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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 330 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 20 Mit Rücksicht auf die grobe Armut der Schulkinder machte es .sich das Lokalkomitee zur Aufgabe, durch Sammlungen bei den besser situierten Bürgern des Ortes die Verabreichung von Tee und Semmeln vor Beginn des Unterrichtes an die ärmsten Kinder zu ermöglichen. OI e s k o. (Gegründet 1909.) Eigenartige Verhältnisse herrschen an diesem Orte, an Welchem wir trotz einer geringen Frequenz (14 Knaben in zwei Klassen und 16 Schüler im Abendkurse) im Interesse der armen jüdischen Bevölkerung die Schule mit einem beträchtlichen Kostcnaufwande (im Jahre 1911 3583 Kr.) erhalten nrüssen. Obwohl unser Schulleiter durch sein konZiliantes Auftreten sich selbst unter der chassidischen Bevölkerung allgemeine Wertschätzung erworben, hat der chassidische Rabbi den Kampf geg^n die Anstalt nicht ausgegeben. Er wählte die Taktik, am Anfang des Schuljahres durch seinen Diener den Ellern von Haus zu Haus sagen zu lassen, es sei sein Wunsch, dah sie, wenn sie schon ihren Kindern Elementarbildung vermitteln wollen, sie lieber in die nichtjüdische öffentliche Volksschule schicken. Der Zweck war, dah durch vorübergehende Einschreibungen der jüdischen Knaben in der öffentlichen Schule, welche bei der im Lande herrschenden laxen Anwendung des Schulzwanges den Unterricht doch nicht regelmäßig zu besuchen brauchen, die lleberflüssigkeit der Allianz-Schule erwiesen werde. Da nun die Tatsache, dah die jüdischen Kinder, von denen vor Begründung unserer Anstalt niemals auch nur ein einziges Elementarunterricht genoß, in größerer Anzahl in die Landesschule geschickt und dort gut behandelt werden, immerhin sehr erfreulich ist und als indirekter Erfolg unserer Agitation betrachtet werden konnte, so zogen wir bereits in Erwägung, unsere für eine kleine Anzahl von Schülern in Olesko verhältnismäßig zu kostspielige Schule nach einem anderen Orte zu verlegen, wo der Bestand derselben viel dringender wäre und sie eine bedeutend größere Frequenz hätte. Als aber unser Sekretär, Herr Dr. Kaminka, im Juni v. I. nach Olesko kam, um über eine eventuelle Uebernahme unserer Zöglinge in die öffentliche Schule und Verlegung der Anstalt Verhandlungen einzuleiten, wurde er von den Eltern mit der flehentlichen Bitte bestürmt, welche dann auch in einer offiziellen Eingabe an den Vorstand gerichtet wurde, sie im Kampfe gegen die Unwissenheit nicht zu verlassen und in die nicht ernst gemeinte vorläufige Agitation der Chassidim für die Landesschule kein Vertrauen zu setzen,- sobald die Allianz-Schule zurückgezogen werde, würde der eigentliche Zweck der Intervention des Rabbi erreicht sein und ebenso wie in früheren Jahren kein jüdischer Knabe irgend einen öffentlichen Unterricht genießen. Da wir feststellten, daß tatsächlich dieser Hintergedanke die Schulgegner leitet und daß unsere Anstalt während der zwei Jahre ihres Bestehens, abgesehen von den eigentlichen Unterrichtserfolgen, sehr viel zur Verbreitung des Sinnes für moderne Erziehung und hygienische Lebensweise unter der jüdischen Bevölkerung beigetragcn hat, ferner durch den Abendkurs einer immer größeren Anzahl von jungen Leuten Gelegenheit gibt, sich nachträglich Elementarkenntnisse anzueignen, so entschlossen wir uns, die Schule unter allen Umständen weiter zu erhalten. Am 10. Juli fand in Gegenwart von Delegierten des Ortsschulrates die Schlußprüfung statt. Die von der Schulleitung erzielten Erfolge werden auch vom k. k. Bezirksschulinspektor Herrn Riedzwiecki anläßlich einer Inspektion am 27. März im Visitationsbuch huch hervorgehoben. Potok zloty. (Gegründet 1910.) Besonders günstig entwickelte sich unsere Schule an diesem Orte, wo sie einen wahren Segen für die Bevölkerung bildet und die Leistungen derselben begeisterte Anerkennung finden. lleber die Schlußprüfung berichtete der vom k. k. Bezirksschulrat zur Schlußprüfung delegierte Vertreter, Herr k. k. Bezirksrichter Johann Szneider, an den Bezirksschulrat in Buczacz: . . . „Die Schlußprüfung machte auf die Anwesenden einen großen Emdruck. insbesondere die musterhafte Ordnung und Reinlichkeit auf Schritt und Tritt. Der Schulsaal ist sauber erhalten, die Jugend reinlich und anständig gekleidet. Die Schüler antworteten vortrefflich und zur Sache. Diese wurden aus dem Religionsunterrichte, der polnischen und der deutschen Sprache, wie auch aus der Naturgeschichte (auf Grund der Wandbilder), dem Rechnen, Gesang und den Deklamationen und der Ethik geprüft. Sämtliche Gegenstände sind in der polnischen Sprache vorgetragen worden. Mit Nachdruck muß hervorgehoben werden, daß die von den ärmsten jüdischen Familien stammende Jugend binnen einem Jahre die polnisch: Sprache fehlerfrei erlernt hat. Es ist noch mehr zu bewundern, da die Kinder die polnische Sprache ausschließlich nur in der Schule hören und üben. Auch in der deutschen Sprache sind sehr gute Fortschritte zu verzeichnen. In religiöser und moralischer Hinsicht wird die Jugend sehr gut geführt: den Kindern die Liebe zu Gott und den Nächsten, eingeprägt. Der Schulleiter legt mehr Gewicht auf den Inhalt als auf die Form. Die Disziplin ist musterhaft. Der Schulleiter versteht mit den Kindern mild und sanft umzugehen. Die schriftlichen Arbeiten der Kinder sind sehr rein und sehr gut. Herr Samuel Schaber, Leiter dieser Schule, verstand seine mühevolle Arbeit zum richtigen Ziele zu lenken, und zwar: zur Hebung der wahren Kultur bei den Kindern; dieselben moralisch zu stärken; der Nation, mit der sie auf einem Boden leben, zu nähern; bei ihnen Vorliebe zur ehrlichen Arbeit zu wecken; dieselben zu nützlichen Bürgern des Landes und des Staates heranruziehen. Man kann also mit Recht hoffen, daß diese Schule, welche kaum ein Jahr besteht und schon so glänzende Ergebnisse aufzuweisewvermag, der si: besuch mden Jugend und der gesamten Ortsbevölkerung fortdauernd großen Nutzen bringen wird." Im Gegensatz zu den in Olesko zu bestehenden Kämpfen ist in Pötök zloty die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß auch ein Kind' des Ortsrabbiners zur Aufnahme angemeldet wurde. Die armen Kinder wurden mit Sommer- und Winteranzügen, sowie mit Wäsche und Beiträgen zur Anschaffung von Schuhen beteilt. (For.'fttzuag folgt.) lHom Aobrmarkr des Lebens. Oslar Strauß au Nathan Strauß. Der bei der „Titanic"-Katastrophe ums Leben gekommene Isidor Strauß war bekanntlich ein Bruder des gewesenen amerikanischen Handelsministers Oskar S. Strauß und des großen Philanthropen Nathan Strauß, welch letzterer gerade in den letzten Tagen während seines Aufenthaltes in Palästina daselbst große gemeinnützige Stiftungen errichtet hat. Nathan Strauß, der die amerikanische Regierung bei dem jüngst stattgehabten Hygienekongreß in Rom vertreten hatte, erfuhr die Nachricht von dem tragischen Ende seines Bruders und seiner Schwägerin auf der Rückreise in seine Heimat. Die Trauernachricht hat den guten Menschen so tief erschüttert, daß er aufs Krankenbett fiel. Als sein Bruder Oskar Strauß hievon erfuhr, sandte er seinem niedergebrochenen Bruder Nathan das folgende Kabeltelegramm : „Bruder, habe Mut! Isidor lebte wie ein Heiliger und starb wie ein Held!" Diese kurze und zutreffende Charakteristik des Verstorbene Isidor Strauß findet auch in der gesamten

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