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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-03 · 18 (3.5.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 298 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 18 litärbehörde 1000 kleine ärabische Brote und der englische Konsul 1200 Brote verteilen. Damit aber waren alle Vorräte erschöpft. Jetzt leiden diese Unglücklichen unter dem Hunger, und es gibt kein Mittel, ihnen zu Hilfe zu kommen. Das Geld, das unter sie verteilt wurde, ist wertlos, da die Mittel fehlen, 10,000 Kilo von Brot anzufertigen, die täglich nötig werden. Die Behörden sind eifrig beschäftigt, alle Maßregeln zu treffen, unk dieser schwierigen Situation zu begegnen. Ich bin heute durch die zahlreichen Gebäude des Palastes gestreift und habe mir die Räume angesehen, die den Unglücklichen zur Verfügung gestellt sind. Zu Hunderten wimmeln sie aneiMlndergehäuft in den großen Höfen, in den Gängen, in alten Magazinen, in Ställen, überall, wo auch nur der geringste Raum frei ist. Den erschreckendsten Anblick bietet aber die Menagerie. In einem großen Hofe, der an seinen vier Seiten mächtige eiserne Käfige enthält, sieht man neben einem Käfig, in dem zwei herrliche Löwen liegen, einen anderen Käfig, in dem fünfzig unglückliche Frauen ihre Kinder stillen, Ein großer Bär tanzt neben einem Käfig, in dem zehn Familien ihre Suppen kochen. Hier sieht man Panther und Tiger unruhig herumlausen, nebenan stecken ängstliche kleine Kinder ihre Köpfe durch die Eisenstäbe." Die Hilfsaktion. Rach einer dem Hilfsverein der deutschen Juden aus Fez zugegangenen Depesche sind infolge der Einäscherung des Judenviertels über 10,000 Personen obdachlos, außerdem sind etwa 5000 im Sultanspalast zusammengepfercht. Nach vorläufiger Schätzung beträgt die Zahl der Toten und Verwundeten weit über hundert. Angesichts des überaus großen Elends regt sich überall die Hilfstätigkeit. Unter anderem hat der Hilfsverein der deutschen Juden für die Linderung der ersten Not 20.000 Francs bereitgestellt. Sir Ernest Cassel spendete 500 Pfund Sterling. Nach dem Eintreffen genauerer Nachrichten werden weitere Mittel flüssig gemacht werden. Nach einer weiteren Meldung hat das Zentralkomitee der „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris zur vorvorläufigen Linderung der allergrößten Not den Betrag von 100,000 Francs nach Fez telegraphisch überwiesen. Vor allem sind Hilfsmittel nötig, um die Massen zunächst wieder in Wohnstätten unterzubringen. 34 Schwerverwundete sind in Krankenhäusern bisher untergebracht. Wie vom „Hilfsverein der deutschen Juden" ist auch auch von der „W i e n e r Israelitischen Allianz" eine große Hilfsaktion eingeleitet, um den Hungernden und Obdachlosen das Ällernotwendigste zur Ermöglichung der Existenz zu beschaffen. Korrespondenzen. Wim. Jüdischer Verein „Einheit", Volksspeisehalle, Wien, II., Malzgasse 12. (Generalversammlungsbericht.) Montag den 15. April fand im Talmud-Thorasaale die diesjährige Generalversammlung des jüdischen Vereins „Einheit" statt. Nachdem der Obmann, Herr Bernhard Hofbauer, die Versammlung eröffnet und seiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck verliehen hatte, begrüßte er Herrn Adolf Schramek, als Vertreter der Kultusgemeinde und israelitischen Armenanstalt, den Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift, Herrn Dr. I. S. Bloch. Herrn KomM.-Rat Rosenzweig vom humanitären Vereine „B'nai Vrith", Herrn Bernhard Schiff vom Bethausvereine „Adaß Jisroel", die Herren Philipp Nuß bäum und Bernhard Fellner von „Machsike Thora", Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Go Idstein von „Agudas Achim", Herrn Isidor Frommer von „Thora Ez Chaim" und die Herren Oberkantor S ch o r r und Müller. Ihr Fernbleiben haben entschuldigt: Herr Dr. Julius Ofner und Gemeinderat Schwarz-Hiller, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Fürst und Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Rosenmann: Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmiedl, der infolge seiner Rekonvaleszenz am Erscheinen verhindert ist, übermittelt dem Vereine durch Herrn Professor Antscherl die besten Wünsche und versichert die „Einheit" seiner Sympathien. Als erster Redner hebt Herr Vorsteher Schramek die Leistungen des Vereines hervor, den aufs kräftigste zu fördern er stets bestrebt sein werde: Herr Professor Antscherl gibt seiner Freude über die von der „Einheit" veranstalteten Sederabende Ausdruck, nennt diese und die „Einheitssukke" Wiener jüdische Sehenswürdigkeiten. Dem im Drucke vorliegenden Berichte ist zu entnehmen, daß die „Einheit" im Jahre 1911 von 322,646 Personen frequentiert war (uM 68,000 mehr als im Jahre 1910), demnach, wie der Bericht ganz richtig bemerkt, ein notwendiger Faktor für unsere minderbemittelten Glaubensgenossen geworden ist. Den Gesamteinnahmen von 147,144.18 Kronen stehen die Ausgaben von 146,377.96 gegenüber: das Küchendefizit beträgt 6783.34 Kr., d. h. der Verein hat ein tägliches Defizit von 18.54 Kr. zu decken. Der Berichterstatter appelliert auch an alle Gönner und Freunde, insbesondere an die jüdische Presse, welcher der Verein für ihre bisherige Förderung zu besonderem' Danke verpflichtet ist, des Vereines bei jeder Gelegenheit zu gedenken, nicht nur die Defizitsdeckung iM Auge zu behalten, sondern auch der „Einheit" die Erbauung eines eigenen Hauses zu ermöglichen, damit auch den vielen Tausenden, die in-, folge Raummangels der „Einheit" ferne'bleiben müssen,' in Zukunft eine gastliche Stätte, gute und billige Kost gewährt werden könne. Beim Punkte Statutenänderung wird der vom Schriftführer, Herrn Dr. K r e n b e r g e r, unterbreitete und nach lebhafter, sachlicher Debatte Modifizierte Antrag: den Verein „Jüdischer Verein Einheit, rituelle mensa academica judaica und Speisehallen" zu betiteln, einstimmig angenommen, ebenso der Antrag, die Zahl der Vorstände von 15 auf 21 zu erhöhen. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden sowohl die ausschridenden Vorstandsmitglieder, die Herren Simon Man heit, Adolf Fischer und Mar Hofbauex, als auch die Revisoren, die Herren Jakob F u ch s, Jakob Stern und Emil Kritzler per Akklamation Wiedergewählt. Beim Punkte Eventuelles wird der Antrag des Herrn Philipp Back, Taschensammelbüchsen in Umlauf zu setzen, einstimmig angenommen. Am Abend des 20. wurde in den Räumen des Vereines im Beisein Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Sigmund F ü r st den hochverdienten Porsländen Bernhard Hofbauer und Adolf Fischer in einer Festsitzung die von den Vorstandskollegen gewidmeten und von allen unterschriebenen, im Meisteratelier des Professors Rudolf Pick äußerst schön angefertigten Anerkennungsdiplome überreicht. Der erste Vorstandsstellvertreter, Herr Moriz F e l s e n b u r g, würdigte in sachlicher und eindrucksvoller Rede die Tätigkeit der ausgezeichneten Herren, worauf diese dankten und Herr Rabbiner Fürst und Dr. I. Reiniger ihre Glückwünsche aussprachen und die Tätigkeit der „Einheit" würdigten. An die Festsitzung schloß sich ein gemütliches Beisammensein, durch die Anwesenheit der Damen verschönt. Ein Majestätsgesuch. Wie bereits gemeldet wurde, hat die ungarische Grenzpolizei den seit Mehr als dreißig Jahren in der Ortschaft Felsö-Szinnever ansässigen Menasche Freilich ohne triftigen Grund ausgewiesen. Die Kinder Freilichs

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