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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-24 · 21 (24.5.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
21 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 342 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 21 Jüdische Studenten haben deutfchnationale Wegen des Vorwurfes der Satisfaktionsunfähigkeit geöhrfeigt. Das haben sie aber außerhalb der Universität getan. Wenn sie damit ein Vergehen begangen haben, so ist das mit einer minimalen Geldstrafe bei Polizei oder Gericht reichlich gesühnt. Den akademischen Senat geht die Sache höchstens fö weit.an, daß er energisch der frechen . Art der Provokation ein Ende machen sollte. Statt dessen Fallt er den JudM in den Arm und hat sie relegiert, hat ihnen die schwersten materiellen und persönlichen Nachteile zugefugt. Darüber hinaus hat er noch verkündet, , daß Tätlichkeiten auch außerhalb' der Universität in aller Zukunft die gleiche Sühne finden würden.' Niemals hat sich noch der Senat zum Sittenrichter des Privatlebens akademischer Bürger aufgeworfen. Jetzt geschieht es plötzlich und geschieht gegen die Juden. Das ist zu deutlich, als daß es nicht verstanden werden .sollte. Die jüdischen Studenten sollen gezwungen werden, sich die schwere Beleidigung jetzt und in aller Zukunft ohne Gegenwehr gefallen zu lassen und wenn sie sich weigern, so sollen sie mit den schwersten Strafen dafür büßen. Das wird nicht geschehen. Die jüdische Oeffentlichkeit wird und muß ihren braven und tapferen Vorkämpfern mit aller Macht zuhilfe kommen und sie moralisch, materiell und politisch einhellig unterstützen. Die beiden Relegierten und der vom gleichen Schicksal bedrohte, in Untersuchung gezogene Student dürfen weder persönlich ins Bodenlose fallen, noch darf es ohne Gegenwehr geduldet werden, daß unsere studierenden Söhne unter einer ständigen Gefahr stehen und als akademische Bürger zweiten Grades betrachtet werden. Hier ist eine Frage entstanden, welche sich weit über den Standpunkt einer einzelnen Partei erhebt und vom gesamten Judentum Wiens beantwortet werden muß. Wir müssen es mit Genugtuung empfinden, wenn unsere Studenten ihr Judentum auf der Hochschule mannhaft und mit opferwilliger Ueberzeugung wahren. Sie müssen aber auch das Bewußtsein haben, daß ihre Kraft und ihr Recht von außen her unterstützt und gewahrt werden. Es gibt wohl keine jüdische Korporation und Organisation, welche den Studenten im vorliegenden Falle ihre Unterstützung versagen wird. Hier heißt es einmal dem akademischen Senat durch die Anrufung der kompetenten Behörden begreiflich machen, daß die Zeit der mittelalterlichen Zustände vorüber ist und daß das Gastrecht auf der Wiener Universität für alle Nationalitäten des Reiches das gleiche ist. Hier heißt es ferner, den Opfern dieses Kulturkampfes, der in scharfen Formen, aber in bester Haltung der jüdischen Studenten ausgetragen wird, ausgiebig zuhilfe zu kommen. Nicht nur persönlich, sondern auch im Rahmen ihrer studentischen Organisationen für den Selbstschutz. Wenn das nicht bald geschieht und energisch geschieht, werden nicht .nur die jüdischen Studenten eine schwere Beleidigung und Zurücksetzung sich gefallen lassen müssen, sondern mit ihnen auch das ganze Judentum. M« Kesnch beim Mem Marker Judentum. Zweiter Bortrag, gehalten in der Plenarversammlung des Vereines zur Abwehr, des Antisemitismus an 2. Mai 10i2 von Dr. Josef S. B l o ch. (Fortsetzung. Die politische Erziehung der jüdischen Einwanderermassen aus dem Osten, welche nach fünf Jahren das volle Bürgerrecht genießen und berufen sind, über alle Lebensfragen der Nation durch ihr Stimmrecht mit zu entscheiden, ist ein Wert der großen, jüdischen Tagesblätter, welche in der .Jargonsprache erscheinen. 8 00.0 00 Exemplare dieser großen Iargonzeitungen werden täglich in den Vereinigten Staaten gedruckt, sie sind für die Einwanderer ein Bildungsmittel ersten Ranges: sie informieren den Leser über alle politischen und sozialen Vorgänge, unterrichten ihn über die Bedeutung und die Folgen der Begebenheiten und bemühen sich, ihm Bildungsstoff aus allen Wissenszweigen zuzuführen. Als Zeitungsfachmann hat es mich interessiert, die leitenden Redakteure kennen zu lernen, und - ich fand in hen Schriftstellern Jakob Saphi r st e i n, Perez Wiernik und Leon Solotkow Männer, die nicht bloß in der jüdischen Geschichte und Literatur außerordentlich bewandert sind, sie stehen auch auf der Höhe der Zeitbildung und wissen mit hohem Scharfblick die politischen Geschehnisse zu werten. Leon Solotkow war früher Staatsanwaltsubstitut in Cincinnati und hat diesen Posten aufgegeben, um die Redaktion des „Jüdischen Tagblattes" zu übernehmen, Ueber die soziale Stellung des Redakteurs einer Jargonzeitung bietet die Tatsache Aufklärung, daß das große amerikanische Magazin „Outlook", dessen Redakteur kein , Geringerer ist, als Theodore R o o s e v e l t, der gewesene Präsident und gegenwärtige Präsidentschaftskandidat, in der Nummer vom 28. Oktober 1911 einen ausführlichen Essay enthält über den Redakteur des sozialistischen Tagblattes „Vorwärts", Abraham Cahan, welches natürlich in der Jargon-Sprache erscheint. In dem Magazin findet das Bild C a h a n s, sowie eine Momentaufnahme des Zulaufes zur Redaktion in der Stunde, als das Blatt ausgegeben wird. Betitelt ist der Aufsatz: „Vorwärts" in hebräischen Lettern. Ein europäischer Politiker von dem Range R o o s evelts würde es kaum mit seiner Stellung vereinbarlich Hallen, über den Redakteur einer Jargonzeitung eine ausführliche, zwölf Seiten umfassende Studie zu publizieren. Es ist eine völlig irrtümliche Vorstellung, die in Europa verbreitet ist, daß das amerikanische Judentum auf dem Wege der Assimilation dem Geschick gänzlicher Entjudung verfalle. Die Emigration der letzten Jahrzehnte hat nach Amerika Elemente gebracht mit einem starken Verlangen nach Erhaltung des jüdischen Geistes und des jüdischen Lebens. Und in diesen Kreisen wird sogar Gewicht darauf gelegt, auch die Formen der alten Studien zu kräftigen und zu erhalten, zu welchem Behufs förmliche Jeschiwohs eingerichtet worden sind. Von den vier Jeschiwos in der Stadt Newyork habe ich zwei besucht und mich überzeugt, daß in diesen Kreisen das talmudische Studium mit einem Ernst und einem Eifer betrieben wird, wie ehemals in Galizien und Rußland. Der Religionsunterricht unterliegt selbstverständlich keinem Zwange, wie bei uns. Allem diejenigen, welche täglich in der schulfreien Zeit die Talmud- Thora aufsuchen, erhalten einen sehr gründlichen Unterricht. Die Down-Town Talmud-Thora steht unter dem Präsidium des Fabrikanten William F i s ch m a n n, eines Mannes, der seine Geschäfts- und Fabriksräume Samstag gesperrt hält und ftlr die Talmud-Thora die größten Opfer bringt. Die Unterrichtssprache ist hebräisch, ich habe eine junge Lehrerin gesehen, die mit den Schülerinnen während des Unterrichtes nur in hebräischer Sprache sich unterhielt. Die Uptown-Talmud-Thora in der 111. "Straße (Präsident Harry Fischel, Kassier Henri Glaß) hat 38 Klassen und der Unterricht wird erteilt von den Ansangsgründen bis zum Talmud. Die Leistungen verdienen alle Anerkennung und ich war in mancher Klasse über das offenbarte Verständnis der Schüler förmlich überrascht. Der Leitung dieser Talmud-Thora, welche in einem hebräischen Ehrendiplom mich zum Ehrenmitglied ernannt hat, sei besonderer Dank gesagt.

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