Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 19 (10.5.1912)
- Date
- 1912-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 310 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 19 gelung res p. Einschränkung des Wanderbettels in Oesterreich Mitteilung gemacht. Diese Aktion hat im abgelaufenen Jahre weitere Fortschritte gemacht und es sind bereits die Statuten für die zu bildende Gesamtorganisalion, sowie für die einzelnen Kreisarmenkassen ausgearbeitet, so daß wir hoffen, die Organisation noch im Herbste des Jahres 1912 in Wirksamkeit treten lassen zu können. Auf einer Informationsreise, welche unser Sekretär durch die wichtigsten Gemeinden Böhmens unternommen hat, begegnete derselbe der einmütigen und freudigen Zustimmung zu dieser Reform. Die Zahl unserer Mitglieder hat auch im abgelaufenen Jahre einen Zuwachs erfahren, welcher den von unserem Sekretär und Leiter des Rechtsschutzbureaus gehaltenen erfo gleichen Werbevorträgen in Znaim, Iglau, Czaslau, Böhm.-Leipa, Prag, Aussig, Teplitz-Schönau, Brür, Komotau, Saaz, Marienbad, Eger, Pilsen, Strakonitz, Budweis, Tabor, Beneschau, Rakonitz, Schlau, Laun, Leitmeritz und Reichenberg, sowie der regelmäßigen Propaganda in Wien zu danken ist. 2m abgelaufenen Vereinsjahre sind der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" 465 Mitglieder neu bei-' getreten. Diesem Zuwachs steht ein Ausfall von 259 gegenüber, so daß sich unser Mitgliederstand derzeit auf 7963 beläuft. Im Berichtsjahre gingen 2215 Eeschäftsstücke ein, 2373 Geschäftsstücke aus. Für Propaganda, Kalender und Erpeditionen wurden 17,584 Briefe abgefertigt. Die Vereinsagenden wurden in 6 Vorstands- und 3 Präsidialsitzungen erledigt. Der „Unionkalender" hat im abgelaufenen Jahre einen Reinertrag von 2476.24 Kr. ergeben, gegen das Vorjahr ein Plus von 472.32 Kr. Ein erhebendes Fest beging die „Oesterreichisch-Israelitische Union" am 11. Dezember 1911 mit der Feier des 80. Geburtstages ihres Ehrenpräsidenten und vieljährigen Präsidenten, Herrn Sigmund Mayer. Aus diesem Anlasse fand im Festsaale des „Niederösterreichischen Gewerbevereines" eine glänzende Versammlung statt, bei welcher Herr Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofner die Festrede hielt und der Jubilar selbst die Versammlung durch eine von jugendlichem Feuer erfüllte Rede, in welcher er die Notwendigkeit unausgesetzten Kampfes für unsere Rechte betonte, erfreute. Mit Rücksicht aus sein hohes Alter hat Herr Sigmund Mayer schon unmittelbar nach der vorjährigen Generalversammlung dem Wunsche Ausdruck gegeben, von der Bürde des Präsidiums entlastet zu werden. Gr hat jedoch Wert darauf gelegt, als Vizepräsident noch weiterhin seine reichen Erfahrungen dem Verein dienstbar machen zu können. Da Herr Vizepräsident Dr. Ornstein infolge seiner gehäuften Berufsgeschäfte die Wahl zum Präsidenten ablehnte, fiel dieselbe auf Herrn Dr. I. Samuely, welcher nun seit Mai 1911 an der Spitze des Vereines steht. Am 30. Dezember sprach unser Präsident, Herr Dr. Samuely, in einer zahlreich besuchten Versammlung über die Regelung des Wanderbettels. Am 18. Jänner hielt Frau Müller-Rosen zweig im Saale des „Nieder österreichischen Gewerbevereines" einen überaus spannenden Vortrag über Palästina, welcher durch die Vorführung interessanter Lichtbilder belebt wurde. Nicht minderen Erfolg hatte der am 28. Februar im Festsaale der Wiener Kaufmannschaft gehaltene Vortrag des Herrn Josef Beck über seine Reisen in Algerien, Tunis und Marokko, bei welchem künstlerisch vollendete Aufnahmen in Lichtbildern vorgeführt wurden. Auch im verflossenen Jahre sind uns zahlreiche treue Mitglieder durch den Tod entrissen worden. Wir betrauern das Hinscherden der Herren: Dr. Sigmund Adler, H. Baumgarten, Lazar Bratmann, Josef Deutsch, Mar Ehrenreich, Isak Einhorn, Heinrich Fleißig, Sam. Fried, Leopold Friedmann, Leop. L. Frischauer, Dr. Alfred Glogau, David Glück, Ferdinand Goldschmidt, Moriz Groag, Dr. Alfred Guttmann, Wilhelm Hiller, H. Hochsinger, Edmund Hollitscher, Nathan Jerusalem, Hermann Kassowitz, Friedrich Kätscher, Dr. Heinrich Kohn, Adolf Knina, Wilhelm Krieger, Israel Kunke, Edmund Lenk, Bernhard Leszleny, Hermann Liebermann, Mar Mandl, Sigmund L. Mandl, Anselm Markus, Moses M. Mensch, Leopold Müller, Bernhard Pollak von Parnau, Adolf Popper, Chaim Raab, Sam. Rechert, Dr. Ignaz Carl, Jakob Schwarz, S. Seidl, Jos. Silbermark, Isidor Süß, Ignaz Scheck, Friedmann Schulhof, Emil Schwarz, Leopold Schwarz, Mar Stern, Julius Weinberger, Wilhelm Weiner, Moriz Zobel, sämtlich in Wien. Simon Augstein, Pilsen, Moriz Bauer, Deutschbrod, Philipp Beck, Pilsen, Sigmund Bloch, Soborten, Kam. Bochner, Bielitz, Moriz Duschenes, Marienbad, Ignaz Felir, M.-Ostrau, Phil. Förster, Privoz, Sigmund Fließ, Eolloredow, Heinrich Fürth, Pilsen, Ludwig Goldberger, Graz, Isak Goldfeld, Stanislau, Josef Hahn, Gablonz, Emil Hirsch, Proßnitz, Sigmund Kafka, Linz, Bernhard Kaufmann, Olmütz, Dr. Ignaz Lang, Piivoz, Adolf Löbl, Bodenbach, D. Mendl, Gablonz, Adalbert Pokorny, Iglau, Alois Pollak, König!. Weinberge, Karl Pollak, Prag, M. Rosner, Prag, Salo Rittermann, Bielitz, Mar Rothschild, Teplitz, Michael Rafael, Linz, Dr. Hugo Rappaport, Trautenau, Fritz Rindler, Veneschau, Sal. Schmied!, Chrast, H. Scharf, Colloredow, Dr. Jonas Schläfrig, Mistelbach, Hermann Schütz, Prag, Dr. David Seidl, Prerau, S. Spitzer, M.-Ostrau, Alois Stein, Taus, Josef Stiaßny, Deutschbrod, Josef Tritsch, Meran, Viktor Turnowsky, Iulienhof, Adolf Türk, Mähr.-Ostrau, Markus Unger, Strakonitz und Ludwig Willner, Teplitz. Die geehrte Generalversammlung hat sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben und wir bitten um die Ermächtigung, diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverleiben zu dürfen. Allen Mitarbeitern und Vertrauensmännern der „Oesterreichisch-Israelitischen Union", insbesondere den Abgeordneten Dr. Ofner und K u r a n d a, ferner den Vortragenden sprechen wir an dieser Stelle für deren stete Bereitwilligkeit, uns in der Ausübung des Rechtsschutzes zu unterstützen, den wärmsten Dank aus. Ebenso danken wir der Presse für die Förderung unserer Bestrebungen. Geehrte Generalversammlung! Als ein Kampfverein ist die „Oesterr.-Isr. Union" gegründet worden, und nur im steten, nie erlahmenden Kampfe um die staatsbürgerlichen Rechte unserer Glaubensbrüder und um die Ehre des Judentums liegt ihre EXistenzberechtigung. Es bedarf der Anspannung aller Kräfte, der freudigen Mitarbeit aller einzelnen Glieder unserer großen Glaubensgemeinschaft, um unsere Stellung in Staat und Gesellschaft zu behaupten, unsere Widersacher abzuwehren und die volle Gleichberechtigung, die für uns bisher nur auf dem Papiere stand, zu erringen. Zu dieser Mitarbeit aller rufen wir auf! Wir dürfen nicht rasten und nicht rosten, wir müssen geistig und physisch auch weiterhin für jene Kämpfe gewappnet sein, die uns zweifellos bevorstehen. Insbesondere aber müssen wir immer und immer wieder den Ruf erheben, daß unsere österreichischen Juden an materieller Opserwilligkeit nicht hinter ihren Glaubensbrüdern in anderen Ländern, und nicht hinter den anderen Nationen des eigenen Reiches zurückstehen. Nur wenn der Rechtsboden, auf welchem sich alle unsere religiösen und charitativen Institutionen entwickelt haben, unversehrt erhalten wird, können wir auch weiterhin diese Institutionen selbst erhalten. Das Beispiel anderer Völker möge für die österreichische Iudenschaft vorbildlich sein, unsere große Schutz- und Kampforganisation stets