Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 21 (24.5.1912)
- Date
- 1912-05-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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L rUe 314 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 21 in dieser Versammlung zu erscheinen, um sein Wor.t zu erheben für die bedrohte Einwanderungsfreiheit. Er ist sicher, fugt er hinzu, daß, wenn der verewigte Isidor Strauß imstande wäre, seine Stimme zu uns dringen zu lassen, so würde er auch den Wunsch äußern zugunsten der Tausenden und Abertausenden, die alljährlich bei uns ein Heim suchen und für deren Wohl er sein ganzes Leben hindurch gewirkt hat. Redner erwähnt, daß schon der große Präsident Lincoln sich energisch gewehrt hat gegen jeden Versuch, die Einwanderung zu beschränken. Und Lincoln erklärte wiederholt : „Die Emigranten sind ein Segen für dieses Land." Während des Bürgerkrieges befanden sich in der Armee eine halbe Million Eingewanderte, d. h. 25 Prozent des Heeres waren Emigranten, welche mit ihrem Herzblut die amerikanische Fahne verteidigten. Man wendet gegen diese Emigranten-Schichte, welche das neue Gesetz treffen will, ein, daß sie nach mehreren Jahren mit dem erworbenen Vermögen in ihre alte Heimat zurückkehren, dadurch den Reichtum des Landes nach dem Auslande tragen, das hier erworbene Vermögen im Auslände verbrauchen. In Wahrheit sind auch diese Rückwanderer eine Wohltat für Amerika: Sie dienen als Agenten für unseren ausländischen Handel, sie verbreiten in Europa amerikanische Ideale, amerikanische Lebensart. Die beiden Länder, die hier in Betracht kommen, sind Italien Md Oesterr e i ch, deren Handel mit Amerika im Verlaufe der letzten zehn Jahre sich verdoppelt hat.. Ein Senator hat eine Ergänzung vorgeschlagen, daß „ausländische Revolutionäre" in den Vereinigten Staaten nicht landen dürfen. Sollte ein derartiges Gesetz je Geltung erlangen, so dürsten Männer wie Gambetta, Garibaldi, Kossuth niemals den Boden der Vereinigten Staaten betreten. Unter den eingelaufenen Zustimmungstelegrammen befanden sich solche von Jakob Schiff und der Redaktion der „Rewyorker Staatszeitung". Es sprach ferner Theodor Sutro, der Präsident der vereinigten deutschen Organisationen von Rewyork, der bemerkte, die Bill ist in einem unmöglichen englisch abgefaßt und bilde ein schlechtes Bildungseramen ihrer Urheber. (Lebhafte Heiterkeit.) Stürmischen Beifall fanden die Ausführungen des Dr. Stephen W ise. Cr sagt: Die Tatsache, daß jemand in Amerika geboren worden, ist kein Beweis dafür, daß man amerikanischen Geistes ist und nach amerikanischen Ideen lebt. Man kann ein Eingewanderter sein und dabei ein besserer Amerikaner, als ein Eingeborener. Jene Revolutionäre, welche in Rußland für amerikanische Ideale und amerikanisches Regierungsfystem kämpfen und die als Märtyrer ihrer Ideale am Galgen ihr Leben aushauchen, sind jedenfalls bessere Amerikaner, als manche der hierzulande Geborenen. In dem durch seinen Stimmenschacher berüchtigten Distrikt Ohjo wohnt kein einziger Emigrant, Md diejenigen, welche ihre Stimmen verkauft haben, verstanden auch gut, den Scheck zu lesen, den sie in Empfang genommen. Redner betont zum Schluß, daß, wenn wir Juden auch von diesem Gesetzentwurf wenig berührt werden, wir doch einmütig sind, gegen den Versuch einer Einwanderungsbeschränkung zu protestieren, die Freiheit Anderer ist uns so kostbar wie die eigene Freiheit. Jos. Barondes erklärt, der jüd.Emigrant, welcher die Hölle der Tyrannei in Rußland kennen lernte, hängt mit unendlicher Liebe der neuen Heimat an, er weiß die Größe und Erhabenheit der amerikanischen Konstitution mehr zu schätzen, als geborene Amerikaner, und die Emigration führt dem Vaterlande eine Fülle von Kräften und Patrioten zu. Unter ungeheurer Begeisterung wurde eine Resolution gegen die neue Bill beschlossen. Aus dem Jahresberichte der Wiener Israelitischen Allianz. (Fo-tßtzung.) Brody. Die israelitische Knaben- und Mädchenschule in Brody ist eine der größten Schulen Galiziens und von jeher rühmlichst bekannt. Sie wird von nahezu 1300 Kindern besucht und hat ein Budget von ca. 42,000 Kronen, wozu aus Landesmitteln im ganzen 12,000 und .von der Stadtverwaltung nicht mehr als 2000 Kronen beigetragen werden. Alles übrige muß von jüdischen Korporationen aufgebracht werden. Brody war ehemals eine durch Wohlstand und Kultur besonders hervorragende Iudengemeinde. Die wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich jedoch seit Jahrzehnten immer verschlechtert und die jüdische Gemeinde, die aus dem Erträgnis des Koscherfleisch-Aufschlages für die Schule 8300 Kronen und aus ihrem Schulfonde 3300 Kr. widmet, ist nicht in der Lage, für die Anstalt mehr zu leisten. Die Direktion hat sich bereits vor einigen Jahren an uns um einen Beitrag gewendet und einen solchen als einmalige Zuwendung erhalten. Unter Hinweis auf unsere in den letzten Jahren eingeleitete Schulaktion wandte sich die Direktion an uns noch einmal mit einer Eingabe, in welcher hervorgehoben wird, daß die Anstalt eine dringende Notwendigkeit für die jüdische Jugend ist und im Interesse derselben erhalten werden muß. Die Schüler und Schülerinnen entstammen zumeist den armen und allerärmsten Bevölkerungsklassen und erhalten durch die Ausbildung das unerläßliche Mittel, in menschenwürdiger Weise, eventuell auch außerhalb der Grenzen Galiziens, sich eine Eristenz zu schaffen. Wir haben für das laufende Schuljahr, der Anstalt einen Betrag von 1000 Kr. bewilligt.' ' ' Sonstige Anstalten. Der jüdischen Volksschule in Krakau, welche mit dem Unterricht in den Elementarfächern einen den Anforderungen der orthodoren Juden entsprechenden hebräischen Unterricht verbindet; ferner dem israelitischen Privatgymnasium in Storozynetz (Bukowina), das nach den uns zugegangenen Berichten sich gut bewährt, haben wir auch in diesem Schuljahre Subventionen bewilligt. Mit Rücksicht auf die zahlreichen jungen Mädchen aus Galizien, die in Wien im „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim" untergebracht sind und zur Erlangung eines Gewerbes angeleitet werden, haben wir diesem Institut, wie in bereits wiederholten Fällen, einen Beitrag gewährt. Frequenztabelle der von uns gegründeten Anstalten in Galizien im Jahre 1911/12. Sä ul Ab'udkurs Zusammen Budzanow 73 42 115 Schüler Niemirow 52 30 82 „ Olesko 14 27 41 „ Potok zloty 90 28 118 „ Chrzanow 136 — 136 Zusammen: 492 Schüler Außerdem werden in den Schulen, denen wir Subventionen erteilen, insgesamt 1452 Schüler unterrichtet. *' * Auch in Rumänien subventioniert die Wiener Allianz eine Reihe jüd. Knaben- und Mädchenschulen in A d j u d, Vacäu, Botosani, Frumusica, Galatz, Vaslui. — Nach der Frequenztabelle betrug die Zahl der Schüler dieser Schulen insgesamt 1129.