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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Wochenschrift Seite 381 amerikanischen Presse ein freundliches Echo, und zahllos sind die 'Trauerkundgebungen und Beileidsäußerungen, welche der hartgeprüften Familie Strauß noch immer aus allen Weltteilen zukommen. Der Eindruck des englischen Protestes. Der in scharfen Worten gehaltene Protest der englischen öffentlichen Meinung gegen die Ritualmordhetze in Rußland hat in ganz England einen sehr guten Eindruck geübt. Die gesamte ernste englische Presse hat diesem wichtigen Dokumente einen hervorragenden Platz gewidmet, und mehrere große Blätter haben dieses mannhafte Auftreten gegen den mittelalterlichen Wahn in besonderen scharfen Leitartikeln gewürdigt. Selbst die offiziöse Westminster Gazette hat in einem scharfen Leitartikel gegen die Blutlüge, welche von den russischen Regierungskreisen als Mittel zur Verhetzung des Volkcs gegen die Juden angewendet wird, Stellung genommen. Der Manchester Guardian hat aus diesem Anlasse eine Spezialnummer herausgegeben, in welcher die ganze Lügenhaftigkeit der Beschuldigung dargetan wird. Desto auffallender und verachtungswürdiger erscheint die Haltung der „Times", welche nunmehr vollständig in russischen Diensten steht, und diese Abhängigkeit geht so weit, daß der Protest, der von den Chefredakteurcn sämtlicher groMn' Londoner Blätter gezeichnet ist, die Unterschrift des Redakteurs der „Times" vermissen läßt. Dieser Verwunderung hat auch das Mitglied des englischen Unterhauses. Mr. Stuart Samuel, in einem offenen Briefe an die „Times" Ausdruck gegeben, und wie tief die „Times" bereits gesunken sind, mag daraus zu ersehen sein, daß sie gewissermaßen als Antwort auf diesen Brief ein Schreiben des Londoner russischen Generalkonsuls veröffentlichen, in welchem dieser die Stirne hat, zuwonach die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken brauchen, nicht gegen das gesamte Judentum, sondern bloß gegen eine talmudische Sekte erhoben werde, zu welcher auch der des Mordes an dem Biewer Knaben Justschinski beschuldigte Jude Beiliß angeblich gehört. Und diese unerhörte Beschuldigung des russischen Konsuls wird in der „Times" ohne jeden Kommentar abgsdruckt. Die neuesten Werke drs Bildhauers Mofes Ezekiel. Der in Rom lebende jüdische Bildhauer Moses Ezekiel aus Amerika hat, wie römische Blätter berichten, soeben zwei Monumentalwerke entworfen, und zum Teile auch sertiggestellt. Fürbeide Arbeiten hat der Bildhauer die Aufträge von der amerikanischen Regierung erhalten. Es sind dies das Kriegerdenkmal, zum Andenken an die im Bürgerkrieg gefallenen Kämpfer der konföderierten Armee, und dann die große Statue für den Dichter Edgar Allan Poe. Beide Entwürfe, welche im Atelier des Künstlers ausgestellt sind, haben die Bewunderung sowohl der Auftraggeber als auch der Kunstwelt hervorgerufen. Die Tagesordnung der russisch-Mischm Emigrations- Konferenz. .Die von uns bereits angekündigte russisch-jüdische Emigrationskonferenz wird, wie wir einer Einladung der jüdischen Emigrationsgesellschaft in Petersburg entnehmen Jam 22., 23. und 24. Mai in Wilna stattfinden. Die Tagesordnung ist eine sehr große und reichhaltige und lautet wie folgt:: 1. Bericht über den Stand der Emigration in Rußland; 2, die Emigration in den einzelnen Gebieten Rußlands: 3. unmoralische Elemente in der jüdischen Einigration und die Mittel zur Abhilfe; 4. der Kampf gegen die Grenzagenten: 5. die Organisierung der Informationen aus den Einwanderungsländern; 6. Erleichterungen bei Erlangung ausländischer Pässe; 7. Unterhandlungen mit ausländischen Organisationen wegen Unterstützung der Emigranten beim Durchzuge durch ihre Länder; 8. Versicherung der Emigranten für den Fall eines Unglückes oder der Deportation: 9. Errichtung von Kursen zur Erlernung der englischen Sprache; 10. wie soll das Interesse der jüdischen Institutionen für das jüdische Emigrationswesen erweckt werden? 11. Gründung von Organen beziehungsweise Körperschaften. welch e diese Pläne verwirklichen sollen, und 12. Beschaffung der materiellen Mittel zur Regulierung der jüdischen Emigration. Das Bildungseramen für Einwanderer in Amerika. Aus Rewyork wird geschrieben: Der Senat hat dieser Tage einen Gesetzentwurf des Senators Lodge beschlossen, laut welchem in Zukunft keinem Einwanderer die Landung gestattet werden kann, wenn er nicht ein Bildungseramen, das hauptsächlich in der Kenntnis des Schreibens und Lesens in einer anerkannten Sprache zu bestehen haben wird, abgelegt hat. Die jüdische und hebräische Sprache werden in diesem Gesetze als vollgültige Sprache anerkannt. Interessant ist die Bestimmung des Gesetzes, daß jedem Einwanderer ein Blankett überreicht werden soll, auf welchem in den verschiedensten Sprachen Sätze aus der amerikanischen Konstitution gedruckt erscheinen, die jedoch nicht weniger als 20 und nicht mehr als 25 Worte ausmachen dürfen. Der Einwanderer gibt nun selber jene Sprache an. in welcher er eraminiert zu werden wünscht. Von der Prüfungspflicht sind laut dem Gesetze ausgeschlossen die Frau des Einwanderers. wenn gegen ihren moralischen Lebenswandel nichts vorliegt, die Kinder der Einwanderer unter 8 Jahren und die Eltern und Großeltern über 55 Jahre. Der Senat hat auch das Amendement des Senators Simons angenommen, wonach auch solche Einwanderer vom Eramen befreit werden, welche Nachweisen können, daß sie wegen religiöser Verfolgungen aus ihrer alten Heimat geflüchtet sind. Die Kopfsteuer wurde in dem Gesetze von vier auf fünf Dollar erhöht. Dieses Gesetz bedarf noch der Annahme durch den Kongreß und der Sanktionierung durch den Präsidenten. Korrespondenzen. Aus den Plenarsitzungen des Kultnsvorftandes vom 21. April, 5. und 12♦ Mai unter dem Borfitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Im Einlaufe befinden fich: An Spenden: Boa Herrn Leopold Klein. Wien, als Sammlungsergebnis zugunsten des Kaiser Franz Josef Jubiläums- Knabenwaisenkiauses (XIX.. Probusgasse 2) X 1174.— „ „ Direktor Alois Weishut für die israel. Armenanstalt anläßlich der Verehelichung seiner Tochter.* 1000.— „ „ Geheimen Justiz- und k. k. Reaierungrat Dr. Adolf Bachrach anläßlich des Ablebens seines Bruders Dr. Daniel Bachrach für Arme . „ 200.— „ „ Emanuel Ornstein, Baden, aus dem Nachlaße des Herrn Emil Ornstein Kleidungs- und Wäschestücke für Arme.

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