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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 338 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 20 Sorgfalt im Unterricht hat sich herausgestellt, daß die Mädchen hauptsächlich nur für Sticken und Gesang (seit Jahrhunderten eine Domäne jüdischer Frauen), die Knaben für Musik und kaufmännischen Unterricht die größte Vorliebe zeigen. Anstatt den Kindern Berufe aufzuzwingen, für die sie keine Vorliebe zeigen, wozu man vielfach in unseren Waisenhäusern geneigt ist, hat Dr. Bernstein infolge dieser Erfahrungen fast alle seine Zöglinge, Knaben und Mädchen, kaufmännischen Berufen zuzuführen versucht und damit die schönsten Erfolge erzielt. Die Fürsorge für die Kinder nach Verlassen der Anstalt wird in intensivster Weise betrieben, innig ist der Zusammenhang der gewesenen Zöglinge mit dem Hause; namentlich jene, welchen Stipendien ein Universitätsstudium ermöglichen, bleiben als Klubleiter und Berater enge mit den jüngeren verbunden. Bernshein ließ sich nämlich durch das Kopfschütteln und die Unzufriedenheit der Lehrer und des Kuratoriums nicht abhalten, dieses Klubwesen zu errichten. 2hm tat das verschüchterte Wesen, die geistige und leibliche Uniformierung, dir nach einigem Verweilen in Kindertasernen, mögen es nun Wohltätigkeitsinstitute oder adelige Kadettenkorps sem, immer e.ntritt, die ein größerer, Dostojewski, so meisterhaft geschildert und in ihren lasterhaftesten Konsequenzen verfolgt hat, in der Seele weh. Da machte er das kühne Experiment, aus der absoluten Monarchie eine Republik zu machen, eine Republik ohne Kerker, in der die größten Strafen der Verlust des aktiven und passiven Wahlrechts oder gar die N dauernde oder zeitweilige Ausschließung aus dem Klub ist. Der Sanitätschef, Kasseverwalter, Präsident dieser Republik werden von den Kindern selbst aus ein Jahr gewählt, sind aber zweimal wählbar. Ebenso ist die Mädchenrepublik eingerichtet, die monatlichen Sitzungen beiden gemeinsam. Die Beschlüsse, bei denen Dr. Bernstein natürlich oberstes Vetorecht zusteht, und die mit der Finanzkraft des Institutes in Einklang stehen müssen, werden zum größten Teil auch von einem von den Kindern gewählten Erekutivausschuß ausgeführt. Diese Selbstregierung ist wohl am geeignetsten, Verstand, Manieren, Redegewalt der Kinder auszubilden, sie zur Ordnung, Nettigkeit, Sparsamkeit, Selbstzucht zu erziehen, ein fast geschwisterliches Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler zu erwecken, und der recht komplizierte Verfassungsapparat beherrscht alle Gespräche in Spiel- und Schlafsaal, sehr zum Vorteil der Kinder, wenn man sich rückerinnert, worüber meist die Kinder, Knaben oder Mädchen, in Schulen sprechen, wenn sie sich überlassen werden. Tratsch, Angeberei, Aufpassen und Spionierwesen sind so glücklich verbannt. Die geistige und körperliche Umwandlung dieses „Neulands" unserer Rasse zeigt sich, wenn wir z. B. die Footballmannschaft der Anstalt defilieren lassen, wo wir Gestalten finden, die an den Hermes des Praxiteles erinnern, und wir den geheimen Wunsch nicht unterdrücken konnten, die Väter oder Großväter bieder Knaben im gleichen Alter sehen zu können, von denen viele im schmutzigen Kaftan gesteckt haben werden, wenn auch höchstens ein Fünftel der Kinder der Einwanderung entstammt. Bei Barmizwahs, Geburten, Verlobungen, Hochzeiten und Silberhochzeiten wird der Anstalt fortwährend mit Spenden an Geld, Eisjausen und Ausflügen gedacht; wenn wir nicht wüßten, wie ernst hier auch gearbeitet wird, würden wir infolge durch solche Festtage in reichen Bürgerhäusern veranstaltete Vergnügungen das Waisenhaus für das reinste Vergnügungsetablissement halten. Kein Wunder, daß die Kinder mit Liebe an diese Anstalt zurückdenken. Die jährlichen Kosten von ca. 160,000 Dollars werden aber nicht nur durch obengenannte Schenkungen, sondern zum großen Teil durch Subventionen jener 5 oder 6 Städte gebüdet, welche zusammen Newyork ausmachen, und die Anstalt steht daher unter Staatsaufsicht, die aber bisher nie einzugreifen hatte, vielmehr die hier gewonnenen Erfahrungen in ihren übrigen Staatsanstalten vielfach nachbildete. Bei den Chanuka- und Purimfestivitäten, welche der Knaben- und Mädchenklüb gemeinsam geben, fehlen denn auch nicht geistliche und weltliche hohe Würdenträger. Wenn wir das Haus verlassen haben, klingt uns noch lange das laute Kinderlachen nach, welches die wahre Hausmusik dieser Stiftung auf allen Gängen, Stiegen und Spielzimmern ist. Wie vielen Kindern unserer untern oder Mittelschichten ist eine ähnliche sonnige Jugend, in der alle berechtigten Wünsche der Kleinen geprüft und wenn tunlich berücksichtigt werden, eine ähnliche ärztliche Aufsicht, die jeden Keim zur körperlichen Mißbildung erstickt, beschieden? Wenn Dr. Bernstein sich selbst nur im äußersten Notfälle entschließt, sittlich Verwahrloste oder geistig Minderwertige an andere Anstalten abzugeben und selbst bei solchen die bestmöglichen Resultate erzielt, so darf man die kühne Erwartung hegen, daß aus diesem Hause mit der Zeit eine ähnliche Reihe berühmter Männer hervorgehen wird, wie aus dem bekannten Londoner Waiseninstitute „Kings Boys", und die Uebersiedlung aufs Land wird sicherlich gesundheitlich und seelisch die schönsten Früchte zeitigen und glich dem jüdisch-amerikanischen Farmertum neue Kräfte zuführen. _ C. Benedikt. Literatur. O. Sclimeil, Lehrbuch der Zoologie. 30. Auflage, Leipzig 1911. Quelle v. Mayer. Geb. M. 540. Für die Vorzüge der Schmeil’schen Methode des naturwissenschaftlichen Unterrichts spricht neben den hohen Auflagen dieser Schriften ihre Uebertragung in etwa, elf Sprachen. Sogar eine Uebertragung in Blindenschrift ist erschienen in der Buchhandlung des Israelitischen Blindeninstitutes in Wien. R. Aus der eigenen Werkstatt. Hugo Heller u. Co., Wien. Das Heft K 1,50. Karl Morawitz: Aus der Werkstatt eines Bankmaiines. Dr. Alb. Graf. Apponyi: Aus der Werkstatt eines Staatsmannes. Mit so viel Geist und Witz, wie den bekannten Präsidenten der Anglo-Oesterr.-Bank wird man wohl wenige haben vortragen' hören. Daneben tönt aber besonders aus dem Schlußwort über die Berufswahl eine männlich starke Note, die das Büchlein auf ein hohes Niveau erhebt. — Wenn Graf Apponyi den Wiener Portier zitiert, der über ihn abfällig urteilt, so wird er sich gewiß nicht wundern, wenn er sieht, was Charmatz in der „Hilfe“ (12. April) über ihn schreibt. Immerhin liest sich der Vortrag dieses geistvollsten Ungarn, wie man ihn preist, sehr behaglich. R. Musik für alle. Ullstein u. Co., Berlin. Das Heft 60 Heller. (Figaros Hochzeit.) Auch auf diesem Gebiete bewährt der bekannte Verlag seinen Geschmack. Die vorliegende illustrierte Auswahl ist aller Empfehlung wert. R; M. Sulzberger, The Am Ha — aretz. The ancient liebren Parlament. Philadelphia, 1910, Julius H. Greenstone. Eine geniale Idee, mit Scharfsinn und gründlicher Gelehrsamkeit verfochten, die den im politischen Leben unserer amerikanischen Glaubensbrüder so hervorragenden Führer auch als Förderer unser jüdischen Wissenschaft auf hohem Piedestal zeigt. R. „Die Ortsnamen im Deutschen, ihre Entwicklung und ihre Herkunft“ von Rudolf Kleinpaul. (Sammlung Göschen.). Göschen, Leipzig. Kleinpaul’ liefert in seinem neuen Werkchen eine geradezu unentbehrliche Handhabe für den geographischen Unterricht. Wie beschämt steht man vor all diesen Antworten auf Fragen, die doch so nahe liegen und so selten gestellt werden. The Jewish Review. Edited by Norman Bentwich an Dr. Joseph Hochmann. Contents: Editoral Notes: Palestinian Progress; L’infäme in Russin; The Passport! Question; Wanted a Chief Rabbi? — Achad Haram: Summa Summarum (translated £r°m the Hebrew by Leon Simon). — M. E. Lange: The Work of the Jews of England in Palestine. — A. S. Waldstein: The Development of Hebrew as a Modern Vernacular. — M. Brann: Present-Day Jewry

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