Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022001--21139-3046216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 320 Dr. Vtochs Wochmschrift Nr. 19 Bild und widmete dasselbe Ihrer Hoheit der Herzogin von Hohenberg, Gattin des Thronfolger Seiner k. k. Hoheit des Erzherzogs Franz Ferdinand d'Este, die dasselbe mit bestem Dank anzunehmen geruhte. Uug.-Brod (Mähren). Im hiesigen jüdisch-literarischen Vereine „Choredh" wurde das heurige Sommersemester durch einen sehr gelungenen Vortrag des Herrn k. k. Steuerasststenten Tauber eröffnet. Der Redner sprach über: „Die moralische Stärke des Judentums." An der darauf folgenden lebhaften Diskussion beteiligten sich die Herren: jur. Jung. Carl Beck, B. Kohn, I. Schön. Der Vereinspräsident Herr I. Kourad dankte den zahlreichen Gästen für ihr Erscheinen und nahm zugleich Gelegenheit, den Obmann und Gründer des Vereines Herrn Rabbiner Dr. Jung anläßlich seines Scheidens als Oberrabbiner nach London der unwandelbaren Ergebenheit der Broder Jugend zu versichern. — Der Vorstand beabsichtigt, den Verein durch Berufung namhafter Gelehrter als Vortragende wieder auf die alte Höhe zu bringen. Feuilleton. Da» jiidischr flii-tischr Wmstuhaus i« DU«, Uork. Volle 88 Jahre besteht das ehrwürdige Waisenhaus und behauptet durch die Größe seines Vermögens und die Zahl der in ihm verpflegten Kinder noch immer den ersten Platz, obwohl ihm modernere Konkurrenten zugewachsen sind. Aber nicht altersschwach ist die ehrwürdige Stiftung, neu reorganisiert geht sie unbeirrt ihren Weg und mit amerikanischer Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse der rasch vorwärts schreitenden Gegenwart ist sie doch in vielen allzu radikalen Forderungen der neuesten Zeit hemmend entgegengetreten. Diese Stiftung stammt aus der Zeit, wo sie der einheimischen Judenheit allein dienen mußte, und so hat sie sich deren Bedürfnissen allein angepaßt gehabt. Angesichts des Zustromes aus Polen und Rußland hat sie sich, wenn auch ungern, mehr klerikalisieren müssen, wenn dieses Wort erlaubt ist, und endlich koschere Küche und mehr hebräischen Unterricht eingeführt. Sie hofft also jetzt auch die orthodoxeren Kreise zu gewinnen, die zu ihrem Leidwesen bis jetzt ihrer Förderung ferngeblieben sind. Wenn es auch den Statuten der im Jahre 1844 von dem Staate Newyork zur ^Staatsanstalt erhobenen Stiftung widerspricht, ist die Anstalt dem Zug der amerikanischen Waisenpflege gefolgt und verwendet Neuschenkungen nicht etwa zur Vergrößerung des Hauses, sondern zur Vermehrung des Fonds zur Unterbringung der ganz verwaisten Kinder in Privatfamilien, der Vaterwaisen bei ihren Müttern, in der richtigen Erkenntnis, daß die Stiftung den Kindern den ernährenden Vater leichter als die pflegende Mutter ersetzen kann. Stattlich ist freilich der Bau, der gegenwärtig 1176 Kinder, davon etwas über die Hälfte Knaben, beherbergt, darunter über 150, die von den Eltern verlassen sind. Im Nordosten Nerv-Ports, nicht zu weit von der See, wo sich die städtischen Lehranstalten und die katholischen großartigen Klostererziehungsanstalten befinden, steht an einer Kreuzung der Amsterdamer Avenue mit der 138. Straße ein burgartiger Bau im Tudorstil mit Ecktürmen und Uhrturm, 32 Fenster Front an den Breitseiten, rings von einem Vorgarten umgeben und mehrere Stock hoch, und würde uns noch mehr entzücken, wenn eine derartige Kasernierung, selbst in einem Prachtbau, modernen Prinzipien entspräche. In diesem Bau ist außerdem noch von der Stadt Newyork eine angesehene Volksschule gegen hohen Mietzins untergebracht, was für 888 Knaben und Mädchen den Vorteil hat, daß sie das Haus nicht verlassen müssen, um in die Schule zu gehen, aber doch auch den Nachteil einer neuen Massenansammlung von Kindern. Wenn trotzdem die gesundheitlichen Resultate glänzend sind, obwohl das Haus gerade die schwächeren Waisenkinder aufnimmt, und nur ein Drittel der Kinder von der Ferienkolonie aufs Land genommen werden kann, so muß man dies der in Europa ganz undenkbaren hygienischen Vorkehrung, der täglichen Inspizierung und dem Umstand zuschreiben, daß die. 106 Schulausflüge eben Schiffs auss lüge auf dem Meere sein können. Auch das Tagewerk ist, wie in allen englisch redenden Schulen, sehr vernünftig zwischen Sport und Lernen verteilt. Schon um 3/d6 Uhr werden die Kinder geweckt, um halb 7 Uhr müssen sie sich in der Synagoge gewaschen und angezogen einfinden, der Gottesdienst dauert eine Viertelstunde, daun Frühstück, bis ^9 Uhr müssen die Kinder, Knaben und Mädchen, ihre Betten und Zimmer machen, Kleider putzen. Ausbesserungsbedürftiges abliefern und Umtauschen, eine Viertelstunde dauert die Inspektion, wo jedes einzelne Kind auf Nettigkeit und Reinlichkeit geprüft wird, drei Viertelstunden bis 9 Uhr, Schulbeginn, wird gespielt, von 9—12 Uhr dauert der Unterricht, hierauf eine Viertelstunde Reinemachen, eine halbe Stunde das Mittagessen, darauf die Knaben 20 Minuten Spielzeit, die Mädchen Hausarbeit haben, von 1—3 ist wieder Schule, von 3—4 Spielzeit, von 4 bis halb 6 Uhr die Schule des Waisenhauses, worauf wieder bis 6 Uhr frei. 20 'Minuten sind jetzt dem Diner gewidmet, die kleineren Kinder gehen um 7 Uhr ins Bett, die Knaben haben frei, die Mädchen Hausarbeit, von 8 bis halb 10 Uhr ist die vergnügteste Zeit der Kinder, denn da verteilen sie sich in die sechs von ihnen gegründeten Klubs. Um 10 Uhr geht alles zu Bett, Am Freitag ist von 6 bis halb 7 Uhr Abendandacht ffn der Haussynagoge, dann durch eine Stunde ein von außenstehenden Kreisen abgehaltener, meist mit Lichtbildern ausgestatteter Vortrag. Am Samstag, wo jeder andere Unterricht ruht, haben die Knaben vormittags, die Mädchen nachmittags 3 Stunden Religionsunterricht, Gottesdienst für beide vormittags zwei Stunden. Am Sonntag wird gleichfalls kein Schulunterricht erteilt, doch ist es vormittags der Kochunterrichtstag für Mädchen, der militärische Drilltag für die Knaben, nachmittags werden Ausflüge unternommen, oder die Kinder von zahlreichen Theaterdirektionen zu Jugend- und Kinovorstellungen oder von dem Hebräischen Jungen Herren-Klub zu seinen Orchesterkonzerten geladen. Was wird nun in den zwei Stunden der Waisenhausschule an den vier ersten Wochentagen gelehrt? Der Unterricht ist in 6 halbe Stunden geteilt, Hebräisch, Handsertigkeitsunterricht, Turnen, Stenographie, militärisches Exerzieren, am Freitag Hebräisch und Chorgesang für Knaben und Mädchen gemeinsam, während für Mädchen die übrigen vier Schultage die UnLerrichtsgegenstände Sticken, Flicken, Schneidern, Stenographie, Kochen und ein wenig Hebräisch ist. Wie schon bemerkt, wird die Spielzeit meist zu Ausflügen an jedem dritten Tag benützt, wobei ebensolches Beisammensein von Knaben und Mädchen herrscht, wie bei den Mahlzeiten und dem Gottesdienst. Die Kinder verbleiben bis zum 16. Jahre im Hause, über 60 besuchen höhere Schulen, weitere 60 hat infolge ihrer Talente, die im Hause nicht gepflegt werden konnten, das Institut an andere Internate abgegeben. Drei Verwalterinnen, eine für das Haus, eine für das Notspital, eine für die Ferienkolonie, 7 Erzieherinnen und 4 Erzieher, 8 Religionslehrer und 12 Fachlehrer besorgen den Unterricht, alle unter Oberaufsicht des Direktors Sal. Löwenstein. Der Erziehung der Großen durch die Kleinen und der Kleinen durch die Großen wird der größte pädagogische Wert beigemessen, wie der starken Entwicklung der Schülerklubs. Die Einnahmen belaufen sich auf 431,574 Dollars, also über eine Million Gulden, und werden teils durch eine Staatssubvention von 167,539 Dollars, teils durch Mitgliedsbeiträge von über 63,000 Dollars, durch fluktuierende Einnahmen von über