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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 . Dr. Blochs Wochenschrift Seite 32? Zahlreiche Fabrikanten und Kaufleute. welche in den Straßen am Osten ihre Karriere als arme Emigranten begonnen haben, wohnen heute in der 5. Avenue oder in anderen vornehmen aristokratischen Gegenden und haben das große Wort auf der Börse und auf dem Weltmarkt oder stehen Fabriken vor, welche Tausende Arbeiter beschäftigen. In die von ihnen geräumten Plätze in den Oststraßen rückten andere nach, auf der gleichen Bahn. Wir finden Juden als Mitglieder der verschiedenen politischen Parteien in den Zweigen staatlicher wie städtischer Verwaltung in verantwortlichen Stellungen. Sie sitzen auf der Richter bank und wirken in den Gesetzgebungen der Einzel st aalen. Als der berühmteste Führer des Nordens im Bürgerkrieg. General Grant, als Gast in Cincinnati erschien, wurde Rabbi Lilienthal für die Aufgabe erkoren, ihn im Namen der Stadt zu begrüßen. Dr. Jakobi war jahrelang Präsident der medizinischen Hochschule in Newyork, die Großstadt Cincinnati hatte einen jüdischen Bürgermeister, F l e i s ch m a n n. In der Unterrichtskommission der Stadt Newyork sitzt Josef Baron de ß als einflußreicher Schulkommissär. Eine große Anzahl der männlichen Schulkräfte sind Juden. Von 10,000 Lehrerinnen in Groß-Newyork sind nicht weniger als 70% Jüdinnen. Samstag ist für sämtliche Schulen der Stadt Newyork ein schulfreier Tag. In dem Mädchenschulen findet Haushaltungsunterricht statt: die Schülerinnen werden in der Kochkunst unterwiesen und die jüdischen Schülerinnen über die Führung der jüdischen Küche belehrt. In dem Departement für Volksbelehrung, in der Unterrichtsorganisation der Stadt Newyork ist Dr. Henri Leipziger der Chef. Die Stadt Newyork veranstaltet volkstümliche Universitätskurse. Neben englischen Vorträgen werden auch solche in jüdischer Sprache veranstaltet, und zwar speziell in jenen Straßen der Stadt, welche vorzüglich von den Emigranten bewohnt werden. In den Monaten Oktober, November und Dezember letzten Jahres sind im Aufträge der Stadtschulverwaltung gegen 46 Fachkurse abgehalten worden. Die Vorträge behandelten: Literatur, Drama, Statistik, Geschichte, Volkskunde, Bürgerkunde, Hygiene. Arbeitsverhältnisse in den verschiedensten Städten, nützliche Professionen. (Forts-tzung folpt.) David Ritter v. G«tma«<r f. A ODy "1 T3Y1 blb TH TP Motto: Und David war in allen seinen Wegen ein leuchtender Geist und Verstand, und Gott war mit ihm. Mit diesem heiligen Bibelworte ergreife ich als 92jähriger Greis, selbst ans Krankenbett gefesselt, in tiefster Trauer die Feder, um dem hochbedeutsamen Manne, dessen unerwarteter Tod in den weitesten Kreisen tiefe Teilnahme wachrufen wird und mit dem mich eine mehr als 50jährige Freundschaft verband, Worte aufrichtigen Gedenkens zu widmen. Es erscheint mir erwähnenswert, daß ich seinem vor 17 Jahren im Tode vorangegangenen unvergeßlichen Bruder Wilhelm fast an demselben Tage in diesem Blatte den mir aus vollem Herzen kommenden Nachruf veröffentlichte. Ein Bild rührender, brüderlicher Liebe verband diese beiden Brüder im Leben: nicht nur in den-großen weltbedeutenden, industriellen Schöpfungen hatten sie fast ein halbes Jahrhundert in gemeinsamer Arbeit zusammengewirkt, auch auf dem Gebiets der Humanität hatten sie in harmonischer Eintracht, beseelt von den Traditionen ihres hochgehaltenen Glaubens, Großes geleistet. Der Philanthropische Verein, das Waisenhaus in Döbling, das Rudolfinerhaus, die Erweiterung der Poliklinik durch ein Kinderspital für 50 Patienten, das Siechenhaus in Krems, die Stiftung für den israelitischen Handwerkerverein, die zwei großen Lehrstätten. das Bet-Ha-Midrasch und die Israelitisch-theologische Lehranstalt, die letzte große Spitalsstiftung von 3 Millionen, nicht minder die in ihrer Vaterstadt Leipnir gegründeten Stiftungen für jüdische und christliche Arme zeugen von der hervorragenden Auffassung der Pflichten, die ihnen ihr Herz und ihr Besitz diktierten. Erzogen von einem patriarchalisch frommen und talmudisch gelehrten Vater, in seiner Jugend selbst Jünger des berühmten Leipniker Rabbiners Salomon Quetsch, hat der Verblichene durch reiche Belesenheit und gründliche Literaturkenntnis sich einen hohen Grad von Bildung angeeignet. Erfüllt von tiefster Religiösität, war er aber auch zugleich ein für Fortschritt und Aufklärung glühender Geist. Als Präsident der Jsr. Allianz, der großen Baron Hirsch-Stiftung und des jüdischen Waisen-, Hauses war er zu allen Zeiten bestrebt, für die politische Besserstellung, wie für die sittliche und geistige Hebung seiner Stammes- und Glaubensgenossen zu sorgen und eine große Reihe von Aktionen zur Linderung des Schicksals seiner Glaubensbrüder im Osten verdanken Feiner Initiative ihre Entstehung. Zu seinen edelsten Charakterrügen gehörte seine warme Anhänglichkeit an Blutsverwandte. In hochherziger Weise hat er für dieselben gesorgt, ihnen Stellungen und Existenz gegründet. Ein besonderes Herz hatte er für seine Beamten und Arbeiter, für deren Alter, wie für ihre Witwen und Waisen er in väterlicher Fürsorge bedacht war. So ist mit David v. Gutmann wieder ein guter Mensch, ein hervorragender Geist, ein glaubenstreuer Bruder von uns geschieden, ein schwerer Verlust für seine Familie, für die Gemeinde, in der er gewirkt, für alle seine Stammesgenossen, die in schweren Zeiten nie vergebens an fein seelengutes Herz appellierten. Möge die allgemeine Trauer um den Dahingegangenen seiner hochverehrten Familie zum Tröste gereichen, möge ihm die Erde leicht sein. Wir werden den edlen, hochherzigen Menschen nie vergessen. Wien, 15. Mai 1912. Rabbiner Dr. Abraham Adolf Schmie dl. Gedenkrede auf David Ritter von Gutmann, gehalten von Hrrrn Dr. Alfred Stern, Präsidenten der Jsraeltti'chen Kuiturftemeinde und Vizepräsidenten der Israelitischen Allianz zmWren m der Generalversammlung der Jsraelitischen^AManz zu'Wien am 15. Mai 1912. Mit tief schmerzlicher Ergriffenheit eröffne ich heute die rechtzeitig einberufene und so zahlreich besuchte 39. Generalversammlung der Israel. Allianz zu Wien, denn der Mann, der als einer der Gründer der Allianz in dem in Ihren Händen befindlichen Jahresberichte erscheint, der während der 39 Jahre ihres Bestehens im Vorstände derselben, seit 23 Jahren als ihr Präsident fungierte. David Ritter von Gutmann, liegt auf der Bahre. Und von 27 Gründern der Allianz im Jahre 1873, welche auf die Zahl don 5 zu Beginn dieser Woche zusammengeschmolzen war. sind heute nur mehr vier am Leben.

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