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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-24 · 21 (24.5.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
21 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ni. Li Seite - 43 De. BLochs Wochenschrift In Palästina trägt der Verein zur Erhaltung der von einer Wiener Wohltäterin begründeten Edl. von Lämmelschule bei, welche im vorigen Jahre von 347 Schülern besucht wurde. Das Gros der Schüler bestand aus Aschkenasim (213) und Sephardim, einschließlich Syro-Mesopotamier (111), aber auch Marokkaner, Dei meniten, Grusiner, Bucharer, Perser, Vulgaren und Falaschas finden sich unter den Zöglingen. Ein sehr düsteres Bild entwirft der Bericht von der Lage der Juden in Rußland und inRumänien. In bezug auf Rußland heißt es in dem Bericht: „Es kann längst keine Rede mehr sein von den unzähligen Ausnahme-„Gesetzen", die in den letzten Jahren, mit äußerster Strenge gehandhabt, die Existenzmöglichkeil unserer Glaubensgenossen im russischen Reiche immer mehr eingeschränkt haben. Die reine Willkür, eine völlige Ignorierung jeder Legalität, ein zynisches Hinwegschreiten über ehemals bereits erteilte Rechte und Privilegien, herrscht sowohl bei den höchsten Instanzen wie bei den Gouvernementsbehörden in der Provinz mit Bezug auf die Juden, Keine von den „echtrussischen", von sehr hoher Stelle patronisierten Agitatoren empfohlene judenfeindliche Maßregel ist so phantastisch und unsinnig, daß sie nicht, über Nacht von den offiziösen Organen aufgegriffen, ernstlich zur Diskussion gestellt und bald in Erlässen der Ministerien oder einzelner Gouverneure, die sich nach oben empfehlen wollen. Ausdruck finde, iletn Jude ist mehr sicher, daß nicht am nächsten Tage irgend ein Schlagwort auftauchen wird, durch welches ihm die Ausübung seines Berufes oder der Aufenthalt an feinem langjährigen Wohnorte plötzlich verboten wird. „Nur daß man nicht mordet!" so schilderte die' Situation unserem Sekretär gegenüber, der vor kurzem Rußland zu besuchen Gelegenheit hatte, ein hochgestellter Jude, der persönlich zu den Privilegierten gehört und gewiß nicht zu schwarz sieht." Es werden dann eingehend die jüngsten antisemitischen Maßnahmen der russischen Regierung dargelegt, ferner die Blutbeschuldigung in Kiew und die Bewegung in bezug auf die Paßbeschränkungen für ausländische Juden in Rußland. In dankenswerter Weife sind in den Beilagen die Protestkundgebungen gegen die Vlutbeschuldigung aus Deutschland und Oesterreich, aus Frankreich und England im Originaltexte mit sämtlichen Unterschriften angefügt. Das russische Hilfswerk figuriert im Gebarungsausweis mit einem Gesamtbeträge von 72,888.18 Kr., der zum weitaus größten Teil sich auf die Auswanderung bezieht. Ein sehr ausführliches Kapitel bildete die instruktive Darstellung der Emigrantenfürsorge, welche die Zentrale in Wien und ihre Filialen und Grenzkomitees seit Jahren in Verbindung mit den korrespondierenden ausländischen Organisationen üben. Aus dem Gebarungsausweis ergibt sich, daß die Einnahmen und Ausgaben im verflossenen Jahre 182,499 Kronen bilanzieren. Bemerkenswert ist in den Vereinsnachrichten, daß der im Juni v. I. in Baden verstorbene begeisterte Freund und Förderer der „Jsr. Allianz zu Wien", Jakob Adler, der seit einer Reihe von Jahren dem Vereine jährlich eine Spende von 1000 Kr. zu senden pflegte, in seinem Testamente bestimmte, daß sein gesamter unbeweglicher Besitz (er besteht aus Gut Kossut in Ungarn und einer Villa in Baden) der „Jsr. Allianz zu Wien" nach seinem Tode zufallen soll. Die Verhandlungen wegen der gerichtlichen Zuerkennung dieses Legates sind noch in der Schwebe. Dem wackeren Verein, der zu den ältesten und tatkräftigsten gesamtjüdischen Organisationen gehört, ist zu wünschen, daß er bald durch einen Zuwachs an Mittel in die Lage komme, feine segensreichen Hilfswerke wesentlich zu erweitern. Nie Norgange an der Wiener Uninerfitat. So wie der Mensch das kostbarste Gut des Staates sein soll, ebenso unbedingt ist die Jugend das Wertvollste eines jeden Volkes. Wir Juden sind sich dieser Tatsache seit jeher vollkommen bewußt und haben ihr zu allen Zeiten und in welcher Lage wir immer uns befanden, stets Rechnung getragen. Kein zweites Voll der Erde wendet relativ für die geistige Ausbildung seiner Jugend so viel an. als gerade die Juden, der sehnlichste Wunsch eines jeden jüdischen Vaters und einer jeden jüdischen Mutter ist es, den Sohn als gebildeten Menschen heranwachsen zu sehen. Wie der jüdische Vater im einzelnen, so war es stets das Bestreben der jüdischen Gemeinden im allgemeinen, für die Entwicklung der jüdischen Jugend zu sorgen. Ungeteilter Sympathie aller jüdischen Kreise erfreut sich die österreichische jüdische Hochschuljugend, ihre Bestrebungen werden nicht nur bloß mit platonischem Wohlwollen behandelt, sondern die tatkräftigste Unterstützung wird ihr stets gewährt. Die jüdische Allgemeinheit quittiert es mit Dank, daß die jüdischen Studenten, zumindest auf den Hochschulen, für die Erhaltung der jüdischen Eigenart und jüdischer Ehre eintreten. Und wenn nun also, wie es sich letzthin ereignete, zwei jüdische Studenten vom Rektorate der Wiener Universität bloß deswegen relegiert wurden, weil sie ihre Ehre einigen teutsch-arischen Cou-> leurprotzen gegenüber mannhaft zu verteidigen wußten, so unterliegt es gar keinem Zweifel, daß die Angelegenheit dieser zweier jüdischen Studenten als eine allgemein jüdische zu betrachten ist. Diesen beiden Studenten in ihrer momentanen Situation hilfreich beizustehen, ist Pflicht aller. Die leitenden jüdischen Kreise und die jüdischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses, besonders die zwei Wiener Vertreter in demselben, sind sich dieser Pflicht vollkommen bewußt und werden in der Angelegenheit mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln beim Unterrichtsminister intervenieren. Man sollte nun glauben, daß die jüdische Studentenschaft in dieser sie so tief berührenden Frage alle jüdischen, besonders in diesem Falle in Betracht kommenden Korporationen und Persönlichkeiten zu einer gemeinsamen Aktion zu vereinigen bestrebt sein werde, um der Reklamation mehr Nachdruck zu verleihen. Weit gefehlt! So weit reicht nicht die Vernunft der Wiener zionistischen Parteileitung, der blindlings, zu gehorchen Pflicht der Studentenschaft ist. Sie, die Parteileitung, veranstaltete eine Protestversammlung und kündigte an, daß in derselben mehrere Reichsratsabgeordnete und Bürger sprechen werden. Außer an Abgeordneten Dr. Straucher und einigen ruthenischen Abgeordneten hat sich das Komitee an niemanden gewendet, ebenso nicht an den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde, der einen Vertreter im Landesschulrate sitzen hat. Auch so manches jüdische Mitglied des Wiener Professorenkollegiums hätte das Bedürfnis empfunden, hier mitzureden, auch diese wurden ausgeschlossen. Allerdings benützte natürlich der Abgeordnete Dr. Straucher den Anlaß, um in einer barbarischen Sprache gegen das Wiener offizielle Judentum und seine Vertreter in dieser Versammlung loszudonnern. Wir glauben nicht, daß es Herrn Dr. Straucher, der merkwürdigerweise bei der Wiener jüdischen Studentenschaft und der hiesigen zionistischen Leitung mehr Sympathie genießt, als bei ihm zu Hause in Czernowitz, unbekannt blieb, daß man zu der Versammlung mit Absicht keinen anderen jüdischen Abgeordneten und auch nicht den Kultusvorstand einlud. Herrn

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