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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-03 · 18 (3.5.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch« Wochenschrift Leite SS5 velt, der in Begleitung mehrerer Freunde gekommen war, würdigte in seiner Rede die Bedeutung des jüdischen Pessachfestes und führte dann aus, daß das Volk von Amerika heute gleichfalls unterdrückt werde, und zwar unterdrückt von einer Oligarchie der Reichen. Gerade in Pittsburg, der Stadt von Stahl und Eisen, erfasse ihn tiefe Wehmut darüber, daß das große Heer des arbeitenden Volkes, in welch em den jüdischen Arbeitern ein Ehrenplatz gebühre, nicht nur selbst seine Lebenssäfte, sondern sogar die Gesundheit der Binder der Bereicherung einer. Gruppe von mächtigen Reichen opfern müsse. Roosevelt gab die feierliche Erklärung ab. daß er nach wie vor in diesem ungleichen Kampfe auf Seite der Schwächeren, der Arbeiter, stehen werde. Er führe diesen Kampf hauptsächlich, was den Schutz der Kinder betrifft, nicht nur im Interesse der Kinder der arbeitenden Klasse, sondern vielleicht mehr noch im Interesse der Kinder der Reichen. Das jüdische Volk habe wohl stets eine große Lebensfähigkeit, eine bewunderungswürdige Vitalität gezeigt und auf diese Lebensenergie des jüdischen Arbeiters, auf das stets mächtig auflodernde Gerechtigkeitsgefühl der jüdischen Massen setze er in diesem' Kampfe gegen die Oligarchie der Reichen große Hoffnung. Juden in der Republik Panama. Einem Briefe, welchen die Newyorker Iewish Daily News aus Panama erhalten haben, entnehmen wir die Mitteilung, daß an den Arbeiten des Panamakanales sehr viele Juden, darunter auch russische Arbeiter, teilgenommen Haben. Juden — so schreibt der betreffende Korrespondent gibt es hier aus allen Weltteilen. Es gibt hier Juden aus Syrien, welche arabisch sprechen. Juden, deren ständige Wohnung auf den westindischen Inseln ist. besonders aus Jamaika, welche hier Handel treiben. Ebenso Juden aus Marokko. Spanien, Frankreich und Deutschland. Aber es gibt hier auch solche Juden, mit denen wir uns gar nicht verständigen können, da sie weder spanisch, noch hebräisch, noch eine der hier üblichen Sprachen sprechen. Die Lebensbedingungen sind hier durchaus nicht schlecht, zumindest aber nicht schlechter als in Newyork. Nathan Straus. Der bekannte Menschenfreund und amerikanische Millionär weilt zurzeit mit seiner Gattin in Heidelberg, wohin er sich nach Beendigung des Tuberkulosekongresfes in Rom begeben hatte. Die schreckliche Nachricht vom Tode seines Bruders Isidor Straus und dessen Frau aus Anlaß der „Titanic"-Katastrophe hatte er in Rom empfangen, wo ihm der internationale Kongreß noch am Tage vorher durch Ernennung zum Ehrenvorsitzenden eine große Freude bereitet hatte. Aus zahlreichen Kreisen der Heidelberger Bevölkerung wurden dem Philanthropen, der in Heidelberg noch durch frühere gemeinnützige Bestrebungen im Interesse der Volksgesundheit in bester Erinnerung steht, herzliche Sympathiekundgebungen zuteil. Vom! Grabmal Raheks. Man schreibt der „R. I. K." aus Jerusalem: Nathan Strauß hat bei seiner jü.ngsten Anwesenheit in Jerusalem ein größeres Grundstück nächst dem Grabmal Rahels erworben, um darauf späterhin eine Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu errichten. Cm Werk über jüdische Volkslieder. Im Verlage der International Library Publishing Company in Newyork erschien dieser Tage ein zweibändiges Werk in jüdischer Sprache von I. L. Kahan über die jüdischen Volkslieder in Polen und Littauen. Der Autor gibt in diesem' Werke eine eingehende Studie der jüdischen Volkslieder und der Volkspoesie und kommt zu dem Schlüsse, daß, obgleich die Lieder die verschiedensten Themen zum Vorwurfe haben, sie dennoch durchaus als Originallieder anzugeben seien. Die Liedersammlung weist zweifellos selbst in den modernsten Beispielen orientalische Anklänge auf. sei es. daß sie Liebeslieder, humoristische Lieder oder, wie wir es an zwei Beispielen sehen, Soldatenlieder" darftellen. Das Werk Kahans gewinnt besonders dadurch an Wert, weil es uns in die Psychologie der Juden in Polen und Littauen Einblick gewinnen läßt und uns über manches auftlärt. was besonders den westlichen Juden fremdartig erscheinen mag. Die Zerstörung des Iudenviertels in Fez. Ueber 150 Tote. — Die Hungersnot der 19.000. Ueber die Zerstörung-im Iudenviertel von Fez berichtet ausführlich der Korrespondent des ,,Matin": ..Beim Durchstreifen der verwüsteten Straßen der Mellah habe ich eine grauenhafte Mission gehabt, die mich an das erinnert, was ich beim Bombardement von Casablanca hatte sehen müssen. Während mehrerer Stunden bin ich durch eine verlassene, schweigende Stadt geschritten, die von Grund aus zerstört, fast vollständig in Trümmern liegt. Die große monumentale Straße, die durch das ganze Viertel geht, ist nur noch ein Haufen rauchender Trümmer. aus dem verkohlte Balken und zahllose Menschenglieder ausragen. Die ganze Mellah, die ungefähr 12,000 Einwohner hatte, ist geplündert worden. Jeder Gegenstand, auch der geringste und unscheinbarste, jedes Stück Möbel ist entzweigeschlagen, auch der armseligste Laden ist verwüstet. Alles, was zum Davonschleppen zu schwer war. ist an Ort und Stelle entzweigeschlagen worden. Man sieht nicht einen einzigen Bewohner mehr in diesem Viertel, das früher einen so lebhaften Verkehr zeigte. Alles ist wüst und zerstört in diesen einst so farbigen und lichtstrahlenden Straßen. Zweitausend Askarisoldaten haben drei Tage ununterbrochen geplündert, und man wird nie wissen, wie viele Bürger von Fez sich daran beteiligt haben. Fünfzig Leichen von Israeliten sind gefunden worden: mehr als die doppelte Zahl liegt noch unter der vier Meter hohen Schicht von Trümmern. In manchen Straßen steigt diese Trümmerschicht bis zur Höhe des ersten Stockwerkes an. Die Plünderung begann am 17. April um 2 Uhr nachmittags. Um diese Zeit wurden die Tore des Viertels geschlossen. Sie wurden dann mit Spaten und Beilen eingeschlagen. Ein mächtiger Strom von Barbaren stürzte hinein. Die entsetzten Bewohner des Iudenviertels beschworen die Meuterer. all ihr Hab und Gut zu nehmen, ihnen aber doch wenigstens das Leben zu lassen. Man antwortete ihnen: ..Heute wird nur geplündert: morgen kommen wir zurück, um euch zu töten." Zum Glück war kurze Zeit vorher ein neues Tor in der Ummauerung des Iudenviertels angebracht worden, ein Tor, das den Insassen eine direkte Verbindung mit der Straße von Darbibag gab. Durch diesen Ausgang gelang es vielen Bewohnern des Viertels zu entfliehen. Sobald der Sultan von den Schreckensszenen gehört hatte, ließ er eine der Türen seines Palastes, die nach der Mellah zu geht, öffnen und bot allen Flüchtigen seinen Schutz an. Mit Ausnahme von ein- bis zweihundert Unglücklichen, die während der Flucht in den Straßen niedergeschlagen wurden, befinden sich jetzt alle Juden in dem sicheren Schutz des Herrschers. Dem Sultan fiel nun die schwere Aufgabe zu. für diese 12,000 Menschen ausreichende Nahrung herbeizuschaffen. Muley Hafid ordnete an. daß alle Vorräte des Palastes den Hungernden zur Verfügung gestellt würden. Aber da auch dos nicht ausreichte, mußten alle Reserven und Provisionen an Konserven abgegeben werden, die für Muley Hafids Reise zurechtgestellt waren. So wurde der Hunger wenigstens einmal gestillt. Am nächsten Morgen ließ die französische Mi-

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