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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 388 Dr. Blochs Wochenschrist Nr. 20 Der in Ihren Händen befindliche reichhaltige Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr gibt Ihnen Zeugnis von der umfassenden Tätigkeit unseres dahingeschiedenen Präsidenten, denn nicht ein einziger Zweig, nicht eine einzige Gruppe in allen unseren Leistungen wurden ohne seinen maßgebenden Einfluß, ohne seine Mitwirkung, zumeist auch über seine Initiative geschaffen und kultiviert. Die Schule erfreute sich seiner besonderen Patronanz. Welche Schwierigkeiten den Schulgründungen in Galizien entgegenstanden und wie er den Schwierigkeiten gerade auf diesem Gebiete zu begegnen wußte, das können nur die Wenigen beurteilen, die Gelegenheit hatten, mit ihm zu arbeiten. Der Abwehr gegen Gewaltmaßregeln, deren Opfer unsere Glaubensbrüder sind, galt seine unausgesetzte, rastlose Tätigkeit. Ich selbst weiß aus eigener Erfahrung, wie oft er bei den Gewaltigen dieser Erde vorsprach, um dort Schutz zu suchen für seine Glaubensbrüder. Wie oft hatte ich ihn auf diesen Wegen begleitet und wie öfter noch hat er, einer raschen Eingebung seines Herzens folgend, allein solche Wege gemacht. Wenn ein Staatsmann, insbesonders aus jenen Staaten, welche in der Verfolgung unserer Glaubensbrüder eine besonders rühmliche, ihrem Lande förderliche Tat sehen, in unsere Stadt kam und David Ritter von Gutmann hievon erfuhr, so geschah es sicher, daß er, wenn möglich noch zur selben Stunde, bei diesem Manne erschien, um ihm das traurige Los unserer Brüder in beweglichen Worten zu schildern, ihm die auch für jenen Staat hieraus entspringende Schädigung, die wirtschaftlichen Nachteile, die Einbuße an Ehre und Vertrauen vorzuhalten. In letzterer Zeit, als wieder einmal die schandvolle Ritualmordlüge in einer neuerlichen Auslage in dem Kiewer Prozeß gegen den armen Juden Beilis auftauchte, stand auch er in der Reihe der Kämpfer gegen diese lügenhafte, abergläubische, schandvolle Anklage. Zn Oesterreich, in Deutschland, in Frankreich und England wurden flammende Proteste gegen die Blutmordbeschuldigung erhoben, Proteste, die von hunderten Männern: von den ersten Staatsmännern unserer Zeit, von Bischöfen und Erzbischöfen verschiedener christlicher Kirchen unterzeichnet wurden. Und so schwebte es mir vor, daß ich im Sinne des Dahingeschiedenen handle, als ich gegen die Behauptung, die ein russischer Würdenträger in einer in der „Times" veröffentlichten Zuschrift aufstellte, in welcher er von einer angeblich jüdischen Sekte sprach, die solche scheußliche Morde verübe, entschiedenst Stellung nahm und ganz offen in einer Zuschrift, welche gerade heute die hier aufliegende Nummer der „Times" bringt, erklärte, daß es eine solche Sekte nicht gibt und ntze gegeben hat, daß wir zur russischen Justiz kein Vertrauen haben, daß in jenem Prozesse die Spuren der wahren Mörder absichtlich nicht verfolgt werden, daß durch von der Regierung patronisierte Blätter eine Iudenhetze inszeniert werde etc. etc. Gewiß hätte er dieser Publikation seine volle Zustimmung gegeben. So innig war der Name des Dahingeschiedenen mit der Allianz verknüpft, daß wir uns dieselbe ohne seinen Namen nicht denken konnten, daß wir uns mit dem Gedanken trugen, mit dem im nächsten Jahre zu feiernden 40 jährigen Bestände der Allianz auch ihn gebührend zu feiern. Ein unerforschliches Geschick hat es zu unser Aller tiefer Trauer anders beschlossen, und wir beklagen heute den Verlust eines unserer Besten, eines in hervorragender Stellung befindlich gewesenen, führenden Glaubensbruders. Ich ersuche den Herrn Sekretär, die eingelaufenen Telegramme bekanntzugeben. (Sekretär Dr. Kaminkä verliest die Telegramme der Alliance isräelite universelle in Paris, welche mit ihrer Vertretung beim Leichenbegängnisse den Präsidenten Dr. Alfred Stern betraut, ferner die Telegramme des Hilfsvereines der deutschen Juden in Berlin, der Prager Filiale der Allianz, des Präsidenten der Prager Kultusgemeinde, Herrn Dr. Arnold Rosenbacher etc.) Allenthalben ist die Trauer groß über den schweren Verlust, den unsere Vereinigung, die Allianz,- den unsere Kultusgemelnde Wien, den die gesamte Iudenschaft 'erlitten hat. '; ■; :! i£; Es entspricht wohl dem Empfinden aller Anwesenden, daß wir heute in. schmerzlicher Erinnerung an den ausgezeichneten Mann, dessen irdische Hüffe auf der Bahre ruht, in eine weitere Beratung, in eine Erledigung unserer Tagesordnung nicht eingehen, sondern die heutige Sitzung mit dieser Trauerkundgebung, von welcher wir auch den Familienangehörigen des Dahingeschiedenen Kenntnis geben werden, schließen. Die Versammlung, welche die Rede des Präsidenten zum Zeichen der Trauer stehend angehört hat, stimmt einhellig zu. *!Ü * Zu einer imposanten Trauertundgebung hat sich die Leichenfeier gestaltet. Sie fand am 16. d. M. vormittag vom Trauerhause, Wieden, Schwindgasse 2, aus statt. Der Beginn, der Trauerfeier war für 11 Uhr angesetzt; doch schon eine Stunde vorher begann die Zufahrt der Leidtragenden. Rings um den Sarg, der in einem Salon im ersten Stock aufgebahrt war, nahmen die Mitglieder der Familie Aufstellung. Unter den übrigen Trauergästen waren zu sehen: die geheimen Räte Eisenbahnminister Dr. Zdenko Freiherr v. Förster, Statthalter Dr. Freiherr v. Bienerth, Philipp Graf Boos-Waldeck, Sektionschef Dr. Liharzik, Sektionschef Direktor der Nordbahn Dr. Freiherr v. Banhans, Landeshauptmann Heinrich Graf Larisch, Polizeipräsident Ritter v. Brzcsowsky, Sektionschef Freiherr v. Raymond, Generalsekretär der Oesterreichischungarischcn Bank Hofrat Dr. Pranger v. Rohoncz, Hofrat Doktor v. Teltscher, Hofrat Professor König, die Ministerialräte Sigismund Pilat, Z ffer, Dr. Mauthner und Altmann, Oberst Felix Graf Thun, Adalbert Graf Sternberg, Kommerzialrat Julius Singer, die Herrenhausmitglieder Hofrat Freiherr v. Sochor und Hugo v. Not, der deutsche Konsul Dr. Ritter v. Vivenot und Gemahlin, der Präsident der israelit. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und Hofrat Räppaport, die Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Professor Dr. Ehrmann, S. Brod, Dr. Jakob Engel, Moritz B. Eisler, Gemeinderäte Max Frank und Architekt Melcher, Architekt Gärtner, Dr. Halpern, Emanuel Hoffmann, Ernst Hirsch, Moritz Edler von Kuffner, Wilhelm Kuffner, Karl Lemberger, Professor Dr. Josef Pollak, Dr. Heinrich Schreiber, Samuel Steiner, kaiserl. Rat Jonas Weil, Alois Weishut und Max Zierner, dann der erste Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, die Bethausvorstände Karl Freund, Theodor Kohn und S. A. Wasservogel, der Rektor der Israelitisch-theologischen Anstalt Dr. Schwarz mit dem Professorenkollegium, das Rabbinatskollegium und die Rabbiner der israelitischen Gotteshäuser in Wien, der Rabbiner der türkisch-israelitischen Gemeinde Papo, weiter Robert Freiherr v. Biedermann, Heinrich Freiherr v. Königswarter, Landtagsabgeördneter Dr. Philipp v. Gomperz, Verwaltungsrat Dr. Hans v. Mauthner, der Präsident des Israelitischen Humanitätsvereines B'nai B'rith, Wien, Richard Petschek, der Präsident des Israelitischen Humanitätsvereines B'nai B'rith „Eintracht" Direktor Alexander Hecht mit dem Protokollsekretär Dr. Alfred Grünbaum, als Vertreter der Poliklinik Direktor Hofrat Professor Dr. v. Reüß, Regierungsrat Professor Dr. Mauthner, Dozent Dr. Nobl, Dr. Hamburger und Dr. Kaufmann, als Vertreter der Israelitischen Allianz in Wien Vizepräsident Dr. Artur Kuranda, Generalrat Klein, kaiserl. Rat Leopold v. Sachs und Prokurist Richard Bettelheim sowie Sekretär Dr. Kaminka, außerdem Hofrat Dr. Schlag, Regierungsrat Stukart und Gemahlin, Vinzenz Miller v. Aichholz, die Regierungsräte Dr. Frankfurter und Bezecny, die Oberlandesgerichtsräte Dr. Spitzkopf und Dr. Lö'wner, Oberbaurat Streit. Universitätsprofessor Doktor Benedikt, Direktor des Israelitischen Blindeninstituts Heller, der Präsident der Lemberg-Czernowitz-Jassy-Bahn v. Ziffer, Direktor Kaizl, der Präsident der Anglo-österreichischen Bank Morawitz, Präsident Wollheim, Dr. Paul Cohn, der Prokurist des Bankhauses S. M. v. Rothschild Dr. Pollak, Vizegonverneurstellvertreter der Oesterreichisch-ungarischen Bank v. Lieben, der Präsident der Handels- und Gewerbekammer Pollack v. Parnegg, der Vizepräsident der Advokatenkammer Dr. Freiherr v. Mayr, -Truchseß Edler v. Hoefft, der Mzegouvern'eur der Bodenkrcditanstalt Julius Herz,die Bankdirektoren Kux, Otto Wiedmann, Blum, Popper, Dr. Hammerschlag nnd Beutl, der Direktor der Versicherungsgesellschaft gegen Einbruch Dub, der Direktorstellvertreter der Länderbank Stephan v. Galatti, die kaiserlichen Räte Duschnitz,' Steinhübl, Arnold, Fröhlich,

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