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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 326 Nr. 20 Dr Blochs Wochenschrift sacher leicht finden, der sie energisch Lügen straft. Das ist weder die freisinnige Volkspartei, noch sind es die Sozialdemokraten, sondern die eherne Weltgeschichte, deren Würde noch höher ist als die eines Generals der Infanterie. Auf allen ihren Blättern trägt diese Geschichte zuhauf die Namen von Juden, die mit ihrem Blute das Fundament des Vaterlandes haben kitten helfen und deren letzter Seufzer der lauteste Protest war gegen alle späteren antisemitischen Verleumdungen und albernen Lügen. Ein deutscher Kriegsminister und seine Offiziere sollten das eigentlich wissen. Sie wollen nur keine Kenntnis haben von diesen Tatsachen und stellen den Wortlaut einer Ahlwardtrede über den Wortlaut des Gesetzes. Die deutschen Juden aber sollten ihren militärischen Widersachern eine Antwort geben, eine Antwort aus Ziffern. Die Geschichte der letzten preußischen Kriege müßte dem 'Kriegsminister .groß und breit entgegengehalten werden, in welcher Juden mit dem Tode dafür zeugten, daß sie wert seien, in ihrem Vaterlands ein Leben ohne Schimpf zu führen. Ci« Krsuch keim Urm-Uorker Judentum. Zweiter Vortrag, gehalten in der Plenarversammlung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus am am 2. Mai 1912 von Dr. Josef S. Bloch. Der Schriftsteller Kurt Aram wurde von der Redaktion der in Leipzig erscheinenden Familienzeitschrift die „Gartenlaube" zu einer Jnkognitoreise nach Amerika entsendet, und er publizierte seine Erlebnisse als Emigrant in den letzten Wochen des vorigen Jahres unter dem Titel „Mittellos nach Amerika". Er reiste als Zwischendeckpassagier mit allerlei Volk zusammen, natürlich auch mit Juden, und er schildert das Verhalten der Reisenden beim Sichtbarwerden des amerikanischen Kontinents: „Die Erregung stieg. Wo blieb die „Statue der Freiheit", das Symbol so vieler Hoffnungen und Wünsche. Man sah sich die Augen nach ihr aus. Endlich wurde sie sichtbar. Aller Augen hingen an ihr. Niemand sprach ein Wort. Da schrie .plötzlich mitten in die feierliche Stille hinein ein Jude mit ekstatischer Stimme, die sich vor grenzenloser Leidenschaftlichkeit überschlug: „Amerika, ich. küsse deinen Boden!" Es ging durch Mark und Bein." Wie ein Kommentar zu dieser Episode liest sich Minikers „Pear Book" 1912, S. 69: „Seitdem Juden in der Diaspora weilen, haben sie noch niemals in einem Lande gewohnt, wie die Vereinigten Staaten, wo sie volle Rechtsgleichheit genießen und wo 95 % unserer Brüder sich ehrenhaft und anständig ernähren. Tausende arme Emigranten, die mit wenigen Cents in der Tasche gelandet sind, verfügen heute über hohen Wohlstand, viele über Reichtümer." 95 % der Juden in Amerika ernähren sich ehrenhaft und anständig, aber 85 »/o der Beerdigungen aus den jüdischen Friedhöfen Wiens finden gratis statt. lleber die Entwicklung der Juden in Amerika habe ich versucht, statistische Ziffern zu erlangen, was aus einem begreiflichen Grunde schwer ist. In den Vereinigten Staaten findet alle zehn Jahre eine Volkszählung statt, allein das Glaubensbekenntnis der Bürger wird nicht ersichtlich gemacht. Man zählt die Menschen, man frägt niemand nach Religion. Die erste Statistik über Juden in Amerika hat 1818 ein berühmter Jurist und Diplomat M. Emanuel Noe ausgenommen. Damals waren in den Vereinigten Staaten ca. 3000 jüdische Seelen; nach der Volkszählung von 1820 zählte die Gesamtbeoölkerung 9,000,000, also ein Drittel Proz., Juden. Aus dem Jahre 1826 existiert eine statistische Notiz nach einer Berechnung ^des Eisig S. Harbi, daß die damalige Anzahl der Juden auf 6000 Seelen sich belief, bei einer Bevölkerung von 12,000,000; das wäre so ziemlich 1/2 %. 1840 notiert ein amerikanischer Almanach15,000 Juden bei einer Einwohnerzahl von 17,000,000. Aus dem Jahre 1880 existiert eine Berechnung des Statistikers William Hackenberg: 230,257 jüdische Seelen bei einer Bevölkerung von 50,000,000. 1897 berechnet David Sulzberger die Anzahl der Juden Amerikas auf knapp eine Million; die Volkszählung von 1900 ergab eine Gesamtbevölkerung von 76 Millionen. Gegenwärtig berechnet Minikes I. B. die Zahl der Juden auf ca. 272—3 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von 90 Millionen. Newyork ist ein bewunderungswürdiges Zentrum der Arbeit, eine gewaltige Macht der Finanz, ein Körper von fabelhafter Ausdehnungsgeschwindigkeit, die kapitalistischste Stadt der Welt, ein menschenfressendes Ungeheuer mit aller Mechanik der Neuzeit, gefühllos, hart, ohne Sentimentalität, und dennoch hat sein Name einen Zauberllang für das Gemüt, die Newyorker schwärmen für ihre Heimatsstadt. Eine Statistik aus dem Jahre 1900 notiert in Newyork 8266 Fabriken der Kleiderbranche, die Nahezu ausschließlich Juden gehören. Sie beschäftigten Mmals mehr als 91,000 Menschen, produzierten jährlich Kleider für 240 Millionen Dollar, während im Gesamtgebiet der nordamerikanischen Staaten jährlich in der Kleiderbranche nur Werte von 311 Millionen Dollar produziert wurden. Jüdische Kaufleute und Arbeiter schaffen jährlich in Uhren und Juwelierartikeln Werte von 60 Millionen Dollar, Zigarren und Zigaretten und andere Tabaksorten für 40 Millionen Dollar, sie verkaufen Fleischwaren im Werte von 40 Millionen Dollar.Ihr Besitz <^n Grundeigentum in Newyork hät^ einen'' Werk von" 'ca.'" L00 Millionen Dollar. Sie haben zahlreiche neue Industrien geschaffen, weichen den Wohlstand der Stadt in ansehnlichstem Maße gesteigerl, sie in den .Mittelpunkt aller wirtschaftlichen Interessen der Nation gerückt haben. So lauten die statistischen Zusammenstellungen aus dem Jahre 1900. Eine Zusammenstellung aus dem Jahre 1910 notiert den Wert der in Newyork und Umgebung produzierten Kleid erartikel auf 700 Mill. Dollar — d. h. mit 25 Mill. Dollar mehr als alle Produktionen der Stahl- und Eisenindustrie in dem gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten. Die gesamte Goldproduktion Nordamerikas und Alaskas betrug 1910 100 Millionen Dollar. Die Kleiderindustrie Newyorks allein über traf sie siebenfach. Die gesamte Weizenproduktion des nordamerikanischen Freistaates erreichte 1910 die Ziffer von 600 Mill. Dollar. Die Kleiderindustrie von Newyork allein wiegt die gesamte Weizenindustrie auf. Beinahe alle Glaser, alle Tischler, alle Zimmermaler sind Juden. Juden leiten den allergrößten Teil aller Vergnügungslokale, aller Theater und Opern; der größte Teil des En-gros-Handels und ein bedeutender Teil des Detailgeschäftes wird von Juden besorgt. Von Advokaten und Aerzten nicht zu reden. Die Straßen auf der Ostseite Newyorks, welche meistens von jüdischen Emigranten bewohnt werden, erfuhren in den letzten Jahren große Veränderungen. Ganze Straßsnteile, welche früher Wohnzwecken dienten, sind heute Fabriken gewidmet, wo große Industrien betrieben werden, deren Erzeugnisse nach allen Landesteilen Amerikas zur Versendung gelangen. Man sieht dort große Bankhäuser mit riesigem Vermögen entstehen, jüdische Banken, die über 10 und 20 Millionen Dollar herrschen, aber Samstag gesperrt sind, wie z. V. die beiden großen Jarmolowskyschen Banken.

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