Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 321 100,000 Dollars gedeckt. Von diesen Einnahmen wird ein Teil zur Tilgung einer vom Waisenhaus ausgegebenen Anleihe verwendet, und zur Vermehrung des Vereinsvermögens, das gegenwärtig 890,000 Dollars beträgt, denn die überreich fliehenden Spenden an Nahrungsmitteln, Meldung rc. ermöglichen dies, wie denn ein einziger Newyorker Frauenverein 9000 Dollars jährlich zur Bekleidung hergibt. Die Spender von Geld und Gaben sind über ganz Amerika verteilt, während sonst die Newyorker Vereine meist nur auf Newyorker Spender angewiesen sind, und das kommt daher, weil sich unter den Spendern zahlreiche über alle Staaten verstreute ehemalige Schützlinge befinden. Gar viele haben einen Stiftplatz für immer (2500 Dollars), der ihren Namen trägt, oder von 1000 Dollars, der das Recht zur jährlichen Ausbildung eines Zöglings einräumt, gestiftet. oder Preise in Geld und silbernen und goldenen Uhren. Der Unterricht setzt sich zum Ziele, die Binder trotz der Abgeschlossenheit, die sogar nur fünfmal im Jahre einen Besuch von Verwandten erlaubt, für das Leben zu erziehen und hat auch die schönsten Früchte gezeitigt. Nicht nur physisch, denn der Anstaltsarzt Dr. Sanders führt genaue statistifcheTabellen durch Dezennien, die erweisen, dah während die Kinder beim Eintritt stets unter dem körperlichen Niveau der sonstigen jüdischen und christlichen Jugend stehen, sie dieselben beim Austritt fast immer überflügelt haben, geistig, indem 94 Prozent der Knaben, 96 der Mädchen in den öffentlichen Schulen jährlich durchkommen, ein für amerikanische, darin sehr schlecht bestellte Verhältnisse so enormer Prozentsatz, dah die oberste Schulbehörde des Staates sich informatorisch an das Waisenhaus gewendet hat und erfahren muhte, dah dies wohl der Vorklasse, welche das Waisenhaus ein Jahr vor Schulbeginn errichtet hat, und den Ferienkursen in den anderen Massen zuzuschreiben ist, wobei die Lehrer den Unterricht mit den ältesten Kindern teilen,- eine Mahregel von höchstem pädagogischen Wert. Ganz überraschend für amerikanische Verhältnisse selbst ist, wie schon oben erwähnt, der Prozentsatz der zur Wohlhabenheit gelangten Schüler. Kein Wunder, wenn wir z. B. die Bibliothek des Hauses an Regentagen besuchen und die Knaben mit männlichem Ernst über Zeitungen und Bücher vertieft finden oder ein Schülerkonzert anhören. So manierlich erzogene, so dem Mittelstand an Bildung und am Aeuhern angenäherte Knaben haben bei jeder Anstellung den Vorzug und die Newyorker Kaufmannswelt sucht sich daher mit Vorliebe aus dem Hause ihre Angestellten. Bei der Erziehung schwebt dem Hause bei Knaben und Mädchen ringest and en.ermahen hauptsächlich ein kaufmännischer, kein Handwerks- oder gelehrter Beruf vor, wenn auch besondere Talente nicht unterdrückt werden. Um die Leitung dieser Riesenanstalt zu bewältigen, muh sich der Vorstand in 12 Ausschüsse, eine Damen- und Juniorenliga, spalten, die wohl beide nirgends so am Platze sind, wie in der Kindersürsorge. Führt doch dieser Vorstand auch die Aufsicht über das halbe Tausend Kinder, die teils in Familien, teils bei ihren Müttern von dem Gelds der Anstalt untergebracht sind und besucht sie öfters im Jahre. Wahrlich, Arbeit g>enug für den gegenwärtigen Präsidenten, Herrn Louis Stern, und Grund genug, einen 7jährigen Turnus für Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft einzuführen, wodurch den Betreffenden Ruhepausen, den vielen Wohltätern Newyorks tätige Mitarbeit gegönnt wird. Bei keiner Barzmiwah, bei keinem Kindergeburtskag, bei keinem Kinderbegräbnis des wohlhabenden jüdischen Newyork fehlen Spenden für das Waisenhaus, seine Schulbataillone, eine kleine Armee, fehlen bei keinem Kinderfest mit ihrer Musikbande, und wieder ist es der Bürgermeister von Newyork mit seinen Aldermen, welche das Institut besuchen und an der gesetzlich festgelegten Dotation festhalten. Und so mögen auch in diesem, auf so streng religiöser Grundlage aufgebautm Hause dem amerikanischen Staate würdige Vollbürger erwachsen. E. Benedikt. Meratur. Die Erwerbung von 10,000 Bänden Judaica für dir Kongrehbibliothek in Washington. Wie aus Washington berichtet wird, hat die Direktion der grohen nationalen Kongrehbibliothek soeben die Verfügung getroffen, daß in der Bibliothek, welche eine der größten und reichhaltigsten der Welt ist, eine eigene große Abteilung für jüdische Literatur und Geschichte errichtet werde. Für diese Abteilung hat der Staat die aus 10,000 Bänden bestehende jüdische Privatbibliother des bekannten Schriftstellers und Reisenden Ephraim Reichardt, der gegenwärtig in Arlington wohnt, erworben. Diese Bibliothek umfaßt fast das gesamte Gebiet der jüdischen Literatur und aller ihrer Fächer. Die Werke sind in den verschiedensten Sprachen gedruckt. Die meisten wurden im Orient gedruckt und besitzen einen grohen Wert. In der Sammlung befinden sich auch ungefähr 500 Bünde, welche in Amerika gedruckt wurden, unter ihnen viele in jüdischer Sprache. Talmudprohen von Dr. S. Funk in Boskowitz. Göschen.) Der im Jahre '910 im Göscheu'scaru V> riag, Lei pH r, erschienenen „Die Entstehung des Talmuds'' aus der kundigen Hand Dl'.nk's schließen sieh in würdiger Weise die Talmudproben desselben Verfassers an. Der Talmud ist ein Duell, das viel angefeindet, aber viel zu wenig gelesen wird. Bannflüche werden gegen ihn .geschleudert:, Autodafes für ihn errichtet, was Wunder, wenn so viele falsche Friede darüber verbrei: et sind t Doch nicht nur \ou unseren Hasse, n wurde und wird dieses merkwürdige Buch falsch beurteilt, sondern auch viele Juden erblicken im Talmud nur den Inbogrifl aller Spitzfindigkeit, weil er ihnen ein mit mehr als sieben Siegeln verschlossenes Buch. Funks Talmudproben öffnen diese und belehren die Laienwelt eines Besseren. Die Auswahl ist mit viel Geschick und Geschmack getroffen, ln VIII Kapiteln führt uns Dunk von der Epoche der Soferim bis zur SchluUredaktion des Talmud durch liab Asehi. Kap. IX zeigt uns die llalacha in ihrer Entwicklung. Kap. X bis XXIL sind der Haggada in ihrer ganzen mannigfaltigen Schönheit gewidmet. So volkstümlich aber auch die Talmudproben, es zeigt sieh doch, daß sie von Gelehrtenhand geschrieben. Ich verweise hier nur auf die originelle und neue Aulfassung der Holle der Geheimnisse (trina fTma), die Funk in Miscnna Lhulliu 1.5 und 1 6 erblickt, weil diese ohne Erklärung des Traden:en unverständlich. Vergib dessen Anmerkung zu F 23 d;soll 22 d bedien)- Funks Taimudproben seien der jüdischen und mchtjüdisehen gebildeten Laienwelt bestens empfohlen, aber auch Gelehrte werden dabei auf ihre Rechnung kommen. Dr. F. Rieh. Heinschel. Zwei Reden, gehalten anUililich seines Amtsantrittes in Eisenstadt, vom Bezirksrabbiner Dr. Hermann Klein in Eisenstadt. Selbstverlag. Die zwei Reden, die der Eisenstädter Iiaw seiner altehrwürdigen Kehillah in Freundschaft und Verehrung gewidmet, verdienen es nicht nur gelesen sondern auch beherzigt zu werden. Hier spricht edle Begeisterung gepaart mit rührender Frömmigkeit. So kann nur ein Mann sprechen, der den Weg wandelt, den er den seiner Dührung Anvertrauten zeigt. Die Sprache ist gewählt, die Diktion vornehm und das Magidus ebenso modern als schön. Die zwei Reden bedeuten eine wertvolle Bereicherung der jüdischen Predigtliteratur. Wir hoffen, da3 der gelehrte Verfasser sein Vorhaben ausführt und seine Betrachtungen zu den 7 Trostessabbaten recht bald veröffentlicht; er wird dafür Anerkennung finden.. Dr. F. Rieh. Heinschel. „Nord und Süd" (Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Venagsanslalt v. S. Schottlaeuder, A.-G. Breslau-Leipzig, Preis pro Quartal 6 Mark). Inhalt: Der Herausgeber der Zeitschrift, Prof. Dr. Ludwig Stein, stellt eine Reihe von Aussprüchen führender englischer Politiker zusammen, die sämtlich dahin übereinstimmen, dali aufrichtig gute Beziehungen Englands zu Deutschland erwünscht seien. Als