. — Unsere Bewegung. — Soziale Bewegung. — Eugen Kalkschmidt: Reiselust,TL — Erich Sclilaikjer: Das proletarische Kind. ’— Alfons Paquet: Kamerad Fleming. Roman. — Politische - Notizen. — Für die Parteiarbeit. — Fortschritt (Buchverlag der „Hilfe“) G. m. b. H. in Berlfn-Schöneberg. Wefkaste«. Dr. M. S. in H. Jeder Rabbiner oder Matrikelführer ist verpflichtet, jeden neugeborenen jüdischen Knaben in. die Matrikel einzutragen. Dem Rabbiner steht, kein gesetzliches Mittel , zu,. den Vater zu zwingen, die Zeremonie bei seinem Kinde vornehmen zu lassen. Herr Karl Freund, Obmann-Stellvertreter der Toynbeehalle, wohnt 11., Praterstraße 70, *) Der Roman „Jüdinnen“ erschien innerhalb 5 Wochen in nicht weniger als 4 Auflagen.

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