Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 18 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 294 Dr. Bloichs WochMchrift Nr. 18 auch nach dem Ausscheiden aus der Schule ceraue Sat tistik über die Gesundheit der gewesenen Schülerinnen. Von den 1733 Schülerinnen, welche die Anstalt zählte, stehen 1115 im Erwerbsleben und haben zusammen 744.328 Dollars verdient, durchschnittlich 47 Dollars im Monat,- der Verdienst schwankt von 6 -35 Dollars die Woche. Die Schule hat Einnahmen von 35,000 Dollars, denen Ausgaben von 48,000 Dollars im Jahre gegenüber stehen: zu einem Defizit kam es nicht, weil eine Theatervorstellung und der Verkauf der Arbeiten der Schülerinnen bei Delmonico, bekanntlich dem elegantesten Restaurant der Welt, das Manko gedeckt hat. Der Verein hat seine Generalversammlung in seinem Festsaal im Verein mit drei anderen hochangesehenen Vereinen elbgehalten, wobei jedem Vereine zur Ablegung seines Berichtes eine bestimmte Zeit gewährt wurde. Die Diskussion, die natürlich bei allen Vereinen nur ein Dank war, fand dann gemeinsam statt. Diese Einrichtung finde ich enorm praktisch und nachahmenswert: sie .erspart den offiziellen Vereinsvertretern und den Mitgliedern sehr viel Zeit, da ja selbst in dem /großen Newyork der Philanthropenkreis hür alle Vereine ziemlich der gleiche ist, er führt vielleicht den einzelnen Vereinen Mitglieder zu aus der Schar der Mitglieder des andern: er spornt aber auch insbesondere jeden einzelnen Verein an, ja nur die besten Resultate seinen Mitgliedern vorführen zu können, und ist für Wohltäter und Arbeiter eine mächtige Anregung. In der letzten Versammlung haben der kürzlich verunglückte Herr Strauh und seine .Gattin gesprochen, und wir ergreifen gerne diese Gelegenheit, um dieser heldenhaften Frau, die getan hat, was jedem von uns natürlich und als Pflicht erscheint, was aber nicht alle in dem Moment der Panik und Gefahr getan hätten, ein Wort der Bewunderung und Verehrung nachzurufen. Frau Strauh hat sich würdig den Heldinnen der jüdischen Geschichte angereiht, und es bleibt ein Stolz für uns, dah von allen Frauen, die auf dem Schiffe anwesend waren, nur eine, die einer so fälschlich als feige von ihren Gegnern verrufenen Rasse angehörte, von den Bestimmungen des Seerechtes nicht Gebrauch gemacht hat, eines Rechtes, das mir überhaupt im Zeitalter der Gleichberechtigung unwürdig scheint, von den Frauen akzeptiert zu werden. So haben wir auch diese Schule nicht besucht, ohne reiche Belehrung und Anregung für Europa, ohne Befriedigung und Zuversicht für die Zukunft der Unsrigen jenseits des Wassers geschöpft zu haben. C. B ened ikt. Vom ZobrmarKt des Lebens. Eine neue Liga für Immigranten in Amerika. Auf Initiative des bekannten Newyorker Politikers Henry Green, Generaldirektor des National citizer Comitö, wurde dieser Tage die American Immigration und Distribution League (Amerikanische Liga für Einwanderung und Verteilung der Einwanderer) gegründet. Die Liga ist gleich bei ihrer Gründung von den einfluhreichsten Persönlichkeiten mit der gröhten Sympathie begrübt worden, wofür schon der Umstand spricht, dah ihr schon in den ersten Wochen die Gouverneure von 9 Staaten und die Bürgermeister von 20 grohen Städten, sowie Mitglieder des Kongresses und zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beigetreten Md. Die Liga ist wohl interkonfessionell, wird aber mit Rücksicht daraus, dah gerade der jüdische Auswanderer noch immer mit Vorliebe in die überfüllten Grohstädte und hauptsächlich nach Newyork wandert, um dort, in ungesunden Massenwohnungen fortzuvegetieren, auch dem jüdischen Einwanderer sehr zugute kommen. In der Eröffnungsversammlung hat Mr. Green ein 'erschreckendes Bild des Massenelends in diesen überfüllten Vierteln von Newyork und anderen Zentren entworfen, und auf die schädlichen Konsequenzen für Körper und Seele, die ein solches Leben für die Einwanderer und ihre Umgebung Haben müsse, hingewiesen. Grohen Eindruck machten besonders die Schlußsätze der Rede Mr. Greens, in denen er sagte: „Diese Leute sind Menschen, der Wunsch zu leben ist in ihnen so stark, wie in Ihnen oder in mir. Vor Gott haben sie dasselbe Recht zu leben wie wir. Amerika, ein freies Land, lädt den Einwanderer ein, hier sein Heim aufzuschlagen. Aber was tut es für ihn, nachdem er hergekommen ist? Nichts. Die Folge davon ist, dah die Einwanderer die grohen Städte überfüllen, in Schwitzbuden und Fabriken sich abrackern, während Millionen von Ackerlandes, das kultiviert werden könnte, brach darniederliegen. Ich habe die Ueberzeugung, dah der Einwanderer, dem unter einem blauen Himmel und Sonnenschein Beschäftigung gegeben werden könnte, mit der Aussicht, dah er eines Tages ein kleines Haus sein eigen nennen kann, ein viel besserer Bürger werden müsse, als einer, der fein Leben in der Erschöpfung seiner Kräfte angekettet an eine bestimmte Beschäftigung in irgend einer dunklen, dunstigen Höhle der Großstadt verbringt. Und weil ich hievon überzeugt bin und weil ich glaube, dah dies die einzige praktische Lösung des gröhten Problems, das Amerika hat, ist, deshalb lade ich Sie ein, diese Liga ins Leben zu rufen." Von der Liga langte bei der „Oesterr. Wochenschrift" nachstehendes Schreiben ein: „Herrn Dr. Bloch, Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien. N e w - Y o r k, 13. April 1912. Sehr verehrter Herr Doktor! Die American Immigration und Distribution League ist gegründet worden und geht daran, die Arbeit behufs Ablenkung der Einwanderung von den grohen Städten nach jenen Staaten, in welchen noch große Areale unentwickelten Landes eristieren und welche bereit sind, den Ansiedlern Konzessionen zu Mächen, aufzunehmen. Als ein Funktionär einer Organisation, welche direkt an der Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Mitmenschen arbeitet und vielleicht indirekt die Milderung der Kongestion in den grohen Städten zum Hauptziel hat, wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dah ein Zusammenarbeiten Mit Ihrer Organisation und anderen ähnlichen Organisationen für beideTeile vonNutzenwäre. Die Liga hat eine Bewegung in Szene gesetzt, welche für die ganze amerikanische Nation von großer Wichtigkeit ist, sie trägt keinen konfessionellen Charakter, und zwar deshalb, weil wir zeigen wollen, dah wir über alles die Humanität stellen, und weil wir der Ueberzeugung Ausdruck geben wollen, dah das Blut in jedem Menschen dieselbe Farbe hat. Ich ersuche Sie nun. sehr geehrter Herr Dr. Bloch, die Ihnen befreundeten Organisationen in Newyork dahin zu instruieren, dah sie an diesem edlen Werke Mitarbeiten, welches von grohem Nutzen sowohl für uns als auch für die anderen Konfessionen sein und ein Denkmal für das Judentum bilden wird'. Ich erwarte von Ihnen ehebaldige Antwort und verbleibe Henry ©reen." Eine Rede Theodor Roostoelts beim Peffachgottesdienste. Am letzten Tage Pessach hielt Erpräsident Theodor Roosevelt in der Ez-Chajim-Synagoge in Pittsburg, deren Mitglieder hauptsächlich aus jüdischen Arbeitern bestehen, auf Einladung des^Rabbiners Rudolf I. Coffee eine sehr interessante Rede an die Versammelten. Der Tempel war aus diesem Anlässe festlich geschmückt. Roofe-